Grenzach-Wyhlen in alten Ansichten Band 3

Grenzach-Wyhlen in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Walter Küchlin
Gemeente
:   Grenzach-Wyhlen
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6671-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Grenzach-Wyhlen in alten Ansichten Band 3'

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39 Diese seltene Aufnahme muss noch vor 1904 von der Höhe des Gemeindewaldes Klosterhau (410 M.ü.M.) gemacht worden sein. Das geschah vermutlich zu einer Zeit, als i ener Wald abgeholzt worden war und dem Fotografen einen freien Blick über das Kloster Himmelspforte

(im Vordergrund) bis zum Schweizer Jura ermöglichte. Von Wyhlen selbst ist nur ein Teil zu sehen: einige Gebäude in der Bergstraße, an der alten Basler Straße und links und

rechts der Kirchstraße, an deren Ende wir die alte Wyhlener katholische Kirche erkennen. Das ost-west verlaufende Kirchenschiff

steht noch. 1904 wurde es abgetragen und hat dem Neubau - der heutigen pfarrkirche - Platz gemacht. Das dahinter, von rechts nach links ziehende dunkle Band bezeichnet

die Bahntrasse BaselRheinfelden. Felder und Wiesen mit lockerem Streuobstbestand und Nussbäumen füllen den breiten Raum bis zum Rhein.

40 Als Dorf an der Landstraße Basel-Waldshut gelegen, hatte Wyhlen schon im ausgehenden Mittelalter eine Herberge. Als ältestes Gasthaus ist der 'Ochseri' (1533) belegt. Das Gasthaus 'Zum Rössle' - eine von fünf Wyhlener Realwirtschaften des

19. Jahrhunderts - hatte spätestens seit 1882 einen Kolonial- und Spezereiwarenladen. Die rechte Eingangstüre auf unserer Aufnahme, die um 1910 entstanden sein dürfte, war dem'Tante-Emma-Laden' gewidmet, die linke führte in die Gaststube. Damals gehörten Wirtschaft und Geschäft dem aus Kiechlinsbergen am Kaiserstuhl stammenden Bernhard Schott. Er war Gastwirt und Kaufmann in einer

Person. Sein Sohn Gustav Adolfund sein Enkel Bernhard Schott, der Ehrenbürger der Gemeinde, betrieben Wirtschaft und Kolo-

nialwarenladen weiter. Nach 1950 wurde der Krämerladen aufgegeben und zum Nebenzimmer der Wirtschaft umgestaltet.

Das heutige Aussehen erhielt das 'Rössle' durch eine Aufstockung des Gebäudes um 1970 durch Bernhard Schott Junior.

41 Schon 1866 stieß man bei einer Bohrung gegenüber der Saline Schweizerhalle auch nördlich des Rheins auf ein 13 m mächtiges Steinsalzlager. Dies führte aufUmwegen schließlich zur Gründung einer der ersten Ammoniak-Sodafabriken Deutschlands unter den Brüdern Ernest und Alfred Solvay. Seit 1880 wurde in Wyhlen gesättigte Sole aus einer Tiefe von 1 23 und 203 Metern gefördert.

Ein Großbetrieb mit Gleisanschluss entstand. Er lag weitab vom Dorf, eingebettet in Felder, Wiesen und Obstplantagen, wie unsere Aufnahme aus den dreißiger Iahren zeigt.

Für die Gemeinde Wyhlen brachte diese frühe Industrieansiedlung willkom-

mene Arbeitsplätze und beachtliche Steuereinnahmen. Leider brachten strukturelle Veränderungen seit 1953 Gewinneinbu-

ßen, was 1958 zur Stilllegung der Solvay-Werke führte.

42 Mit der Schaffung von Arbeitsplätzen war es nicht getan. Lange Wege zum Arbeitsplatz stellten ein großes Hindernis dar. Deshalb kümmerten sich die Unternehmer um den Bau von Werkswohnungen.

