Giebichenstein, Trotha und Kröllwitz in alten Ansichten

Giebichenstein, Trotha und Kröllwitz in alten Ansichten

Auteur
:   Detlef Scherer
Gemeente
:   Giebichenstein, Trotha und Kröllwitz
Provincie
:   Sachsen-Anhalt
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6612-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Giebichenstein, Trotha und Kröllwitz in alten Ansichten'

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9 Nahezu eintausend Iahre nicht bloß Geschichte, sondern auchArchitektur, drücken dem Stück Giebichensteiner Saaleufer den Stempel auf Ein bizarres Ambiente mit dem Zauber der Flusslandschaft, mit alter Ritterburg und Industriearchitektur. Da wird ein Rahmen gebildet von der links erkennbaren ersten originären Saalebrücke an der Burg, der hochgelegten Stahlbogenbrücke mit den typischen Akzisetürmchen.

Dann wäre da die in der Bildmitte sichtbare Villa Rabe, das Fabrikantenwohnhaus der gleichnamigen Baumwollspinnerei. Sie prägte die alte Uferstra-

ße, die Vielgestaltige, der Bankier Lehmann ließ sie breit anlegen und bepflanzen. Nach 1860 ließ Rabe das hochherrschaftliche Haus in Ziegelbauweise errichten, die gotischen For-

men lassen es bald schloss-, bald klosterähnlich wirken. Zudem ist es mit Figuren und Medaillons ausgestattet. Innerhalb dieses Rahmens liegen dann die unansehnlichen Fabrikgebäu-

de mit dem ebenso deplazierten Schlot und das 'Hirn' Giebichensteins, die Burg.

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10 Das zauberhafte Saaleufer nimmt kein Ende, ohne eine weitere altehrwürdige Restauration ins Gedächtnis zu rufen, deren heutiger Nachfolger an dieser Stelle nicht nennenswert verglichen werden kann. Unsere Abbildung zeigt die 'Felsenburg' , eine Anlage, die im Iahre 1855 von einem gewissen Ferdinand Palmié begründet wurde. Die kühlen Felsenausbuchtungen wurden als Lagerkeller genutzt und garantierten wohltemperiertes Bier. Acht Iahre später initiierte der Bankier Lehmann den opulenten Neubau im Stile einer Bastille mit den typischen Ecktürmen und

Zinnen, dafür wurden weitere Porphyrsprengungen vorgenommen. Idylle pur für die Besucher der Gastlichkeiten im Schutze der Felsen und mit Blick auf die wildromantische

Nachtigalleninsel. Auch die Studentenschaft der Universität nutzte die Atmosphäre für Kommerse und das Ausfechten von Mensuren. Ein Höhenweg wurde gefahrvoll für Übermütige

beim Versuch, das Felsplateau zu erreichen. Im Iahre 1938 fiel das Vorzeigeobjekt, nur um die Straße etwas zu verbreitern.

11 Seit es Denkmäler gibt, von Menschenhand geschaffen, zeigt sich immer wieder deren Anfälligkeit. Sie waren und sind häufig nicht resistent gegenüber gesellschaftlichen Veränderungen. Vielleicht sind es aber auch die Menschen, die ihnen gegenüber und ihrer Bedeutung im historischen Kontext Befindlichkeiten zeigen. Müssen gestern eingeweihte Kunstwerke dieser Art heute verschwinden und werden die heute aufgestellten morgen geschleift. .. ?

Die Abbildung von 1958 zeigt das Denkmal vom 'Kleinen Trompeter' am Fritz- Weineck - Ufer (heute Riveufer). Der 'Kleine Trompeter' war eben jener Fritz Weineck, ein 1897 in Halle geborener Arbeiter, der zu Beginn der zwanziger Iahre in einem bekann-

ten Arbeiterspielmannszug organisiert war. Während einer Wahlkampfveranstaltung im Rahmen der Reichspräsi dentenwahlen wurde er im März 1 92 5 im Volkspark von der Polizei erschossen. Nach 1945 trug die Giebichensteiner Uferpromenade bereits einmal den Namen Riveufer, bis sie dann im Iahre

1 958 nach Fritz Weineck benannt wurde. Heute ist wieder der verdienstvolle Oberbürgermeister Rive Namensgeber, die FritzWeineck-Plastik musste zugunsten einer Stele für Rive weichen.

