Goch in alten Ansichten

Goch in alten Ansichten

Auteur
:   Hans-Joachim Koepp
Gemeente
:   Goch
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6469-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Goch in alten Ansichten'

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29 Die Mühlenstraße ist eine der Hauptverkehrsadern der Innenstadt und führt vom Markt in westlicher Richtung zum ehemaligen Mühlentor. Die Ansicht von etwa 191 5 zeigt links die Toreinfahrt mit dem Haus des katholischen Gesellenvereins, heute Kolpinghaus, und hinter der langen Mauer das WilhelmAnton-Hospital mit der neuen Kapelle. Der 1862 gegründete Gesellenverein nahm zuerst nur Handwerker auf, die Junggesellen waren. Später änderte sich das. Der Verein erwarb 1880 vom Wirt de Greef zwei Häuser, die den Gesellen bereits vorher als Bleibe gedient hatten, und baute es zum eigenen Heim aus. Das Gesellenhaus diente während der belgischen Besatzungzeit von 1918 bis

1926 den belgischen Soldaten als Kino und Theater. 1930 nannte man das Heim dann Kolpinghaus. Es wurde in der Bombennacht am 7. Februar 1945 erheblich beschädigt, konnte aber wieder aufgebaut

werden. Das vordere Haus auf der rechten Seite, das auf dem Bild angeschnitten ist, bewohnte eine Familie Sternefeld, dann kommen Bäckerei Jockram, Schmied Roghmans und Bäckerei Peters.

30 Die höhere Knabenschule, die 1903 eingerichtet wurde, war zunächst provisorisch in einer ehemaligen Mädchenvolksschule und im danebenliegenden Gesellenhaus an der Mühlenstraße untergebracht. Später kam noch ein Wellblechschuppen hinzu. DerTurnunterricht fand im Gasthaus Zum weißen Pterd statt. 1906 erfolgte die Umwandlung der Schule zu einem Realprogymnasium. Nach langem Provisorium mußte eine schulgerechte Lösung gefunden werden. Der Stadtrat stellte 1908 zwei einstöckige Reihenhäuser an der Asperdener Straße, die weder Strom- noch Gasanschluß hatten, als weitere Übergangslösung zur Verfügung. Die für Wohnungen vorgesehenen Häuser wurden zu Behelfsschulgebäuden

umgebaut. Die Schüler nannten die auf dem Foto gezeigten Gebäude wegen ihrer Länge bald Zeppelinhalle. Das Provisorium, auf zwei [ahre befristet, dauerte ganze 22 Jahre.1930wurdeeinNeubau an der Ringstraße fertiggestellt. Die Ortsgruppe der Kinderreichen und Kriegsbeschädigten erwarb beide Häuser. 1934 konnten nach Um- und Ausbau 14 Familien hier einziehen.

31 Das sogenannte Männerhaus an der Mühlenstraße in Goch stammt von 1575. Die malerische Straßenseite des zweigeschassigen Backsteinbaus mit Krüppelwalmdach fällt durch zwei ganze und ein halbes Kreuzstockfenster, die von kleinen Fenstern umrahmt werden, auf Das Vorgängergebäude wurde 1455 von der GocherinJedtken Gierlix zur Unterbringung von acht armen Männern und zwei Frauen gestiftet. Das Gegenstück hierzu ist ganz in der Nähe das Frauenhaus, das 1504 der Gocher [ohann van Boeckweyt mit der Bestimmung schenkte, daß hier fünf alte Frauen ein Heim finden sollten. Das Frauenhaus, das Reste eines Fachwerkhauses aus dem 1 S. Jahrhundert verbirgt, wurde 1738 umgebaut und 1788

erweitert. Beide Gebäude sind erhalten geblieben. Die Verwaltung dieser Stiftungen oblag zunächst dem Wüllenamt und wurde später der Liebfrauenbruderschaft übertragen. Seit 1728 verwaltet

ein Provisorenkollegium Zu Unserer Lieben Frau die Einrichtungen. Die Gebäude werden heute als moderne Seniorenheime mit Altenwohnungen, die auch Ehepaare bewohnen, genutzt.

