Groß-Gerau in alten Ansichten

Groß-Gerau in alten Ansichten

Auteur
:   Ernst Schneider
Gemeente
:   Groß-Gerau
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2915-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Groß-Gerau in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Anno Domini am 6. April 910 tritt Groß-Gerau auf einer zu Gunsten Mainz gefälschten Urkunde in die Geschichte ein und geht seinen Weg. Ein bunter Kranz blühender Ortschaften die Groß-Gerau urngeben, hatten sich schon längst in dem Reichsurbar und in den alten Schenkungsurkunden des Klosters Lorch vorgestellt und zum Teil ihren l200jährigen Geburtstag gebührend begangen. Mit der obengenannten ersten Nennung Groß-Gerau beginnt die eigentliche aktenmäßig erfaßte Geschichte dieser Stadt. Zunächst schenkt Kaiser Heinrich Il. (der Heilige) am 18. August 1002 seinen Dominialhof Gerau dem Bistum Warms um diesen auf die Beine zu helfen. Gerau, ein fetter Broeken unter den Reichsgütern und Königshöfen, findet sich schon bald wieder in den Händen Heinrich H., um diesmal als Schenkung am 1. Juni 1009 an das von dem Kaiser 1007 gegründete Bistum Bamberg zu gehen. Dieser wollte hier ein deutsches Rom erstehen lassen. Den Anfang dazu machte der anno 1012 geweihte Dom zu dem die Einnahmen aus dem Königshof Gerau mit seinem Zubehör der Mark Gerau und der Grafschaft Bessungen neben anderem mitbeitrugen.

Mit zwei Urkunden, zum 21. Juni 10 13 an einem Tag ausgestellt, findet sich der Königshof Gerau mit allem

Zubehör bereits als kaiserliches Lehen an die bischöfliche Kirche Würzburg übergeben wieder. Die Verwaltung dieses Lehens wurde dem Kloster Bronnen übertragen. Gerau war nun würzburgisch.

Da die Geschichte bekanntlich weiterlauft so geht auch die des Gerauerlandes weiter. Keine Urkunde gibt uns nunmehr eine klare Auskunft wie das Gerauerland in den Besitz der Grafen von Henneberg gelangte. Jedenfalls belehnten diese noch im 12. J ahrhundert die Herren von Dornberg mit Gerau und Zubehör, um nach deren Absterben 1257 an die Grafen von Katzeneinbogen überzugehen. Diese, die 'Königs- und Bischofsrnacher' , die hier am Rhein den Zoll innehatten, an großes Geld gewöhnt, wußten was ihnen Groß-Gerau und die Mark gleichen Namens wert waren, und bauten die letztere mit der Grafschaft Bessungen zur Obergrafschaft Katzenelnbogen aus. Diese Obergrafschaft fiel nach dem Tod des letzten Katzenelnbogeners 1479 an dessen Schwiegersohn, dem hessischen Landgrafen Heinrich HL Groß-Gerau, das bereits 1398 mit Stadtrechten ausgestattet war, wurde nun hessisch, und alles blieb beim alten. Groß-Gerau nahm von seinem Stadtrecht keinen Gebrauch und blieb trotz allem der Mittelpunkt dieser Landschaft. Dafür sorgte einmal seine

Parochialkirche der in der Frühzeit 48 Pfarrereien unterstellt waren. Der Priester dieser Kirche mußte immer ein Archipresbyter aus dem Stift St. Viktor in Mainz sein, dem das Halbstift Groß-Gerau unterstand. Dort wo der Pontifex saß, saß auch der Carnifex der Scharfrichter. Groß-Gerau besaß eine Schartrichtermeisterei. Der Inhaber - derselben immer ein Meister der das Recht auf den Titel Herr hatte - fand seine Arbeit innerhalb des Gebietes der Cent Gerau.