12 Eine Werbekarte vom Blumenkorso aus dem Iahre 1912, damals herausgegeben vom Verkehrsverein Halle, der auch Veranstalter war. Der Blumenkorso hatte tiefe Tradition, wie er gleichsam Vorbild für das heutige alljährliche Laternenfest war. Bereits im sechzehnten Iahrhundert ist die Saale Schauplatz für Festspiele höfischer Art gewesen, da war sozusagen der ErzbischofVeranstalter und die Residenz der Ausgangspunkt. Später, im neunzehnten Jahrhundert, gab es Feuerwerke, befuhren vor allem die Studenten mit ihren Verbindungen den Fluss, mit schön geschmückten Gondeln

und Kähnen. Ab dem besagten Iahr 1912 ließ die Stadt diese alten Bräuche wieder aufleben. Mit großen Werbekampagnen wurden sogar Dampfer auf den Weg gebracht. Die

bestgeschmückten davon erhielten Preise. Der Ort des Geschehens ist seit 1928 die Saale am Giebichenstein.

Blumenkorso 1912

veranstaltet v.

"erkehrsVer~inHalle !5· E.V.

13 Das war Giebichenstein. Und es war romantisch und malerisch und versteckt und traumhaft ... Und das ist es noch heute! Der Turm der 'Wilhelmshöhe' lag, wie das Etablissement, hoch oben über der Burgstraße, auf den Höhen von Lehmanns Felsen. Er war vielgenutzter Aussichtspunkt für die frühen Fotografen, wie Riehm. Die Ansichtskarte aus demjahre 1900 zeigt den schlossartigen Neorenaissancebau mit landschaftsüberragendem Turm. Ganz in Anlehnung an die Villa des Bankiers Lehmann. Die NaturheilBadeanstalt war ihrerseits beliebter Anziehungs-

punkt, neben dem berühmteren Bad Wittekind. Etwas weniger nobel zwar, aber wohl ähnlich schön gelegen. Die Restauration mit Badeanstalt zog sich von der Burgstraße Nr. 53

bis auf das Niveau der heutigen Felsenstraße. Von dort, aus dem Garten mit Kolonnaden, hatte der Besucher dann einen genießerischen Blick auf das Saaletal.

14 Auch eine überaus bedeutsame Straße in Giebichenstein war der Advokatenweg, der noch heute diesen Namen trägt. Er reicht von der Großen Brunnenstraße bis zum Mühlweg, in dessen Richtung sich auch der Blick auf der Postkarte von etwa 1905 richtet. Zumindest biszumjahre 1900 galt die westliche Seite der Straße als Giebichensteiner Gebiet, sie war also teilweise Grenzverlauf. Das Bild zeigt den Advokatenweg an der Kreuzung zur Reichardtund Gartenstraße (heute Senefelder Straße). Fast die gesamte architektonische Gestaltung der repräsentativen Straße hat sich erhal-

ten, auch das Gebäude mit der Nummer Vier aus dem Iahre 1900, das rechts zu erkennen ist. Vor Iahrhunderten war sie ein Abkürzungsweg für die halleschen Advokaten auf ihrem

Weg zu den Gerichtssitzungen des Amtes Giebichenstein auf der Unterburg. Zwischen Gartenund Lafontainestraße befand sich um die Iahrhunder twen de auch die be-

kannte hallesche Eisengießerei van Leutert, deren Gelände den Advokatenweg tangierte.

