Gengenbach in alten Ansichten Band 1

Gengenbach in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Julius Roschach
Gemeente
:   Gengenbach
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3054-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Gengenbach in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Im e Städtle steht e Brunne s'iscti e Ritter obe druff Will's der Hergott mir vergunne, schau i lang noch zu em nuff ..

Gengenbach - einst freie Reichsstadt - liegt im schönen Kinzigtal, bekränzt von rebenbestandenen Hügeln und umgeben von den Bergen des Mittleren Schwarzwaldes. Die Anfänge der Stadt reichen zurück bis etwa 1 000 n.Ch., nachdem etwa um 725 n.Chr. durch den heiligen Pirmin daselbst eine Benediktiner Abtei gegründet worden war. Im 13. Jahrhundert entstanden die heute noch teilweise vorhandenen Befestigungsanlagen (Ringmauer, Türme und Tore). Im Jahre 1360 erhielt die Stadt durch Kaiser KarliV. die Rechte einer freien Reichsstadt. Sie entwickelte sich zu einer kleinstädtischen 'Handwerker- und Bauernrepublik', die allem Wandel der Zeiten ausgesetzt war. Zweimal wurde sie durch Brandschatzung nahezu vollständig zerstört, so 1643 im Dreißigjährigen Krieg und 1689 durch die Franzosen im Pfälzischen Erbfolgekrieg. Doch, getragen durch unbeugsamen Bürgerwillen erhob sie sich immer wieder aus Schutt und Asche zu neuem Blühen.

Durch den sogenannten 'Reichsdeputationshauptschluß' im Jahre 1803 verlor die Stadt ihre Reichs-

freiheit und wurde der Markgrafschaft Baden zugeschlagen. Zur gleichen Zeit ging sie der dazugehörenden Ortschaften Bermersbach, Ohlsbach, Reichenbach und Schwaibach verlustig. Die Einwohnerzahl betrug 1802 noch 4 134 Seelen, 1803 waren es dann nur noch 1 783 Bürger. Die Gemarkungsfläche ging von 7 345 Hektar auf 633 Hektar zurück. Ihres Umlandes beraubt, wurde ihr die wirtschaftliche Basis entzogen. Der wirtschaftliche Niedergang, auch durch äußere Einfluße bedingt (Kriegswirren, Hungersnot, 48er Revolutionjahre; viele wanderten nach Amerika aus) zwang die Stadt einen großen Teil des Grundbesitzes (Gebäude, Teile der Stadtrnauer, Zwinger, ja sogar Türme und Tore) zu veräußern, beziehungsweise mangels Geld für die Unterhaltung abreißen zu lassen. Nur langsam begann sich das wirtschaftliche Leben in der Stadt in der zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder zu entfalten. Gegen das Jahr 1860 wurde die Korrektion der Kinzig, ein unbändiger Schwarzwaldfluß, der jährlich mehr oder minder verheerend in der ganzen Breite der Talaue mäanderte, abgeschlossen. Dadurch konnte in der Folge wertvolles Gelände der intensiveren landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt werden. Ebenso bedeutend und als Voraussetzung für die Ansiedlung von Industrie (Pappenfabrik, Malzfabrik, Sägewerk) folgte dann der Bau der Schwarz-

waldbahn in den Jahren 1864-1866, die Gengenbach an das Eisenbahnnetz anschloß. Die durch Sparsarnkeit und Zielstrebigkeit sich auszeichnende Stadtverwaltung schuf die Voraussetzung für die Durchführung bedeutender infrastruktureller Maßnahmen, ohne die ein wirtschaftlicher Aufstieg der Stadt nicht möglich gewesen wäre. So konnten in den Jahren bis 1914 die städtische Wasserversorgung, die zentrale Kanalisation, eine neue Volksschule und ein neuer Kindergarten gebaut werden. Auch die grundlegende, damals sicherlich aufsehenerregende Innenrenovation der Stadt - beziehungsweise früheren Abteikirche fällt in diese Zeit.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden auch die ersten fotografischen Aufnahmen von der Stadt. Die seinerzeit vorhandenen Buchbindermeistergeschäfte befaßten sich, nachdem von dem Franzosen Daguerre, der durch seine Daguerreotypien bekannt geworden war, in den Jahren 1840-1845 die technischen Voraussetzungen geschaffen hat, mit der Fotografie im Bereich Familie, wie auch Motive der Stadt Gengenbach. Es waren dies J.N. Schöndienst und Sohn und Buchbindermeister J. Berger, dessen Betneb heute noch im gleichen Farnilienbesitz ist. Durch deren fotografische Tätigkeit ist es unter anderem heute möglich über Bilder zu verfügen, die

uns zeigen 'wie es damals war'. Beim Betrachten dieser Aufnahmen wird deutlich, daß im Gesamten gesehen glücklicherweise das historisch gewachsene Stadtbild erhalten blieb.

