Hennef an der Sieg damals und heute

Hennef an der Sieg damals und heute

Auteur
:   Friedrich Balensiefen und Dr. Helmut Fischer
Gemeente
:   Hennef an der Sieg
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5760-5
Pagina's
:   144
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Hennef an der Sieg damals und heute'

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13. Zug der Brölbahn 1947.

Mehr als vier Jahrzehnte war die Hauptverwaltung der 'Brölthaler Eisenbahngesellschaft', ab 1921 der RheinSieg-Eisenbahn A.G., in Hennef ansässig. Während des Ersten Weltkrieges wurde ein neues Verwaltungsgebäude in Beuel errichtet. Der Werkstattbahnhof blieb in Hennef und wurde nach 1918 erheblich erweitert und mit einem Wasserturm ausgestattet. Die Rhein-Sieg-Eisenbahn übernahm eine wichtige Aufgabe im regionalen Verkehr, vor allem im Güterverkehr. Die Gesamtlänge des Streckennetzes betrug 87,3 km und umfaßte 35 Bahnhöfe und acht Haltestellen. 1937 beförderte die Bahn rund 305 000 Fahrgäste und etwa 475 000 t Wagenladungsgüter, davon rund 287 000 t Basalt aus den Basaltbrüchen des Vorderen Westerwaldes.

Die technische Ausrüstung wurde ständig den Anforderungen angepaßt, ohne jedoch auf die alte zuverlässige Dampflok ganz zu verzichten. Die Aufnahme von 1947 zeigt einen Personenzug und das Bedienungspersonal mit der Dampflokomotive Nr. 3 Baujahr 1918. Sie ist noch mit der Glocke vor dem Schornstein ausgerüstet. Einige Dampflokomotiven sind noch in den letzten Betriebsjahren auf Ölfeuerung umgebaut worden. 1934 wurde der erste Diesel-Tnebwagen für die Personenbeförderung in Dienst gestellt. Bereits 1925 konnten mit Bussen auch entlegene Ortschaften angefahren und im Zubringerdienst mit dem Bahnhof Hennef verbunden werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg schaffte man, unter anderem 1959 und 1960, drei Diesellokomotiven für den Streckendienst an. Als sich die wirtschaftlichen Verhältnisse änderten, wurde der Personenverkehr nach und nach auf Autobusse umgestellt. Das Gerät wurde verkauft oder ausgemustert.

Innerhalb von mehr als zehn Jahren wurden die Strecken stillgelegt, 1953 die Linie Hennef-Waldbröl, 1956 die Strecke Niederpleis-Siegburg, 1959 die Strecke Asbach-Bennau-Tal und 1962 die Strecke OberpleisNiederpleis. Lediglich die Strecke vom Steinbruch Eudenberg im Hanfbachtal bis Hennef blieb bis 1966 für die Basalttransporte in Betrieb. Zur selben Zeit wurden die Gleise zwischen Hennef und Beuel beseitigt. Die Schmalspurbahn hatte mehr als hundert Jahre nach ihrer Gründung aufgehört zu bestehen. Die Bahnanlagen, die Gebäude, Gleise und Signale verschwanden. An der Bröltalstraße finden sich noch wenige Reste des ehemaligen Lokschuppens und der Werkstatt. Vor dem Bahnhof in Hennef, auf dem Banburyplatz, erinnert nur ein Schienenstück in der ehemaligen Kleinbahntrasse an das 'Brölbähnchen' und seine Geschichte.

14. Pferdegespann 1947.

In ihrem Alltag konnten die Menschen gegen Ende des 19. Jahrhunderts keineswegs immer auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurückgreifen. Weite Entfernungen waren auch deshalb zurückzulegen, weil es die Gemeindezugehörigkeit und das Herkommen verlangten. So gehörte das Dorf Striefen zur Pfarrgemeinde St. Michael Geistingen. Die Kinder besuchten die Volksschule des Kirchortes und hatten täglich einen Schulweg von etwa zehn Kilometern, und zwar bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit. Da der Unterricht vor- und nachmittags stattfand, verbrachten sie die mittägliche Unterbrechung bei Verwandten und Bekannten. Die Kinder aus Stoßdorf machten den Weg nach Geistingen und zurück gar vier Mal am Tag. Bei schlechter Witterung war die Kleidung durchnäßt, und die Schüler suchten die Nähe des Ofens im Klassenraum.

