Jessen in alten Ansichten Band 3

Jessen in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Paul Träger
Gemeente
:   Jessen
Provincie
:   Sachsen-Anhalt
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6589-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Jessen in alten Ansichten Band 3'

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19 Was mag der Visionär Hermann Fuhrmann angedacht haben, als er zu den Ländereien bis zum Rehainer Bahnübergang noch das gesamte Terrain zwischen der heutigen August - Berger-Straße und der Alten Wittenberger bis zur Arnsdorfer Reihe erwarb? Im Iahre 1900 ließ er für zwölfFamilien seiner Arbeiter die im ersten Bild links hinten erkennbaren Wohngebäude errichten ('Fuhrmannsháuser'). Das nördlich davon gelegene Terrain in den oben beschriebenen Grenzen wurde seinerzeit 'Fuhrrnanns Brache' und 'Fuhrrnanns Fichten' genannt.

Auf der Brache begann am S. Februar 1939 die 'Buddelci' zur Errichtung der Jessener ('Stadtrand' -) Siedlung mit zehn Doppelhäusern. Fünfzehn Häuser sind heute noch im Besitz von Nachkommen der Erstbesitzer und Miter-

bauer. Eigenleistungen (s. Abb.) bildeten einen gesetzlich vorgeschriebenen Bestandteil aller diesbezüglich abgeschlossenen Verträge. Das gesamte Vorhaben basierte auf dem 'Reichsheimstättengesetz'vom 10.Mai 1920.Beratung und Betreuung erfolgten durch die 'Mitteldeutsche Heimstätte GmbH' Halle. Bei der Auslosung der Häuser hatte der Klempner Willy Deyring (Rudolfs Vater) die Nummer 19 gezogen.

20 Der totale Zusammenbruch Deutschlands von

1945 bedeutete leider auch das bittere Ende der Firma GFS. Max F. war bereits 1940 eines natürlichen Todes gestorben. Hugo wurde zwei Tage nach dem Einmarsch der Sowjettruppen erhängt auf den Jessener Bergen vorgefunden. Erich kam in einem sowj etischen Internierungslager auf äußerst tragische Weise ums Leben. Die Besatzungsmacht okkupierte das gesamte Fuhrmannsche Fabrikgelände (und die Bahnhofstraße) . Teile davon wurden in der Folgezeit enteignet, andere unterTreuhandverwaltung gestellt - eine Familien- wie Firmentragödie! Die verriegelte Bahnhofstraße ( s. Foto) wurde am 1. April 1993 geöffnet, nachdem die letzten sowjetischen Truppen am 26. September 1991 un-

sere Stadt verlassen hatten. Zu schildern, in welchem Zustand das ehedem blühende Fuhrmannsche Unternehmen nach fast einem halben [ahrhundert der 'Zweckentfremdung' vorgefunden wurde,

muß anderen überlassen bleiben.

Das Foto dokumentiert gleichzeitig den Bau des ersten Fußgängerschutzweges in unserer Stadt. Er wurde wenige Tage vor der Eröff-

nung der ersten NeubauschuIe eingerichtet, also in den letzten Augusttagen des [ahres 1962.

21 Eigentlich hätte Hugo F. als 'Betriebsführer' vor dem Einmarsch der Sowjettruppen die Zerstörung der gesamten Fabrikanlage veranlassen müssen. Er tat es glücklicherweise nicht, und so blieb, was 1945 von besonderer Bedeutung war, auch die Energiezentrale erhalten, die Vater Hermann einst begründet hatte. Da die Elektrizitätsversorgung im gesamten Kreis zusammengebrochen war, konnten von der GFS-Kraftzentrale aus wenigstens solche lebenswichtigen Betriebe wie die Molkerei und die Mühle mit Strom versorgt werden.

Die sowjetische Kommandantur gestattete es auch, daß der größte Teil der Maschinen und sonstigen Anlagen ausgelagert werden konnte. Es entstand der 'VEB Mewa' (Metallwaren) . Produziert wurde in drei Standorten. Das Foto ent-

stand 1956 im Betriebsteil auf dem Zeisigschen Grundstück in der Wittenberger Straße.

Im Oktober 1961 wurde die gesamte Produktion in die neu gebauten Werkhallen in der Rehainer Straße verlagert. Nach der Wende wurde daraus der Betrieb 'Stanzrechnik Jessen' mit gegenwärtig etwa achtzig Beschäftigten.

Ob man dort Hermann Fuhrmanns hin und wieder (oder überhaupt) gedenkt? Mit dieser Frage möchte ich überleiten zum abc-lich geordneten 'Jessener Allerlei van A bis Z'.

22 'Ackerbürgerstädtchen' wurde unser kleines Jessen bis etwa Mitte des 20. [ahrhunderts genannt. In den Bänden 1 und 2 wurden bereits einige der letztenAckerbürger unserer Stadt vorgestellt.

