Jessen in alten Ansichten Band 3

Jessen in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Paul Träger
Gemeente
:   Jessen
Provincie
:   Sachsen-Anhalt
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6589-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Jessen in alten Ansichten Band 3'

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29 Der Umzug der Kreisverwaltung erfolgte im Mai 1959. Die Straße, über die man von der Rosa-luxemburg-Straße aus die neu gebauten öffentlichen Einrichtungen erreicht, erhielt die Bezeichnung Robert-KochStraße, nach 1945 die zweite neue Straße in unserer Stadt

(s.2I67).

Vom 'Ambu' aus nach Osten wurde 1959 mit dem Bau der ersten Wohnblocks der (ebenfalls neuen) Geschwister-Scholl-Straße begonnen; davon zeugt diese Aufnahme. Gebaut wurde noch in der althergebrachten Weise: 'Eln Stein - ein Kalk - ein Bier!' 'Monolithische Bauweise' sagt der Fachmann dazu.

In Jessen war am 1. [anuar 1956 der 'Kreisbaubetrieb' gegründet worden, von dem all diese Bauten errichtet wurden. Im Sommer 1960 wurde in der Heinrich-Rau-

Straße (jetzt Hoschstraße) die Großblockbauweise mittels eines Turmdrehkrans angewandt, während die Errichtung der Bauten zum zweiten Wohnkomplex ab 1979 in Plattenbauweise erfolgte (unter anderem Kombination KindergartenlKinderkrippe, Nordschule, Kaufhalle). Bauherren für die Wohnblocks, in denen hunderte Jessener und von außerhalb 'Zujezochene' Wohnraum fanden, waren dieAWG ('Arbeiter- Wohnungsgenossenschaft') und die KWV ('Kommunale Wohnungsverwaltung').

30 Backen war früher auf dem platten Lande viel mehr eine häusliche Beschäftigung als heute. Die Backöfen wurden meist von der Waschküche aus betrieben. Es gab aber auch separat stehende kleine Backhäuser. Eines stand auf dem Gehöft des Kleinbauern Emil Müller auf der Arnsdorfer Reihe (Aufnahmen von 1956). Hier die wichtigsten Backgerätschaften: der an einer Stange befestigte 'Strohwisch' (vielfach auch ein Sack), der angefeuchtet wird und so zur Säuberung der Backf1äche dient; eine einfache Stange, mit der die Glut im Backofen gleichmäßig verteilt wird (sie wird hierzulande meist 'Kellerstange' genannt, das kommt von 'kellern' für hochdeutsch 'stochern"): schließlich noch die 'Ofenkrücke' ,mit der die Asche aus dem Ofen herausgezogen wird. Wichtigstes

Backgerät ist natürlich der Brotschieber. 'Backvorbereitungen' , insbesondere beim Brotbacken, sowie 'Heizen eines Backofens' wären Themen für

sich. Beides ist für die Qualität des Gebackenen sehr wichtig und will daher gelernt sein.

Übrigens: die (scharfe) Brotkruste heißt um Jessen

'Karrschte", und wer schlecht beißen kann, muß sie 'ritschen' (in ein Getränk tauchen, um sie aufzuweichen).

31 'ßarack - Jessen hat einen neuen Baustil kreiert!' . So witzelte man zu Beginn der fünfziger [ahre, als unser Ort Kreisstadt geworden war und den plötzlich entstandenen Bedarf an Räumen für Verwaltungen aller Art kurzfristig nur durch den Bau von Baracken decken konnte. Ein in der Rathausgasse erbautes 'Flolzhaus' wurde das Domizil des FDGB-Kreisvorstandes (1972 Abriß fürWohnblocks, s.Abbildung). Bereits 1933 (Mühlgarten) und 1938/39 (Fuhrmanns Fichten) waren Barackenlager für den Arbeitsdienst aufgestellt worden, die nach dem Krieg anderweitig genutzt wurden. Dazu gesellten sich noch folgende solcher Behelfsbauten: eine Verwaltungsbaracke im Schloßweg (viele [ahre Möbelverkaufsstelle) ; zwei im Baderhag (eine 19 S4 abgebrannt, in der anderen war von 1967

bis 1982 unter anderem die Hilfsschule untergebracht); eine große Baracke (in LForm) in der Gerbisbacher Straße neben dem Schützenhaus, die zuletzt von der Volkshochschule und anderen Einrichtungen genutzt wurde. Alle hier genannten Provisorien wurden nach der Wende van 1989/90 beseitigt. Baracken und barackenähnliche Bauten im Industriegebiet dürfte es hingegen noch für längere Zeit geben.

32 Brücken sind bekanntlich in Kriegszeiten besonders gefährdete Objekte, da sie von hoher strategischer Bedeutung sind. Daß es deutsche Soldaten waren, die alle Brücken über unseren friedlich dahinfließenden Elsterfluß am 21./22. April 1945 sprichwörtlich in der letzten Minute vor dem Einmarsch der Sowjettruppen noch sprengten, bleibt für alle Zeiten unbegreiflich, und daß es unter den Einwohnern unserer Stadt in dieser Situation keine vernünftigen, mutigen Kräfte gab, dies zu verhindern, ebenso.

