Gersfeld in alten Ansichten

Gersfeld in alten Ansichten

Auteur
:   Gerhard Hartung
Gemeente
:   Gersfeld
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6545-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Gersfeld in alten Ansichten'

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Einleitung

Bis in die zweite Hälfte des 19. [ahrhunderts hatte die Rhön den Ruf eines Armenhauses, eines Gebirges, in dem Not, Elend und Hunger das Leben der Bewohner bestimmten, wo die 'Armut aus allen Löchern pfiff'. Die Bewohner galten als rückständig, die Rhön als unwirtliches Gebirge, in dem es neun Monate Winter sei und drei Monate kalt. Es war ein Verdienst des Rhönklubs, den Bürger 1876 in Gersfeld im Gasthaus 'Zurn Hirsch' gründeten, Vorurteile zu widerlegen und auf die besonderen Reize und die einzigartige Schönheit der Rhön aufmerksam zu machen.

Gersfeld wurde 1888 ans wachsende Eisenbahnnetz angeschlossen, was unermeßliche Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung und die Erreichbarkeit Gersfelds hatte. So war es nicht verwunderlich, daß Gersfeld durch seine bevorzugte Lage inmitten dieser Gebirgslandschaft von herber Schönheit und wunderbarer Vielfältigkeit zunehmend Wanderer, Naturfreunde und Sommerfrischler anzog; später folgten Wintersportler Segel-, Drachen- und Gleitschirmflieger, Flugmodellbauer, Anhänger von Kneipp, Erholung- und Gesundheitsuchende.

Der fast dörfliche Friede, die Weite der 'offenen Fernen', die weitverzweigten Wanderwege mit reizvollem Wechsel des Landschaftsbildes, die glückhafte Stille, die Würze der Luft, der Atem der Wälder, die geheimnisumwitterten Hochmoore: hier, am oberen Lauf der Fulda, am Ursprung quellfrischer Bäche, mußte

ein Luftkurort, ein Kneippheilbad entstehen. In Gersfeld, seit 1991 im Biosphärenreservat, werden naturgemäße Ganzheitsbehandlungen und Naturheilverfahren von mehreren Ärzten praktiziert. Durch Veranstaltungen unterschiedlichster Art, Vorträge und Gesundheitsseminare (Bachblüten, Feldenkrais, Reiki) ,Theater, Ausstellungen Chor-, Kirchen- und Orchesterkonzerte wird kulturelles Leben gepflegt. Die Gersfelder, die dem Fremdenverkehr viel verdanken, bieten alles auf, ihre Gäste zu verwöhnen.

Wie es in Gersfeld in der Zeit der 'alten Ansichten' war, können sich junge Leute nicht recht vorstellen. Ältere Gersfelder dagegen, Groß- und Urgroßeltern, werden sich an manches aus der Zeit von Anfang bis Mitte dieses Iahrhunderts erinnern: daß es bis in die zwanziger [ahre nur selten 'Kraftwagen' in Gersfeld zu sehen gab; daß Fuhrwerke, im Winter Schlitten, gezogen von pferden oder Kühen bis in die fünfziger [ahre das Straßenbild bestimmten. Die Kinder gingen noch in einklassige Dorfschulen, trugen 'Hölzerne', hatten wenig Freizeit, mußten im Haus und auf dem Feld arbeiten. Bis in die fünfziger [ahre gab es kaum Fernsehgeräte. Das erste Ereignis, das viele Gersfelder fernsahen, meist in Gastwirtschaften, war das Endspiel der Fußballweltmeisterschaft 19 S4.

