Heuchelheim in alten Ansichten

Heuchelheim in alten Ansichten

Auteur
:   Adolf Eiff
Gemeente
:   Heuchelheim
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1713-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Heuchelheim in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Omas Familienalbum ist eine unschätzbare Quelle fur den Heimatforscher und den Genealogen. Erfreulich, wie die alten Bilder teilweise sorgfältig aufbewahrt und in Ehren gehalten werden: nur nach längerem Zögern gibt man sie aus der Hand. Wer weiß, ob sie unbeschädigt zurückkommen! Zufriendenstellend auch, wenn die Erinnerungsstücke, in einem Behältnis geschützt, trocken die Zeit überdauern oder in 'Geräußecken' unbehelligt ein verstaubtes Dasein fristen: für den Besitzer werden sie meist dann wieder wertvoll, wenn sich jemand dafür interessiert. Bedauerlich aber, wenn aus Platzmangel, beim Umzug, nach dem Tod eines Angehörigen oder aus anderen Gründen aufgeräumt und das 'aale Zeug' weggeschmissen wird: dieser Verlust ist nicht wieder ungeschehen zu machen. Dabei ist ein wesentlicher Parameter, der die Wegwerfschwelle bestimmt, das Lebensalter. Wie oft wird mit zunehmendem Alter beklagt, was man in jungen Jahren aus Unkenntnis seines Wertes oder aus Unachtsamkeit zum Müll getan hat. Traditionsbewußtsein und Zugehörigkeitsgefühl müssen erst reifen.

Eine Menge Bildmaterial kam zusammen, aus dem eine Auswahl getroffen werden mußte. Die ältesten authentischen Ortsaufnahmen aus dem Jahre 1894 verdanken wir einem Frankfurter Rektor, der bei einer Heuchelheimer Familie zu Besuch weilte. Nur von begrenztem dokumentarischen Wert sind dagegen die frühen Ansichtskarten, idealisierte lithogra-

phische Wiedergaben des Ortsbilds. Unsere Gastwirtschaften waren nicht nur von örtlicher Bedeutung: viele Postkarten zeugen von ihrer Beliebtheit als Ausflugslokale.

Zeitweise spekulierten Wanderfotografen auf Besitzerstolz und Eitelkeit, brachten Haus mit Eigentümer und Familie auf das Bild und sorgten so für die echte Dokumentation heute abgerissener Gebäude. Bei Umzügen und Festveranstaltungen erprobten sich auch Fotoamateure mit unterschiedlichem Erfolg. Aufnahmen aus der Welt der Arbeiter, Bauern und Handwerker sind relativ selten. Der vorwiegend dörfliche Charakter des Ortes läßt sich jedoch bei fast allen Bildern erkennen. Das eigene Bildnis der Nachkommenschaft zu überliefern, dafür scheute man in der Frühzeit der Fotografie weder Zeit noch Geld und begab sich im 'guten Gewand' in die vornehme Atelier-Atmosphäre nach Gießen: Mädchen und Frauen in Tracht, unternehmungslustige Jünglinge, Ehepaare mit und ohne Kinder. Zur Erinnerung an die Zeit der Wanderschaft oder an das Militär ging man fern der Heimat zum Fotografen, um sich als stolzer Krieger oder als fescher Wanderbursche zu präsentieren.

Für Gruppenaufnahmen holte man bei gegebenem Anlaß einen Fachmann in das Dorf, der Alterskameraden, Vereinsmitglieder, Spielschar oder Schulklassen mit Lehrern auf die Platte bannte. Eingerahmt und hinter Glas sind einige dieser Bilder über 100 Jahre alt, sodaß auch von 80jährigen Ein-

heimisehen niemand mehr erkannt werden konnte. Auswahlkriterium für diesen Band war alleine das vermutete allgemeine Interesse an einem Bild.

Bei der Betrachtung der abgebildeten Straßenzüge und Häuser werden manche Erinnerungen an das Heuchelheim von einst geweckt werden. Der in Jahrhunderten gewachsene Ortskern, noch bis in die dreißiger Jahre typisch für diese Gemeinde und unverwechselbar, hat inzwischen viele Veränderungen hinnehmen müssen. So romantisch die alten Aufnahmen auch zum Teil wirken mögen: die Wohnverhältnisse in den alten Gebäuden waren, an dem heutigen Standard gemessen, unzumutbar geworden. Verständlich, daß man abriß oder auszog und vermietete. Auch die Gemeinde sanierte; das war oft identisch mit dem Abbruch von Fachwerkhäusern, Erst langsam wuchs die Erkenntnis, daß die vertrauten Winkel ein Stück unseres örtlichen Daseins sind, Geborgenheit vermittelnd und kommunikationsfördernd; wert, erhalten zu werden.