Dieses Bild zeigt die 'Mühl berger Brûckc', van vielen auch 'Eichenhainbrücke' genannt. Es handelte sich lediglich um eine Fußgängerbrücke, doch auch diese wurde 1945 gesprengt. Noch um 1900 mag der Elsterübergang an dieser Stelle

so ähnlich ausgesehen haben wie der van der Jessener Stadtmühle zum Hospitalplatz (s. 1/51, 52).DieMühlberger Straße weist noch heute darauf hin, daß es früher von der Stadt zur ehemaligen

'Mûhle Mühlberg' eine direkte Verbindung gab.

Die bei Fußgängern und Radlern sehr begehrte Eichenhainbrücke wurde nach dem Krieg notdürftig instandgesetzt. In den sechziger [ahren

mußte sie aus Sicherheitsgründen abgerissen werden.

33 Auch diese Brücke gibt es nicht mehr. Sie war als zweite Schweinitzer Elsterbrücke erst 1912 erbaut worden, hauptsächlich zur Verkürzung des Weges von Klossa zur Stadt, insbesondere zur Mühle. Der Standort hat für Schweinitz historische Bedeutung. Wie in Jessen, Mühlberg und Gorsdorf (einst letzte Mühle vor der Elstermündung) trieb bis Ende des 19. Iahrhunderts auch hier das Wasser unseres Heimatflusses Mühlräder an. Derartige Getreidemühlen waren gewöhnlich mit Ölund auch Schneidemühlen kombiniert, so auch hier in Schweinitz.

Wenige hundert Meter flußaufwärts gab es von 19 S4 bis 1969 die 'Brücke der Freund-

schaft' zwischen Mönchenhöfe und Klossa.

Sie war besonders für die Schulkinder der beiden Dörfer sowie für die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft von großer Bedeutung.

Ihr war jedoch gar kein langes Leben beschieden. Ende der sechziger [ahre wurde sie durch Eisgang stark beschädigt, so daß sie für den Verkehr gesperrt werden mußte. Nach einigen [ahren des

'Dahinsiechens' wurde sie schließlich ganz beseitigt. Die Klossaer haben halt kein Glück mit 'ihren Brücken'!

GruB aus Schweinitz a. Elster Neue BrOcke, DampfmOhle u. Gut

34 Denk mal! - Diese Aufforderung richtet jedes Denkmal an seine Betrachter. Das hier wurde 1924 am Rande des Schulfestplatzes für die Gefallenen unserer Stadt im Ersten Weltkrieg errichtet. Bei der Einweihung am 3. August 1924 nahmen alle 'vaterländischen Vereine und Verbände' teil (etwa 1 000 Teilnehmer mit vierzig Fahnen und Wimpeln). Superintendent Leisegang/Prettin zelebrierte einen 'Feldgottesdienst'. Die 'Weiherede' hielt der Jessener Ptarrer Peter. Seine Schlußworte: 'Du, Denkmal, mögest sein Enkeln und Urenkeln dieser Stadt ein Wahrzeichen für deutsche Ehre und deutsches Recht. Das walte der Allmächtige Gort!'

Dieses Denkmal hat es in sich! Es ist die in Stein gehauene 'Dolchstoßlegende', deren Urheber die 'glorreichen' Heerführer Paul von Hinden-

burg und Erich Ludendorff waren und die von den Nationalsozialisten in demagogischer Weise zur ideologischen Vorbereitung des deutschen Volkes auf den Zweiten Weltkrieg benutzt wurde.

Die Heimat sei der Front in den Rücken gefallen (der Knauf des dem Löwen hinterrücks eingetriebenen Dolches wurde bereits 1939 von 'ruchlosen Händen' abgeschlagen). Die Negierung der unumstößlichen Tatsache, daß 1918 sowohl die militärische als auch die politische und moralische Niederlage der Monarchie gebracht hatte, sollte, wie bekannt, verhängnisvolle Folgen haben.

35 Bereits während des Ersten Weltkrieges waren die sterblichen Überreste eines gefallenen Soldaten auf dem Friedhof seiner Heimatstadt beigesetzt worden, und zwar auf dem Gräberfeld gleich links hinter dem Hauptportal (jetzt Urnenfriedhof). Hinter einem kleinen Hügel wurde, wie das 'im Felde' üblich war, ein hölzernes Kreuz aufgestellt mit den Angaben zur Person. Nach dem Krieg folgten andere Hinterbliebene diesem Beispiel. So entstand nach und nach dieser 'Ehrenfriedhof', der am 25. Oktober 1928 (Totensonntag) eingeweiht wurde. Das von dem Jessener Bildhauer Ernst Finke geschaffene Denkmal trägt auf der Vorderseite folgende Inschrift: 'FÜR UNS. Ihr habt im Krieg gegen die Welt um Deutschland lebende Mauern gestellt und niedergerungen die Feinde. Euch, die Ihr für

uns gefallen seid, ist dieser Ehrenfriedhof geweiht hier in der Heimatgemeinde. Und wenn Eure 1 0 x I2Kreuze vergehen, dann bleibe der Stein zur Erinnerung stehen.' (Er blieb!) Superintendent

Hosch sagte zum Schluß seiner 'Weiherede' , daß 'wir den Glauben nicht aufgeben, daß aus diesen Opfern wieder eine Jugend entsteht, die das Vaterland aufwärtsführen' werde.

