Kaufbeuren in alten Ansichten Band 2

Kaufbeuren in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Dr. Willi Engelschalk
Gemeente
:   Kaufbeuren
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6605-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kaufbeuren in alten Ansichten Band 2'

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9 Das Pferdegespann fährt in den unterhalb der Kirche St. Blasius gelegenen Hof des Brauerei-Gasthauses Zur Gais. Dort gab es Einstellmöglichkeiten für Wagen und Zugtiere der Gäste, die besonders zahlreich an den Markttagen in der seit 1702 bestehenden, 1963 aber abgerissenen Traditionsgaststätte einkehrten. Vom Blasiusturm, Kirchturm und Wehrturm zugleich, verlief die Stadtmauer den Hang herunter. Ein Rest, von zwei Fensteröffnungen durchbrachen und mit einem vorspringenden Dach abgedeckt, ist an dem Haus im Mittelgrund links sichtbar. Es ist das ehemalige Scharfrichterhaus Unter dem Berg 23 (Bild 10).

Foto Peter Mayrhuber 4-.Juni 1934-.

10 Von den fünf Getreidemühlen des alten Kaufbeuren stand die Obere Mühle am Einlauf des Blatterbaches unter dem Blasiusberg. Der aufgeständerte Wasserlauf trieb ein oberschlächtiges Mûhlrad, bis dem letzten Müller Jakob Espermüller 1943 das Wasserrecht von der Stadtgemeinde abgelöst und der Bach 1946 verrohrt wurde. In dem Haus links wohnten einst die reichsstädtisehen Scharfrichter. Der letzte von ihnen, M. C. Fuchs, vollzog 1790 die letzte Hinrichtung. Nach 1802 zogen Handwerker auf Seit 1882 ist eine Kupferschmiede nachgewiesen. Im Tor der Werkstatt steht Iosef Burkhard, der das Gewerbe bis 1972 dort ausgeübt hat. In Handarbeit sind vor dem Krieg

zum Beispiel Kessel für Brauereien, Wärmflaschen oder Bratformen herge-

stellt worden.

Foto privat vor 1945.

1 1 Die Kirche St. Blasius bildet mitTurm, Wehrmauer und Mesnerhaus ein unverwechselbares Ensemble am herausragendsten Punkt Kaufbeurens hoch über den Dächern der Alt-

stadt. Das Gotteshaus, das den gotischen Stil im Baukörper wie in der Innenausstattung in seltener Reinheit bewahrt hat, gilt als Juwel der Stadt. Im Mesnerhaus (links), zum

Aufnahmezeitpunkt noch mit einseitigem Walmdach, fand 1955 der Kirchenmusiker und Komponist LudwigHahn (1895-1973), der 1 929 als Chordirektor nach St. Martin gekommen

war, mit seiner kinderreichen Familie Heimstatt. Foto Carl Goldmann vor 1925.

12 Das erste Oratorium, das Ludwig Hahn in Kaufbeuren aufführte, war 'Israel in Ägypten' von Georg Friedrich Händel. Hahn hatte auch die Leitung des 'Liederkranzes' und des 'Sängerbundes' übernom-

men, so daß mit Kirchenchor und 'Harmonie' ein 18üköpfiger Gemeinschaftschor gebildet werden konnte. Geprobt wurde im Saal der 'Gais' . Die Aufführungen fanden am 25. und 26.April1931

in der evangelischen Dreifaltigkeitskirche statt, weil in der Diözese Augsburg kurz vorher Konzerte in katholischen Kirchen untersagt worden waren und ein Raum mit Orgel benötigt wurde. Stolz war man,

daß fast ausschließlich einheimische Kräfte musizierten. Von auswärts kamen lediglich zwei Oboen- und ein Fagottbläser sowie der Baßsolist Echteier aus Baisweil.

Foto privat 193 1.

13 Von der Blasiuskirche, deren gotischer Chor links im Bild zu sehen ist, geht der Bliek nach Norden auf das Waldgebiet 'Am Hart' , in dem im Herbst 1939 begonnen wurde, eine

Schießpulverfabrik zu bauen und in dem nach dem Krieg der Stadtteil Neugablonz entstand. Das große Gebäude im Mittelgrund ist das im Iahre 1929 erbaute Katholische

Jugendheim St. Martin. Es ist derTatkraft des damaligen Kaplans Alfons Satzger zu verdanken, der für auswärtige Schüler und Lehrlinge, die in Kaufbeuren ihrer Ausbildung nachgin-

gen, eine Wohnmöglichkeit schuf In der Nazizeit mußte die Bezeichnung 'Deutsches Schulheim' verwendet werden.

Postkarte Gebr. Metz, Tübingen, um 1938.