Die herausragenden Einzelbauten Kirche und Rathaus waren im alten Ortsbild Ausnahmen. Wohnhäuser hoben sich kaum voneinander ab, Ihre Schonheit lag in der Gruppenwirkung. Schnitzverzierungen waren einfach gehalten: meist Schuppenbänder an den Wohnhäusern und fischgrätenartige Zierbänder als Umrahmung der Torfahrt. Tor- und Hausinschriften gaben Kunde vom Entstehungsjahr.

Heuchelheim heute gehört zu den 23 Stadtteilen, die seit dem 1. Januar 1977 zur Verwaltungseinheit Lahn zusammengefaßt wurden. Mit Kinzenbach bildet es einen der 6 Stadtbezirke. Die Post stempelt erst ab 1. Oktober 1977 mit der Ortsbezeichnung Lahn. Eine erneute Statusänderung ist von den Politikern für 1978 angekündigt worden.

Das Aufnahmedatum der Fotografien war nur in den wenigsten Fällen bekannt. Zur ungefähren Datierung dienten: geschätztes Alter der abgebildeten Personen, bekarmter Anlaß (Veranstaltungen, Feste), überlieferter Zeitpunkt einer Ortsbildveränderung (Neubauten, Abriß, Einführung des elektrischen Lichts, Bacheinfassung), Absendedatum und Adreßseite von Postkarten (zweigeteilte Adreßseiten ab 1905-1906).

Hauptsächlich benutzte Literatur:

Dr. K. Reidt: Heuchelheim bei Gießen, Geschichte eines Dorfes am Lahnbogen, 1939.

Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins. H. Walbe: Die Kunstdenkmäler in Hessen, 1938.

Illustrierter Führer Gießen und das Lahntal, Verlag E. Roth, 1901.

Pressemitteilungen und Heimatbeilagen.

1. Im 19. Jahrhundert hatte Heuchelheim seine längste Ausdehnung etwa in nord-südlicher Richtung entlang dem Bieberbach. Um diese Lebensader, noch heute in Verkennung der deutschen Grammatik 'die Bach' genannt, drängten sich die zweistöckigen Fachwerkhäuser. Näherte man sich dem Ort von Süden her, so dürfte sich damals dieser Anblick dem Beschauer dargeboten haben. Zweigeschössige Bauernhäuser entlang dem Bieberbach werden überragt vom mittelalterlichen Helm des Kirchturms. In etwa 4 1/2 Kilometer Entfernung prägen die Ruinen der Burgen Gleiberg (rechts) und Vetzberg (links) die Landschaft. Den dörflichen Charakter unterstreicht die Tätigkeit der Einwohner im Vordergrund. Einem unbekannten Lithographen verdanken wir diese Ansicht.

2. Die Lahnniederung, an deren Rand Heuchelheim liegt, wird aus dieser Blickrichtung vorn Fuße der Hardthöhe erkennbar. Hinter dem Standort des Fotografen steigt die Hardt terrassenförmig an. Ihr hartes Gestein (Grauwacke) aus dem Altertum der Erdgeschichte (Karbon) konnte der erodierenden Kraft des Lahnwassers seit dem Tertiär widerstehen, nicht aber dem menschlichen Einfluß: in Steinbrüchen am Rande der Hardt abgebaut, fand die Grauwacke lange Zeit Verwendung als bevorzugtes Baumaterial. Rechts vorne ist der Eingang zu einern Steinbruch erkennbar. Die Postkarte erschien um 1905 im Verlag von Heinrich Volkmann, Heuchelheirn.

