Kandern in alten Ansichten

Kandern in alten Ansichten

Auteur
:   Volker F. Scheer
Gemeente
:   Kandern
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2783-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kandern in alten Ansichten'

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49. Das Gasthaus 'Zum Waldeek', der 'Wälderbahnhof". Das heutige Gasthaus 'Zum Waldeck' ist tatsächlich einmal eine Art Bahnhof, oder besser gesagt: eine Bedarfshaltestelle. Von den Steinbrüchen in Malsburg führt damals eine 1905 gebaute Industriebahn zum Kanderner Bahnhof und transportiert Granit. Vor dem Bau der Strecke haben die Steinbruchbesitzer ihn mit Pferdefuhrwerken zur Kanderner Bahn bringen lassen müssen, was sehr schwierig und kostspielig gewesen ist. Die erste Zugmaschine für die Industriebahn hat der Maschinenführer Molinari ins Tal gefahren. Er wird am 7. Mai 1907 durch Josef Benischke abgelöst. Dieser nimmt im Spätjahr 1907 den regelmäßigen Pendelverkehr nach dem Bahnhof Kandern auf. Inoffiziell dient das 'Steinbähnli' auch der Personenbeförderung, und vor dem 'Waldeck' hält es immer dann, wenn Bewohner des hinteren Kandertals dort warten und mitgenommen werden wollen. Während des Ersten Weltkrieges sind zwei Lokomotiven eingesetzt. Schon 1919 jedoch wird der Betrieb eingestellt, eine Seilbahn von Lütschenbach nach Malsburg in Betrieb genommen und der Weitertransport auf Lastwagen umgestellt.

50. Der Schmelzofen. Vom ältesten Eisenwerk Badens hat man aus früher Zeit nur wenige Nachrichten. Urkunden zu Anfang des 16. Jahrhunderts beweisen, daß es vormals im Besitz adliger Erbpächter ist. Über den Betrieb erfährt man nur, daß Kriegsmunition vorzüglich Stückkugeln hergestellt wird. Daraus erklärt sich, daß später zwei Zeugwarte, die mit dem Geschützwesen zu tun haben, das Werk in Erbpacht nehmen, Zeitweise gelangt es wieder in die Hände der badischen Landesherren. Durch den Dreißigjährigen Krieg kommt die Produktion fast völlig zum Erliegen, was eine Aufnahme des Bestandes 1635 zur Folge hat. Danach besteht das Werk aus den drei Abteilungen Schmelzofen, Hammerschmiede und Drahtzug. Unser Bild zeigt deutlich, daß der Schmelzofen in einem eigenen Ortsteil liegt, der zu dieser Zeit auch so benannt wird. Im Hintergrund sind die Gebäude des damaligen Drahtzuges zu sehen; ein solcher befindet sich auch an der Kander zwischen Forsthaus- und Wesereibrücke.

51. Die Großschmiede. Auf der 'Schmelze' außerhalb des Ortes und dem 'Hammer' auf unserem Bild werden unter anderem folgende Eisenwaren produziert: Öfen, Häfen, Ambosse, Kugeln, Bandeisen, Bett- und Fensterstangen. Eine Berggesellschaft mit Gruben in Tannenkirch, in Hertingen, am Munzenberg und im Lenderich liefert das dazu benötigte Erz, Der Schmelzofen braucht sechs, die Harnmerschmiede vier Blasebälge, Der Drahtzug bei der Schmelze ist mit neun Bänken und dem nötigen Werkzeug versehen und kann zwölf Sorten Draht verfertigen. Die Erzeugnisse werden einzeln verkauft oder durch Gesellschaften vertrieben. Im Museum Allerheiligen in Schaffhausen befinden sich sogar Ofenplatten aus dem Jahre 1657 mit der Inschrift 'Simon Bäse von Cander goß mich'. Das schöne gußeiserne vom Greif gehaltene Wappenschild mit Hammer und Schlegel sowie dem Bergmannsgruß 'Glück auf!' ziert heute das nach einem Brand neu aufgebaute Nachbargebäude. Es ist über die Tonwerke an die Straßenmeisterei gegangen,