Vor dieser Zeit, die für Jüngere schon Geschichte ist, hatte Gersfeld bereits eine vielhundertjährige Vergangenheit. Die durch

Dokumente belegte und verbürgte Geschichte beginnt im [ahre 1359. Die Gründung Gersfelds ist sicherlich früher erfolgt, denn 1359 erhielt Gersfeld von Kaiser Karl IV. das Recht, sich mit einer Stadtmauer zu befestigen. Gersfelds Geschicke waren jahrhundertelang verknüpft mit den Rittergeschlechtern der Schneeberger und Ebersberger. Die Ebersberger erwarben 1435 die Herrschaft Gersfeld und führten 1540 die Reformation ein. Oft genug waren Gersfeld und der 'Haderwald' Streitobjekt zwischen den mächtigen Kirchenfürsten von Würzburg und den Äbten von Fulda. 1785 trat der aus Frankreich vor der Revolution gef1üchtete Graf Montjoye die Nachfolge der Ebersberger durch Heirat der Erbtachter an. 1814 kam das Gebiet des späteren Kreises Gersfeld zu Bayern.

1848 kam es auch in Gersfeld zu Unruhen. 1866 kam Gersfeld an Preußen, 1867 wurde es königlich-preußische Kreisstadt. Ende des 19. [ahrhunderts hatte die Landwirtschaft in Gersfeld, vor allem durch Erfolge in der Milchviehzucht, großen Aufschwung genommen. Nach den beiden Weltkriegen gab es Geldentwertungen und wirtschaftliche Not. Während der Hitlerzeit wurde auch in Gersfeld die Synagoge zerstört; [uden, die nicht rechtzeitig ausgewandert waren, wurden in den Kriegsjahren 'abtransportiert'. Nach dem unvorstellbar schrecklichen Krieg von 1939 bis Mai 1945 kamen Flüchtlinge und Vertriebene aus Schlesien, Ostpreußen und dem Sudetenland in die

Rhön. Auch in Gersfeld fanden Vertriebene, meist aus dem Egerland, eine neue Heimat. Sie integrierten sich und halfen beim wirtschaftlichen Wiederaufbau nach dem verlorenen Krieg. Gersfeld kam mit dem Kreis Fulda, in den der Kreis Gersfeld 1932 eingegliedert worden war, nach US-amerikanischer Militärregierung zum neu gebildeten Bundesland Hessen, das unweit von Gersfeld an das sowjetisch besetzte Thüringen grenzte. Trotz dieser nahen, bis 1989 fast undurchdringlichen Grenze, einem Teil des 'Eisernen Vorhangs', nahm Gersfeld Anteil an der allgemeinen Aufwärtsentwicklung, am deutschen 'Wirtschaftswundcr'. Der Fremdenverkehr, die Land- und Forstwirtschaft, Handwerks- und Industriebetriebe und der Handel sind Träger eines gesunden Wirtschaftslebens des gastfreundlichen Rhönstädtchens Gersfeld, wo sich 'Fortschrirr und gute Tradition die Hand reichen' .

1 Der Besitzer der KronePost, des ältesten Gersfelder Gasthofes, schrieb in einem alten Prospekt: 'In den letzten [ahren hat sich ein wachsender Menschenstrom einem bisher stiefmütterlich behandelten und verkannten Gebirge zugewandt: der Rhön. Ein Dornröschen, das bis vor kurzem abseits der Zentren des Verkehrs lag und erst jetzt aus seinem Schlaf erwacht. Hier wurde das naheliegende Gute unberücksichtigt gelassen. Aber doppelt herrlich ist nun das schlummernde Königskind erwacht. Seine jungfräuliche Schönheit übt eine steigende Anziehungskraft aus aufTauristen, Rekonvaleszenten und Sportfreunde. Eines der schönsten der idyllischen Rhöntäler ist dasjenige von Gersfeld. Inmitten des Talkessels, gegen rauhe Nord- und

Ostwinde geschützt, breitet sich das Städtchen aus. Seine reine, staubfreie Höhenluft im Verein mit verhältnismäßig mildem Klima lassen den Ort ganz besonders geeignet zur Sommerfrische erscheinen.'

