Goch in alten Ansichten

Goch in alten Ansichten

Auteur
:   Hans-Joachim Koepp
Gemeente
:   Goch
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6469-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Goch in alten Ansichten'

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39 Der Gocher Fotograf Ernst Bohm lichtete die Siedlung Leonhardusplatz um 1931 vom Turm der St.Maria-Magdalena-Kirche ab. Dabei ist deutlich die Alleinlage abseits des Stadtzentrums in der Verlängerung der Jakobstraße zu erkennen. Als die Bevölkerungszahl in der Stadt kräftig anstieg, wurden an verschiedenen Stellen am Rand der Stadt vorstädtische Kleinsiedlungen für die Arbeiter der Fabriken, ja sogar für Erwerbslose, die Familien hatten, gebaut. Nennenswerte Beispiele sind die Siedlungen am Stadtrand, Saarstraße und Rinkenhof Am Leonhardusplatz entstanden in den [ahren 1925 bis 1928 fünfDoppelund zwei Einzelhäuser. 1931 wurden 18 weitere Häuser errichtet. Diese Siedlung

wurde nach dem Bürgermeister Leonhard Dreschers benannt, da dieser bereits 191 6 als zweiter Vorsitzender der Wohnungsbaugenossenschaft auf billige Wohnungen für Kriegsbeschädigte und

Kriegerwitwen und kleinere Einfamilienhäuser für Familien mit größerem Kindersegen drängte und genau diesen Bereich zur Bebauung vorschlug. Dreschers starb bereits 1918.

40 Im [ahre 1930 standen noch Teile der Stadtmauer an der Straße Hinter der Mauer, die aber einen recht verfallenen Eindruck machten. Die Türen in der Mauer führten zu kleinen Gartenanlagen. An der rechten Seite lag der alte jüdische Friedhof Das Mauerstück zwischen den Straßen Auf dem Wall und Hinterm Engel ist heute verschwunden. Lediglich ein kleines Stück vor der hier abgebildeten Mauer blieb erhalten und wurde vor einigen [ahren restauriert. Vermutlich hatte die Stadt bereits im 13. [ahrhundert Erdwälle zur Absicherung als erste Stadtbefestigung. Von der ersten Stadtmauer aus Stein ist bekannt, daß sie 1341 ausgebessert wurde. 1622 soll die Stadtbefestigung durch den Bau einer Bastion völlig verändert

worden sein, die allerdings nur drei [ahre existierte. Die hier abgebildete Mauer ist 1632 gebaut worden und diente nicht mehr zur Verteidigung' sondern zur Seuchenabwehr und zur Erhe-

bung von Zöllen aufWareneinfuhren an den Stadttoren. Im Hintergrund stehen die Pinselfabrik Velling und die Lederfabrik Jeurgens, die beide nach 1975 abgerissen wurden.

41 Auf dem Foto aus dem [ahre 1920 ist ein verfallenes Fachwerkhäuschen aus dem

1 S. Jahrhundert zu sehen, daß achter de Muur zusammen mit zwei anderen schmalen Häuschen in der Stadtmauer eingebaut war. 1938 wurde

es sorgfältig abgetragen, restauriert und im Museumsgarten am Markt wieder aufgebaut. Dort richtete der ZigarrenmacherTheo Brauers eine Zigarrenwerkstatt ein und drehte Zigarren, so daß das Gebäude im Volksmund Zigarrenmacherhäuschen genannt wurde. Viele Bewohner der Stadt Goch und der umliegenden Orte versuchten sich teilweise mit recht gutem Erfolg im 19. [ahrhundert mit demTabakanbau.Ab 1870 entwickelte sich in Goch ein Zentrum der Tabakindustrie. Durch den Wandel der Art des

Rauchens von Tabakpfeife zur Zigarre entwickelte sich die Weberstadt für einige [ahrzehnte zur Zigarrenmacherstadt. Die historische Stadtmauer, die beim Abriß der Häuser an der Straße Hinter der Mauer freigelegt wurde, ist ebenfalls in den dreißiger [ahren restauriert worden. Sie stammt von 1350 und ist mit ihren gotischen Bögen einzigartig am Niederrhein.

