Jessen in alten Ansichten Band 3

Jessen in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Paul Träger
Gemeente
:   Jessen
Provincie
:   Sachsen-Anhalt
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6589-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Jessen in alten Ansichten Band 3'

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39 'Drushba' - so hieß einmal unser Kreiskulturhaus. Ihm war (leider!) kein langes Leben beschieden. Am 30. Juni 1990 kam auch für dieses schöne Haus eine Wende. Nach dem 'Aus' als Kulturhaus wurde daraus ein 'rnerkantiler Multi- Tempel'! Da für viele Einwohner von '[essen Stadt und Land' sehr schöne Erinnerungen mit diesem Haus verbunden sind, möchte ich seine Entwicklung hier kurz skizzieren.

In den sechziger [ahren hatte sich Jessen besonders stark entwickelt (s. 30/3 1). Der sechste 'Vorsitzende des Rates des Kreises' (so viel wie 'Landrat') hieß Otto Wendt, der Mann mit der längsten Amtszeit in dieser Funktion im (kurzlebigen) Kreis Jessen (1960-1972). In die Zeit seinerTätigkeit fiel bei uns die verstärkte Forderung nach Verbesserung des Kulturange-

bots. Wendt hatte dafür ein offenes Ohr. Er hatte irgendwo im Lande ein Kulturhaus gesehen, das ohne staatliche Mittel im NAW ('Nationales Aufbauwerk') errichtet worden war. 'Wie die das ge-

macht haben, so müßten wir das in Jessen doch auch könnenl?' - Gesagt, getan! Alle, von denen ein Beitrag dazu erwartet werden konnte, wurden 'zusammengetrommelt'. 'Das kriegen wir hin!',

war die einhellige Devise. Projektant: Architekt Egon Jantke; Grundsteinlegung am 8. Mai 1965; Einweihung am 2. Oktober 1969.

40 Wie sich der Bau des Hauses vollzog und wie die Inneneinrichtung und -ausstattung beschaffen war, kann aus begreiflichen Gründen hier nicht detailliert dargestellt werden. Ich möchte jedoch kurz etwas zur Wahl des Namens für das Haus sagen. Für Arbeiten, zu deren Ausführung schwere Technik benötigt wurde (die nichts kosten durfte!), stellte die Sowjetarmee entsprechendes Gerät mit Mannschaft zur Verfügung. Ohne diese freundschaftliche Hilfe wäre das Haus nicht zu erbauen gewesen! Daran wurde bei der Suche nach einem passenden Namen gedacht ... 'DRUSHBA' - das heißt 'Freundschafr' . Einen weiteren Faktor möchte ich noch nennen: die Akustik imJessener KKH war ausgezeichnet. Das wurde von Orchestern, Schauspielern und Sängern nach ihren Auftritten

besonders hervorgehoben. Nach der zu DDR-Zeiten sehr beliebten Rundfunksendung 'Alte Liebe rostet nicht' (3 O. November 1973 im KKH aufgenommen, 9. u. 11. Dezember 1973 gesendet) wurden

hier sogar Schallplattenaufnahmen dieses Titels gemacht.

Die in der Sendung genannten drei Jessener Originale wurden beim Heimatabend 1974 im KKH von mir 'live'

vorgestellt (von rechts): 'Banane' (H. Keßler), 'Iutscheln' (H. Danneberg) und 'Nazc' (K. Krause).

41 Zu den 'Highlights' unter den vielfältigen Veranstaltungen im KKH zählten Konzerte, Modenschauen, Abiturund Tanzstundenbälle, Betriebsvergnügen, Jugendweihefeiern, Karnevalsveranstaltungen und natürlich Heimatabende. Die als 'Klassentreffen '89' deklarierte Veranstaltung zum IS 1. Heimatfest unserer Stadt am 12. August 1989 war der letzte Heimatabend in diesem Haus. Er war folgenden 'Klassen' gewidmet: dem Entlassungsjahrgang 1939; den Absolventen 1949 sowie dem 'Gramarre-Chor' (s. 2170) und der ersten Klasse der 1949 begründeten Außenstelle der Volkshochschule. Den Abschluß des Abends bildete - Erinnerung an den abendlichenAbschluß auf dem Schulfestplatz - ein fiktiver Einzug in den Kreis; dabei wurde diese Aufnahme gemacht. Als 'Anführer' konnte

Gunter Danneberg gewonnen werden, nicht ahnend, daß ein Vierteljahr später die Berliner Mauer fallen sollte und er nach der Wende einem Festausschuß vorstehen würde, der sich in der Folgezeit zu einem Heimatfest - Verein entwickelte, der, was Anzahl und Engagement seiner Mitglieder betrifft, in der bisherigen Geschichte unseres Schul- und Heimatfestes ohne Beispiel ist.

