Groß-Gerau in alten Ansichten

Groß-Gerau in alten Ansichten

Auteur
:   Ernst Schneider
Gemeente
:   Groß-Gerau
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2915-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Groß-Gerau in alten Ansichten'

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49. Badefreuden oder der Badebetrieb im alten Groß-Gerau, so konnten wir dieses schöne wie einmalige Idyll im Schatten der Stadtkirche, am Ufer des Mühlbaches, nennen. Im Leinenhemd präsentiert sich der alte Bademeister Seiler der als 'Privatier' das Badehaus der Familie Lahr übernommen hatte, die selbst seit 1860 an dieser Stelle einen Badebetrieb unterhielten. Später betrieb die Stadt Groß-Gerau durch Ausbau des sogenannten Minkenweihers auf dem Gelände der neuen Bleiche die alte Badeanstalt, deren Zaun wir auf diesem Bild sehen. Die illustere Badegesellschaft muß doch unbedingt genannt werden, zumal sie bis auf einen, allesamt Brüder sind. Es sind die Söhne des Käsefabrikanten Georg Schaffner zuGroß-Gerau. Von links nach rechts: Karl Schaffner, Heinrich Schaffner, Ludwig Schaffner, und Julius Schaffner, letzterer fiel im Ersten Weltkrieg. Stehend, neben dem 'Bademeister im Hemd', Jakob Berning.

50. Die Konservenfabrik 'Helvetia' war die Tochter der Konservenfabrik 'Hero' in der Schweiz. Die letztere liefert heute die besten und feinsten Confitüren aller Obstarten in alle Welt, während das Werk Groß-Gerau, wie schon angedeutet, stillgelegt und neuerdings dem Boden gleichgemacht, darauf und dran war, ihrer Mutter 'Hero' den Du anzubieten. In ihrer Blütezeit fanden allein 900 Arbeiter und Arbeiterinnen ihr Brot dahier. In Groß-Gerau bildeten sich nach 1900, dem Gründungsjahr der 'Helvetia', mehrere Spargel und Obstbaugenossenschaften in Groß-Gerau die diese Fabrik belieferten um auch gleichzeitig Mitaktionäre zu sein. Allein verarbeitete die 'Helvetia' nur um ihre Leistung zu sehen 1927: 3000 Tonnen Gurken, 800 Tonnen Bohnen, 750 Tonnen Äpfel, 500 Tonnen Erbsen, 250 Tonnen Karotten, 250 Tonnen Erdbeeren, 250 Tonnen Mirabellen, 200 Tonnen Himbeeren, 200 Tonnen Kirschen, 500 Tonnen Zwetschen, 150 Tonnen Johannisbeeren, 120 Tonnen Spargel und 50 Tonnen Pilze; alle meist einheimische Erzeugnisse. Diese Zahlen lassen uns unschwer die Leistungsfähigkeit dieser Fabrik erkennen, woraus man die lebenswichtige Bedeutung auf die Gesamt-Wirtschaftslage unserer Heimat deuten kann. Unser Bild zeigt die erste weibliche Belegschaft der 'Helvetia' Groß-Gerau vom Jahre 1900.

51. Unser Bild zeigt die erste größere Betriebserweiterung der Konservenfabrik 'Helvetia' Groß-Gerau vom Jahre 1916. Die Behörden hatten eingegriffen. Man stand mitten im Weltkrieg und griff nun auf die riesige Produktion jener 1900 gegründeten und mittlerweile größten Konservenfabrik Deutschlands zur Versorgung des Heeres zurück. Auf dem Bild sehen wir das neue Lager-, Pak- und Auslieferungsgebäude. In der Mitte das Kessel- und Maschinenhaus; daneben der neuerrichtete in der Abrüstung befmdliche 'Hero-Schornstein', dem bis 1983 89,5 Metern hohen Wahrzeichen der Stadt Groß-Gerau. Die gesamte Fabrik wurde 1984 mit dem Boden gleichgemacht.

52. Grofs-Geraus Jugend. Hier sehen wir die älteste Darstellung einer Schulklasse. Es sind Schüler der Groß-Gerauer Knabenschule vom Jahre 1873 des Geburtsjahrganges 1867/68 mit ihrem Lehrer. Und auf ging's, eine neue Jugend wuchs heran, wie wir sahen und sehen werden.