42 Die Gocher Mennonitengemeinde wurde Anfang des 16. Jahrhunderts gegründet und gehörte zu den ältesten des Niederrheins. Tuchweber aus den heutigen Niederlanden, die einen Hang zur 'gewissen Frömmelei' hatten und zu den Wiedertäufern gehörten, siedelten sich in Goch an. Die Lehre der Mennoniten war durch Jan Mathyssen nach Goch gekommen. Die Taufgesinnten hielten 1 S47 in Goch eine Synode ab. Menno Simons, nach dem die Taufgesinnten sich später nannten, und Jan van Leiden, der sich später in Münster zum König des Königreiches Zion machte, waren 1 S 3 S Gast in Goch. Die abgebildete Kirche entstand um 1720 an der Roggenstraße durch den Umbau einer Scheune. Hier fand auch der Gottesdienst der lutherischen Gemeinde Goch statt,

der 14tägig vom pfalzdorfer Prediger gehalten wurde. Die französischen Besatzer richteten 1 7 S 7 in dieser Kirche ein Magazin ein. Weil die Mitgliederzahl der mennonitischen Gemeinde abnahm, löste sich die Gemeinde 1940 auf und schenkte Kirche, pfarrhaus und Küsterei der Stadt Goch. Die Gebäude der Gemeinde wurden im Krieg zerstört.

43 Die Voßstraße führt vom Markt zum Voßtor und auf die Voßheide. Sie hat den Namen nach den Füchsen, die dort auf der Heide lebten, erhalten. Die Voßstraße war und ist auch heute noch die Einkaufszone von Goch. Der Fotograf stand um 1920 auf der großen Freitreppe des Rathauses und fotografierte in Richtung Voßtor, während sich mitten auf der nur wenig belebten Staße ein Radfahrer postierte. Einige [ahre später mußten die beiden Lindenbäume auf der linken Seite vor der Drogerie Rensing einer Benzinsäule von DEROP (deutsch-russisches Petrol) weichen. Mit dem zunehmenden Autoverkehr änderte sich das Leben hier gewaltig. Als vor zwei Jahrzehnten die Voßstraße Bundesstraße war, quälten sich die Autos durch die recht schmale Straße und parkten den Straßenrand zu.

Der Einkauf machte auf den schmalen Bürgersteigen im Gestank und Lärm der Autos keine Freude. Heute ist die Voßstraße eine recht schöne und beliebte Fußgängerzone mit sehr viel Publikum. Die Straße ist auch wieder gepflastert. Nur wenige Häuser haben hier die Kriegszerstörung überstanden.

44 Die Ansicht zeigt den vorderen Teil der Voßstraße um 1910. Das Haus links vor der Gasse war die Kneipe De lange Look, heute Gaststätte Im Rauchfang. Dahinter hob sich das Manufakturgeschäft von Jakob Koopmann heraus. Die jüdische Familie führte hier das größte und bekannteste Konfektions- und Textilgeschäft der Stadt. Die Tochter Herta leitete zuletzt mit ihrem Ehemann Siegmund Brünell das Geschäft. An diesem Teil der Voßstraße besaßen noch weitere [uden Geschäfte. Das waren ziemlich genau gegenüber das Konfektionsgeschäft von Max [akobsohn und hinter den Linden die Bäckerei der Familie Gottfried Bruckmann. Die dort hergestellten Matzen (ungesäuertes Brot) erfreuten sich großer

Beliebtheit. Vor dem Uhrenhaus Joseph Küppers, linke Seite, war die Häute- und Fellhandlung von Adolf Devries. Viele Mitglieder dieser Familien kamen in Konzentrationslagern um und nur

wenigen gelang die rechtzeitige Auswanderung nach Amerika, Australien und China. Die Synagoge der israelitischen Gemeinde stand van 1812 bis 1938 ganzin der Nähe der Voßstraße.

45 An derVoßstraße 26 stand das Restaurant von Hermann Busch, genannt Mister Busch. Das Gebäude von 1633 war eine altholländische Wirtschaft mit Opkamer, Billardtisch und Kegelbahn. Es gehörte zu den ältesten Häusern. Die hier um 1880 angebrachte barocke Stuckfassade mit dem überladenen Zementputz war baufällig geworden und wurde 1943 entfernt. Die Giebelseite setzte man mit handgeformten Backsteinen wieder in den Ursprungszustand zurück. 1945 wurde das Haus, das nun das Lebensmittelamt beherbergte, zerstört. Im Volksmund hieß das Gebäude Salzhaus, weil hier der SalzselIer das Salzlager der preußischen Regierung verwaltete. Das Salzmonopol wurde unter Friedrich dem Großen

eingerichtet, um die Staatsfinanzen zu stärken. Nur der Staat durfte Salz verkaufen. Jeder Haushalt in der Stadt war verpflichtet, im Salzhaus überteuertes Salz zu kaufen. Der Bezug von Salz aus dem Ausland wurde verboten. Zeitweise diente auch das etwas weiter liegende Gebäude Koopmann an der Ecke Voßstraße / Hamerstraße als Salzhaus.

