Gerolstein in alten Ansichten

Gerolstein in alten Ansichten

Auteur
:   Josef P. Böffgen
Gemeente
:   Gerolstein
Provincie
:   Rheinland-Pfalz
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-0911-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Gerolstein in alten Ansichten'

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59. Römische Legionäre waren es, die vor zweitausend Jahren die Heilkraft der Gerolsteiner Quellen entdeckten. Die äußerliche Anwendung des Wassers bewahrte sie vor Wundbrand. Im 'Siddinger Dreis' am Westrand der Stadt wurden zahlreiche römische Münzen gefunden, die die Legionäre aus Dankbarkeit in den Brunnen warfen. Am Ostrand ist es der 'Schloss-Brunnen Gerolstein', der auf eine lange Tradition zurückblicken kann. Ein 'Exposé' über diesen artesischen Mineralbrunnen sagt, daß er schon im 13. Jahrhundert bekannt war und zahlreiche ärztliche Gutachten aus Europa und Amerika empfehlen schon 1908 und 1910 sein Wasser nicht nur als 'angenehmes Getränk und Tafelwasser', sondern auch als 'Heilfaktor von besonderer Wirksamkeit'.

60. Herr Bouchée muß ein weitbliekender Mann und ein guter Kaufmann gewesen sein. Er wollte schon Gerolstein zur Kur- und Badestadt machen. So erwarb er das Gelände der späteren 'Bouchée's Anlagen' mit der Hansa- und Charlottenquelle bis zum Mühlenwäldchen. Hier baute er seinen Hansa-Sprudel aus. Das Türmchen der Werksgebäude war schon 1910 ein kleines Wahrzeichen der Stadt im Kylltale. 1976 wurde es abgerissen. Schon in den zwanziger Jahren hatte die Stadt das ganze Gelände auf Drängen des weitsichtigen Rektor Dohm zum damals horrenden Preise von dreihunderttausend Mark erworben. Heute ist dort der repräsentative Brunnenplatz und das im Bau befindliche neue Rathaus.

Aufnahme B. Westerhausen.

61. In der Besatzungszeit nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte der 'passive Widerstand'. Die Besatzungsmacht übernahm die Eisenbahn in eigene Regie - die 'Regiebahn'. Eisenbahner, die den Dienst verweigerten, wurden ausgewiesen. Am Morgen des IS. Juli 1923 waren alle Höhen von Gerolstein und alle Ausgänge der Stadt von Spahis besetzt. Einhundertfünfzig Familienväter wurden mit Peitschen und aufgepflanztem Bajonett aus den Häusern geholt, mußten vierundzwanzig bis achtundvierzig Stunden im Cochemer Tunnel verbringen, die Familien wurden mit vierzig Kilogramm Handgepäck auf Leiterwagen in das unbesetzte Gebiet gebracht. 45% der Bevölkerung war ausgewiesen, darunter der ganze Stadtrat. Gott sei Dank ist das Erbfeind-Denken inzwischen einer deutsch-französischen Freundschaft gewichen.

Aufnahme aufdem Gerolsteiner Bahnhof 1923.

62. Mit einem Aufzug der Vereine duren die Stadt wurden 1924 die 'Elmarspiele' eröffnet. Es war ein Ereignis, an dem alle teilnahmen, Im Voreergrund der Schützenverein, in Zivilkleidung, mit Arrnbinde - für Uniformen war man damals allergisch. Dahinter die Feuerwehr; diese war allerdings ohne Uniform nicht denkbar. Rechts die Ballustrade von 'Hotel Heek' (heute noch erhalten), gegenüber eine der drei Metzgereien May.