Mühevoll gestaltete sich auch die Beerdigung auf dem Friedhof in Geistingen. Von Stoßdorf aus trugen zwei Männergruppen im Wechsel den Sarg auf der Schulter zur Begräbnisstätte. Die Arbeiter, die großenteils in den Siedlungen des gebirgigen Umlandes wohnten, wanderten auf Schusters Rappen zu ihren Betrieben. Ein Mann erinnerte sich, daß er siebzehn Jahre lang täglich von Rott zur Geschoßfabrik auf dem Brückberg in Siegburg ging. Die Familienangehörigen brachten ihm in der Mittagspause die Mahlzeit, und eine Stoßdorferin trug regelmäßig die Eßgeschirre, Henkelmann genannt, in einem Wäschekorb auf dem Kopfin die Kreisstadt. Die Arbeiter aus der Obergemeinde, die in Hennef beschäftigt waren, kamen mit dem Pausenbeginn ihren Frauen bis zum Steimelsberg am Ende der heutigen Beethovenstraße entgegen, nahmen das warme Essen zu sich und begaben sich wieder an ihren Arbeitsplatz.

Die mündlichen Berichte machen deutlich, unter welchen harten Bedingungen das Leben bewältigt werden mußte. Das Einkommen reichte gerade für das Nötigste. Ein eigenes Fahrzeug konnte ein einfacher Arbeitsmann sich nicht leisten. Wohl benutzten die Bauern, Handwerker und Geschäftsleute, sofern sie ein Pferd besaßen, leichte und offene Wagen, Gig genannt. Die Aufnahme zeigt den Müller Wilhelm Schmitz mit seinem Gespann im Jahre 1947 vor einem seiner Kunden, der Bäckerei Küchenberg in Uckerath. Eigentlich sollte man ein Kraftfahrzeug erwarten. Aber die wirtschaftliche Not kurz nach dem Zweiten Weltkrieg veranlaßte dazu, auf das eigentlich ungebräuchliche Gefährt, nun jedoch statt der Holz-Eisenräder mit Gummiluftreifen ausgestattet, zurückzugreifen.

15. Hochrad in Uckerath.

Der Ausbau der Verkehrswege und der technische Fortschritt seit den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts bewirkten, daß man alsbald Fahrzeuge für die verschiedensten Beförderungszwecke entwickelte. Die Erfindung des Benzinmotors regte zum Bau von Autos an. In Hennef suchte die Firma Philipp Löhe Maschinenfabrik und Eisengießerei die maschinelle Individualfortbewegung zu fördern. 1883 stellte sie ihr Hochrad mit 'patentirten Gußstahl-Drahtschnur-Speichen' vor. Das Vorderrad hatte, je nach der Beinlänge des Fahrers, einen Durchmesser von 120 bis 145 Zentimeter. Auf einer gekrümmten Stange über dem Rad befand sich der Sattel, am Ende das kleine Hinterrad. 'Kopt, Lenkstange, Bremse, Sattelfeder, Achse, Nabenscheiben, Kurbeln, Pedale sowie Lager sind vernickelt, das Übrige fein lackiert.' Der Preis betrug je nach Radgröße zwischen 350 und 360 Mark, zu viel, als daß ein Arbeiter, der zwischen 25 und 45 Pfennigen in der Stunde verdiente, sich ein solches Gefährt hätte leisten können.

