Homberg in alten Ansichten

Homberg in alten Ansichten

Auteur
:   E. Kaiser
Gemeente
:   Homberg
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3265-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2 - 3 werkdagen (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Homberg in alten Ansichten'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

49. Wie bescheiden war noch die Kasseler Straße in jenem Jahre 1904, als Julius Zischka dicse während der Kaisermanöver in die Stadt einmarschierende Truppe aufnahm. Zur Linken nur gab es einen gepflasterten Bürgersteig, zwischen dem und der Straße die Abwasser in der Kandel zutalliefen. Auf dieser Straßenseite hatten sich bereits von der 'Alten Post' an bis 'Zum Deutschen Kaiser' Häuser lückenlos angesiedelt. Um 1860 bewohnte zum Beispiel der Instrumentenmacher Schaumlöffel das ehedem Bechtelsche Haus; benachbart wurde 1871 das Wohnhaus zu der C.F. Wiegandschen Maschinenfabrik bezogen. Zur Rechten erhob sich die hohe Mauer des Alten Friedhofes, von machtigen Baumkronen überwölbt. Die Gaslaternen waren die neuste Errungenschaft, denn die Stadt hatte gerade ihre neue Gasanstalt aus der Taufe gehoben.

50. Die 'Alte Post' an der Ecke der Kasseler Straße wurde nach 1890 von dem Schreinermeister Valentin Allstadt als Mietshaus erbaut. Im Erdgeschoß war, wie es die Aufnahme von 1897 wiedergibt, das kaiserliche Postamt eingezogen. 1m Jahre 1900 wurde das Haus von Carl Fischer erworben. Nachdem der Post das Erdgeschoß zu eng geworden war und auch keinen Raum für die fahrenden Posten bot, siedelte die Behörde in die Ziegenhainer Straße gegenüber dem Seminar um. Die freigewordenen Räume wurden an eine Drogerie vermietet. 1914 kaufte Jacob-Wilhelm Paulstich das Haus und gründete bald danach die Firma Gebrüder Paulstich. Firma und Haus befinden sich auch heute noch im Farnilienbesitz.

51. Nachdem bereits im 16. Jahrhundert Bedienstete des Landgrafen vor dem Westheimer Tor beigesetzt worden waren, wurde diese Ruhestätte Jahrhunderte später städtischer Friedhof. Das Bild zeigt eine winterliche Aufnahme des Alten Friedhofes in seiner früheren Gestalt während der zwanziger Jahre mit seinen zahlreichen Grabkreuzen aus dem 19. Jahrhundert. Heute ist der Friedhof wegen seines alten Baumbestandes zu einer städtischen Parkanlage inmitten der Stadt ausgestaltet. Die meisten Grabstätten sind inzwischen eingeebnet. Der Friedhof weist jedoch noch eine Reihe historisch .bedeutsamer Grabstätten auf wie die der Äbtissinnen Marianne vom Stein und Wilhelmine von Gilsa, des Friedensrichters Martin, des Professors DI. Wilhelrn Volckmar, des Landrats Otto von Gehren, des kurfürstlichen Ministers Rohde und des ersten Direktors der Taubstummenanstalt Christian Schafft.

52. Zu den Gaststätten, die zu Ende des vergangenen Jahrhunderts errichtet wurden, gehörte auch das Restaurant 'Zum Deutschen Kaiser' in der Kasseler Straße, das von M. Walther betrieben, zugleich auch einen Saal angemessener Größe unterhielt. Es war zu jener Zeit üblich, Gaststatten in Balkenkonstruktion mit backsteinvermauerten Gefachen zu bauen. Es ist nicht zu verwundern, daß im 'Deutschen Kaiser', wie hier im Jahre 1901, sich Bürger der Stadt und Seminaristen zusammenfanden, um Kaisers Geburtstag zu feiern und ihren Bekarmten einen Kartengruß zu schicken. Da der Saal für mannigfache kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung stand, durfte auch das Seminar im Bild nicht fehlen. Der 'Deutsche Kaiser' ist auch heute noch im Waltherschen Familienbesitz.

53. An der Stelle, wo heute die Wallstraße in die Kasseler Straße mündet, an der sogenannten 'Drehscheibe' gegenüber dem Alten Friedhof, stand ehedem mit Front zur Bahnhofstraße, heute Ziegenhainer Straße, das Textilkaufhaus Isaac Höxter, das bereits Ende der zwanziger Jahre mit einer modernen Schaufensterfront aufwartete. Dem Haus aus dem Ende des 19. Jahrhunderts war jedoch nur eine kurze Lebenszeit beschert, denn es fiel 1937 dem Straßenbau zum Opfer, Der Bau der Wallstraße stellte eine unmittelbare Verbindung zwischen der Hersfelder und der Kasseler Straße her. Die Straße führte durch 'Landrats Garten' und die Schulgärten vorn Ho1zhäuser Tor bis zu Höxters Hinterhaus und einem Schuppen. Diese Häuser wurden ebenfalls abgebrochen. Der Name 'Wallstraße' erinnerte an den Wallgraben, der im Mittelalter der Stadtmauer vorgelagert und, mit Dornenreisig bespickt, eine feindliche Annäherung an die Mauer erschweren sollte.

