Hanau am Main in alten Ansichten

Hanau am Main in alten Ansichten

Auteur
:   Franz Schaub
Gemeente
:   Hanau am Main
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1570-4
Pagina's
:   144
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Hanau am Main in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Warum liegt über dem Andenken der Vorzeit eine so liebliche Ruhe? Warum ergreift uns wehmütige Rührung fast schon beim Nennen der alten Zeit? Warum sehen wir ihre Gestalten in so sanftem Schimmerlichte, so ohne Beimischung des Grellen? Ist es darum, weil der Tod sie geebnet hat, weil ihre Sorgen und Qualen nicht mehr sind und die Zeit gelehrt hat, daß diese Täuschungen waren, und wir sie nun belächeln wie die Trübsale der Kinder? Diese Worte schrieb Arthur Schopenhauer, der in seinen späteren Jahren in Frankfurt als Privatgelehrter lebte und der auch gerne nach Hanau kam, wo ihm, dem Philosophen, der. das scheinbare Glück des Menschen so gut zu deuten wußte, die unbeschwerte Heiterkeit, die Freude an der Kunst und damit verbunden Friede und Ausgeglichenheit geschenkt wurden.

Die Worte sagen treffend, was dieses Buch 'Hanau am Main in alten Ansichten' dem Leser bringen soll: Ruhe, Erinnerung und Freude. Auch etwas Heiterkeit und ein glückliches Lächeln, mit dem wir die Reise in die Vergangenheit beginnen wollen. Eine verblühte Zeit soll aus den Schatten der Chroniken wieder hervorgeholt werden. Wer weiß noch, wie das alles aussah, als man noch zur 'Parad' vor dem Neustädter Rathaus auf- und abmarschierte? Wer kennt noch die alten, verschwiegenen Gassen an der Marienkirche? Wer kann sich noch an die Magnolien erinnern, die am Stadtschloß blühten? Das alles war einmal unsere Welt und unser Besitz. Als in der Nacht zum 19. März 1945 Alt-Hanau vernichtet wurde, starb nicht nur eine Stadt. Im Feuer, das vom Himmel herunter auf die arme Erde loderte, starb auch das Vermächtnis unserer Vorfahren; ein Dokument für Frieden, Glück und Freiheit

wurde vernichtet und konnte in der alten Form nie mehr entstehen. In Hanau hatte sich die Kunst nicht nur museal etabliert. Dort waren Kunstschaffende ersten Ranges am Werk und ihr Geist befruchtete mehr als nur eine Generation. In Hanau wurde mit kostbaren Materialien gearbeitet, dort setzte die Zeichenakademie wichtige Akzente; dort verstand man das Erbe des Kreises der Romantiker, zu denen die Brüder Grimm, Clemens Brentano, die Günderode und viele andere gehörten, nicht nur als bloßes Anschauungsmaterial, sondern als Auftrag und Hinweis, um einer neuen Zeit ein neues Erlebnis zu schenken. Zahlreiche später berühmt gewordene Maler erblickten in Hanau das Licht der Welt. Andere kamen in diese Stadt, magisch von ihrem Märchenzauber angelockt, und sie fanden das Fundament ihres Ruhrns. Hanau ist die Heimat des Malers Friedrich Bury, der im Jahre 1801 den Herrn Geheimrat Goethe und die schelmisch lächelnde Christiane Vulpius zeichnete. Damals war Emil Ludwig Grimm erst elf Jahre alt und kritzelte die ersten Skizzen in seine Schulhefte. Später schrieb er in seinen 'Erinnerungen' über den Maler Bury, den er zeitlebens verehrte und der für ihn und sein Schaffen immer ein Vorbild blieb. Im Jahre 1780 wurde in Hanau Peter Krafft geboren. Er wurde weltberühmt. Nachdem er die Zeichenakademie absolviert hatte, ging er nach Paris und nach Wien, wo er vor allem mit seinen Wandgemälden in der Hofburg Aufsehen erregte. Wer von den vielen soll noch genannt werden? Moritz Oppenheim, der in der Judengasse zur Welt karn? Oder Heinrich Ludwig, der als Hanauer die Düsseldorfer Akademie besuchte und die Petroleummalerei erfand? Oder Georg Corni-

celius, der als Porzellanmaler begarm und später so heitere Szenen wie zum Beispiel 'Das Kasperltheater', das heute dem Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt gehört, zu malen verstand? Zu nennen wären auch noch Franz Stassen, der mit siebzehn Jahren den großen Staatspreis der preußischen Akademie erhielt. August Gaul und August Bischoff', die Bildhauer, und schließlich Reinhold Ewald, der mit farbenprächtigen Fresken Kirchen und Kapellen schmückte und der im Alter, einsam und fast vergessen, noch einmal versuchte, sein zerstörtes Hanau mit glühenden Farben dem Vergessen zu entreißen.