In den sechziger [ahren wurde mit der Anlegung des Urnenfriedhofs begonnen.

36 Welten trennen die Gedenkstätten der Bilder 34 und 35 von dieser hier. Dort die Ehrung der beklagenswerten Opfer unterTätern, hier ein Denkmal für Menschen verschiedenen Glaubens, unterschiedlicher Nationalität und jedenAlters, die Opfer deutschen Herrenmenschentums, nationalsozialistischen Rassenwahns sowie imperialer Angriffs- und Vernichtungskriege geworden waren. Historischer Hintergrund: Im März/ April 1945 wurden Tausende von Häftlingen aus westlich der EIbe gelegenen Konzentrationslagern vor den anrückenden amerikanischen Truppen von Wachmannschaften wie Vieh nach Osten getrieben. Ein Leidenszug erreichte am 19./20. April von Prettin her auch unsere Stadt. In den darauffolgenden Tagen wurden die vor Hunger entkräfteten, von den Wachen er-

scha ss enen und im Straßengraben liegengelassenen Toten geborgen. Für sie wurde nach dem Krieg in der Annaburger Straße dieses Denkmal errich-

tet (Neugestaltung 1961). Die Inschrift auf der Vorderseite beginnt mit diesen Worten: 'HIER RUHEN 40 ANTIFASCHISTEN, IM KAMPF FÜR

DIE FREIHEIT DER MENSCHHEITVON HITLERS FASCHISTISCHEN KREATUREN GEMORDET UND VERSCHARRT...'

37 Sie werden verwundert sein, auf dieser Seite statt eines Denkmals zwei Herren in Feldgrau zu sehen. Ich stelle sie Ihnen vor: rechts Fabrikbesitzer Hugo Fuhrmann, links ein illustrer Gast der Jessener 'Stahlhelrn' -Ortsgruppe: Franz Seldte, 'Bundesfüh rer' (s. 2/7 5). Zu der Zeit, als dieses Foto in der Bahnhofstraße gemacht wurde, war die Welt noch (relativ) 'heil' 1930.

Fünfzehn [ahre später: Hugo F. ist Bataillonskommandeur des 'Volkssturms' . 'Die Russen' stehen am Mittag des 22. April 1945 bereits an der östlichen Kreisgrenze. Wenn sie an der Panzersperre bei der Ziegelei 'Gorrenberg' ankommen und die Verteidiger schießen (gemäß 'Führer'Befehl) mit Panzerfäusten auf sie ... !?! Sie könnten sich ein paar Meter zurückziehen bis zu der Stelle, von der 'man ...

vom Berge weit hinein' schaut ... ! Jessen liegt unten wie in einer Schüssel. Einige gezielte Salven ... !!!

Diese Gedanken mögen H.F. durch den Kopf geschossen sein. Er tut etwas, was ihm

'Kopf und Kragen' kosten könnte: er schickt seine Melder los mit dem Befehl 'PANZERSPERREN ÖFFNEN! LEUTEABZIEHEN!' ZweiTage später findet man ihn auf den Bergen erhängt auf - Selbst-

mord! Sollte unsere Stadt seiner nicht in besonderer Weise gedenken?

38 Dreschen ist eine wichtige Station auf dem Wege vom Korn zum Brot. Bis Ende des 19. Iahrhunderts bediente man sich dazu des Dreschflegels. Dann kam der Göpel auf, eine Vorrichtung zum Übertragen tierischer oder menschlicher Kraft auf Maschinen, um diese zu bewegen; in unserem Falle zum Drusch des Getreides.

Auf der Suche nach einem visuellen Beleg über das Arbeiten mit der klassischen Form des Göpels, dem 'RundlaufGöpel', wurde ich in Schöneicho fündig, und zwar in der 'Guten Stube' des Wohnhauses Nr. 32, das ehedem samt Wirtschaft dem Landwirt Bruno Krüger und seiner Frau Helene (3, u. 4. van

rechts) gehörte. Tochter Helga, mit Siegfried aus der Schweinitzer 'Vogt-Dynastie' verheiratet, wußte (aus bestimmtem Grunde!) ganz genau, wann diese Aufnahme entstanden ist: 1926.

Die elektrisch betriebenen Dreschmaschinen bedeuteten hierzulande das Aus für den Göpel. Solange Göpelwerk und Wellbaum noch intakt waren, bedienten sich Kinder ihrer zum 'Karussellfahren' .

Das konnte man in Jessen hinter fast jeder Scheune am Rande des Schulfestplatzes (s.45).

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