52. Die Kohlscheuer. Auf fünf Kohlplatten - teilweise findet man sie heute noch in den Malsburger und Endenburger Waldungen - arbeiteten früher die Köhler. Die Struktur des ganzen Eisenwerkes muß man sich folgendermaßen vorstellen: Holzmeister, Holzhacker, Spalter, Schindelmacher und Zimmermann bereiten das Holz auf, die Köhlerei braucht Kohlmeister und Kohlknechte, das mit dem vorigen Bild erwähnte Bergwerk beschäftigt Erzknappen und Erzwäscher und in der Schmelzhütte arbeiten Schmelzer, Aufsetzer, Ofenknechte und Schlackenpocher. Dazu kommen Arbeiter für allgemeine Tätigkeiten wie Tagelöhner, Fuhrleute, Hufschmiede und Wagner. 1865 ist im Zuge der wirtschaftlichen Veränderungen das Ende des Bergwerks gekommen. Der Besitz geht zunächst an eine private Gesellschaft, die aber nicht lange besteht. Schon 1872 verkauft sie das ehemalige Verwaltungsgebäude, aus dem ein Spital- und Pfründnerhaus wird.

53. Das neue Eisenwerk, 'd' Giessi'. Dieses Werk knüpft zwar an die alte Kanderner Tradition an, doch steht es in keiner direkten Beziehung zu seinen Vorgängern. Der Bau erklärt sich daraus, daß die Ortrander Eisenhütte einen Stützpunkt in Süddeutschland gesucht und 1901 dieses Gelände gekauft hat, auf dem sich heute die Firma Theiss & Harter befindet. Im Juli 1902 sind Fachkräfte aus Sachsen nach Kandern gekommen, um eine Niederlage zur Fertigstellung von Artikeln für den Kachelofenbau zu erstellen. Die Produktion hat bereits im August mit sieben Ortrander Fachleuten beginnen können. Das ist die Geburtsstunde des neuen Eisenwerks gewesen, In seiner Blütezeit beschäftigt es rund 100 Personen und spielt als zweitgrößter Kanderner Betrieb nach den Tonwerken im wirtschaftlichen Leben des Städtchens eine bedeutende Rolle, bis in den siebziger Jahren der Konkurrenzdruck zur Aufgabe zwingt.

54. Die unteren Tonwerke. Von den Fabrikanlagen auf unserem Bild aus der Zeit um 1910 stehen noch zwei Gebäude: der alte Ringofen von 1890, der langgestreckte Bau an der Sitzenkircher Straße, und der vorerst noch als Bürodienende kleine Mittelbau. Vorne links sehen wir die älteste uns bekannte Ziege1hütte, die 1954 abgerissen wird, Am Nebengebäude ist der Spruch des Zieglers Kammüller von 1762 erhalten. Die Kammüller sind die bekannteste Ziegierfamilie in Kandern. Als Folge der Ereignisse von 1848/49 geht ihre Ziegelei an Michael Ruch, der bis dahin bei Kammüllers Ziegier ist. Von ihm stammt der Schlußstein aus dem Jahre 1853 mit den Ziegelformen. Die Familie Kammüller zieht sich auf die Hintere Mühle zurück, gibt den Mühlenbetrieb aber bald auf und beginnt, wieder Ziegel und vor allem feuerfeste Steine herzustellen. Seit 1878 gibt es die Kanderner Tonwarenfabrik Ernst Kammüller. Bei den Tonwerken ändern sich die Eigentumsverhältnisse des öfteren, bis sie an die Keramik-Holding in Laufen in der Schweiz gehen. Sie sind heute der größte Betrieb Kanderns,