Es war immer ein besonderes Anliegen der Stadt den Altstadtbezirk mit seinen Straßen und Gassen, den anmutigen Fachwerkhäusern, Ringrnauer, Toren und Türmen zu erhalten und zu pflegen. Im Trachten danach wurden schon recht früh denkmalpflegerische Verordnungen und Maßnahmen getroffen, die den Bestand und die Erhaltung der historischen Gebäuden und Aulagen sicherten.

Die meisten wiedergegebenen Originalfotos konnten in dankenswerter Weise dem Archiv Buchbindermeister R. Berger und dem städtischen Archiv entnommen werden, hinzu kam eine Fülle von alten Fotos aus Privatbesitz. Mögen sie alle eindrucksvoll bestätigen, daß für Gengenbach schon damals gegolten hat, was auch heute noch gilt:

In dem Städtle isch. gut lebe,

alte Gasse, junge Rebe,

do gibts gar kei andre Wahl:

min Gengebach im Ktnzigtall (Gengenbacher Lied v.P.u.B.Schaaf)

1. Die Neujahrs-Glückwunschkarte aus dem Jahr 1908 zeigt das am Fuß der Schwarzwaldberge gelegene Gengenbach. Reich an in Jahrhunderten gewachsenem Brauchtum und Tradition, an weitgehend erhaltenen Mauern, Türmen und Toren ist die Stadt eingebettet in der Talaue der Kinzig. Markante Bauwerke, Kirche mit Klostergebäude (um 1900 Präparandenschule), das stolze Rathaus, der wehrhafte Niggelturm und die weithin sichtbare St. Jakobskapelle auf dem Bergle bestimmen das erhaltengebliebene mittelalterliche Stadtbild.

2. Gengenbach vom Bergle aus gesehen, eine Ansichtskarte aus dem Jahr 1894, zeigt die Ostansicht der Stadt. Noch ist die Bebauung wenig über die durch die mittelalterliche Ringrnauer bedingte Begrenzung und über die alten Vorstädte Leutkirch, Oberdorf und Brückenhäuser hinaus gewachsen. Lediglich hat sich im Westen, wo die Ansiedlung der Industrie, Malzfabrik (rechts im Hintergrund) und Pappenfabrik erfolgte, die Bebauung ausgedehnt. Links im Vordergrund stehen Reben, wie sie damals an den Hangen im Süden, Osten und Norden der Stadt bereits angebaut waren. Im Hintergrund dehnt sich die weite fruchtbare Talaue der Kinzig aus, umsäurnt von tannenbestandenen Wäldern.

3. Der Anblick von Südosten auf die Stadt, ebenfalls im Jahr 1894 aufgenornrnen, zeigt unter anderem den Klosterkomplex, die ehernalige Abteikirche, den Klosterhauptbau, und die Nebengebäude.

Die im Jahre 1864-1866 gebante Eisenbahnlinie Offcnburg-Konstanz, die Schwarzwaldbahn, ist zu diesem Zeitpunkt noch eingleisig. Die Landstraße nach Schwaibach führt direkt nach der Kinzigbrücke, wo die Pappeln stehen nach Osten, und überquert die Bahn erst in Höhe des heutigen Hauses Claassen. Dieser Bahnübergang ist heute nicht mehr vorhanden. Das Wiesengelände im Vordergrund, die Schneckenmatte, heute Parkanlage, schließt sich an die damals vorhandenen Gärten entlang der Stadtmauer an.

4. Ein Gesamtbild der Stadt Gengenbach von Südwesten, aus dem Jahr 1894, zeigt die reizende Lage zwischen der Kinzig und den Schwarzwaldbergen. Im Hintergrund die rund 800 Meter hohe Moos; auf ihrem Kamm verläuft die Gemarkungsgrenze. Der Name der Stadt läßt sich nicht exakt deuten. Einmal soll früher der Haigerachbach, der bei der Stadt in die Kinzig mündet, der Gengenbach geheißen haben und dem entsprechend der Siedlung den Namen gegeben haben. Andererseits soll es ein keltischer Gott 'Gengi' gegeben haben, so daß der Name keltischen Ursprungs sein könnte. Sicher ist, daß die Besiedlung des Tales an dieser Stelle nicht erst mit der Klostergründung im 8. Jahrhundert erfolgte, sondern bereits zur Zeit der Kelten Ansiedlungen vorhanden waren. Mit Bestimmtheit steht fest, daß eine römische Siedlung hier vorhanden war. Alte und neuerliche Funde bestätigen dies. Eine feste Rörnerstraße durchzog das Kinzigtal, welche das römische Hauptlager Straßburg mit dem römischen Lager Rottweil verband.