32 Die Brückenstraße erhielt ihren Namen durch zwei Steinbrücken aus dem [ahre 1897. Mit diesen Brücken wurde die zweite Möglichkeit geschaffen, von der seit 1840 bebauten Vorstadt im Norden über die Niers in den alten Stadtkern zu gelangen. Dieser Straßenzug, früher durch den Fluß voneinander getrennt, hieß vorher Garnstraße und Schulstraße. Als die Vorstadt um 1890 expandierte und der Verkehr über die Steintorbrücke erheblich zunahm, wurde es immer schwieriger, durch das schmale Steintor in die Stadt zu kommen. Ein Zusammenstoß zweier Fuhrwerke in der Steintorpassage forderte sogar ein Todesopfer. Es entbrannte in der Bevölkerung ein heftiger Brückenstreit, der letztendlich erst

durch das oberste Gericht in Berlin zugunsten der Brücken und der mittlerweile in der Vorstadt lebenden 3 000 Menschen entschieden werden konnte. Der Fotograf stand um die Jahrhundert-

wende vor der Niers auf dem Mühlendamm gegenüber dem Wohnhaus [anhsen. Deutlich ist in der Mitte des Bildes auch die Rückseite der evangelischen Kirche zu sehen.

33 Der Fotograf hielt 1892 den Blick über die Niersniederung auf den Stadtkern fest. Im Mittelalter wurden hier die Tücher der Weber an den Nierspässen von der Sonne gebleicht. Bei dieser Abbildung dürfte es sich aber um Wäsche handeln, die auf der Wiese zum Trocknen ausgelegt war. Der mit Pappeln bepflanzte Damm stammte aus dem Mittelalter und verband den einzigen Niersübergang am Steintor mit der Königsmühle. Den Mühlendamm nannte man auch Seufzerallee, weil die jungen Männer abends gerne diesen Umweg in die Stadt nutzten, um ihre Partnerinnen nach dem Tanzkurs nach Hause zu begleiten. Vor der St.-MariaMagdalena-Kirche sind die pfarrschule aus dem 17. [ahrhundert, das weißgetünchte

ehemalige Beinhaus, das pfarrhaus und dasWilhelmAnton-Hospital zu sehen. Der Kirchturm aus dem 14. [ahrhundert, der früher als Spähturm zur Stadtbefestigung gehörte, ist am 24. Mai 1993

eingestürzt. Die Backsteine waren mit der Zeit marode geworden und unglückliche Begleitumstände zerstörten die Statik, so daß das Gocher Wahrzeichen zusammenstürzte.

34 Diese Ansicht aus der Zeit um 1890 von der Vorstadt auf die Niersniederung, die von zwei Niersarmen umflossen wird, regt selbst ältere Gocher zum Nachdenken an. Der Blick geht von der heutigen Brückenstraße in Richtung Mühlengasse zum Wohnhaus, Fabrikgebäude und der Wassermühle des damaligen Müllers und Tabakfabrikanten

Otto [ansscn. Das Fabrikgebäude wurde später aufgestockt. Die sumpfige Niederung, die damals ebenfalls Otto [ansscn gehörte, wurde von Entwässerungsgräben durchzogen. Auf den feuchten Wiesen ließ man Kühe und pferde grasen. Im heißen Sommer nutzte man das Nierswasser zum Baden und im Winter, wenn die Wasserflächen zugefroren waren, lief man begeistert Schlittschuh.

Zahlreiche Nachen waren am Ufer vertäut und dienten als Fähre oder wurden für den Fischfang benutzt. Das Gelände zwischen den beiden Niersarmen van der Brückenstraße bis zum Deutschen

Eck, am Zusammenfluß der beiden Flußarme, wurde von der Stadt zum Schutz vor Hochwasser 75 cm mit Erde aufgefüllt und von 191 6 bis 1928 zu einem Stadtpark umgestaltet.

35 Eine der Hauptstraßen im Stadtzentrum ist die Brückenstraße. Um 1915, als diese Aufnahme entstand, war es noch eine recht neue Straße. Bevor hier 1897 die zweite Niersbrücke errichtet worden ist, nannte man diesen Teil noch Schulstraße. Die Reichsbank, die bereits 1892 in Goch war, errichtete 1912 den rechts abgebildeten Neubau. Nach Kriegsende waren umfangreiche Instandset zungsarbeiten erforderlich. Die Landeszentralbank als Nachfolger der Reichsbank übernahm das Gebäude. Heute hat hier die Verbandssparkasse ihren Sitz. Es folgt das um 1880 errichtete VanGulik-Haus. Dieses Haus hat sich nur wenig verändert und beherbergt heute eine Arztpraxis. Dahinter steht die erste Niersbrücke. Auf der anderen

Seite sieht man das VellingHaus, dessen Bewohner eine Pinselfabrik besaßen. links vorne an der Brückenstraße ist eine Gaslampe zu erkennen. Von 1863 bis 1887 gab es lediglich zwölfPetroleum-

Straßenlaternen in Goch. Nachdem die Gasanstalt ihren Betrieb aufgenommen hatte, wurden die Laternen auf Gas umgestellt und allmählich zahlreicher.

