Großostheim in alten Ansichten Band 1

Großostheim in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Ewald Lang
Gemeente
:   Großostheim
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1055-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Großostheim in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Seit seiner ersten Erwähnung im Jahre 828 durch Einhard, den Biographen Karls des Großen, hat unser Heimatort Großostheim stetig sein Gesicht verändert. Die Menschen wurden von den Umständen ihrer Zeit geformt. Die auf uns gekommenen Kunst und Bauwerke erzählen von Zeiten des Wohlstandes aber auch der Not. Eine große Zeit der Blüte erlebte Ostheim, wie unser Ort ursprünglich benannt war, im späten Mittelalter als Verwaltungs- und Gerichtsort der Cent Bachgau. Vorwiegend kunstvolle Figuren und Altäre in der Pfarrkirche und den Kapellen, von frommen und wohlhabenden Stiftern in Auftrag gegeben, legen hiervon Zeugnis ab. Eine Schmälerung ihrer Rechte erfuhren unsere Vorfahren aber bald wegen aktiver Beteiligung am Bauernkrieg 1525.

Fleiß und Tatendrang waren aber ungebrochen und so entstanden in der Zeit des aufstrebenden Bürgertums im 16. Jahrhundert stattliche Gehöfte mit schmucken Fachwerkhäusern und den charakteristischen steinernen Torbögen wie wir sie auf zahlreichen Fotos sehen können. Leider mussten viele dieser Anlagen den Erfordernissen der Neuzeit, oder mangelndem Verständnis weichen. Der Dreißigjährige Krieg (J 6 I 8- 1648) brachte eine lange Zeit der Not und erst das 18. Jahrhundert eine neue Blütezeit. Wiederum sind es Kunstund Bauwerke, die uns daran erinnern. Unsere Pfarrkirche wurde erweitert und im Geschmack der Zeit ausgeschmückt. Zahlreiche neue Fachwerkhäuser mit fratzenbewehrten Torbögen entstanden auf den Ruinen des Krieges.

Die napoleonischen Kriege brachten eine erneute Stagnation mit sich und als Ostheim 1814 bayerisch wurde, lag es am Rande des Geschehens und die Entwicklung zog lange Zeit am Orte vorüber wie auch die Frachtwagen auf der neuerbauten Chaussee. Einen langsamen Wandel brachte die beginnende Industrialisierung am Ende des vorigen Jahrhunderts, wo Großostheim sich von einem vorwiegend landwirtschaftlich geprägten, zu einem Industrieort entwickelte. In diesem Zeitraum zwischen 1880 und 1930 möchte Ihnen dieses Büchlein einen lebendigen Einblick geben. Die älteren Großostheimer werden zahlreiche bekannte Gesichter und längst veränderte Häuser und Winkel entdecken. welche Erinnerungen wachrufen. Dern jüngeren Ortsbürger soll ein kleiner Einblick in die Lebensbedingungen unserer Großeltern, das Ortsbild , die Straßen und Verkehrsverhältnisse, die Gesellschaftsschichtung und die Mode von früher vermittelt werden.
Es konnten noch längst nicht alle Personen auf den Fotos identifiziert werden, bitte helfen Sie mir dabei. Es wird Ihnen so manche Begebenheit oder Anekdote beim betrachten der Bilder einfallen. Bitte teilen Sie mir diese mit. Es soll nichts von unserer reichhaltigen Geschichte und unserer Mundart verloren gehen. Gerade in einer Zeit der Normung sollten wir uns eine gewisse Individualität bewahren.

Unsere Vorfahren hatten es hier leichter. Die Menschen kamen mehr zusammen. Kein Fernseher hielt sie im Hause zurück. Im Sommer traf man sich auf der verkehrsarmen Straße am Abend zu einem Plauderstündchen. Im Winter kam man dort zusammen, wo gerade gut geheizt war. Es gab auch bevorzugte Stellen, wie an der Lügenbrücke am Haus Nr. 1 (Bild NI. 48) oder an der Ecke Katzenmarkt Breitestraße, wo man sich gegenseitig kräftig die 'Hucke' vollsog. So mancher Streich wurde hier ausgeheckt. Die Bauern versammelten sich im Winter um den warmen Futterkessel, wo dann die berühmte 'Kesseldeckelpolitik' gemacht wurde. Es war eine ruhigere Zeit, aber auch eine ärmere. Man empfand dies damals aber nicht so stark weil man es nicht anders gewohnt war. Als Essen gab es oft 'Grumbiern' und Dickmilch oder 'Grumbiern' mit 'Dup-Dup' (Salz), Fleisch stand bei einem Großteil unserer Groß- und Urgroßeltern nicht häufig auf dem Tisch. Ein Loch in der Hose oder ein durchgelaufener Schuh führten oft zu einer Tragödie. Geld stand meist wenig zur Verfügung. Ein Tagelöhner verdiente um die Jahrhundertwende, an einem Arbeitstag der zwölf und mehr Stunden dauerte, zwei bis drei Mark. Eine Verbesserung des Lebensstandardtes brachte die aufstrebende Industrie.

