Grenzach-Wyhlen in alten Ansichten Band 3

Grenzach-Wyhlen in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Walter Küchlin
Gemeente
:   Grenzach-Wyhlen
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6671-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Grenzach-Wyhlen in alten Ansichten Band 3'

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1 9 Das waren noch Zeiten! Hoch ragt der Grenzacher Kirchturm über alle Dächer hinaus. Nur einer übertrifft ihn: der Storch in seinem Nest. Sein Lebensraum ist schon lange verschwunden, er musste den Bedürfnissen der Industrie weichen. Doch vergessen wir nicht: Ohne sie hätten Tausende kein Auskommen im Dorf. In den zwanziger Iahren unser Bild - war noch für beide Platz. Obstgärten säumten noch den alten Dorfkern, und die Reben kletterten lückenlos die Südhänge hinaufbis zum Waldsaum. Sie begannen am Grenzacher Horn, wo der berühmte Grenzacher

Rote noch immer Asylrecht hat, zogen dem Unterberg entlang, übersprangen das Tal und gingen am Oberberg nahtlos in die Reben des einst 'fremden' Nachbarn von Vorderösterreich über.

20 Neugierig haben wir 1926 die Tür der Grenzacher Dorfkirche geöffnet, um einen Blick in das Kirchenschiff zu werfen.

Es tritt uns anlässlich der SOO-Jahrfeier festlich entgegen. Schon damals war die große Empore auf der Südseite notwendig geworden. Der Taufstein steht am Ende des Mittelganges. Dahinter, drei Stufen höher, steht der schlichte Altar. Die Orgel schließt den Chorraum, wie häufig in evangelischen Kirchen, nach Osten hin ab. Die Kanzel finden wir an der linken Trennwand zwischen Langhaus und Chor. Der pfarrer betritt sie vom Chorraum aus. In dieser

Kirche hat der Dichter Johann Peter Hebeloft gepredigt. Sein Freund, der evangelische Grenzacher pfarrer ].Chr.S. Sander, gab ihm zwischen 1 780 und 1790 dazu Gelegenheit.

Seine besten Predigten habe er in Grenzach gehalten, schrieb er später einmal.

2 1 Die Konfirmation stellte für die Jugendlichen jener Iahre einen bedeutenden Lebensabschnitt dar. Sie fieloft mit der Schulentlassung zusammen. Für die Buben begann die Berufsausbildung, für die Mädchen oft ein Iahr in einem fremden Haushalt, für viele Bauernkinder die Vollzeitbeschäftigung im elterlichen Betrieb. Zu diesem Fest gab es für die Buben den ersten Sonntagsanzug mit Hut, weißem Hemd und Krawatte, für die Mädchen die MarkgräflerTracht mit dem weißen Halstuch und der Flügelhaube. Die Konfirmandinnen auf unserem Bild haben die Tradition

gebrochen und sich zu einem weißen Kränzchen im Haar und einem weißen Schal entschieden. Ihr Pfarrer, Ludwig Friedrich Siefert, wirkte von 1919 bis 1928 in Grenzach. Die Aufnahme dürfte

in der ersten Hälfte der zwanziger Iahren entstanden sein.

22 Mit der Gründung des pharmazeutischen Unternehmens Hoffmann, Traub und Cie. im Iahre 1897 und der Farbstoff-Firma JR. Geigy ein Iahr später, begann Grenzachs Wandel vom Bauerndorf zur Industriegemeinde. Beide Schweizer Firmen, platzierten ihre Werksanlagen in Bahnhofnähe zwischen der Eisenbahnlinie BaselWaldshut und dem Rhein. Zunächst wurden vorwiegend Shedbauten errichtet, die teilweise noch bis in die sechziger Iahre hinein verwendet wurden. Unser Bild zeigt Shedbauten der Firma Hofmann- La Roche, wie sie ab 1929 genannt wurde. Davor wird der neue Elektro- Laster und die Direktions-Li-

mousine mit dem Fahrer präsentiert. Die Personen sind (von links): Hans Lienin, Franz Braun und Erich Bramsoler.

23 Großraumbüros sind keine Erfindung der Neuzeit. Bei 'Roche', wie die Angestellten ihren Arbeitgeber nannten, gab es das schon in den frühen dreißiger Iahren.

Die Dame Mitte rechts in der hellen Bluse ist Frieda Rolf-Dietsche, vor dem Aktenschrank steht Ernst Gramer. Die Schreibmaschinen, aber auch die Kleidung der Angestellten, weisen aufMitte 1930 hin. Offiziell hieß das Unternehmen ab 1 929 Hoffmann-La Rache & Co. AG. Wenn Arbeiterkinder aus dem Betrieb gefragt wurden wo ihr Vater arbeitet, antworteten sie: 'bi de Hoffmänni' . Kinder mit Vätern aus der Führungsschicht antworteten auf

die selbe Frage: 'bei Roche' Diese Differenzierung machte den Standesunterschied deutlich, der zwischen Arbeitern und Angestellten noch lange herrschte.