Und zu den Malern gesellen sich unzählige andere Künstler aller Sparten. Es ist nicht möglich, alle Namen zu nennen. Man muß sich beschränken und kann nur Hinweise geben. In der Vorstadt, unweit der Kinzigbrücke, stand das Geburtshaus von Paul Hindemith. Hier war sein erstes Paradies, dem er später immer wieder gerne die Erinnerungen schenkte. Als 27jähriger spielte er im Hanauer Stadttheater zum ersten Male innerhalb eines öffentlichen Konzerts. Er vergaß sein Hanau nie und blieb der Stadt verbunden. Auch die Schauspielerin Rosa Albach-Retty stammt aus Hanau und hat ihrer Heimat so manches kleine Gedenken gewidmet. Frankfurt ist die Stadt tätiger Regsamkeit, Offenbach ist bedachtig und heiter, Hanau aber ist auch heute noch eine Insel der Kunst, ein Kleinod im Kreis der Städte am Unterlauf des Mains. Das Erbe der Vergangenheit ist noch lebendig, auch wenn der Zweite Weltkrieg mit zerstörender Gewalt so vieles vernichtet hat. Die Hanauer Bürger haben die Chronik der Ahnen niemals beiseite gelegt, sondern und alles das beherzigt, was die

Vorfahren schon als wichtig und wertvoll anerkannt hatten. Die Stadt ist wieder erstanden und hütet das Geheimnis, von dem die Märchenerzähler Jakob und Wilhelm Grimm so oft gekündet haben.

Es würde zu weit führen, wollte man diesem Vorwort noch die zahlreichen Geschichtsdaten anfügen, die der Stadtchronik das Gepräge geben. Es muß dennoch daran erinnert werden, daß Hanau schon im Jahre 1303 Stadtrechte bekam und daß die Stadt unter der Herrschaft der Grafen von Hanau alle Wirren der Zeit gut überstanden hat. Im Jahre 1593 wurde das reformierte Bekenntnis eingeführt und Graf Philipp Ludwig 11. gab den vertriebenen Wallonen und Niederländern eine neue Heimat. Hilfsbereitschaft und Duldsamkeit waren schon immer die vorherrschenden Charakterzüge der Hanauer Grafen und der Hanauer Bürger. In der aufstrebenden Stadt wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts eine Zeichenakademie gegründet; damit wurde eine wichtige Institution für die kulturelle, aber auch für die industrielle Entwicklung geschaffen.

Das vorliegende Buch kann keine umfassende Geschichte erzählen, es können nur Streiflichter aufgezeichnet und fe stgehalten werden. Mit den Bildern und den Texten aber soll die alte schöne Stadt noch einmal lebendig werden, Erinnerung sein für diejenigen, die das alles noch erlebt haben; der heutigen Generation aber soll das Buch ein Wegweiser in die Vergangenheit sein, in eine Zeit also, die zur Geschichte unserer Heimat gehört und die wir nie vergessen dürfen!

1. Matthäus Merian widmete sieh mit besonderer Liebe der Stadt Hanau, die er aus der Vogelperspektive darstellte. Auf dem Blatt sind die in Kupfer gestochenen Linien und Konturen fein herausgearbeitet. Im Jahre 1632 sah die Stadt ungefähr so aus, wie sie auf dem Bilde dargestellt ist. Die Marienkirche in der Mitte ist auf alten Fundamenten neu aufgebaut, Breit und behäbig thront die wallonisch-flämische Kirche über den Bastionen, rechts zeigt das Schloß seine wehrhaften Formen, Der Main ist eine hübsche Zierleiste und umschmeiehelt die alte Stadt, die bereits im Jahre 1234 als 'castrum in Hagenowen', als 'Burg im Hanauwald', in den Chroniken erwähnt wird. Als Merian den Kupferstich anfertigte, weilte Catharina Belgica, die Gattin des im Jahre 1612 gestorbenen Grafen Philipp Ludwig, wieder in ihrer Heimat Holland. Sie ließ sich ein Kupferblatt von Hanau senden und bewahrte es als kostbare Erinnerung bis zu ihrem Tode. Catharina Belgica starb im Jahre 1648 und wurde in der Nieuwe Kerk in Delft beigesetzt.