Zahlreiche Juden lebten damals im Ort; es waren meist kleine Händler und Handwerker. Wie alle Minderheiten wurden sie gerne 'gehänselt'. Die Buben erschreckten gerne die Frauen im Judenbad, indem sie Steine an die Blechläden warfen. Ein jüdischer Vater, Moses Oppenheimer, sprach einmal den noch heute zitierten Satz: 'Sie lache iwwer meuen Max, wann er ni meu wer, det isch a iwwern lache!' So mancher Schabernack wurde getrieben, besonders von den jungen Burschen. So sollen öfters in ganzen Straßen die Fensterläden über Nacht verschwunden sein. Am Marktplatz oder an einem Brunnen konnte man sie sich dann wieder zusammensuchen. Eine Kerb ohne 'Schmiss' war keine Kerb. Heute reagiert man sich auf dem Motorrad oder bei heißen Rhythmen ab. Der Mensch richtet sich nach den Möglichkeiten seiner Zeit.

Herzlich danken möchte ich der Firma Ritter und Vogt, dem Fotostudio Morhart und zahlreichen Ortsbürgern für die Bereitstellung der Bilder und die Bestimmung der Personen und Gebäude auf den Fotos. Dieser Bildband soll kein wissenschaftliches Werk sein, er möchte Erinnerungen wecken, zum besseren Verständnis einer vergangenen Zeit beitragen und der Unterhaltung dienen!

1. Die herbstliche Ansicht der unteren Gärten um die Jahrhundertwende wurde in der Höhe der heutigen Gärtnerei Strötz und Berchtenbreiter aufgenommen. Die Ortsmauer ist hinter den Bäumen noch durchgehend zu erkennen. Heute stehen nur noch Reste. Über die Dächer ragt die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul, Der eingezogene Chor zeigt uns die Höhe ihres ersten Baues um 1250. Heute wirkt der Turm durch die spätere Erhöhung des Mittelschiffes im Jahre 1772 etwas gedrungen. Zu beiden Seiten des Chores stehen der höhere Bau des Mädchenschulhauses und der altere Bau der Knabenschule. Die Ulme hatte, damals 50-jährig, schon eine stattliche Größe. Rechts daneben erkennt man die geschwungene Haube des Treppenturmes im Nötigsgut,

2. Dieses Foto unserer 'alten Kirche' entstand vor der Jahrhundertwende. Ins Auge fällt sofort das andersartige Wandgemälde über dem Chorbogen, darstellend die Himmelfahrt Mariens und darunter die Engel über den Seitenaltären, ausgefriert 1865 vermutlich von dem Aschaffenburger Maler Wilhelm Fritz. Der schlichte Chorraum hat noch gemaltes Quadermauerwerk. Der hölzerne Tabernakel zeigt noch neugotische Formen. Im rechten Seitenaltar steht an Stelle des heiligen Sebastian eine Christusfigur im Stil des 19. Jahrhunderts. Über dem Schalldeckel der Kanzel ist schwach zu erkennen, das die Innenseiten der Emporbögen farbig gestaltet waren. Dieser Zustand des Innenraumes blieb erhalten bis zum Jahre 1909.

3. Dieses Foto entstand zwischen 1909 und 1911. In diesen Jahren kam es unter Pfarrer Karl Leist zu einer dringend notwendig geworden en Renovierung des Kircheninneren. Das Foto entstand während der Renovierungsarbeiten, Vom neuen Chorbogenfresko ist erst der Rahmen fertig gemalt. Die Seitenaltäre sind abgebaut. Dieses Foto beweist, dass hinter dem Sebastiansaltar neben dem Chorbogen ein Wandgemälde, wohl aus spätgotischer Zeit, verborgen ist, Erkermbar ist eine Pieta mit seitlichen Assistonsfiguren und darüber drei Kreuze. Das gleiche Motiv kehrt im Riemenschneideraltar wieder. Dieser ist auch abgebaut. Dahinter waren schon damals die heute wieder sichtbaren spätgotischen Fresken am Ostende des südlichen Seitenschiffes zu erkennen. Die Weltkugel auf dem Schalldeckel der Kanzel zeigt noch Kontinente und Gradeinteilung,