5. Bliek über die Kinzigbrücke nach der Vorstadt Brückenhäuser. Die Aufnahme entstand um das Jahr 1894. Die Schwarzwaldbahn ist noch eingleisig, der Bahnübergang ist noch nicht mit sogenannten Schranken, sondern mit Schrankentoren versehen, wie man sie heute noch in Frankreich sehen kann. Die Straße nach Schwaibach zweigt links bei den Pappeln ab. Die Flößerkapelle steht rechts der Straße (heute links). Bei den Pappeln haben früher die Flosse auf der Kinzig auf dem Weg nach Straßburg, oder gar nach Holland festgernacht, um den Zoll zu entrichten, und mit Nahrungsmittel versorgt zu werden.

6. Die Hauptstraße zum Obertorturm hin, ein Bliek der sich etwa 1890 und früher dort bot, zeigt linker Hand im Vordergrund den Röhrbrunnen mit dem Ritterstandbild, rechts einen kleinen Brunnen vor der ehemaligen Bäckerei Ernst, jetzt Dreher, Noch gibt es keine Bürgersteige oder sogenannte Trottoirs. Über die respektable Breite hinweg war die Straße gepflastert. Durch die totale Zerstörung (Brandschatzung im Dreißigjährigen Krieg zum ersten Mal und 1689 durch die Franzosen zum zweiten Mal) blieb kaum ein Haus in der Stadt stehen. Beim Wiederaufbau nach 1689 wurde die große, breite sternförmige Hauptstraße in der heutigen Form angelegt. Die angrenzenden Häuser sind mit wenigen Ausnahmen in ihrer damaligen Gestaltung erhalten geblieben.

7. Bliek in die Hauptstraße nach Westen zum Niggelturm hin. Eine Aufnahme um 1885, wie sie sich mit wenigen Ausnahmen heute noch dar bietet. Ganz links das Kauf- und Kornhaus, in dem früher auch Theater gespielt wurde. Das Gasthaus 'Schwarzer Adler-Black Eagle-Aigle Noire', das älteste Gasthans in Gengenbach, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht umgebaut, ebenso hat der 'Badische Hof' auf der linken Straßenseite noch seine zweistöckige Gestalt.

8. Oben: eine Aufnahme um 1885 zeigt die Hauptstraße in Richtung Kinzigtorturm, rechts das Haus Löwenberg, in dem früher die Familie von Bender wohnte. Diese Familie, eine etwa seit dem 15. Jahrhundert alteingesessene Gengenbacher Familie, hat mehrere bekannte Heerführer in der kaiserlich-königlich österreichischen Armee gestellt. Heute ist das Haus irn städtischen Besitz und birgt das Heirnatmuseum. Auf der linken Hälfte der Straße verläuft das sogenannte Stadtbächle, ein Gewässer, das vom Haigerachbach abzweigend durch das Obertor führend, am Rathaus vorbei in Richtung Kinzigtorturm zur Kinzig fließt.

Unten: Bliek vom Kinzigtor her in die Hauptstraße um das Jahr 1885. Im Vordergrund sind links und rechts der Straße zwei Brunnen zu sehen. Der eine ein Flügelpumpbrunnen, der andere ein Lauf- oder Röhrenbrunnen. In der Stadt gab es zwölf Brunnen, die der Wasserversorgung für die Bevölkerung dienten. Soweit es sich nicht um Laufbrunnen handelte, deren gab es wenige, waren es sogenannte rundgemauerte Ziehbrunnen mit einem Sandsteinsockel von 1,80 bis 2,00 Metern Durchmesser, mit Schöpfeirner am Seil. Diese Brunnen reichten bis ins Grundwasser und waren naturgemäß einer großen Verschmutzungsgefahr ausgesetzt. Sie wurden 1806 in Flügelpumpbrunnen umgebaut. Mit der Errichtung der zentralen Wasserversorgung (1899-1901) sind alle Brunnen entfernt worden.

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