Die ersten wurden im Thomasboden noch vor 1900 erbaut. Es waren schmale zweigeschossige Backsteingebäude in Reihenhausform, von denen nur noch ein einziges im Urzustand erhalten geblieben ist. Im Lindweg - unser Bild - entstanden um

1920 anspruchsvollere Betriebswohnungen als Doppelhäuser mit einem Laubeneingang aus Massivholz. Aus welchem Grund die vorliegende Aufnahme entstand, wissen wir nicht genau. Dem hierarchischen Denken jener Zeit entsprechend, dürften hier

Schichtmeister und andere Fachkräfte der mittleren Führungsschicht gewohnt haben. Es scheint, als hätte es in den späten zwanziger Iahren einen familiären Anlass gegeben, um die Männer in Arbeitskleidung hier zusammen zu führen. Der Mieter und seine nächsten Angehörigen stehen unter der Eingangspforte. Sie heben sich durch ihre Kleidung von den übrigen Besuchern im Vorgarten ab.

Inzwischen sind auch im Lindweg die meisten Wohneinheiten den Erfordernissen der Moderne angepasst worden.

43 In rund fünfJähriger Bauzeit wurde das Rheinkraftwerk Wyhlen - Augst als Gemeinschaftsaufgabe zwischen Deutschland und der Schweiz errichtet. 1912 konnte es in Betrieb genommen werden. Denkt man an die damals zurVerfügung stehenden technischen Mittel, kommt man aus dem Stauen nicht mehr heraus. Riesige Erdbewegungen mussten von Hand ausgeführt werden. Mit einer Kleinbahn und den dazugehörenden Loren wurde der Aushub beseitigt und auch der Transport der vorgefertigten Steinquader und anderer Materialien für das Stauwehr befördert. Dazu war ein mächtiges Holzgerüst - im Vordergrund erforderlich. Es quert den späteren Unterwasserkanal und führt zum Stauwehr.

Zwischen 1990 und 1994 wurde die Kraftwerksanlage ausgebaut und modernisiert. Seither ist es Fußgängern und Radfahrern möglich, den Rhein auf dem Transport- und Mon-

tageweg des Staudamms zu überqueren. Mit dieser von den Anwohnern freudig aufgenommenen öffnung der Landesgrenze, sind sich die Nachbarn beiderseits des Rheins

erneut ein Stück näher gerückt.

44 Im extrem harten Winter des Iahres 1929 froren die Wassermassen im Staubereich des Kraftwerks Wyhlen mehrmals ein, was zu den gigantischen Eisbergen auf unserem Bild führte. Die Be-

wohner beiderseits des Rheins konnten wochenlang trockenen Fußes den Fluss überqueren.

Das dürfte auf diesem Abschnitt in der Menschheitsgeschichte erstmals der Fall gewesen sein. Das

seit 1912 fertiggestellte Stauwehr trug dazu bei: Es sperrte den Rhein in seiner ganzen Breite und beruhigte dadurch das Oberwasser. Inzwischen konnte dieses seltene Ereignis noch einmal im Iahre

1963 erlebt werden. Damals war auch der Bodensee in einigen Teilbereichen für drei Monate zugefroren.

45 Zu den zahlreichen Handwerkern eines Winzer- und Bauerndorfes gehörte auch der Küfer. Noch in den dreißiger Iahren waren in der Kirchstraße diese 'Daubenschränke' zu sehen.

Sie hatten ihren Namen von den ineinander verschränkt aufgeschichteten Seitenhölzern der Fässer, die den Namen 'Daube' tragen. Wie in unserem Bild zu sehen, wurde mit den längsten Hölzern begonnen und mit den kleinsten aufgehört. So konnten sie austrocknen, waren auf engstem Raum sicher verstaut und bei Bedarf griffbereit. Wie mir mein Freund Franz Mutter erzählte, war Klara Ball geborene Kaiser eine wahre Spezialistin beim Aufbau solcher kunstvollen Türme. Der Küfermeister Fritz Kai-

ser hat sich auf unserem Bild dem Fotografen gestellt. Hinter ihm am Straßenrand warten Eichenstämme, alte Fässer und Scheitholz auf weitere Verwendung. Die Küferwerkstatt der Familie Kaiser (hinten rechts) stand noch bis in die neunziger Iahre, musste dann aber dem Neubau, Kirchstraße 29, weichen. Nur die alte Sandsteinpforte, die einst den Eingang zur Küferwerkstatt schmückte, wurde integriert.