1904 jedoch scheinen die Fahrräder in Hennef schon zur Plage geworden zu sein. Die 'Hennefer Volks-Zeitung' sieht sich veranlaßt, ausführlich auf die Gefahren für Fußgänger hinzuweisen: 'Für den Fußgänger bleibt fast kein Weg mehr frei, wo er ungefährdet hinschreiten kann. Sonntags zumal, wenn der Nichtradier sich draußen in der Natur zur wirklichen Erholung von der Woche schwerer Arbeit - viele Radler kennen solche nicht - etwas ergehen möchte, kann er dazu kaum einen einsam gelegenen Pfad finden, die breiten Wege sind nur noch mit Lebensgefahr zu beschreiten. Mückenschwärmen gleich schwirren oft die Radler am Fußgänger vorbei, ihn nicht selten mit einer Wolke Staubes bedeckend, die schon von weitem die wilde Jagd erkennen läßt. Es muß eine gute Dosis des die heutige Welt erfaßten Größenwahnsinns den Schädel des müßigen Radlers eingenommen haben: wir sähen sonst nicht das widrige Bild.' Gefordert wird daher, daß der 'Radler. .. dem ihm vorausschreitenden Fußgänger nur in einer Entfernung von zehn Schritten im Lauftempo folgen' darf und 'unter einem Glockensignal..; in gemessenem Abstande mit mäßiger Bewegung absitzend sein Rad vorbeiführen' soll.

Die Zeiten ändern sich. Die Motorisierung drängt das Fahrrad an den Rand. In einem Rosenmontagszug der fünfziger Jahre wird das muskelgetriebene Fahrzeug in Uckerath aufs Korn genommen. Der Hochradfahrer könnte sich auf einem Fahrzeug der Firma Löhe bewegen. Dahinter versucht sich ein Jeck auf einem jüngeren Modell, luftbereift, mit Freilauf und Lampe ausgestattet. Inzwischen besitzen selbst die Kleinen ihr 'Rädchen', mag auch das Mißverhältnis zwischen dem Gefährt und seinem erwachsenen närrischen Benutzer komische Absichten haben.

16. Auto in Bröltal um 1910.

Straßen und Wege verbinden Städte und Ortschaften miteinander. Sie öffnen abgelegenen Landstrichen den Zugang zur weiten Welt. Seit eh und je ist die 'Verkehrsanbindung' , wie man in der Gegenwart zu sagen pflegt, für das Wohlergehen der Menschen und die Entwicklung der Siedlungen von großer Bedeutung. Immer sind es die verkehrsgünstig gelegenen Orte, die wirtschaftliche Vorteile bieten, Verwaltungsaufgaben wahrnehmen und Einwohner anziehen. Jahrhundertelang ist das Verkehrsnetz indessen unzureichend. Der Zustand der beiden Überlandstraßen, die an der Siedlung Hennef vorbeiziehen, die Bonner Straße von Bonn über Niederpleis und Geistingen, die von Warth als Frankfurter Straße auf den Westerwald führt, und der sogenannte Mauspfad aus Richtung Köln, an Siegburg vorbei, durch Weingartsgasse, Allner und Müschmühle in die Nutscheidstraße mündend, sind nicht befestigt und kaum bei Regenwetter befahrbar. Die Sieg kann nur an wenigen Furten durchfahren oder mit Fährbooten überwunden werden. Die Dörfer, Weiler und Höfe erreicht man über schlechte, ausgefahrene Wege und schmale Fußpfade. Reisen war ein mühsames Geschäft. Man benutzte die Pferdekutsche oder den Ochsenkarren, man ritt zu Pferde oder, und das war meistens der Fall, man ging zu Fuß. Erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts ändern sich allmählich die Verhältnisse. Insbesondere werden Zugänge in das unerschlossene Bergland geschaffen, indem man breite 'Kunststraßen' in den Tälern verlegt. Eine der ersten Verbindungen dieser Art ist die Siegtalstraße von Warth nach Eitorf. Etwa gleichzeitig wird die Eisenbahnstrecke Deutz-Siegburg-Hennef-Eitorf-Betzdorf-Siegen durch das Siegtal gebaut. Das neue Verkehrsmittel bedeutet einen gewaltigen Sprung in der Überwindung großer Entfernungen.