4. Dieses Foto entstand nach 1921, als Großostheim an das Elektrizitätsnetz angeschlossen wurde. Wir erkennen dies an den Lampen, welche in den Spitzbögen hängen. Das Foto zeigt den Zustand der Kirche nach der 1911 abgeschlossen Renovierung. Der Tabernakel ist erneuert und das Hochaltarbild von neubarockem Stuck umrahmt. Das Fresko über dem Chorbogen wurde 1909 von dem Aschaffenburger Kunstmaler Adalbert Hoek neu gemalt. Er erneuerte auch gleichzeitig das große Deckenfresko von J.C. Bechthold. Die Figur des heiligen Petrus von 1737 flankierte einst zusammen mit dem heiligen Paulus den barocken Hochaltar. Sie wurde zusammen mit dem Sankt Christopherus (19. Jahrhundert) auf der rechten Bildhälfte nach 1950 beseitigt, Bei der Chorumgestaltung 1965/1966 wurden Altar und Tabernakel erneuert und die Figuren am Chorbogen entfernt.

5. Unseren Riemenschneideraltar stifteten. vermutlich 1489, Großostheimer Bürger. Die feine Schnitzerei Riemenschneiders, wie wir sie nach der Restaurierung von 1956 heute bewundern können, war nicht für farbliche Fassung gedacht, diese ist wohl ein Zugeständnis an das Repräsentationsbedürfnis einer späteren Generation. Unser Bild zeigt den Altar im Zustand vor 1909 in farbiger Fassung. Die Beweinungsgruppe ist in einen hoch vormaligen, neugotischen Schrein des 19. Jahrhunderts eingebettet. Die heilige Helena darüber und die seitlich auf Konsolen stehenden Kirchenpatrone Petrus und Paulus, stammen aus der Riemenschneiderwerkstatt. Nach 1909 veränderte man das Gehäuse (Bild Nr. 4 rechts). Die Kirchenpatrone standen nun in seitlichen Flügeln. Im Jahre 1953 beseitigte man das Gehäuse und heute steht der Altar gesichert im nördlichen Seitenschiff.

6. Neben der Pfarrkirche beherrscht das 'Nötigsgut', der ehemalige Zehnthof der Mainzer Dompröbste, den Marktplatz. Verdierite bürgerliche Untertanen erhielten diesen Hof als Lehen und wirkten im Bachgau als Finanzbeamte. Die stattliche fränkisch geschlossene Hofanlage wurde zwischen 1537 und 1629 erbaut. Heute ist das reichgegliederte Fachwerk nach der Freilegung 1929 wieder zu sehen. Der linke, dreistöckige Bau beherbergt heute das Bachgaumuseum. Die Haustüre war damals zugemauert. Das rundbogige Fußgängerpförtchen über dem das Schild des Bürgermeisters Jakob Nötig zu sehen ist wurde 1929 an die Hausecke des zweigeschossigen Wohnbaues versetzt. Das Dach des niederen Wohnhauses rechts außen ist noch mit altertümlichen Hohlziegeln gedeckt.

7. Bis zu seiner Erwerbung durch die Gemeinde 1929 war das Nötigsgut bewirtschaftet. Zahlreiche Knechte und Mägde bearbeiteten den großen Grundbesitz. So zeigt das Foto von der Jahrhundertwende das bäuerliche Gepräge dieses stattlichen Hofes. Ins Auge fällt der spatgotische Ziehbrunnen, der hier noch seinen ursprünglichen Platz vor dem kleinen Treppenturm einnimmt. Er steht heute unter der Ulme arn Marktplatz. In den Brunnen ist bereits ein 'moderner' Pumpbrunnen eingebaut. Neben dem Brunnentrog steht eine hölzerne Bütte worin man zum Beispiel Sauerkraut einmachte. Unter der kunstvoll gemeißelten nachgotischen Maßwerkbrüstung erkennen wir die Türen der Schweineställe, davor steht ein hölzener Leiterwagen. Ein groïser Misthaufen wie im Hintergrund, diente unter anderem früher zur Beurteilung des Wohlstandes.

8. Der Marktplatz war in früheren Jahrhunderten von großer Bedeutung für Großostheim und den Bachgau. Seine Geräumigkeit zeigt, dass hier an Markttagen reger Handel getrieben wurde. Vor dem Nötigsgut befand sich die Malstätte, wo sich die Centuntertanen zur Beratung und bei schweren Gerichtsfällen trafen. Der Platz hat bis heute seinen geschlossenen spätmittelalterlichen Charakter bewahrt , ja, durch die Freilegung des Fachwerks noch an Reiz gewonnen. Unser Bild zeigt die Südseite des Marktplatzes um 1910. Die Ganse waren überall im Ort anzutreffen. Kinder liefen im Sommer üblicherweise barfuss und die Buben meist in 'Hochwasserhosen'. Eine solche Hose wuchs mit. Im Winter wurden dann einfach lange Strümpfe dazu angezogen.

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