Jessen in alten Ansichten Band 3

Jessen in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Paul Träger
Gemeente
:   Jessen
Provincie
:   Sachsen-Anhalt
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6589-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Jessen in alten Ansichten Band 3'

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9 Kein Zweifel- der erste 'Motorwagen' rollte in unserem Städtchen hier, in der Bahnhofstraße, 'bei Fabrikbesitzers'. Das ist zwar nicht amtlich belegt, dürfte aber von keinem alten Jessener bezweifelt werden - wer hätte sich damals sonst solch ein 'neumodisches Vehikel' leisten können?! Diese einzigartige Aufnahme mit Hugo am Steuer des rechtsgesteuerten Gefährts und Max auf dem Beifahrersitz wurde leider nicht mit einer Datumsangabe versehen. Das Foto könnte um 1900 entstanden sein. Vater Hermann hat sich dieser Fahrkunst nicht gewidmet. Dieses vermutlich erste Automobil in unseremAckerbürgerstädtchen gibt selbst ge-

standenen Experten dieser Branche Rätsel auf. Es ähnelt sehr dem Gefährt des Dessauer Schlossermeisters Friedrich

die sich auf die Zeit um die Jahrhundertwende beziehen, könnte darüber Aufschluß geben.

Lutzmann, der 1894 seinen ersten Zweisitzer unter der Bezeichnung 'pfeil l ' gebaut hatte. Der Teil der Memoiren,

1 0 Hier können wir den Motorwagen (mit Hugo am Steuer) aus einer anderen Perspektive betrachten. Welches Aufsehen die ersten Automobile in unserem ländlichen Gebiet erregten, ist der folgenden Schilderung im JessenerWochen- undAnzeigeblatt vom 19. Mai 1897 zu entnehmen. 'Eln eigenartiges Gefährt konnte, wie in verschiedenen Orten, am Montag (17.Mai 1897,d.V.) auch in unserer Stadt bewundert werden, nähmlich eine Motor-Droschke. Es machte einen originellen Eindruck, den leichten, gefälligen Wagen ohne jeden Vorspann mit ziemlicher Schnelligkeit dahinrollen zu sehen ... Der Wagen birgt einen Benzin-

Motor von nahezu drei Pferdekräften. Die Erzeugung der Kraft erfolgt dadurch, daß das Benzin durch eine sinnreiche Vorrichtung auf elektrischem Wege zur Explosion gebracht wurde. Eine einmalige Fül-

lung des Apparates reicht für eine Strecke von 100-120 Kilometer aus, wobei der Benzinverbrauch circa 2 Pfg. pro Kilometer beträgt. Der leicht lenkbare Wagen, dessen Fahrgeschwindigkeit nach Belie-

ben regulirt werden kann, vermag auf ebener Straße bis zu 20 Kilometer in der Stunde zurückzulegen und Steigungen bis zu 10% zu überwinden.' - Köstlich!

1 1 Dies ist vermutlich ein Vertreter der zweiten Generation der Fuhrmannschen Automobil-Flotille. Auf der Rückseite des stark vergilbten Fotos ist fein säuberlich vermerkt: 'Rast im Waldesschatten. August 1912. Hugo Fuhrmann.'

Die amüsante Schilderung von 1897 (S. 10) läßt den Schluß zu, daß es zu dieser Zeit in unserem rechtselbischen Gebiet noch keinen derartigen Motorwagen gegeben hat, sonst hätte man dies zumindest in einem Nebensatz vermerkt. Zeitungsmeldungen dieser Art gewinnen nach [ahrzehnten eine nicht zu unterschätzende kulturhistorische Bedeutung. Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang noch folgende Notiz im Lokalblättle vom 4. November 1885 nachtragen: 'Die Beleuchtung der Fuhrmann'schen Fabrik hier-

selbst durch elektrisches Licht ist nunmehr vollkommen gelungen, was bei der Fachkenntnis des Herrn Hermann Fuhrmann vorauszusehen war.' Fuhrmann vermerkte dazu auf Seite 1 04 seiner Memoiren: 'Draußen auf der Straße standen die Menschen Kopf an Kopf, wenn das Licht brannte ... Im Schweinitzer ... und auch im Wittenberger Kreis gab es noch kein elektrisches Licht ... !'

12 Daß die ersten Motorwagen mit Sprit aus der Apotheke betankt wurden, ist historisch belegt; wo dies in unserem Heimatgebiet geschah leider nicht. Die vermutlich erste Jessener Zapfsäule stand vor dem Geschäft des Landmaschinenhändlers Friedrich Mechel in der Langen Straße Nr.S (Foto van 1928).