Die Cent Gerau umfaßte das Gebiet von 18 Gemeinden, bildete im jungen und alten Ausschuß das Militär mit eigenen Haupt- und Befehlshabern im Kriegsfall neben anderen Centen dem hessischen Landgrafen. An die Gerauer Cent war ein Landgericht mit Polizeihoheit gebunden das in Groß-Gerau tagte, zu dem das Hochgericht die Hinrichtungsstätte auf dem Galgenberg gehörte,

Mit diesen vorgenannten Mittelpunktsfunktion ausgerüstet sah sich die Gemeinde Groß-Gerau gezwungen ihr altes Stadtrecht gegen die Summe von 25 000 Gulden zu erwerben. Zum 13. März 1663 wurde Groß-Gerau zur Stad erhoben. Hundert Jahre zuvor kam Groß-Gerau mit der Obergrafschaft bei der Teilung Hessens 1567 zu Hessen-Darrnstadt und alles blieb wieder in der 'alten Familie'.

Alle Kriegszüge und Kriege gingen, nicht ohne Verlust an der Substanz, an Groß-Gerau vorbei. HessenDarmstadt wurde 1806 Großherzogturn, bekam 1820 seine Verfassung mit zwei Kammern. Die Obergrafschaft Katzenelnbogen wie auch die Cent Gerau kamen als Verwaltungen außer 'Betrieb'. 1832 wurden die Kreise als Verwaltungsbezirke gebildet, so unter anderem auch der Kreis Groß-Gerau mit seiner Kreisstadt Groß-Gerau.

Diese Stadt wird hier erstmals in alten Ansichten dargestellt, wobei der Versuch gemacht wird auch den Bürger mit all seinem 'Gehabe', seinem Tun und Treiben mehr in den Vordergrund zu stellen. Diese Bürger sind es wert, denn schon immer brauchten sie eine große Portion Freiheit zu ihrer Entwicklung. Sie blieben 'Obergrafschaftler', noch bis 1900 nutzten sie die alten Katzeneinbogischen Erb- und Eherechte in ihren alten Familien. Sie blieben Katzenelnbogener und nutzen ihre freiheitliche Eigenart ohne über ihre Grenzen zu brechen, denn diese können sie seit einem Jahrtausend über sehen, ansonstern wollen sie in Ruhe gelassen werden.

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1. Wenn auch diese 'Total-Ansicht' Groß-Geraus etwas stereotyp wirkt, so versucht doch der Lithograph mit einem bunten Eisenbahnzug letztlich noch etwas Farbe in die Strenge seines Bildes hinein zu bringen. Umso wertvoller dürfen die von ihm gebrachten Ansichten der drei Gebäude aus der Zeit vor der Jahrhundertwende für den Betrachter sein, zumal zwei verschwunden sind, und das Amtsgericht noch in diesem Jahr in einen Neubau verlegt wird,

2. Hier zeigt sich Groß-Gerau von derselben Seite, nur in einer anderen Darstellung. Im Vordergrund sieht man den 1830 neu angelegten Friedhof dieser Stadt, die sich hier mit sieben rauchenden Kaminen so ganz als Industriestädtchen dem Betrachter zeigt und dennoch um diese Zeit ein Ackerbaustädtchen war. Die Unionbrauerei 1869, die Zuckerfabrik 1884, und die Ölfabrik von 1882/83 waren damals die einzigen fabrikmäßigen Unternehmen im Städtchen. Diese schöne Lithokarte ist übrigens die älteste Ansichtskarte Groß-Geraus,

3. Mit dieser Grußkarte brachte der Verleger und Druckereibesitzer LP. Mock, Groß-Gerau, Herausgeber der Heimatzeitung seit 1850, eine ruhige Note in die Vielzahl der Ansichtskarten hinein. Außerdem hatte er mittlerweile den Lithographen gewechselt nachdem der vorherige 'Künstler' ihm die alte Stadtkirche verkehrt herum in die Stadt hinein 'gestellt' hatte.

4. Ein Bliek auf diese Karte zeigt geschickt dem Betrachter was eine Stadt - um Stadt zu sein - schon alles bieten muß. Vor allen Dingen waren dies: eine hohe Kirche, ein schönes Rathaus mit Linde, ein leistungsfáhiges Geschäftshaus, und vor allen Dingen große Gasthäuser, die mit reizvollen Wirtsschildern zum Einkehren einladen. Zum anderen - man stelle sich heute mal diese Straßenkreuzung vor, so versprach doch damals diese Grußkarte aus Groß..Gerau allen Besuchern eine beschauliche Ruhe und Behaglichkeit.