24 Wo so viel mit brennbaren und explosiven Substanzen umgegangen werden muss wie bei 'Roche', ist eine Werksfeuerwehr dringend erforderlich.

Als die Technik noch nicht so ausgefeilt war, kam es vor allen Dingen auf eine große Zahl gut ausgebildeter und laufend trainierter Wehrleute an. Auf unserem Bild, das um 1935 aufgenommen wurde, sind 29 Wehrmänner zu sehen.

Mit Schutzhelm, blauer Jacke und weißer Drillichhose waren sie allzeit zum Einsatz bereit. Im Ernstfall, der glücklicherweise selten eintraf, standen sie nicht allein. Neben der freiwilligen Feuerwehr der Ge-

meinde hatte auch die benachbarte Großfirma Geigy (heute: Ciba Spezialitätenchemie) eine qualifizierte Löscheinheit bereit.

25 Wir werfen unseren Blick in einen der Packräume der Firma 'Roche'. 33 junge Frauen sind emsig mit dem Einschachteln der Medikamente beschäftigt. Hygiene war schon damals

groß geschrieben. Das Haar ist in ein weißes Kopftuch gehüllt, die knöchellange Kleidung mit einer langen Ärmelschürze bedeckt. Zum Sitzen dient ein Hocker. Ein reines Ver-

gnügen war das bei 1012-stündiger Arbeitszeit um 1920 gewiss nicht und doch waren alle froh, Arbeit und Brot zu haben. Heute werden in solchen Betrieben raffiniert ausge-

klügelte Verpackungsmaschinen eingesetzt, die mit einem Zehntel der damaligen Angestellten ein Vielfaches dessen leisten, was einst nur von Hand möglich war.

26 Zeitgleich mit 'Roche' und in unmittelbarer Nachbarschaft, errichtete die Basler Firma Engeli & Co. eine Tapetenfabrik, die im Iahre 1900 die Firmenbezeichnung Salubra AG erhielt. Ihre Spezialität waren lichtechte und abwaschbare Tapeten. Wenn in den Zeiten vor dem Zweiten Weltkrieg Transporte zur Post oder dem Bahnhof anstanden, setzte Hermann Löffler, ein Grenzacher Landwirt, wie hier im Bild, gelegentlich sein Kuhfahrzeug ein. Hinter dem Dielenwagen steht Karl Hug, der Salubra-Angestellte vor dem Wagen könnte Willi Kiefer sein. Als 1948 die Zeit des

'Wirtschaftswunders' anbrach, boomte dieser Betrieb und erreichte 1971 mit 370 Beschäftigten den höchsten Stand. Ihm folgte ein rascher Abbau, der

1 976 zur Übernahme durch Forbo und 1994 durch die Kühne-Gruppe führte. 1998 musste ein Insolvenzverfahren eingeleitet werden. Ob ein Neu-

beginn möglich ist, wird die Zukunft zeigen.

22 ehemalige Mitarbeiter bemühen sich intensiv darum.

27 Wir blieken in den Mustersaal der Tapetenfabrik Salubra urn 1930. Wieder sind es vorwiegend Frauen, die in dem lichtvollen, großen Saal bei ihrer Arbeit sind. Sie stel-

len die bekannten Tapetenbücher zusammen, die für den Endverbraucher beim Fachhändler, dem Maler und Tapezierer, ausliegen. Auf dem Gebiet der Tapetenproduktion ist seit

1970 ein heftiger Konkurrenzkampf entbrannt, der dieses florierende Unternehmen in große wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht hat (s. Text zu Abb. 26). Über Generatio-

nen hinweg fanden zahllose Grenzacher und Grenzacherinnen in diesem Betrieb ihre Arbeit.

28 Noch um 1935 kam Milchmann Gustav Gschwind mit seinem Apfelschimmel von Haus zu Haus. Inzwischen bezog er seine Milch von der Sammelstelle (links hinter dem Pferd) in der Hebelstraße. Während der Kriegszeit, 1939 bis 1945, dürfte dieser Service wohl eingestellt worden sein, denn die Rationalisierung der Lebensmittel machte die persönliche Abholung der Milch in der örtlichen Sammelstelle zur pflicht. Nach der Währungsreform (1948), als die Zwangsbewirtschaftung aufgehoben wurde, lebte dieser Kundendienst noch einmal in beiden Ortsteilen auf. Jetzt kam der Milchmann mit

einem dreirädrigen Motorfahrzeug bis weit in die siebziger Iahre hinein zu seinen Kunden. Seit die Milch in den Lebensmittel-

geschäften in der Vakuumverpackung angeboten wird, gehört auch dieses Gewerbe derVergangenheit an.

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