2. Das Wahrzeichen Hanaus war - und ist immer noch - das alte Rathaus, das heute als 'Goldschmiedehaus' eine neue Aufgabe übernommen hat. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts entstand dieses fachwerkgeschmückte Haus das von zwei machtigen Mauern mit fünffach gestaffelten Giebeln wie ein Schmuckstück umschlossen wird. Als im Jahre 1834 die Altstadt Hanau mit der Neustadt zusammengeschlossen wurde, verlor das alte Rathaus seine Bedeutung als kommunale Mitte. Das Landgericht wurde darin untergebracht, später ein Museum. Nach den Kriegszerstörungen im Zweiten Weltkrieg begarm ein planmäßiger Wiederaufbau dieses einmaligen Hauses, das als Attraktion der Stadt Hanau immer noch seinen Zweck als 'Goldschmiedehaus' erfüllt.

3. An einern verschneiten Wintertag machte der Fotograf diese Aufnahme. Über den verschachtelten Dächern der Altstadt liegt Schnee und verwandelt die Stadt in ein Filigranwerkstück. Der Turm der Johanniskirche steht wie ein steiles Denkmal vor dem grauverhangenen Himmel. Die Stadt ruht in sich selbst, fühlt sich geborgen und weiß um eine gute Zukunft.

4. Und wieder ist ein Fotograf auf einen Kirchturm gestiegen. Er baute dort seinen Apparat auf, um den Bliek zum Stadtschloß richtig ins Bild zu bekommen. Wuchtig und schwer liegen die Schloßflügel vor dem Schloßgarten, der sich wie ein breiter Schatten an die alte Stadtgrenze schmiegt. Im Hintergrund werden Teile von Industrieansiedlungen sichtbar. Der breite langgestreckte Bau mit den zahlreichen Dachgauben in der Bildmitte war einmal der Marstall, erbaut im Jahre 1712 von Graf Philipp Reinhard. 70 Meter lang, 20 Meter breit! Spater diente das Gebäude als 'Stadthalle' der Freude und der Unterhaltung.

5. Mainaufwärts geht der Bliek über die Stadt. Das hohe Dach der niederländisch-wallonischen Kirche hebt sich deutlich ab. Am Holzhafengelände liegen ein paar Mainschiffe und in der Philippsruher Allee sieht man kaum Fußgänger. Ein Sommernachmittag. Noch stehen die Kastanien wie eine Schutzmauer an der alten Stadt.

6. Vom Turm der Johanniskirche aus konnte man die alte Stadt gut überblicken. Im Vordergrund das Altstädter Rathaus, dahinter die ehemalige Pfarrkirche der Altstadt, die bereits im 12. Jahrhundert in Chroniken erwähnt wird. Im 16. Jahrhundert wurde die aus dem 15. Jahrhundert stammende Kirche umgebaut und vergrößert, 1568 wurde der Turm restauriert. Die Kirche ging als Marienkirche in die Chronik der Stadt ein und wurde nach den letzten Kriegszerstörungen wieder aufgebaut.

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7. Der Paradeplatz entstand in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Erbprinz Wilhelm von Hanau ließ alte Festungsanlagen zwischen Alt- und Neustadt einreißen, somit wurde Raum geschaffen, um neue Anlagen errichten zu können. Man liebte Weite und Großzügigkeit und es entstand ein großer, freier Platz. An seiner Seite wurde das 'Zeughaus' gebaut, dazu eine 'Wache' an der Querseite. Um die Jahrhundertwende war der Paradeplatz ein beliebtes Motiv für Fotografen; neugierige Zuschauer fanden sich immer ein.

8. Das Zeughaus wurde im Jahre 1777 von dem Baudirektor Franz Ludwig Cancrin entworfen. Es war die Zeit, da man allgemein dem französischen Geschmack huldigte und vornehme Bürgerhäuser mit breiten Fenstern und hohen Dachgauben baute. Cancrin - 1738 geboren - studierte Bergwissenschaft, Jura und Mathematik. Seine erste Anstellung fand er in der Rentkammer in Hanau. Erbprinz Wilhelm erkannte bald die hohen Qualitäten des Mannes und holte ihn, um seine wichtigsten Baupläne ausführen zu können. Cancrin wurde Hofbaumeister und baute unter anderem auch Wilhelmsbad.

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