In der Innenstadt gab es in den zwanziger und dreißiger [ahren sogar noch vier weitere Tankmöglichkeiten, und zwar 'Shell' vor dem Fuhrmannsehen Geschäft, Lange Straße 32 (s. 2118), vordem Hotel Stadt Berlin ('Essa') , vor dem Geschäft des Fahrradhändlers Pardubitzki, Markt IS ('Dapolin') und bei Zeisig in der Wittenberger Straße ('Aral'). MehrTankstellen als Autos, witzelte man damals!

Das Tankstellengeschäft wurde seinerzeit nur neb en-

bei betrieben, und zwar vornehmlich von Schlossern und Fahrzeughändlern wie zum Beispiel Knape und Schwartze in der Schweinitzer Straße. Inserate wurden vielfach mit Abbildungen der neuesten Modelle versehen, wie dies 1927 von der Schweinitzer Firma Loosch & Schmidt demonstriert wurde. In Jessen erinnert am Ende des 20. Jahrhunderts lediglich das Säulenfundament der Zeisigsehen Tankstelle an die 'Grûnderzeit' .

loolt:h &. It:hlnid'

Schweinitz (Elster)

Fernruf: Amt ...lessen 78

landmauhinen . Cie.äte . Pumpen Wane.· u. Heizunglanlagen

~~:~~~~~w;.~~au ~

4uto.lohnfuh ?. en J:U jede ?.

Iag· u. ~a(htJ:eit

D-Rad-Vertretung d. Deutschen Industriewerke Spandau

Slellin· und OSSagöl· Tan"slelle

13 Über die Entwicklung des Kraftfahrzeugwesens in unserer engeren Heimat gibt es leider keine zusammenfassende Darstellung; den Wert dies bezüglicher Veröffentli chungen in Zeitungen habe ich bereits hervorgehoben. Quellen der besonderen Art stellen die Adreßbücher des Kreises Schweinitz dar, deren erstes im [ahre 1927 erschien. Es enthält für die sechs Städte, 1 1 0 Landgemeinden und (die damals noch bestehenden) 34 Gutsbezirke dieses Kreises Verzeichnisse aller Haushaltungen sowie Branchenverzeichnisse, in denen die Rubrik 'Kraftfahrzeug' (Handel, Reparatur, Taxibetrieb, Ausbildung) für Jessen lediglich in bescheidenen Anfängen ver-

treten ist. Für Schweinitz allerdings gibt es außer dem Inserat von 1.&S. noch eine Anzeige des Schlossermeisters Hellwig, Rosenstraße 8. - Auf dem Gebiet Fahrschule war der Graboer 0. Liebmann

zwischen Wittenberg und Torgau 'Pionier' (Inserat v. 5.5.1928). In späteren [ahren widmeten sich Otto Zeisig und Werner Eichelbaum in Jessen dieser Ausbildungsrichtung.

Wid1.tié für alle Einwohner!

Unter dem 28. April ist meiner Firma vom Herrn ReQierungsprasidenten die Erlaubnis

zum gewerbsmássigen Betrieb eines privaten Ausbildlll1gs. uniernehmens von KmfHahrzeugsfûhrern unter dem Namen:

"Private Kraftfahrzeu~fuhrerfdlule OHo Liebmann in Grabo (Kreis Schweini13)"

erteilt worden.

Personen. die beabsichtigen, irgendwelche PrûfunQen als KrafHahrzeugfCJhrer abzu" legen. haben es nicht mehr notwendi9~ nÇlch entfernt gelegenen Or-ter-r.acr gehen.

lede Umbequemlichkeil tst eutçenoben.

Kurse und Prûtunçen - ~a.nz gleich ob Iûr Motorrad oder Auto in a.llen 4 Klassen (1, Il Ille. und IIIb) ha.lte ich von heute a.b.

Tageszeit ganz nach Wunsch - euch in den Feierabendstunden. _~~~~_ Auskunft gern und unverbindlich. ------

Machen Sie bitte von meiner Neueinrichtung freundliehst Gebrauch. die Ihnen Zeit erspart und in jeder Beziehung Vorteile bietet.

Otto Liebmann, Grabe bei ..Jassen

T'etetcir-i: Arnt Jesser; Nr. 1"71.

