Ich kenne keinen Hass, denn Hass zerstört nur...

Ich kenne keinen Hass, denn Hass zerstört nur...

Auteur
:   Hans Biereigel
Gemeente
:  
Provincie
:  
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6606-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Ich kenne keinen Hass, denn Hass zerstört nur...'

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Schweigen ist Gold - Reden Oranienburg

Nach der Machtübernahme durch die Nazis am 30.Januar

1 933 legte mir die Partei nahe, alle meine Funktionen und Ehrenämter niederzulegen. Bei den Wahlen fiir das Gemeindeparlament am 12. März 1933 sollte ich aus Sicherheitsgriinden nicht wieder kandidieren. Wenig später erhielt ich die Kiindigung durch den Betrieb in Berlin. Ich war arbeitslos. leh erhielt Berufsverbot und ab 1939 auch Arbeitsverbot.

Nur wenige Wochen danach wurde in Oranienburg eines der ersten Konzentrationslager errichtet. Am Vorabend des 'Tages von Potsdarn' , am 20. März 1933, trafen die ersten vierzig Gefangenen aus dem Kreis Niederbarnim und aus Berlin unter SA-Begleitung in den Gebäuden der stillgelegten Kindl-Brauerei in der Berliner Straße 20-21 ein. Hunderte, ja Tausende von Gefangenen folgten in den nächsten Wochen und Monaten. Schon wenige Tage nach Errichtung des KZ kursierten in Preußen und überall in Deutschland Flugblätter, die die unmenschlichen Haftbedingungen anprangerten. Im Flüsterton wurde gefragt: 'Kennen Sie das neue Berliner Sprichwort? Schweigen ist Gold - Reden Oranienburg.'

So oder ähnlich reagierten die noch in Freiheit gebliebenen Gegner und Kritiker des Naziregimes auf das Lager in der 'alten Brauerci'. Auf Weisung des Gauleiters der NSDAP BerlinBrandenburg und späteren Reichspropaganda-Ministers,

]osef Goebbels, verschleppte die SA unliebsame Personen in das KZ am Rande der Hauptstadt. So notierte Goebbels in

seinem Tagebuch unter dem 9. August 1933: ' ... die Rundfunkbarone auf meine Verantwortung nach Oranienburg.' Gemeint waren damit die vier führenden Funktionäre des Rundfunks, der Intendant Hans Fleseh, Direktor Giesecke, Dr. Magnus und Alfred Braun. Wenige Wochen nach dem Verbot der SPD (Juni 1933) wurde auch Erich Cohn in Sachsenhausen verhaftet:

Fs war in der Nacht vom 1. zum 2. August 1933, als kurz nach Mitternacht SA-Leute mich aus dem Bett holten und in das KZ Kindl- Brauerei in Oranienburg verschleppten. Mit mir wurde der Lehrer und KantorWalter jacob, Dirigent des Arbeiter-Sänger-Bundes in Sachsenhausen, ein aktives Mitglied der SPD und enger Freund der Familie, verhaftet.

Wir mussten uns entlang der großen Fabrikmauer aufstellen und wurden durch große Scheinwerfer angestrahlt. Erst in den Morgenstunden des 2. August trieben uns die SA-Leute in die provisorischen Unterkiinfte. Nach der Aufnahme und Vernehmung durch Berliner Polizeibeamte wurde ich in die 'Judenkompanie' eingewiesen.leh erhielt die Nummer 1117 und war dem 1. Zug der s. Kompanie zugeordnet. Meine Hauptbeschäftigung in den ersten Tagen bestand darin, dass ich täglich bis zu lOStunden die Latrinen der SA- Wachmannschaften reinigen musste.

13 Briefumschlag mit Anschrift des Inhaftierten Erich Cohn, Absender: Frau Elvira Cohn, Sachsenhausen.

Dokumentennachweis: Privatbesitz Margarathe Collins.