53. Auf diesem Bild sehen wir die Groß-Gerauer Gruppe der deutschen Jugendwehr, besser gesagt die Ortsgruppe 'Jung Deutschland' Groß-Gerau. Zum ersten Mal hatte die Gerauer Jugendwehr ihren Tag am 'großen' Tag des Turnvereins 1846, zum 17. März 1913 als diese das Festspiel 'Aufruf an mein Volk' (Freiheitskrieg 1813) aufführte und einen sechsspännigen Festwagen durch Groß-Gerau fahren ließ. Zum 18. August 1913 marschierte die Gruppe Jung Deutschland mit ihren 'alten Herren' dem Milltärverein Hassia an das Kriegerdenkmal von 1870/71 vorbei, bei dem der Amtgerichtsrat Gläeser, Vater von Ernst Gläeser (Jahrgang 1902), die eine, und Pfarrer Ludwig Skriba auf dem Marktplatz die andere feurige Rede hielt. Auf dem Marktplatz schlossen sich die bestehenden Ortsgruppen zirka 11 zu einem Kreisverband zusammen und fanden sich auf den Mönchbruckwiesen zur Sedansfeier am 31. August 1913 zusammen. Anwesend waren die Gruppen aus sechs Ortschaften mit 150 Knaben und 30 Mädchen. Ein vaterländische Rede von Pfarrer L. Skriba eröffnete das Fest und erinnerte an 1813 und 1870/71. Auf dem Bild sehen wir die Knaben mit ihren Schärpen, von links: Hans Wengler, Eugen Mohr, Fahnenträger, und den Fahnenbegleiter Hans Diehl.

54. Auf diesem Bild sehen wir die am 14. Juni 1914 geweihte erste Fahne des Militärvereins Groß-Gerau. Der Präsident war Ludwig Hofman, Handkäsfabrikant dahier. Ganz Groß-Gerau war für drei Tage auf den Beinen. Am 13. Juni war der große Zapfenstreich auf dem Sandböhl daselbst, am Kriegerdenkmal von 1870/71 die Kranzniederlegung zu Ehren der Gefallenen. Von dort ging es zum Marktplatz. Die Sänger der beiden örtlichen Gesangvereine taten das ihre. Der geladene Turnverein stellte wieder seine 'Marmorgruppen'. Der Kriegerverein ließ sich auch sehen, in ihm waren die alten Rauschebärte von 1870/71 zusammengeschlossen die die 'Milchbärte' des Militärvereins kaum achteten. Jeder dieser Vereine hatte eine eigene Gesanggruppe und die Lieder die sie sangen waren ein und dieselben. Mit dem Kriegsanfang 1914 sich abzeichnenden deutschen Erfolge waren beide obengenannten sich wieder einig. Einig auch mit den Groß-Gerauer Sozialdemokraten. Diesen hatten sämtliche Groß-Gerauer Ortsvereine zu ihrem 15. Gründungsjahr am 2. August 1914 abgesagt. Selbst der Gemeinderat der Stadt tat sich weh und ließ die Ortsgruppe der SPD wegen der Überlassung des Marktplatzes zu ihrer 15jährigen Jubelfeier zum 2. August 1914 vier Monate warten. Von allen Groß-Gerauer Ortsvereinen, wie oben gesagt, die zur Feier und Festzug abschlugen machte die freiwillige Feuerwehr die rühmliche Ausnahme und wollte die Marsch und Festmusik stellen. Dies war leider nicht mehr möglich, denn der Kaiser hatte gerufen und alle marschierten nach Westen.