2 'Die zentrale Lage im Rhöngebirge macht Gersfeld vorzüglich geeignet als Ausgangspunkt für Wanderun gen. Badeanstalt sowie Badeeinrichtungen in Hotels geben Gelegenheit zu gesundheitsstärkenden kalten und warmen Bädern. Eine gut geleitete Molkerei liefert vorzügliche Milch, was eine Milchkur ermöglicht. Durch die günstigen Zugverbindungen können Reisende aus allen Teilen des deutschen Vaterlandes Gersfeld bequem erreichen und sich dann fernab vom Hasten und Treiben des Verkehrs in der Bergeinsamkeit erholen. Der Zweigverein des Rhönklubs, Vorstand Postverwalter [ohann Adam Röder, hat für die Sommergä-

ste Spaziergänge und Wanderungen zusammengestellt und an den Aussichtspunkten bequeme Ruhebänke aufgestellt.'

3 'Besuchern des freundlichen Städtchens Gersfeld sei der schon seit dem [ahre

1819 sich im Besitz der Familie Gutmann befindliche Gasthof zur Krone-Post für längeren oder kürzeren Aufenthalt empfohlen. Der Gasthof genießt ein weitverbreitetes Renommé, was Rückschlüsse auf die Zufriedenheit der Gäste erlaubt. Die anerkannt gute Küche, stets lebende Forellen, freundliche Gastzimmer, aufmerksame und zuvorkommende Bedienung und mäßige Preise machen die Besucher zum ständig wiederkehrenden Gast des Hauses. Der Besucher fühlt sich ungezwungen und behaglich, heimisch vom ersten Tage an. Mit herzlichem

"Frisch Auf!" Der Besitzer:

Hugo Gutmann, Gasthof zur Krone-Post.' Hugo Gutmann, Vater von Hans Gutmann und Ehrenbürgerin Elli Wilde, war ebenso wie sein Sohn stellvertretender Bürgermeister.

4 Wie aus derVogelperspektive oder wie aus einem von der Wasserkuppe gestarteten Flugzeug überblicken wir vom SimmeIsberg aus Gersfeld; dort wo sich das obere Fuldatal zu einem großen, tiefen Talkessel inmitten der hohen Rhön weitet. Rund um den Gersfelder Kessel, im Schutz der Berge und in Nebentälern liegen die Dörfer, die früher zur Herrschaft Gersfeld gehörten, und die nun, seit 1971/72, Stadtteile von Gersfeld sind. Wir sehen dort unten, im Fuldatal, am Pfortwasser, an der Stecheller und am Sparbroder Wasser die Talwiesen und an den Hängen die roten Sandsteinäcker und darüber den Bergwald, die trittweichen Matten, Borstgraswiesen und Hochmoore. Gersfeld liegt wie am Grunde einesAmphitheaters, in der Tiefe des Talkessels, zu beiden Seiten der

Fulda. Die Höfe, Weiler und Dörfer liegen meist eine Etage höher, dort wo es Hochquellen gibt, die zwischen dem tonigen Röt und dem grauschwarzen Basalt austreten.

5 Auf der Fliegeraufnahme (um 1928) erkennt man im Vordergrund, im Süden, die Bahnhofstraße mit dem markanten Bau des Hotels' Adler", [ahrzehnte Gersfelds führendes Haus. Am westlichen Rand ist die evangelische Kirche von 1785 nicht zu übersehen, auch nicht das Unterschloß (1740) im Schloßpark, unmittelbar oberhalb der Kirche. An der südöstlichen Ecke des Parks sind das Mittelschloß und im rechten Winkel dazu das Oberschloß zu erkennen. Senkrecht darüber gab es bis 1968 die Orangerie. Im Osten der Orangerie steht die 150jährige katholische Kirche. Zwischen den Schlössern und der Orangerie, in der ehemaligen Reithalle, ist die neue Stadthalle zu finden; mitten im Schloßpark in der schloßartigen 'Parkvilla' im Jugendstil die Klinik für naturgemäße

Ganzheitsbehandlung. 'Gersfeld wird auf passable Weise fertig mit vielerlei Gästen: Ein gar nicht so kleines Welttheater, am Fuß von Wasserkuppe, Himmeldunk, SimmeIsberg, Nalle und Eube.'