63. 'Gerolsteins Bürgerschaft hat einen hoch anzurechnenden Opfersinn bei seiner Felsenbühne bewiesen', schrieb eine Trierer Zeitung 1927. Initiator der Felsenspiele war Pastor Rader, ihre Durchführung lag in den Händen von Kaplan Freichel, Die katholische Jugend spielte zunächst im Saale Crump das Bühnenstück 'Elmar' nach Fr. W. Webers 'Dreizehnlinden', Es fand so großen Anklang, daß man sich zur Inszenierung auf einer Fretlichtbühne entschloß. Ideale Bedingungen waren dafür gegeben am Fuße der Felsen, unterhalb des Buchenlochs. 1924-1930 fanden an allen Sommersonntagen die Spiele 'Elmar', 'Genovefa', 'Andreas Hofer', 'Der Königsmörder' und 'Parzifal' statt. Das Bild zeigt die Bühne und die Spieler aus 'Andreas Hofer' mit Pastor Rader.

64. Der Glanzpunkt dieser Spiele blieb 'Elmar' (1924 und 1925). Hier einer der sächsischen Edelleute (Peter Horsch). Zweihundertfünfzig Spieler und zwanzig Pferde waren Sonntag für Sonntag auf der Bühne. Alle Hauptrollen waren doppelt besetzt. Wenn ich meinem Onkel Josef seine Mönchskutte zum 'Elmarplatz' (wie er heute noch heißt) trug, konnte ich gratis hineinschlüpfen und mich jeden Sonntag neu versetzen lassen in die Zeit der Christianisierung der Sachsen und in die zarte Liebe Elmars zu Hildegunde - die mir meine Knabenhosen nähte.

Foto Tapprich, Trier, 1924.

65. Güths Esel, ein stadtbekanntes Tier, war der 251. Spieler bei 'Elmar'. Wenn Fridolin, der Klosterdiener, ihn zu Beginn des dritten Aktes über die Bühne zog, sich auf eine Bank setzte und dann stöhnte: 'Daß dich das Mäuschen beißt, ist das heut heiß, ich schwitze Tropfen dick wie Taubeneier', dann gingen seine letzten Worte oft unter im Lachen der Zuschauer, denn nicht selten waren es Regenstatt Schweißtropfen, die seine Stirn netzten. Immerhin waren von den zweitausend Sitzplätzen eintausend überdacht.

66. Gerolstein hatte damals nicht die einzige Freilichtbühne in der Eifel. Es gab solche Spiele in Neuerburg, Kronenburg. Idesheim, die Tellspiele in Malberg und Shakespeare-Aufführungen in Wittlich. 1953 wurde ein Versuch zur Wiederbelebung gemacht aus Anlaß der Neuverleihung der Stadtrechte an Gerolstein. Beim Heimatspiel 'Der Speerwurf von Klaus Mark ließen sechzig Laienspieler die alte Gerolsteiner Sage über den Speerwurfvom Gerhardstein zur Munterley im Burghof der Löwenburg neu erstehen.

Bild: Szene aus 'Der Königsmörder' .

67. Schäfer Coßmann hatte seinen Schafstall an der Straße nach Bewingen. Dechant Weidert kam, um den Stall zu segnen. Da kehrte Herr Coßmann gerade heim mit seiner Herde. 'Das macht sich ja gut', meinte der Dechant, 'da haben wir ja den Hirten, die Herde und den Stall beisammen.' Und als er dann den Schäfer aufforderte, zum Segen seinen Hut abzusetzen, meinte dieser: 'Wenn Euer Segen nicht durch den Hut hindurch geht, dann sch ... ich Ihnen was drauf!'

68. Turnverein Gerolstein vor Hotel Maucher am Bahnhof. Die Baracken unter der Hustley waren im Ersten Weltkrieg als Lazarett errichtet worden, eine Art Hauptverbandplatz, das heißt Not- und Durchgangslazarett, in dem etwa zehn Ärzte Tag und Nacht im Einsatz waren. Als die Baracken für diesen Zweck nicht mehr gebraucht wurden, kaufte Apotheker Winter eine und stellte sie dem Turnverein als erste Turnhalle zur Verfügung. Sie wurde in der Lindenstraße aufgestellt. Die anderen dienten während der Besatzungszeit den Spahis als Wohnraum.

Aufnahme 1920.

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