54. Auch dieses Bild der Bahnhof-, heute Ziegenhainer Straße, hat sich entscheidend gewandelt. Der Bliek geht vorn Eingang des Bindeweges die Straße hinauf zur Drehscheibe, wo rechts das Kaufhaus Höxter den Abschluß bildete. Die Straße hatte rechter Hand bereits einen geplatteten Bürgersteig. Wohltuend grüßten an der Straße auf beiden Seiten die Lindenbäume, die bereits kurz nach dem Bau des Lehrerseminars 1879 durch Gärtnerrneister Schade gepflanztwurden. Heute sind sie dem Verkehr geopfert. Das Haus zur Rechten hatte sich der Schreinermeister Valentin Allstadt errichtet, Er betrieb auch den örtlichen Möbeltransport und hatte sich für diese Aufgabe den ersten Hornberger Möbelwagen zugelegt, der in seiner Bescheidenheit zwischen Wohnhaus und dem benachbarten Raiffeisenschuppen herauslugt.

?

?.?. j

'"
0 J
.
~ Xgl. "cenrer-Seminar

55. Unterhalb des Bindeweges, der in das Ackerfeld der 'Binde' hinausführte, wo 1909 das erste Haus gebaut wurde, ließ die preußische Regierung 1879 das neue königliche Lehrerseminar erstellen. Die Ausbildungsstätte hatte bereits vierundvierzig Jahre lang im alten Lehrerseminar in der Freiheit bestanden. Der rote Backsteinbau war großzügig gebaut und galt zu seiner Zeit als der modernste Bau seiner Art in Preußen. Das Gebäude bestand aus einem breiten Mitteltrakt, in dem die Klassenräume, die Musikräume, der Zeichenraum, die Aula und Verwaltungseinrichtungen untergebracht waren. In den vorgezogenen Seitentrakten wohnten der Direktor und mehrere Seminarlehrer. 1925 wurde das Lehrerseminar aufgelöst. In die Anstalt zog eine höhere Schule ein, zuerst als Aufbauschule. Heute ist die Anstalt ein Gymnasium.

(

r.. .???

56. Das Lehrerseminar Homberg war für die Stadt und ihre Bürger von großer wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung. Alljährlich zogen Seminaristen nach Ablegung ihres Examens als Junglehrer in die hessischen Dörfer und Städte hinaus. Aber bevor sie Homberg verließen, gab es einen zünftigen Abschiedskornmers, auf dem sich zum ersten Male in Freiheit fühlen konnten. Zum Feiern bot sich immer wieder die Große Grotte am Schloßberg an, in deren Rund vor den Wänden aus Säulenbasalt man sich um das Bierfäßchen scharen konnte. Die rote Seminarmütze des Abgangsjahres 1900 und das Kavalierstöckchen durften dabei nicht fehlen, wenn man sich - wie hier - unter dem Wahlspruch zusammenfand: 'In der Freiheit ist das Leben schön!'

57. Während die Seminarabgänger des Jahres 1900 noch in der starren Gebundenheit seminaristischer Tradition verharrten, zeigten sich die rund dreißig Abgänger des Jahres 1909 gelockerter und ungebundener. Aber man darf aus dieser Haltung nicht den Schluß ziehen, den Seminaristen sei ein größeres Maß an Freiheit geschenkt worden. Diese Segnung wurde ihnen erst nach dem Ersten Weltkrieg zuteiL Man hatte sich am Schloßberghang in der 'Batzenmühle' eingefunden, wo Gastwirt Jütte seines Amtes waltete. Die Kopfbedeckungen der Lehramtskandidaten wechselten zwischen Mütze, 'Praline', Zylinder und dem breitkrempigen Hut. Der lange Gehrock und der 'Vatermörder' gehörten zur festlichen Ausstattung des modischen Zeitgeschmacks, Auch dem Rebensaft huldigten hier einige der jungen Leute, sehr posenhaft und selbstbewußt.

58. In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts wurden in der Bahnhofsstraße, heute Ziegenhainer Straße, einige repräsentative Gebäude errichtet. Dazu zählten ein Mietshaus, in dem bald nach der Jahrhundertwende die kaiserliche Post einzog, und das benachbarte Hotel Hessischer Hof. Nachdem die Räume für das Postamt bei wachsenden Aufgaben der Post wieder nicht mehr ausreichten, zog das Amt ein drittes mal urn: diesmal mietete die Post ein Haus des Maurermeisters Bott in der unteren Ziegenhainer Straße, das heute der Bundespost gehört. In dem bisherigen Postamt hielt der Vorschußund Sparkassenverein, die spätere 'Volksbank', seinen Einzug und verblieb dort einige Jahrzehnte, bis der benachbarte Volksbankneubau bezugsfertig war. Heute ist in der 'alten Vorschußkasse' ein Lebensmittelmarkt untergebracht.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Algemene voorwaarden | Algemene verkoopvoorwaarden | © 2009 - 2021 Uitgeverij Europese Bibliotheek