6 Gersfeld in alten Gemälden: Pedro Schmiegelow, akademischer Maler aus Hamburg, der 1916 die hübsche Tochter des Kreisausschußsekretärs Barthelmes beim preußischen Landrat des Kreises Gersfeld heiratete, malte Gersfeld aus allen Himmelsrichtungen und zu allen [ahreszeiten. Seine künstlerische Liebe galt fortan der Rhön, deren herbe Schönheit Schmiegelow in vielen Bildern farbenfroh gestaltete. Seine Gemälde wurden in einer heute von Sammlern gesuchten Postkartenserie veröffentlicht. Blickpunkte seiner Gemälde von Gersfeld sind immer der stattliche Bau der Barockkirche und das in der Nähe stehende barocke Unterschloß. Die Kirche

(1785), die Friedhofskapelle (1636) und die drei Schlösser sind die aus früheren Zeiten erhaltenen Bauten Gersfelds. Viele Gebäude als Zeugen der langen Geschichte Gersfelds wurden durch einen der zahl-

reichen Brände oder gar Feuersbrünste (wie 1756) zerstört. Auch im Dreißigjährigen Krieg hat Gersfeld schwer gelitten.

7 Die Schlösser, das obere, das mittlere und das barocke untere, liegen im 'Schloßbe zirk', in und am schönen alten Schloßpark mit altem Baumbestand und einem Seerosenteich aus der Zeit des Meininger Hofgärtners Kurz. Aus einer 'befestigten Kemenatc' haben die Ebersburger eine Wasserburganlage geschaffen, deren Mittelpunkt ein sechs Stockwerke hoher Turm aus dem 12. [ahrhundert war, also noch aus der Zeit, bevor die Schneeberger in Gersfeld ein Burggut besaßen. Im [ahre 1810 mußte derTurm wegen Baufälligkeit abgebrochen werden. In den Ebersburger [ahren 1486 bis 1493 entstand das obere Schloß, das vor 240 [ahren sein oberstes Geschoß durch

einen Brand verlor. Das Wappen der Ebersburger Ritter ist am Eingang des oberen Schlosses in Stein gehauen. Ottheinrich von Ebersburg begann 1605 das Oberschloß und das Mittelschloß umzu-

bauen. Gegenüber der alten Doppelkemenate ließ er eine Burgkapelle erbauen. Der Treppenaufgang des Oberschlosses ist eine um 1600 übliche steinerne Wendeltreppe.

8 An der östlichen Ecke des Oberschlosses, ganz oben am Gebäude, sieht man von der Schloßstraße aus einen kleinen in Stein gehauenen fast verwitterten Kopf, der schon 1605 angebracht worden sein soll. Er soll daran erinnern, daß Ebersberger an der Ermordung des Fuldaer Abtes Berthold von Leibolz Anno 1271 beteiligt waren und an die Hinrichtung des Mörders gemahnen. An das Oberschloß grenzt ein niedrigeres Gebäude mitToreingang. Es sind die Reste der alten Burgkapelle. Das dreistöckige mittlere Schloß war Sitz des einstigen Herrschaftsgerichts und in seinem unteren Teil Gefängnis. Der Eingang zum Mittelschloß vom Park aus trägt wieder die herrschaft-

lichen Wappen in schöner Steinmetzarbeit aus dem [ahre 1560. Um das mittlere und obere Schloß zog sich ein Wassergraben, über den Zugbrücken führten. Die Wassergräben wurden 1810 zuge-

schüttet. Die alten Mauern entlang der Schloßstraße sind noch teilweise erhalten. Früher stand ein öffentlicher Pranger mit Halseisen gegenüber dem Oberschloß in der heutigen Schloßstraße.

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