(JOCH. 8rückenstra8e

36 Postreiter für die Strecke Kleve-Goch soll es bereits 1640 in der brandenburgischen Zeit gegeben haben, als hier eine Posthilfsstation war. Das Kaiserliche Postamt an der Ecke Brücken- und Feldstraße war ein imposantes Gebäude. Das Gebäude im Stil der niederländischen Neugotik fiel auf. Es war aber nicht das erste Postamt. Als 1882 die Post-Expedition Goch zu einem Postamt ausgeweitet und mit Karl Joseph Heringer der erste Postmeister ernannt wurde, befand sich das Postamt an der Voßstraße (heute Kaufhaus). Dort wurde im Juli 1898 unter Postdirektor Karl Fischer die Stadtsprecheinrichtung, das Telefon, eingeführt. Erst 1907 erfolgte die Verlagerung des Postamtes zur Brückenstraße. Das Gebäude wurde 1913

aufgestockt und die Paketannahme erhielt einen zweiten Eingang an der Feldstraße. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Postamt völlig zerstört. An seiner Stelle erbaute man das Hotel Wagner, das mittler-

weile als Wohnheim für Behinderte fungiert. Die Post befindet sich heute einige Meter nördlich auf der anderen Seite der Brückenstraße.

37 Das Bürogebäude der Margarinewerke Jurgens & Prinzen an der Klever Straße hat den Krieg überstanden. Auffallend waren die beiden Überbrückungen in den ersten Etagen der Firmengebäude, die das 85 000 qm große, von der Straße durchschnittene Fabrikgelände verbanden. Die Spezialitäten der Firma waren: Rheinperle, Solo, Coca sa und später die heute noch bekannte Rama. Die Margarine ist um 1869 entwickelt worden und wurde von der ärmeren Bevölkerungsschicht als Butterersatz dringend benötigt. Die holländischen Brüder Jan, Henry und Arnold Jurgens gründeten 1888 zusammen mit Wilhelm Prinzen den Industriebetrieb in Goch. Die Firma entwickelte sich zum größten Betrieb am unteren

Niederrhein. Viele Holländer kamen täglich zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Arbeit, andere kamen mit der Eisenbahn aus den ländlichen Gemeinden bei Kleve, Wesel oder auch Krefeld. 1928

arbeiteten etwa 4000 Personen für die Firma. Wegen der Kriegsschäden wurde die Produktion in die Zweigfirma nach Kleve verlegt, was für die Gocher eine hohe Arbeitslosigkeit nach sich zog.

38 Wegen des Bevölkerungsanstiegs legte der Landesbauingenieur Heermann bereits 1839 der Stadt Goch einen Leitplan vor, der für die Zukunft den Bau einer Ringstraße vorsah. Der Stadtrat lehnte den Entwurf ab. Er war der Meinung, daß der Leitplan zu übertrieben sei. Es würden nur ganz unbemittelte Einwohner an Zahl zunehmen und weitere Fabriken seien nicht zu erwarten. Wegen fehlender Mittel könne von der Notwendigkeit einer Ringpromenade keine Rede sein. Die Königliche Regierung in Düsseldorf ging auf die Einwände des Stadtrates nicht ein und der Leitplan trat 1843 in Kraft. Teile der projektierten Ringstraße wurden ab 1927 ausgebaut, wie der Nordring auf der Abbil-

dung oder das Stück zwischen Marienwasserstraße und Arnold-]anssen-Straße (Südring) . Einige Bauabschnitte blieben noch jahrelang unbefestigt. Der Ring ist sogar heute noch nicht

geschlossen. Es fehlt das Verbindungsstück Pfalzdorfer Straße bis Nordring. Auf dem Foto sind rechts die Wohnblöcke, die Architekt Mathieu ]anssen für Angestellte der Butterfabrik baute, zu sehen.

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