14 Nach dieser Abschweifung in den Bereich dessen, was man 'des Deutschen liebstes Kind' nennt, möchte ich Sie noch einmal in die Bahnhofstraße zurückführen, und immer wieder zum Firmengründer Hermann Fuhrmann, aus dessen Memoiren herauszulesen ist, daß er ein absoluter Gegner von Schlamperei,

Müßiggang und Unehrlichkeit war. Jede erwirtschaftete Mark setzte er zur Erweiterung und Modernisierung seines Unternehmens ein. Die Regionalpresse begleitete diesen Prozeß aufmerksam, so in einem Bericht vom 24. Dezember 1887: 'Die Fuhrmannsche Blech- und Eisenwaarenfabrik, die sich aus

kleinen Anfängen bisher von [ahr zu [ahr vergrößert hat, beschäftigt gegenwärtig 60 Arbeiter, und werden deren noch mehr gesucht. Im nächsten Frühjahr wird diese Fabrik durch einen Anbau noch vergrößert werden. Für unser Städtchen ist das eine nicht zu unterschätzende Wohlthat.' Die Söhne setzten das von

ihrem Vater begonnene Werk ebenso initiativreich fort. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg wurde ein Gleis zum Bahnhof gelegt. Die im Bild erkenntliche 'Ii-Lok' entstand im Eigenbau! Mitte der dreißiger [ahre wurden drei LKW angeschafft. Das Geschäft florierte!

IS GFS - mit diesem Logo wurden nicht nur die Schriftstücke der Firma versehen, es wurden damit, wenn irgendwie möglich, auch die Produkte gekennzeichnet: erhaben eingeprägt, als Abziehbild oder Etikett aufgeklebt. GFS-Produkte gingen in viele Länder der Welt, und so war es selbstverständlich, daß der Jessener Betrieb auf den Leipziger Messen einen StammStandplatz hatte. Das Foto von 1934 zeigt den dänischen Vertreter der Firma (rechts) mit seiner Frau, und als Standbetreuer fungierte ein damals bereits' gestandener Fuhrmannianer": Willi Leh-

mann.

Der 193 2er Firmenkatalog

(s. 5) enthält 366 Produkte. Diese Zahl müßte mit dem Faktor x multipliziert werden, denn die Artikel wurden in unterschiedlicher Größe, Form, Farbe und sonstigen

Nuancen produziert. Absoluter Spitzenreiter: der 'Kesseldeckel mit bordiertem Rand' mit fünfzig Positionen! Die 'Ziegenraufe mit 9 Sprosseri'

einst als' die Kuh des kleinen Marines'. nicht nur in Jessen.

gab es in drei Varianten: roh, lackiert und verzinkt. Dazu paßt dies: 192 7 gab es in 517 Jessener Haushaltungen 360 Ziegen (!). Die Ziege galt

16 Tuhrrnanns Hauskapelle' ist auf der Rückseite dieses Fotos aus den frühen dreißiger [ahren vermerkt. Einen der Freizeitmusiker haben wir im Bild IS bereits in besonderer Mission kennengelernt:

W Lehmann, Sproß der Jessener Musikus- 'Dynastie'

(s. 1 /64, dort rechts als Neunjähriger).

Diese Herren hier waren bei GFS in leitender Funktion, so daß man geneigt sein könnte zu sagen: die 'machten bei Fuhrmanns die Musik'! Schon Firmengründer Hermann Fuhrmann hatte auf fähige und vertrauenswürdige Mitarbeiter großen Wert gelegt, sie daher streng kontrolliert und umsichtig angeleitet, ob es sich um den Arbeiter an

einer neuen (und temen) Maschine, einen Werkmeister oder um einen Prokuristen handelte. Einige dieser Herren habe ich noch persönlich

kennen und schätzen gelernt (von links 2. Max Stahr,

4. Paul Luderer, S. Wilhelm Elstermann, 7. Willi Lehmann, 9. Fritz Krüger,

1 1. Wilhelm Thiele und 12. Paul Schloßhauer).

17 Fast zeitgleich mit den Memoiren des Hermann Fuhrmann erhielt ich aus einer ganz anderen Richtung dieses Foto. Es entstand am 18. Juli 1938, Ortsangabe erübrigt sich. Das Geschehen in Stichworten: Betriebsausflug / GFS chartert bei der Reichsbahn einen Sonderzug / in Potsdam Aufteilung der großen 'Wandergruppe' in drei kleinere / dann das Übliche:

Dampferfahrt / Mittagessen / Besichtigung der vielen Sehenswürdigkeiten / vor 'Sanssouci' wartet schon der Mann mit dem 'Knipskasten' . Von den drei Gruppenbildern mit den GFS-Leuten und ihrem Anhang habe ich dieses hier ausgewählt: in der untersten Reihe von rechts Helga und [utta, die Töchter des Max Fuhrmann, der in der zweiten Reihe rechts darüber steht, links neben ihm seine Gattin. Von den vielen mitgereisten