46 Die Ansicht von 1926 zeigt das Gasthaus und die Kohlenhandlung von Jakob Derks am Voßtor. Das Haus steht kaum verändert auch heute noch am Ende der Voßstraße, führt aber zur Erinnerung auf ein vierhundert [ahre zurückliegendes Ereignis den Namen Poorte Jäntje. DerTorwächter Peter Bongert (Poorte Iàntje) hat 1590 versucht, einen Wachsabdruck vom Torschlüssel des Voßtores in die Hände der Spanier, die im Geldern saßen, zu schmuggeln. Er wollte die Stadt von den protestantischen Niederländern, die damals Goch besetzt hielten, befreien. DerTorwächter wurde erwischt, ins Gefängnis des Steintores gesteckt und verhört. Daraufhin sollte der Missetäter am lebendigen Leibe gevierteilt werden. Die-

sem grausamen Schicksal kam Bongert zuvor, indem er Gift, daß er in der Halskrause versteckt hielt, nahm. Trotzdem wurde der Leichnam gevierteilt und der Kopf aufs Voßtor gespickt. Vermutlich hat

Poorte Iänt] e im Sinne vieler der mehrheitlich katholischen Gocher gehandelt. Darum ist sein Name in der Verniedlichungsform bis heute im Gedächtnis der Gocher geblieben.

47 Blick vom ehemaligen Voßtor auf die Gaststätte Zur Friedenseiche von Theodor Beaupoil um 191 O. Dieses Lokallag an der Ecke Voßheider Straße / Weezer Straße. Es fiel mit dem hübschen Fachwerkerker auf. Die Gaststätte dürfte um 1870 entstanden sein. Am 16. Februar 1872 wurde vor dem Giebel des Hauses anläßlich des Kriegsendes 1871 eine Friedenseiche gepflanzt und die Gaststätte danach benannt. Nach diesem Baum soll auch die von hier nicht allzuweit entfernte Friedensstraße benannt worden sein. Die Arbeiter der umliegenden Zigarrenfabriken und der Schuhfabrik Sternefeld sorgten um 1920 für den Umsatz von großen Mengen Schnaps, die durch eine kleine Öffnung nach draußen gereicht wurden. An dat Rütt-

je (Durchreiche) blieb der Käufer anonym! Das Lokal wurde 1955 umgebaut und zu einem Hotel erweitert. Neben den drei Bäumen links stand die Zigarrenfabrik Planken. Dann folgen die Voßhei-

der Straße und der Damm mit der Brücke der Boxteler Bahn. In dem Gebäude rechts hinter der Friedenseiche wurden die Zigarren der Firma Siemens gedreht.

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ße3tauration eur Ertedenaelebe von Theodor Beaupcçl

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48 Auf der Postkarte ist das königliche Amtsgericht um 1900 an der Niers zu sehen. Ursprünglich stand hier das Kastell des Herzogs von Geldern. Die erste Erwähnung findet sich in einer Baurechnung aus demjahre 1340, als das Haus des Herzogs umgebaut wurde. Er benutzte das Gebäude nur bei seinen kurzen Aufenthalten in der Stadt. Nachdem Goch 1473 an den Herzog von Kleve fiel, wurde das Kastell weiter ausgebaut und befestigt. Der Herzog von Kleve befürchtete Schwierigkeiten mit den Gochern und errichtete zusätzlich einen besonders starken Turm, den er bezeichnenderweise Zwinggoch nannte. Das Kastell war teilweise auch der Amtssitz des herzoglichen Drosten des Amtes Goch.

1642 wurden die Gebäude zu

einer Bastion erweitert. In der Folgezeit wechselten die Besitzer häufig. Als die Familie von Haeften hier wohnte, soll auch der berühmte Forseher Alexander van Humboldt wiederholt längere Zeit als

Gast im Kastell gelebt haben. Heute befindet sich in dem Gebäude, das auf den alten Grundmauern neu aufgebaut wurde, das Museum für Kunst und Kulturgeschichte.

Çruss

aus Çoch fimtsgericht

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