Nur allmählich sind die Menschen in der Lage, sich der Neuerungen zu bedienen. Die Lebensbedingungen halten mit dem raschen Wandel nicht schritt. Wenn zum Beispiel um 1850 eine Geburt beim Standesamt anzumelden war, mußte das Neugeborene dem Beamten, dem Bürgermeister in Hennef, Bödingen und Uckerath, 'vorgezeigt' werden, damit das Geschlecht in Augenschein genommen werden konnte. So begab sich der Vater denn mit dem Ochsen- oder Pferdefahrzeug oder zu Fuß auf den Weg, um der staatbürgerlichen Pflicht zu genügen, oft eine Tagesstrecke bis zum jeweiligen Bürgermeistereiort.

Die Aufnahme aus dem Bröltal von etwa 1910 verdeutlicht den Fortschritt. 1861 wurde die Bröltalstraße dem Verkehr übergeben. Seit 1863 dampft das 'Brölbähnchen' entlang der Straße. Die Menschen haben sich den Verkehrsbedingungen angepaßt. Sie wandern auf der befestigten und gepflegten Fahrbahn, neben der die Kleinbahngleise verlaufen. Das Auto, das neueste Zeichen der Entwicklung, scheint sie nicht zu behelligen. Noch hüten Kinder die weidende Kuhherde. Die ländliche Idylle ist ungestört.

BERGBAU

17. Grube Silistria.

Vor der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts hat die Bürgermeisterei Hennef eine durchweg bäuerliche Grundlage. Es überwiegen die landwirtschaftlichen Kleinbetriebe. Meist sind die Bauern und Winzer noch Tagelöhner, die bares Geld nur zeitweise zu den selbsterzeugten Nahrungsmitteln hinzuverdienen können. Die wenigen Handwerker haben keine überörtliche Bedeutung. Seit dem 18. Jahrhundert wird indessen der Bergbau ein wichtiger Erwerbszweig. In zahlreichen kleinen Aufschlüssen und Gruben werden Erze abgebaut. 1748 befindet sich bei Auel im Burgbann Blankenberg das Kupfer- und Bleibergwerk 'Zum Scheidt' , das aber bereits 1749 verfallen ist. 1801 wird noch eine Mutung auf die Eisensteingrube 'Im Steinensiefen' bei Stein erteilt. Etwa von der Mitte des Jahrhunderts an nimmt die Förderung an vielen Orten zu. In den Gruben 'Gottessegen' bei Dambroich, 'Bergmannslust' am Steimelsberg bei Hennef, 'Altglück' bei Hanfmühle, 'Silistria' bei Kurenbach, 'Ziethen' bei Weingartsgasse und anderen werden Blei, Eisen, Zinn, Zink und Silber ans Tageslicht geholt. 1861 förderten in der Grube 'Asia' bei Blankenberg, nachdem sie fünf Jahre außer Betrieb war, 18 Arbeiter etwa 50 Zentner Glasurerz.

Eine der bedeutendsten Erzvorkommen befand sich bei Kurenbach im Hanftal. In der Grube 'Silistria' , die mit beachtlichen Förderanlagen ausgestattet war, wurden Bleierze und Zinkblende abgebaut. Die Anlagen umfaßten etliche kilometerlange Stollen, die in acht Tiefen bis zu 180 m abgesenkt waren. 1865 bestand der Ertrag in 10 577 Zentnern Zinkblende. Nach der Aufbereitung wurden die Erze mit Pferdefuhrwerken zur Staatsbahn nach Hennef gebracht und in die Hüttenwerke verfrachtet. Als sich die Fördermengen verringerten und eine 'Verunedlung und Zersplitterung der Gangmittel' den Betrieb 'unlohnend' machten, stellte man den Abbau 1891 endgültig ein. Von den aufwendigen Grubenanlagen blieb, wie ein Vergleich der Aufnahme vom Beginn der neunziger Jahre mit der heutigen Örtlichkeit zeigt, nichts erhalten.

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