Der absolut letzte Jessener Vertreter dieser Species war Bäckermeister Kurt Krause (1907 -1979). 'Bei Krausens wert heite jemähjet!', ließ man mich an einem Augusttag des [ahres 1974 wissen, und das war für mich das Signal, mit dem Fotoapparat dabeizusein, denn zu jener Zeit gab es auch hierzulande längst Mähdrescher, die Sichel, Sense, Ableger, Mähbinder ... als Erntegeräte abgelöst hatten; und wie lange der Bäckermei-

ster vom 'Ahlen Hoff' auf diese Art und Weise sein Getreide noch ernten würde, war damals nach Lage der Dinge nur noch eine Frage der Zeit. So, wie die Krauses hier im Bild, ernteten früher

alle 'kleinen Leute' ihr Getreide, und das vollzog sich in diesen Arbeitsabläufen: 'màh jen, abrappen, bandmachen, bingen, uffschtauken'. Die drei erstgenannten Tätigkeiten zeigt dieses Foto.

23 Dem Bandmacher - im vorliegenden Beispiel der Meister höchstselbst - obliegt es, dem 'Abrapper' ein Band zu fertigen und dieses so zu platzieren, daß das Ablegen des zusammengerafften Erntegutes aufkürzestem Wege erfolgen kann. Es wird sofort eine Garbe gebunden, die in die Reihe der bereits gefertigten Garben geworfen wird. Kein Zweifel- der 'Abrapper' muß sich ganz schön sputen! (Eigentlich hätte ich hier die weibliche Form verwenden müssen, denn diese Tätigkeit war und ist eine 'Domänc' der Frauen.) Wesentlich gemächlicher geht es beim Bandmachen zu. Ist das Getreide langhalmig, wird dem 'Schwatt' ein Büschel entnommen und

davon unter Anwendung einer bestimmten Technik ein Band gedreht. Kurzhalmiges Erntegut (Gerste, Hafer) hingegen verlangt eine besondere Machart ('Hawwerband') . Extrem kurzhalmiges Getrei-

de wird mit vorgefertigten Strohbändern gebunden. Noch ein Wort zum 'Mäh]er'. Er trägt auf dem Rücken (am Gürtel eingehängt) die 'Wetzpulle', eines der vielen GFSProdukte für die Landwirt-

schaft, im Hauptkatalog (s. 5) aufSeite 49 als 'Wetzsteinfaß' geführt. Mit dem feuchten Wetzstein wird während des Mähens die Sense geschärft.

24 Im bäuerlichen Bereich war und ist bis heute, wenn auch stark abgeschwächt, der Gebrauch der Mundart arn ausgeprägtesten. Wenn ich hier unser 'Elbau-Platt' relativ häufig anwende, so deshalb, um einige fast vollkommen verschwundene mundartliche Ausdrücke vorzustellen und, wenn möglich, ihre Herkunft und ihreAnwendung zu erläutern. Auch die heimische Mundart gehört zur Kulturgeschichte unseres Volkes! Und noch ein Hinweis: die auf den Bildern agierenden Personen sind keineswegs echte Mundartsprecher. Ich 'unterlege' ihnen aber die reine Mundart, wie ich sie aus eigenem Erleben und durch systematisches Studium kennengelernt habe. Im Rahmen der Vorarbeiten zu diesem Band bin ich noch einmal in einigen Dörfern gewesen, die jetzt zu ('Groß-')

Jessen gehören, und habe mich mit älteren Dorfbewohnern unterhalten. Sie bestätigten mir folgende Ausdrücke:

Wenn das Getreide viele Disteln enthält, benutzt der 'Abrapper' eine Sichel, bei

uns 'Kneif" genannt. Hat er so viel Erntegut in seinem (linken) Arm, daß der 'Arm voll' ist, so ist das 'ne Arfel]etreide'. Diese beiden Ausdrücke findet man nur in einem eng begrenzten Gebiet um Jessen.

Sie stehen in keinem etymologischen Wörterbuch! Mit 'uffschtauken' ist es ebenso.

25 Da haben sich unsere Akteure nun zur Vesper an der 'Schtauke' niedergelassen - je nach Gegebenheit in ihrem Schutze vor Wind und/oder Sonne. Schwiegersohn Gerhard hat die Garben zu 'Mandeln' aufgesetzt, entsprechend einer alten Maßeinheit 16 Stück, jeweils zwei dachartig gegeneinander. Während in einigen Gegenden unseres Vaterlandes für 'Mandel' die Bezeichnung 'Hockc' gebraucht wird, kommt um Jessen fast nur 'Schtaukc' vor. Unschwer zu erkennen: das kommt von 'stauchen", 'kräftig aufstoßen', damit die Garben fest stehen: daher also das Verb 'uffschtauken'.