42 'Etuisbudc' - so wurde im Volksmund dieses Gebäude im Schloßweg Nr. 1 einst bezeichnet. Ein 'Geburrsdaturn' konnte bisher nicht ermittelt werden; nachgewiesen ist lediglich, daß der Betrieb im [ahre 1910 bereits existiert hat und daß er sich bis zum Konkurs der Firma im [ahre 1937 durchgängig im Besitz von 'Foerstendorf & Schoenecker' befand. Der Hauptsitz dieses Unternehmens befand sich in Leipzig. Hergestellt wurden hier Etuis unterschiedlicher Größe und Ausstattung. Sonderauftrag 1936:

Herstellung von Etuis für die Medaillen, die bei den XI. Olympischen Sommerspielen in Berlin ausgegeben wurden. - Die gesamte Fertigung

wurde im Hause vorgenommen. Im Erdgeschoß befand sich die Tischlerei, wo Männer die Rohlinge herstellten. Im Obergeschoß waren etwa fünfzehn Frauen tätig. Sie bezogen die Rohlinge mit

Plüsch, Satin und dergleichen, montierten Scharniere und Drücker. Die fertigen Etuis wurden in Paketen an die Empfänger ausgeliefert.

Die wichtigsten Nachfolger in der Nutzung des Gebäudes

waren das Bekleidungswerk Rickenstorf (ab etwa 1945) und der 'VEB Herrenmode' (ab 1972).

Etuisfabrik :Jessen,

43 'Feierabend' - unter diesem Titel reichte ein Fotoamateur dieses Bild in den dreißiger [ahren zu einem Wettbewerb ein und wurde dafür mit einem Preis bedacht - mit Recht, denn diese Aufnahme ist ein erstklassiges kulturgeschichtliches Dokument. Sie zeigt den Landwirt Wilhelm Kuhrmann (1850-1937) mit seiner Frau Caroline, wohnhaft auf den Oberbergen Nr. 12 (damalige Numerierung), auf dem Wege zwischen 'Dóbelts Weinausschank' und dem 'Himmelsberg' gelegen. Aus Kleidung und Haltung der beiden sowie dem mitgeführten 'Leergut' lassen sich mühelos Rückschlüsse aufLebens- undArbeitsweise des alten Ehepaares schließen. Die 'Bergschen', durchweg Kleinbauern, hatten früher ein entbehrungsreiches Leben. 'Mutterns Schertze' hatte einen besonderen Namen:

'Warbeschartze' - Das kommt wohl von 'werbcn' = gewinnen. Unkraut, Früchte und was auch immer konnte man in der an den 'Zippeln' hochgezogenen Schürze unterbringen. Vater trägt eine besondere Art Korb, auf den Bergen 'Koaber' genannt (Herkunft unklar), gedacht für das Vesperbrot ('Bemmen') und die Kaffeeflasche, zur Zeit der Obsternte auch als pflückkorb geeignet. Mutter dagegen trägt einen einfachen 'Knullnkorb'.

44 Feueralarm, ausgelöst per "Iute", gab es in Jessen noch bis zur ersten Hälfte des 20. [ahrhunderts. Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr ließen dort, wo sie sich gerade befanden, 'alles stehn und liegen', wenn einige der ihren per Fahrrad durchs Städtchen hasteten und dabei das Horn bliesen. 'Wo brennt's dcnn?', wollten die vor die Haustür geeilten Leute wissen. Als Antwort kamen Wortfetzen oder einfach 'Weeß nich'. Das steigerte die Spannung.

Indessen hasteten die Feuerwehrleute zum Spritzenhaus in der Hospitalstraße, öffneten die Tore und zogen mit der Spritze los. Die kennen wir schon aus Bild 2/7 3.