'Uns geht die Sonne nicht unter'

Die Lagerordnung des KZ Oranienburg gestattete es den Inhaftierten unter Kontrolle Briefe zu schreiben sowie Post und Pakete zu empfangen. Es gab eine spezielle Post- und Zensurabteilung, die der KZ- Verwaltung unterstellt war. Brief- und Paketsperre war eine der Methoden, mit denen der SA-Lagerkommandant Schäfer die Häftlinge wegen Nichtigkeiten bestrafte.

Briefe von Ehefrauen oder Familienangehörigen in die frühen Konzentrationslager wie Oranienburg haben Seltenheitswert. Die Auszüge aus den hier vorgestellten Briefen richteten Erich Cohn auf und gaben ihm die Kraft, das unmenschliche System zu überstehen. Sie zeigen die moralische Stärke seiner Familie und Freunde. Die Briefe seiner Frau Elvira aus Sachsenhausen sind Zeugnisse, Dokumente und Beweise zugleich. Im folgenden Auszüge aus diesen Briefen:

2. August 1933 (einen Tag nach der Verhaftung):

Lieber, lass den Kopf nicht hängen! 3 . August 1 933 :

Verliere also den Mut nicht, Du weißt, dass ich zu Dir halte. 4. August 1 933 :

Mein lieber Hetzel!Windjacke, Liederbücher (Klampfe) u. Brille findest Du in der Tasche. Am Sonntag komme ich. Lieber Junge, heute kannst Du Dir ein Liedel singen:

'Uns geht die Sonne nicht unter .. :

'Uns geht die Sonne nicht unter 'Ist eine Zeile aus dem Lied 'Wilde Gesellen vom Sturmwind durchweht' . Dieses Lied stammt aus dem Liedschatz der Jugendbewegung. DerText ist so unverfänglich, dass er jeder Briefkontrolle standhielt. Er spendete den Gefangenen Mut und Zuversicht, dass die Tage der Haft bald vorübergehen würden. Dieses Lied gehörte während der Nazizeit zu einem der meist gesungenen Lieder der deutschen Inhaftierten in den Konzentrationslagern und Zuchthäusern.

14.August 1933:

Das Liederbuch muss schon dort sein. Ich habe nichts zuhause gefunden.vielleicht fragst Du Sturmbannfhr. Krüger, dort hatte ich die Noten mit der Aktentasche abgegeben. Neulich habe ich in alten Briefen gekramt und fand Dein Kriegstagebuch. Berichte aus dem Lazarett USW. Es ist fein, dass wir vor 14 Tagen noch mit dem Boot unterwegs waren, weißt Du noch, die Rückfahrt auf der schnellen Havel war doch zu schön.

Sturmbannführer Krüger galt als der Chefsadist des Oranienburger Lagers. Tätliche Mißhandlungen, Demütigungen und moralische Quälereien der Gefangenen waren bei ihm an der Tagesordnung. Als Angehöriger der Geheimen Staatspolizei nahm er die Vernehmungen der Gefangenen vor.

Wilde Gesellen, vom Sturmwind durchweht, Fürsten in Lumpen und Loden, ziehn wir dahin, bis das Herze uns steht, ehrlos bis unter den Boden.

Fiedel, Gewand, in farbiger Pracht trefft keinen Zeisigg ihr bunter,

ob uns auch Spötter und Spießer verlacht, uns geht die Sonne nicht unter.

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. h Cohn von seiner Frau Elvira.

14 Postkarte an Ene ]].

Dokumentennachweis: Privatbesitz Margarethe Co ms.

Kopfhoch, mein]unge

Neben den Briefen seiner Frau erhielt Erich Cohn auch Post von seiner Mutter. Die versteckten und verschlüsselten Hinweise auf seinen Vater und seine Brüder deuten die schwierige Lage jüdischer Bürger in Deutschland an. Nachfolgend Auszüge aus einem Brief seiner Mutter.

Berlin d. 12.8.1933. Mein lieber Erich!