Die 'Schtaukenreihe' muß schnurgerade verlaufen. Wer

das nicht zustande bringt, wird 'zusammengestaucht'! Übrigens: das beim Ernten herabgefallene Getreide wird mittels einer 'Schleppharke' zusammengeharkt. Was man dabei (nach- )erntet, heißt um

Jessen 'Icwarre' , in Grabo fand ich auch 'Icmoosche'. in Schöneicho sowie in Schweinitz '[crcssc' . - Und nun 'Prooost!' -laßt euch die 'Bupe' aus der Bauchf1asche gut schmecken!

26 Ackerfurche ziehen heißt in der heimischen Mundart 'pliejen', und der Pflug ist der 'Pluhch'. 'Bci's Pliejen met'n Schwungpluhch' entdeckte ich im Frühjahr 1956Wilhelm und Anna Pankrath aus 'Iroawc' auf einem Handtuchfeld am 'Zwiesikschen Wähch', zu einer Zeit also, als es längst Traktoren gab, die mehrscharige Pflüge über die Äcker zogen. Und tatsächlich: einen kleinen Schwenk nach rechts, und ich hatte ein solches Gespann der MTS Gerbisbach auf meinem Film. Dies also auch eine 'Last-minute-Aufnahme', wie eine ganze Reihe in diesen drei Bänden! 'PankroatsWillem' (18851974) stammte aus Jessen, Kleinbauernsahn 'aus de

Zickenjasse' . Wie so viele Jessener Burschen seinerzeit mag er sein 'Meechen ' auch beim 'Schwoof" kennengelernt haben und ist dann 'in Jroawe injeheiroat', auch in eine Kleinbauernwirtschaft,

- Hinner fittern un so weiter.' Noch etwas zu den Kühen: 'Llese' ist mit einem Kuhkummet ausgestattet, für 'Laura' hat es nur für ein ganz altes Joch gereicht.

'bei Millersch' . Wilhelm war das, was man einen 'Rucksackproletarier' nannte:

Haupterwerb 'uff Arweet in Wittenbarch', Nebenbeschäftigung siehe Bild. 'Anna schmiss heeme de Wertschaft

27 Arbeitslosigkeit war gegen Ende der Weimarer Republik das größte gesellschaftliche Problem in Deutschland. Ein 'Freiwilliger Arbeitsdienst' wurde eingeführt, dessen Organisierung in den Händen verschiedener Vereinigungen lag. In Jessen gründete 1932 der 'Stahlhelm' in der Zwiesigkoer

Straße für etwa dreißig arbeitslose Männer, die aufVermittlung durch Arbeitsämter unser Städtchen als Einsatzort gewählt hatten, ein Lager, das 1933 von der NSDAP übernommen wurde.

Im Mühlgarten wurden Baracken erbaut, in denen etwa dreihundert Männer untergebracht werden konnten (er-

stes Bild). Die Einführung der Arbeitsdienstpflicht (1935) hatte eine Straffung des Dienstbetriebes zur Folge. Die Arbeitsaufgaben der Männer:

Wegebau, Melioration, Waldpflege, Katastropheneinsätze, ... Bei Aufmärschen und Kundgebungen (wie hier am 1. Mai 1938) Teilnahme als 'Soldaten mit dem Sparen' .

Für unser Städtchen bewirkte der RAD so ganz nebenbei eine 'Blutauffrischung' , blieben doch einige Männer hier 'klebcn' , so zum Beispiel

K. Henschel, P. Schmalfuß,

K. Kuhl, 0. Hartig, G. Parche, K. Grün und 1. Käs.

28 'Aufbau Nord' heißt mein nächstes Thema. Gemeint ist die großzügig geplante und kontinuierlich realisierte Stadterweiterung nördlich der Bahnlinie, nachdem Jessen Kreisstadt geworden war. 1955 war bereits am Rande der Siedlung das 'Volkspolizeikreisamt' errichtet worden. Dort war an einem Augusttag des [ahres 1956 mein Standort, als ich diese historische Aufnahme 'schoß'. Wir sind hier, wie bereits im Zusammenhang mit dem Bau der Siedlung erwähnt, auf'Fuhrmanns Brache", links im Bild die Gartenzäune der Siedler. Geradezu, wo Sie den kleinen Sandhaufen sehen, entstand das Verwaltungsgebäude des 'Rates

des Kreises'. der seinerzeit behelfsmäßig im Schloß residierte. Die Sandberge rechts kennzeichnen die Stelle, wo das 'Landarnbulatorlurn' (später 'Poliklinik") entstand. Diese damals für das gesamte Kreis-

gebiet sehr wichtige Einrichtung (Einweihung 1. April 1958) besaß auch eine Entbindungsstation (mit acht Betten), die leider Ende Juni 1972 geschlossen wurde. [àhrlich hatten hier 3 00 bis

350 Kinder das Licht der Welt erblickt.

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