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55. Das Gerauerland lag unter einer sengenden Sonne. Seit dem Attentat von Sarajewo, zu Anfang Juli 1914, überstürzten sich die Ereignisse in Europa. Alles geriet in Fieber in dessen Mittelpunkt das Wort Krieg immer mehr an Ausdruck gewann. In Groß-Gerau fuhr man die Getreideernte ein, alles stöhnte unter der Hitze, Zum 1. August 1914 traf das Mobilmachungstelegramm um 18.04 Uhr ein, das sofort dem Bürgermeister J. Arnold übergeben wurde. Bereits 18.15 Uhr ertönte die Ortsschelle und die Groß-Gerauer wußten nunmehr daß das Wort Krieg nun Wirklichkeit war. Der Pfarrer ließ die Glocken Iäuten, Die Kinder zogen mit Fahnchen singend durch die Straßen, und überall sang man das Deutschlandlied. So schrieb der Groß·Gerauer Pfarrer Skriba noch nebenher: 'Am 2. August 1914 mußte ich die bereits fertige Predigt weglegen, da nicht mehr zu gebrauchen, machte ich dafür eine neue Predigt (Kriegspredigt), So besuchten den Gottesdienst dahier 66 Männer und 166 Frauen, die in der Kirche waren.' Alle Statisten der Festspiele und die der 'Marmorbilder' hatten nun wen Krieg.

56. Die deutsche Kriegsmaschinerie lief 1914 mit einer unwahrscheinlichen Präzision an, Hier sehen wir ein Teilstück des Groß-Gerauer alten Bahnhofs mit der kleinen Expreßgüterhalle von der Bahnsteigseite. Davor zeigt sich im Bild die sofort nach der Mobilmachung in Tätigkeit getretene Bahnhofskommandantur vom 1. Eisenbahnregiment Hanau. Diese Kommandantur hatte in diesem Bahnhof, mehr noch in der großen Verpflegungsstation, für reibungsfreien Ablauf zu sorgen. Bereits am 4. August 1914 wurden, bis die beiden großen Speisehallen fertig, in denen täglich 4 bis 6 000 Soldaten verpflegt wurden, Außerdem, man sollte es noch wissen, hatte dieser Bahnhof noch ein kleines Bahnbetriebswerk angegliedert, in dem vier Lokomotiven stationiert waren, mit der dazu gehörenden Werkstatt, großem Wasserturrn und Koh1enlager. Von hier aus wurde der Bahnverkehr nach Frankfurt und Goddelau betrieben. Diese Bahnhofskommandantur wurde am 1. Oktober 1915 aufgehoben.

57. Ebenso schnell wurde, sofort nach der Mobilmachung, dem Bahnhof gegenüber (siehe im Bild) für das mit der Eisenbahn hierdurch passierende Militär, eine Verpflegungsstation errichtet. Die Küche darin betrieb der Gastwirt Hermann Döring, Inhaber der Gastwirtschaft 'Zur Pfungstädter Bierhalle', dem Bahnhof gegenüber, An Stelle dieser Verpflegungsstation steht heute das Werk II FauIstroh. Bereits am 9. August 1914 konnte Prinz Oskar von Preußen mit seinem Regiment, den preußischen Königsgrenadieren, auf seinem Halt hier verpflegt werden. Am 20. August 1914 weilte die hessische Großherzogin Elenore hier in Groß-Gerau und besichtigte diese Verpflegungsstation und das .alte Krankenhaus, das zu einem Kriegslazarett umgerüstet worden war.

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58. Als in der ersten Hälfte des Monats September 1914 die Marneschlacht m l'fankreich ihren Höhepunkt überschritt, ging dieses Bild: 'Die 'Besiegten', kriegsgefangene Franzosen in Groß-Gerau' um die ganze Welt und mit ihm der Name unserer Stadt. Dies ist das erste Foto das überhaupt kriegsgefangenes französisches Militär zeigt. Diese Aufnahme erschien in der Septemberausgabe der großen deutschen Illustrierte 'Die Woche' 1914. Es zeigt die gefangenen Franzosen auf der Laderampe des Bahnhofs Groß-Gerau bei ihrer Verpflegung. Die Suppe wurde in Portionseirnern der Konservenfabrik 'Hero' dargeboten. Die Verwundeten wurden hier rnit frischen Verbanden versehen, um nach ihrer Versorgung in drei Güterzügen in ein Lager auf dem Truppenübungsplatz Münsingen auf der rauhen Alb weiter gefahren zu werden. Den Gesichtern dieser Männer sieht man die Schrecken und Entbehrungen, ja auch Erschütterung und die Angst um ihre Zukunft an. Er sind doch durchwegs Familienväter und ältere Leute die vorn Pflug und aus der Fabrik plötzlich auf das Schlachtfeld eines unsinnigen menschenfressenden Kriegs gejagt wurden.

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