Als Elvira Dienstag fortfuhr, bat sie uns wir möchten dir doch mal schreiben. Ich tue es gern mein Junge, das wirst du bestimmt wissen, denn wir denken stündlich und täglich an dich und hoffen, du bleibst gesund und in Anbetracht deines guten Gewissens auch guter Hoffnung.Warum ich dich nicht besuchen komme, wirst du ja wissen! Ich will dir durch meine Rührseligkeit dein Herz nicht noch mehr beschweren, unsere Elvira, die ja ein tapferer kleiner Kerl ist, bringt dir mehr Frohsinn mit. ..

Weiter aus Briefen von Frau Elvira Cohn:

17.8.1933 Sachsenhausen.

Warum schreibst du nicht? Ich war heute beim Bürgermeister Dr. Heinn zum Verhör.Alle Aussagen sind sehr günstig. Nun wirds hoffentlich nur noch kurze Zeit dauern. Ich glaube der Landrat muss noch die Genehmigung geben ... Also Kopf hoch, mein Junge!

Anmerkung: Bis etwa 1935 hatten die Bürgermeister und Landräte noch einen gewissen Einfluss auf die Entlassungen aus dem KZ. Interessant ist die Bemerkung von Elvira Cohn, dass sie

als Bürgerin der Gemeinde Sachsenhausen beim Bürgermeister der Stadt Oranienburg zum Verhör war.

Dienstag, den 22.8.1933

Gestern war ich bei RudolfTrapp. Du hattest recht, Geld ist von ihm nicht zu bekommen.Wir haben aber lange geplaudert. .. Neues erzählte er auch nicht. Es geht ihm sehr schlecht, keine Arbeit in Aussicht. Etwas über 7 Mark Unterstützung ... Du darfst auch nicht traurig sein und den Kopf hängen lassen. Denk an unsere Kleine, denk an unsere Fahrten. Nimm die Klampfe und spiel unsere schönen Volkslieder 'Wenn ich ein Vöglein wdr', du kennst doch den Text? oder 'Ach wie ist's möglich donn'.

Anmerkung: Rudolf Trapp war ein Kriegskamerad des Ersten Weltkrieges.

28.August 1933

Könnt ihr jetzt mehr lesen als sonst ich meine Schriftsteller? .. Zuletzt habe ich die Sache mit Elsinore gelesen.Wörtlich sagt er einmal:'Wer nicht geliebt hat, hat nicht die letzte und tiefste Süße des Lebens gekostet: Augenblicklich lese ich das Buch 'Jugend' .Verschiedenes möchte ich dir daraus schreiben ... aber ich möchte nicht, dass Euer Herr Zensor einen Ärger auf mich bekommt.

30.August 1933

Gestern habe ich wieder mal im Siddharta gelesen. Das ist doch eine schöne Sprache u. soviel Wahrheit, man könnte sagen Weisheit liegt darin ...

Anmerkung: Siddharta ist der persönliche Name Buddhas, Prediger und Begründer des Buddhismus (560-480 v. Chr.)

Die Lektüre bezieht sich wahrscheinlich auf Hermann Hesse, 'Siddharta', 192 2.

15 'Für die Presse nicht geeignet' so entschied die SA- Führung für das hier gezeigte Foto aus dem Kl Oranienburg.

Bildnachweis: LHA Potsdam.

Unter den Inhaftierten waren auch die gewählten Reichtagsabgeordneten der SPD Ernst Heilmann und Gerhard Seger. (Diese Aufnahmen entstanden als Polizeifotos im KZ Oranienburg. Darauf sind das Einlieferungsdatum und die Hüftlingsnummer zu erkennen.).

Bildnachweis: H. Biereigel.