Ihr Schlussstein trägt die Handwerkssymbole, die Initialen L K und die Jahreszahl1868.

46 Der ländliche Charakter hielt sich im Ortsteil Wyhlen weit länger als in Grenzach, obwohl hier die Industrialisierung früher einsetzte als dort. Hauseinfahrten wie auf unserem Bild waren noch lange zu sehen. Das Gehöft von ]osef Huber stand traufseits zur Rheinfelderstraße (Nr. 7). Eine breite Hofeinfahrt führt zu Scheune und Stall. Über dem Ökonomiebereich ist das Dach weit vorgezogen, um für Geräte und Wagen mehr Schutz zu bieten. Der traditionelle Lattenzaun rechts schützt den Krautgarten, der vor dem Wohnteil des Hauses liegt. Neben den nützlichen Gewächsen schmücken ihn immer auch Blumen und Sträucher. Die Haustür steht halb geöffnet. Durchs Treppenhaus führt der

Weg gerade aus in die Küche und rechts durch eine Tür in die Wohnstube mit dem behaglichen Kachelofen und der 'Chunscht'. Hinter der Wohnstube befand sich

gewöhnlich eine Schlafkammer, die noch von der Wärme des Stubenofens profitierte. Das erste Obergeschoss enthielt weitere Schlafräume. Die beiden Mädchen, Veronika und

Hilda Huber, stellen sich mit ihren langen Kleidern und der obligatorischen Schürze dem Fotografen, der seine Aufnahme um

1 92 6 gemacht haben dürfte.

47 Nur große Bauern konnten sich ein Gespann pferde leisten, meist waren es Kühe, gelegentlich auch Ochsen, die man vor den Wagen oder an den Pflug spannte. Die durch Erbteilung immer kleiner werdenden Felder und Höfe im Badenerland trugen dazu bei. Wir sind glücklich, ein Bild zu besitzen, das ein Kuhgespann vor den Pflug zeigt. Die Zugtiere wurden bei uns nicht, wie in anderen Regionen, ins starre Joch gespannt. Ihnen wurde ein vom Sattler gefertigtes Kummet um den Hals gelegt. So konnte sich der Kopf frei bewegen. Weil Kühe diese Arbeit nicht sehr häufig zu verrichten hatten, wurden sie von einer zweiten Person am Halfter geführt, damit die Furchen schön gerade ge-

rieten. In unserem Falle ist es Xaver Kaiser. Den Pflug führt Franz Bach. Im Hintergrund ist die Buttenhalde zu sehen. Sie entstand, weil hier die Firma Solvay über Jahrzehnte hinweg ihre Fabrikationsrückstände deponierte. Das Bild wurde 1963 von Heribert Frank aus Schwörstadt gemacht.

48 Wir sind am Kirchplatz und blieken auf das 1805 dort entstandene Bauernhaus. Die Gemeinde kaufte es 1 826 von den Besitzern Käuflin und Schlageter ab und baute es als Schulhaus Nr. 2 um. Das Klassenzimmer war im ersten Obergeschoss untergebracht, was heute noch an der Raumhöhe abgelesen werden kann. Wie in jener Zeit üblich, waren auch Scheune und Stall vorhanden. Mit dem Schul- und Rathaus in der Rheinfelderstraße, das 1867 errichtet wurde, erhielt die Gemeinde Wyhlen ihren ersten eigens für Schulzwecke errichteten Neubau. Wie häufig in Dorfgemeinden, hatte dieses Gebäude zugleich auch die Funktion eines Rathauses zu übernehmen. Das bisherige Schulhaus am

Kirchplatz - unser Bild wurde wieder ausschließlich der landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt. Es zeigt (von links) Christine Müller und ihren Ehemann Xaver. Die Frau in

ihrer Mitte ist Mina Senf, eine Näherin, die um

1924 in diesem Hause wohl auf der 'Stór' war. Die Hausfassade ist, wie im Markgräflerland häufig, mit mächtigen Amerika-

nerreben bepflanzt. Solche Hausreben - alemannisch 'Landere' genannt - mussten im Zuge der Reblausbekämpfung im Iahre 1930 von Amts wegen beseitigt werden.

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