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55. Die oberen Tonwerke. Als zweite Betriebsstätte der unteren entstehen die oberen Tonwerke. Aus der Zeit des alten Eisenwerks werden die Gebäude der Hammer- wie der Großschmiede mit dem hier zu erkennenden Greif mit der Wappentafel an der Giebelseite übernommen. Das Laborantenhaus wird Direktoren-Villa. Weil die Zuberer-Mühle - heute Haus Hauert - nicht zu den Tonwerken gehört, ist sie auf der Ansicht weggelassen worden. Der einstige Mühleweiher zwischen Laborantenhaus und 'Giessi' ist ein prächtiger vom Lindermer-Gärtner gepflegter Gartengeworden. Gekrönt vom Häßler-Köpfle ist der Heißbühl im Hintergrund noch voller Reben. Dort gedeiht zu jener Zeit Kanderner Wein. Rechts im Bildvordergrund ist das 'Steinbähnli' auf dem Weg von Malsburg zum Kanderner Bahnhof zu sehen.

56. Die Belegschaft der oberen Tonwerke. Von der Lehmgrube an der Himmelsleiter, wo heute der Weg zum Häßler führt, geht früher eine Rollbahn zu den oberen Tonwerken. Talwärts fahren die Rollwägelchen allein, bergwärts zieht sie ein werkseigener Ochse, So wird auf direktem Wege Tonerde herbeigeschafft, die in Kandern aufmannigfache Weise verarbeitet wird. 1934 brennen die oberen Tonwerke ab, werden wieder aufgebaut, woran über der Einfahrt der heutigen Straßenmeisterei noch der Spruch 'Arbeit und Wille formen die Welt' erinnert; doch 1944 wird der Betrieb dort eingestellt. Russische Kriegsgefangene wohnen noch bis Kriegsende in der vor wenigen Jahren abgerissenen Baracke und gehen jeden Tag über die heutige Karl-Berner-Straße zur Arbeit im Hauptbetrieb in die unteren Tonwerke,

57. Das alte Turbinenhaus. Ziemlich versteekt liegt zwischen der Landstraße, die ins hintere Kandertal führt, und der alten Malsburger Straße - heute Alter Übelhaldenweg - das frühere Turbinenhaus. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts ist das Werk von der Helios-Elektrizitäts-Afl in Köln erbaut und am 1. Oktober 1896 in der 'Krone' feierlich eingeweiht worden. Das Wasser wird der Kander nahe der Brücke bei den Malsburger Steinbrüchen entnommen, zum 'Schlössle', einem kleinen Gebäude am Hang, geleitet, bis es von dort in das tiefergelegene Turbinenhaus stürzt. Neben dieser Wasserkraftanlage wird bald ein zweites Turbinenhaus errichtet - auf unserem Bild im Bau - und zusätzlich eine Dampfmaschine ebenfalls zur Stromerzeugung aufgestellt, weil die Wasserkraft oft nicht ausreicht. 1905 geht das Werk an Gustav Bissinger. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird es modernisiert. Heute hat das Turbinenhaus ausgedient, die Zuleitungen sind versandet; unser Strom kommt von den Kraftübertragungswerken Rheinfelden. Der Name 'Elektrizitätswerk Kandern' existiert heute noch als Firmenbezeichnung.

58. Hecker und Gagern auf der Brücke vor Kandern om 20. Apri11848. Weder Hecker, Anführer der Freischärler, noch General von Gagern sind auf Kampf eingestellt, sondern versuchen jeweils vergeblich den Gegner zum Aufgeben zu bewegen. Diese Begegnung zeigt unser Bild. Auf der Scheideck noch, als sich Regierungstruppen und Aufständische kampfbereit gegenüberstehen, probieren diese erfolglos, die hessischen und badischen Soldaten dazu zu bringen, daß sie überlaufen: 'Schießt nicht auf deutsche Brüder!' ertönt es. Im Scharmützel, das vermutlich die Regierungstruppen beginnen, wird Gagern getötet, aber nicht meuchlings. Nach kurzem Kampf bricht man das Gefecht ab, die Aufständischen geben die Leiche des Generals heraus, die Soldaten eine erbeutete Fahne der Revolutionäre. Gagerns Leichnam wird in die hessische Heimat überführt, ein Gedenkstein auf der Paßhöhe erinnert seit 1889 an seinen Tod.

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