Naziführer besichtigen das KZ Oranienburg

Unter den Mitgefangenen von Erich Cohn im Konzentrationslager Oranienburg befanden sich viele Freunde und Bekannte aus Berlin und Ortschaften des Kreises Niederbarnim. Den früheren Reichsbannerführer Erich Wienig aus Berlin- Wedding und seinen Mitarbeiter Erich Hahn verhaftete die Polizei bereits am 15. März 1933. In den Gefängniszellen des Amtsgerichts Oranienburg warteten sie und weitere andere Nazigegner auf ihre Verurteilung. Doch stattdessen überführte man sie am

20. März 1933 in das gegenüberliegende, gerade erst errichtete KZ Oranienburg. Im Sommer 1933 veranlasste Lagerkomman dant Schäfer zur 'Widerlegung der Gräuelnachrichten über das KZ' eine Rundfunkreportage aus dem Lager. Unter den Gefangenen waren von der Lagerleitung diejenigen ausgesucht worden, die Musikinstrumente zu spielen verstanden. Sie mussten am Schluss der Übertragung spielen, und ein Gefangenenchor musste singen. Nach einem schöngefärbten Bericht von Schäfer beendete dieser die Sendung mit den Worten: 'Sie hatten einen Einblick in das singende und spielende Konzentrationslager Oranienburg.' Eine Schamlosigkeit sondergleichen. Unter den Mitgliedern der Kapelle und des Chores befanden sich auch Erich Cohn und Walter [acob aus Sachsenhausen. Unvergessen blieb für Erich Cohn eine Inspektion des Lagers durch Naziführer:

Eines Tages im August 1933 kamen hohe Naziführer aus Berlin zur Besichtigung des KZ. Sie wurden vom Kommandanten Schäfer auch in die JudenabteiIung geführt, Und so wur-

den wir einzeln vorgestellt: 'Parteigenossen, hier sehen Sie den Oberbiirgermeister von Luckenwalde, den juden Salomon. (Dr. Hermann Salomon, praktischer Arzt, SPD, von 1924 bis 1933 ErsterBiirgermeisterin Luckenwalde.) Hier, der Stellvertretende Biirgermeister von Sachsenhausen (das war ich), Und hier, Parteigenossen, den ungekrönten König von Preußen, den Abgeordneten Ernst HeiImann. Danach erfolgten Beschimpfungen der übelsten Art wie 'vollgefressene Judenschweine' u.a.m, In militärisch-stranuner Haltung mussten wir schweigend dabeistehn.

ln- und ausländische Journalisten und Fotoreporter, ja sogar ausländische Regierungsdelegationen wie die aus China (am 3 1 . März 1933) gaben sich im KZ Oranienburg die Klinke in die Hand.

Erwähnen möchte ich noch, dass sich zu meiner Zeit auch der Schriftsteller Dr. jur. Armin T. Wegner im Lager befand, dessen Familie ich nach meiner Entlassung aufsuchte.

Der Schriftsteller Armin 1. Wegner wohnte zu dieser Zeit mit seiner Frau Lola Landau, einer [ûdin, in Neuglobsow am Stechlinsee. Erich Cohn kannte den Menschenrechtsaktivisten schon seit 1919. Später arbeiteten sie gemeinsam in der Büchergilde Gutenberg zusammen. Aus ihrer Bekanntschaft entwickelte sich eine Freundschaft. Armin Wegners Leidenswege führten neben Oranienburg in die KZ's Papenburg und Lichtenburg. 1936 verließ er Deutschland, er starb 1978 in Rom.

16 Strafsport im KZ Oranienburg, unter den Inhaftierten der Schriftsteller Dr. Armin T.Wegner und der Berliner Vorsitzende der SPD, Franz Künstler.

Bildnachweis:Archiv Sachsenhausenkomitee Dortmund.

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A) Prominente und Intellektuelle.

1.) Wegener, Arnim

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4.) Münchow, Erwin

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10.) Franke, ilelmuth

geb. 16.10.86, Dr. jure Schriftsteller, geb. 25.12.94, Lehrer,

geb. 19.9. 94, Dipl.Volkswirt, geb. 19.G~ 88, Rektor,

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r,;eb. 18,12!96~~R~-t~ y geb. 23.10.04, Ingenieur,

Seite rechts:Auszug aus einer Anweisung des kom. Landrats von Niederbamim. 17 Links: Evangelische Kirche in Sachsenhausen. o ben: Gemeindepfarrer D. Kurt Scharf. Bildnachweis: Privatbesitz H. Biereigel.

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