15 Die Ansichtskarte (etwa 1 930) diente dem Rind - und Schweineschlächter Hackemesser als Reklameofferte gegenüber potentiellen Kunden. Sie zeigt dessen Geschäft am Wettiner Platz (heute Rosa-Luxemburg-Platz) / Richard - Wagner-Straße in Eeklage zur Böckstraße. Der Fleischermeister empfiehlt dann auch seine ' ... prima Fleisch- und Hausschl. Wurstwaren zu reellsten Preisen' . Weiter offeriert er die Möglichkeit der Bestellung zu jederTageszeit. Das Haus reicht in die Böckstraße hinein und verdeutlichte ein wenig Mittlerfunktion zwischen dem dörflichen Ambiente Gie-

bichensteins und den bereits vorhandenen großstädtischen Gebäuden des Wettiner Platzes. Die Böckstraße indes ist als Straßenzug eine Verbindung zwischen Reil- und Richard-

Wagner-Straße und wurde als nüchtern und eher trostlos beschrieben. Heute ist sie teilweise gut rekonstruiert und mit Geschäften besetzt. Ihre Benennung erfolgte einst nach

dem Fuhrwerksbesitzer Böck.

16 DieRichard-WagnerStraße war bereits vor mehr als achtzig Iahren eine durch und durch großstädtisch angelegte Verbindung der Kernstadt mit Giebichenstein. Sie reichte vom Reileck bis zur Friedenstraßenhöhe. Zum Teil sehr mondäne Gründerzeitmietshäuser gaben ihr das Gepräge. Dabei wurden charakteristische Vorgärten angelegt, die die Straße noch großzügiger erscheinen ließen und vornehmlich Jugendstilhäuser schmückten. Einen Kontrast dazu erkennt man auf der Ansichtskarte von 1912, ein kleines, dörflich wirkendes Anwesen. Etwas eingerückt, zweistöckig

mit einem kleinen Mittelgiebel, veränderte es die Straßenlandschaft für einen Moment. Das Haus mit der Nr. 58 war ein StückVorstadtidylle. Der Schlossermeister Franz Lehmann be-

trieb hier eine kleine Werkstatt, die sich aber regen Zuspruchs erfreute. Vor allem wegen der fachgerechten Gas- und Wasserinstallationen. Über der Werkstatt befanden sich die

Wohnräume des Meisters und seiner Familie. Das Haus existiert noch heute in nahezu unverändertem Aussehen.

17 Im Zentrum von Giebichenstein befindet sich die Große Gosenstraße, mit vielen, heute wieder recht einladend wirkenden spätklassizistischen Wohnhäusern besetzt. Die sehr seltene Ansichtskarte von 1 902 erweckt den Eindruck, als sei sie eine Prachtstraße, eine Avenue. Zu sehen ist das 'Burgtheater-Restaurant' des Kaufmanns Schmidt, der auch den daneben liegenden Restaurantgarten betrieb. Vor allem Tanzvergnügen für die einfachen Leute der Vororte gab es hier. Der Klassizismusbau mit den Rundbogenfenstern und dem großen Giebel wirkt auf der Ansicht mondäner,

als er tatsächlich war. Werbung für Giebichenstein! DieserTeil der Straße, zwischen Advokatenweg und Triftstraße, hieß bis 1900 Hohe Straße und wurde erst dann nach dem Giebi-

Über Jahrzehnte hinweg diente das Burgtheater auch als Kino.

chensteiner Bürger]. Chr. Gose benannt. Der Teil bis zum Schleifweg hieß bereits vorher so. Heute wird das Gebäude als Probenhaus des Philharmonischen Staatsorchesters genutzt.

18 Dass die Körnerstraße heute zu den ersten Adressen jener zählt, die um den Geheimtip wissen, lässt die Postkarte aus dem Iahre 1908 freilich nicht erkennen. Seinerzeit war sie eine verschlafene, architektonisch spartanische Verbindung zwischen dem Röderberg und der gutbürgerlichen Richard-WagnerStraße. Aber aufgeräumt war sie, darauf achtete man in dieser Straße der einfachen Leute penibel. Die Mietshäuser wurden dann nur ganz vereinzelt abgerissen, überwiegend hat man sie, vor allem die Gründerzeitgebäude, im letzten Iahrzehnt hochwertig saniert und rekonstruiert. Vor allem mit prächtig gestalteten Innenhöfen. Die Straße wirkt, im Ensemble mit der parallel verlaufenden Friedenstraße, als

schöne Wohnlage mit ebensolchen Aus blieken auf Giebichenstein. Zu sehen ist hier das Haus Nr. 27, in dem ein Maler- und Tapeziermeister seine Werkstatt hatte. Typisch für die Straße waren auch die überall angelegten Vorgärten.

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