Jessenern möchte ich noch einen besonders hervorheben, und zwar den Blondschopf in der zweiten Reihe von unten, S. von links: Rudolf Deyring, Besitzer dieses

historischen Fotos, Fuhrmannianer in 3. (!) Generation. Opa Gottlob war 1887 als junger Schlossergeselle aus Lauchhammer zugewandert. Der Chef widmete ihm einen

beachtlichen Platz in seinen Memoiren ('D. war mir ein unentbehrlicher, lieber Mensch geworden .. .').

18 In Ermangelung eines Bildes aus dem Produktionsprozeß bei GFS möchte ich Ihnen dieses historische Dokument vorstellen. Zum Hintergrund: Am 1. [anuar 191 0 war im Deutschen Reich eine neue Gewerbeordnung in Kraft getreten. GFS reagierte darauf wie nebenstehend. Was da über die Arbeitszeiten am Anfang des 20. Jahrhunderts steht, sollten sich alle Nachgeborenen mal richtig 'auf der Zunge zergehen lassen'! An dieser Stelle nutze ich einmal die Gelegenheit, etwas über die Beschäftigtenzahlen bei GFS auszusagen. Schätzungen von noch lebenden Betriebsangehörigen schwanken zwischen 300 und 400 in der Endphase; mit Kriegsgefangenen und Fremdarbeitern können es zuletzt sogar etwa fünfhundert gewesen sein. Der Betrieb war natürlich zur Rü-

stungsproduktion verpflichtet worden. Die Arbeitskräfte karnen nicht nur aus Jessen und Schweinitz, sondern auch aus den Dörfern der Elbaue und aus den Buschdörfern. Der Betrieb expandierte ständig, selbst in schlimmen Zeiten: Inserat vom 4. März 1924: 'Zur Erlernung von Maschinenschlosserei, Werkzeugbau, Klempnerei, Dreherei und Blechfeinmalerei werden unter tüchtigen Meistern noch einige Lehrlinge angenommen.'

. FUHRI'1f1NN'S SOHN JESSEN, BEZ. Hi'lLLE 19. S.

TElEPHONNo.a TELE6RA~fl'l-ADRESSE:

FUHRM.l.NN SOHN JESSENßEZHULE IIRO·KONTO:OEUT5CHEBANKBERlIN DEPOSITENKASSEA, ,OSTSCHECK.KONTO:LEIPZIGNo,lßS8

JESSEN BEZ.HALLEA,S., DEI( 14. Härz 1910.

EISENBAHNSTATION, lESSEN ~. p. ELSTER.

An

die wohllöbl iehe Polizeiverwal tun'S

Den ne ue n Be s t Irneungen der Gewerbeordnung aemäs s nabe t cn me Ine r Arbeits-Ordnung im 11. 'I'e Ll e "d i a Arb e Lts e.o Lt" rolgende Peasung ge gebe n c

II Die Arbeitszeit

~~Die rea;elm:issia:e tii:liche Arbeitszeit daue r-t 10 St.unüen , Sie ber-ánnt für die e'r-wa c h s e ne n rnënnl.Lc'nen Arbeiter UOT'ß'ens 6 Uhr, flir die e r-eecb se nen we i b'l iehen At-oe l t.e r- uor-ee r7 Uhr- und endi~t Abe nds é Uhr ; a.uSF;"enOr!1JIJAn an den Vora.bfmdeT': del" Sonn- und Festtage ür m:innliche Arbe t t er- 5 3/4 Un r und Lir weibliche Arbeiter Abends 5 Uhr-,

Die f':;r die erwachsenen und weib1iclH~n Arue Lt er- vos-ge sebenen Pau s e n duu e r-n von 8 bis e, Uhr- Vo rrn i L't apa , ven 12 bis 1 Uhr Uttags und von 4 Lis 4~ Uhr- Nac hm l t t ag s ,

Arbei t e t-tnne n , welche e i.n Hausve se n zu be eor-ge n habe n , verder. auf Ih-r en Antra.p,' , Stunde vo r der Mittaç;spaus"! en t.t es s en , -1..2 Die Arbeitszeit der Kinder und j unge n Leute ist

n ach Massgabe der §§ 135 und 136 der Gew.-Ordn. be sonde ra

ge r-e ge I t und durch besonderen Anschlarr bekannt ge ge ben ,

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