3. Eine mit viel Geschmack gestaltete, im Original farbige Ansichtskarte aus der Zeit um 1896 liegt uns hier vor. Sehr sorgfältig hergestellt, ist sie von H. NoU, Gießen herausgebracht worden. Die 'Totalansicht' zeigt das Dorf von Osten her. In der Gastwirtschaft 'Zum Treppchen' wird noch heute gefeiert, gesungen und getrunken. Die Treppe vor der Haustür von 'Treppches' mußte allerdings in den fünfziger Jahren dem Autoverkehr weichen. Beliebtes Motivaus der Brauhausstraße ist die 'Dorfstraße mit Rathaus'. Sehr selten ist die farbige TrachtendarsteIlung: bräunlicher Motzen mit Keulenärmeln, grünes Halstuch, bräunlicher Rock mit grünem Randbesatz, grüne Schürze mit schwarzem Band oberhalb des Saumes, weiße Strümpfe und schwarze 'Kommodschuhe',

4. Ebenfalls um 1896 machte sich L. Scharfe's Druckerei in Wetzlar um Heuchelheim verdient: eine Chromolithographie (farbiger Steindruck, mit verschiedenen Farbplatten hergestellt) zeigt Motive, auf die man sicherlich stolz war: die stattliche alte Dorfkirche, die Zigarrenfabrik von Busch und Mylius (1899 ging sie an die Firma Rinn und Cloos über) und das 1894 erbaute Rathaus in der Brauhausstraße. Die inzwischen abgerissene Gastwirtschaft von L. Kröck in der Brauhausstraße und ein Stückchen von der Lahn runden das Bild ab.

5. In den Jahren 1904 und 1905 wurde das Doppelhaus in der Mitte, die Goldwarenhandlung von Wilhelm Ort, erbaut. Ort eröffnete im Erdgeschoß einen Laden und initiierte diese Ansichtskarte. Nur ein Jahr etwa existierte sein Geschäft; die Datierung dieser Postkarte ist deshalb relativeinfach. Mit dem Auszug von Ort 1906 verlegte die noch heute an dieser Stelle prosperierende Drogerie Römer ihre Geschäftsräume aus dem ersten Stock in das Erdgeschoß, Neben den bereits bekannten Motiven Totalansicht von Osten, Rathaus und Kirche tauchen neu auf: Windhof und Bahnhöfchen. Der Steindruck erfolgte durch die Gebrüder Roos, Frankfurt/Main.

6. Die girlandenartige Einrahmung dieser Ansichtskarte erinnert an den Jugendstil. Neu konnte das links abgebildete Schulhaus nach seiner Fertigstellung im Jahre 1909 genannt werden. Eingebürgert hat sich allerdings der Name 'weiß Schul', wegen ihres hellen Verputzes und zur Unterscheidung von den übrigen Schulgebäuden. Gemeinsam ist den drei Aufnahmen, daß die abgebildeten Gebäude heute nicht mehr entsprechend ihrem ursprünglichen Verwendungszweck genutzt werden: das Schulhaus in der Wilhelmstraße dient als Lagerhaus und Büro, im linken Teil der 'Restauration zur Ludwigsburg' (Bahnstraße) ist die Heuchelheimer Poststelle untergebracht, die ehemalige Gaststätte 'Zur Krone" (rechts, Marktstraße mit Blickrichtung auf die 'Krone') wird privat genutzt.

7. Noch heute gehen viele Heuchelheimer 'auf den Windhof' arbeiten, obwohl die Gebäude, die einst den Namen Windhof trugen, seit 1957 endgültig verschwunden sind. Ein führender Hersteller von Kunstkohle- und Sintermetallerzeugnissen, seit 1918 hier ansässig, hatte den Erfordernissen der Neuzeit Rechnung getragen: an Stelle des vertrauten Turmes wurde ein viereckiger Funktionalbau errichtet. Bis 1897 hatte der Windhof das obige Aussehen. Eine bewegte Vergangenheit lag seit 1810 schon hinter ihm: Gasthof, Mensurstätte, Zigarrenfabrik in wechselndem Besitz und Tod des Wirtes Muth infolge einer Schlägerei zwischen Bauern und Studenten.

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8. Ein Gruß Dir zu senden lag mir im Sinn, drum fliegt diese Karte zu Dir hin, reimten die Schreiber für den Adressaten am 19. April 1908. Diese Ansicht des Windhafs Nummer 2 (mit dem Gleiberg, Vetzberg und Dünsberg im Hintergrund) ließ sein Erbauer, Christian Duill, anfertigen. Auch das 'Bieberlieschen', die Kleinbahn von Gießen nach Bieber, ist auf der Darstellung nicht vergessen worden. Das gleiche Klischee wurde noch von den nachfolgenden Inhabern der Restauration Windhof für Werbe-Prospekte verwendet, auf denen unter anderem angepriesen werden: Warme und kalte Speisen zu jeder Tageszeit; 3/10 I Bier hell 10 Pfg; 3/10 I Bier dunkel 12 Pfg.

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