1935, als diese Aufnahme gemacht wurde, war sie noch 'die Neue'. Von der Mannschaft konnten nur wenige namentlich ermittelt werden. Der Große in der Bildmitte war ein 'gestandener' Feuer-

wehrmann unserer Stadt:

Richard Ludwig aus der Vorstadt. Links außen eilt Kurt Liebmann allen voran. In der zweiten Reihe ist (unser 'Medienstar") Kurt Krause unschwer auszumachen. Natür-

lich ist der Arbeitsdienst dabei, per Fahrrad, wie die Männer auch zu ihren Arbeitsstellen fuhren.

4S Wesentlich gemütlicher ging es bei diesem 'Feuerwehreinsatz' zu. Es ist Sonntag, der 7. Juni 1969, 7 Sjähriges Jubiläum der Wehr. Im Festzug erweckte die 'Handabprotzspritze' das besondere Interesse der vielen Zaungäste.

Auf dem Schulfestplatz wird abgeprotzt. Nach dem Kom-

mando 'Wasser marsch!' treten die Hobby-Feuerwehrmänner in Aktion: (im hellen Mantel) Jessens damaliger Bürgermeister Werner Kühn (mit 18 Amtsjahren - 19611979 - Anführer der 'Bürgermeistergilde' unserer Stadt!), ihm gegenüber sein Stellvertreter Albert Ritz, später Bürgermeister in Schweinitz

(1969-1979). Diese beiden Bilder zeigen noch eine Besonderheit, nämlich die Scheunenreihe im Hintergrund. Hier 'banstcn' Landwirte der Innenstadt ihr Getreide, Stroh und Heu ein. Zur Erntezeit herrschte dort reg er Druschbetrieb. Die 'kleinen Leute' holten ihr Getreide direkt 'von der Schtauke'. Dabei

mußte die Organisation reibungslos klappen. In den achtziger [ahren 'starb' eine Scheune nach der anderen. Schmucke Eigenheime entstanden. Der Name 'Scheunenweg' sollte für immer beibehalten werden, denn schon 1621 waren hier Scheunen vorhanden (s. 1 /1).

46 'Fischordnungen' regelten zu allen Zeiten den Fischfang auf der Elster, die vor Beginn der Industrialisierung ein äußerst fischreicher Fluß war. Aus der ersten Hälfte des 19. Iahrhunderts wurde berichtet, daß auch der Fang von Blutegeln betrieben wurde. Diese galten damals als begehrte Handelsobjekte. Die älteste bekannte Gesetzgegebung stammt von 1524, 'Fischordnung uff der schwartzen Elster' genannt. Hier eine Bestimmung daraus: 'Die Fischer in den Städten müssen ihren Fang zuerst in der Stadt auf dem Fischmarkt feilhalten und dürfen die Beute nicht heimlich in die Häuser bringen, damit der arme Mann neben dem Reichen auch Fisch habe. Nur die churfürstlichen Hoflager machen eine Ausnahme.'

Der letzte Berufsfischer hier im Mündungsgebiet war

Reinhard Meyer (19141988) - gelernter Fischer in dritter Generation, seit 1922 in GorsdorfNr. 3 seßhaft gewesen. Als ich 1955 diese Aufnahmen machte, war er noch ein 'freier Fischer' mit Verkauf ambulant und vom Hof In den sechziger [ahren wurde auch er 'vergenossenschaftet'. Zusammen mit anderen Fischern aus Wittenberg und Pretzsch war ein 'Soll' zu erfüllen ...

47 Gesangvereine habe es einer Zeitungsmeldung von 1886 zufolge seinerzeit sechs in unserer Stadt gegeben. Die Kantorei war (und ist) das älteste Jessener 'Gesangsinstitut'. Sie hat die unruhigen Zeitläufe der deutschen Geschichte vom Ende des 16. Jahrhunderts an ohne Änderung des Namens und Cha-

rakters überdauert. Leider gibt es nur wenige Bilddokumente aus ihrem langen Leben. Ich fand nur diese beiden. Das eine entstand am 6. September 1936 anläßlich eines Ausfluges nach Dresden, das andere am 9. August 1957 beim ersten Jessener Heimatabend.

Vor 1945 fungierte als lang-

jähriger, bewährter Kantor der Lehrer Richard Schönduve (unten Mitte). Von den Mitgliedern möche ich Frau Cläre Zeisig (unten, 2. von rechts) besonders hervorheben; sie bestach oft mit ihren Solopartien bei großen Aufführungen der Kantor

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