5. Grüße von der Brauerei Georg Simmermacher. Eine liebe Karte von besonderer Art von 1898; wenn auch die 'Kerch ' verkehrt im Ort steht und ein starker, steinener Rundturm als Stadttor sich dazu gesellte, was soll's? Eins blieb den Alten dieser Stadt erhalten: die Erinnerung. Die Erinnerung an den sonntäglichen Tanz auf dem Felsen-, Bier- und Eiskeller, wozu die Regimentskapellen der U5er und der 25er aufspielten, Heute steht dort die Kreisberufsschule. Ebenso mußten der Brauereiausschank, später Viktor Schöll, und das Brauhaus, später Verlag Ph.L. Fink, weichen. Heute stehen an ihrer Stelle die Geschäftshäuser der Rheinelektra und die 'Grüne Drogerie'.

6. Diese Luftaufnahme von der alten Kreisstadt vom Jahre 1913 zeigt uns Groß-Gerau als eine Stadt im Grünen. Große Gärten mit Obstbäumen aller Art bestimmen Flächendeckend das sieh vom alten Stadtkern, siehe Bild oben links, nach unten rechts ausdehnende Städtchen. Unten im Bild sehen wir von links nach rechts die alte Realschule, die Wilhelmschule und die Turnhalle. Rechts oben zeigen sieh aus dem dicht mit Kastanienbäumen bestandenen Marktplatz die Gewerbeschule und das Amtsgericht. Im Bild oben ist unschwer die Stadtkirche mit der Kirchschule, darüber das Schwimmbad mit dem alten Judenfriedhof zu erkennen. In der linken Bildecke zeigt sich hell das Webers-Haus mit der Synagoge und der 'Schwenk'.

1909 am 10. November gründete sieh in Frankfurt die erste Luftverkehrsgesellschaft die 'Deutsche Luftschiffahrt A.G.', kurz 'Delag' genannt. Am 14. Februar 1911 verließ eines dieser Delag-Schiffe Friedrichshafen und wurde in Frankfurt stationiert. Diesem Luftschiff 'LZ 11 Viktoria Luise' - es führte 489 Fahrten durch und beförderte 9738 Personen in der Zeit von 1911 bis 1914 - verdanken wir diese erste Luftaufnahme Groß-Geraus.

7. Das Rathaus der Stadt Groß-Gerau im Jahre 1892. Recht unschön zeigt sich dem Betrachter das in den Jahren 1578/79 erbaute Rathaus, mit dem Geleitstein und der alten Centlinde davor. In der Biedermeierzeit versuchte man 1830 diesem alten Fachwerkhaus mit einem grün-grauen Verputz zu erneuern, der Zeit entsprechenden 'Glanz' zu verhelfen und erreichte genau das Gegenteil, 1908/09 wurde es erstmals grundlegend von dem Kreisbauinspektor Baurat Plitt, dem Großvater der Liselotte von der Schmitt, renoviert, so wie sich dieses Haus nach weiteren Änderungen von 1928 uns heute präsentiert. Die alte Centlinde, damals 300 Jahre alt, wurde 1895 gefällt, und der dabei stehende Rathausbrunnen wurde zugefüllt und der Brunnen selbst auf dem Sandböhl wieder aufgestellt.

8. Das alte Gottlieb Bambach's Haus zu Groß-Gerau vom 19. April 1867. In der Türöffnung stehend sehen wir selbstbewußt den Müller- und Bäckermeister Peter Schneider mit seiner Gattin und Familie. Sein Schwager, der damalige Bürgermeister Bambach, hat eine Flasche Wein, die er sich ausgießt. Als die Preußen 1866 Groß-Gerau besetzten, ging er mit der Stadtkasse in den Untergrund, Die Dame im Fenster nebenan im Alter von 82 Jahren ist Anna Elisabeth Bambach geborene Grilling, die Großmutter der Schneiderkinder (in den Fenstern des Erdgeschosses) und Ururgroßmutter des Verfassers.

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