14 Durch die Kemptener und die Kemnater Straße geht der Blick hinauf zum Neubau des Marienheims. Das Crescentiakloster hat ihn 1908 als Ersatz für das überbelegte Wohnheim für ledige Fabrikarbeiterinnen,

das sich in der Ledergasse befand, errichten lassen. Später sind darin die von den Franziskanerinnen geführten Marienschulen untergebracht worden. Im Mittelgrund parken Pferdewagen vor dem Gasthaus

Häring, in dem tradinonsgemäß an Markttagen die Bauern von Baisweil, Ingenried und Irpisdorf eingekehrt sind. Das Gebäude ähnelt einem Bauernhof, denn zum Wirtshaus gehörte von jeher eine Land-

wirtschaft. 1912 ist es abgebrannt und durch einen späten Jugendstilbau ersetzt worden.

Postkarte Gebr. Metz, Tiibingen, um 1910.

15 Als das Marienheim. Deutschlands ältestes Wohnheim für ledige Fabrikarbeiterinnen, 1908 den Neubau an der Kernnater Straße beziehen konnte, war Platz, um Kurse für ländliche Haus-

wirtschaft einzurichten. Auch als an der Staatlichen Landwirtschaftsschule von 1926 an Hauswirtschaftsklassen gebildet worden waren, blieben die von Nonnen geleiteten Kurse im Institut St. Maria eine

feste Einrichtung. Einige derTeilnehmerinnen, die auf diese Weise das Klosterleben kennengelernt und in den Ordensfrauen Vorbilder gefunden hatten, sind später selbst ins Kloster eingetreten. Das Bild

zeigt den Speisesaal mit der Durchreiche zur Küche des Internats.

Foto J,N. Kreuzer Nachf. um 1910.

16 Da die Zahl der Panenten der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren stetig anstieg. baute man 1909/10 abseits vom Hauptgebäude das Männer-Landhaus am Kaiserweiher. Die ruhige Lage im Grünen sollte sich

positivauf die Patienten auswirken. 1914 bis 1918 war darin ein Lazarett für Soldaten mit Kriegsneurosen eingerichtet worden. 'Fast jederTag bringtAufregungen undVerdruß. Unseren fortgesetzten Bemü-

hungen. es den Leuten möglichst angenehm zu machen, wurden uns mit Beleidigung, sogar mit tätlichen Bedrohungen gedankt,' heißt es in einem zeitgenössischen Iahresbericht. Man darf angesichts

des idyllischen Bildes nicht das Leid und die Not der Patienten in der Nachkriegs- und Inflationszeit vergessen.

Foto zwischen 1930 und 1933.

1 7 Schon im Entwurf für die Parkanlagen der 1876 eröffneten 'Kreis-, BeHund Pflegeanstalt bei Kaufbeuren' war vom Münchener Bofgartendirektor Karl von Effner ein großes Areal hinter den Anstaltsgebäu-

den für die Gärtnerei und ein Gärtner-Wohnhaus vorgesehen worden. Gemüsefelder, Mistbeete, Gewächshäuser, Rabatten für Beerensträucher und Obstwiesen sind dem Plan entsprechend angelegt wor-

den. Die Erzeugnisse der Gärtnerei leisteten einen wichtigen Beitrag zur Ernährung der Patienten. Auch wurde die Arbeitstherapie, die seit 1849 fester Bestandteil der Behandlung war, von 1928

an systematisch ausgeweitet. Weil ein großerTeil der Kranken aus dem ländlichen Umfeld kam, waren viele mit Gartenarbeit vertraut.

Foto zwischen 1930 und 1933.

18 Die Heil- und pflegeanstalt hatte um die Iahrhundertwende einen starken Zuwachs an Patienten. Um ihreVersorgung sicherzustellen und zusätzliche Arbeitstherapieplätze zu schaffen, wurden 1893 in Kaufbeuren und 1924

in Bickenried landwirtschaftliche Betriebe erworben, durch spätere Zukäufe erweitert und zu einem Gutsbetrieb zusammengefaßt. 1901 sind neue Gebäude an der Kemnater Straße fertig geworden, die das Bild etwa dreißig Iahre

später zeigt. Der Hof wurde arbeitsintensiv und recht vielseitig bewirtschaftet. Ein Viertel der Fläche war mit Hafer, Gerste, Weizen, Kartoffeln, Rüben und Bohnen bepflanzt. In den Ställen und auf den Weiden standen Rinder,

Schweine,Schafe,Ziegen und Geflügel. Die sechs Zugochsen und vier pferde sind erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch Traktoren ersetzt worden.

Foto zwischen 1930 und 1933.

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