Kennenburg in alten Ansichten

Kennenburg in alten Ansichten

Auteur
:   Eberhard Kenner
Gemeente
:   Kennenburg
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5314-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Kennenburg in alten Ansichten'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  >  |  >>

11. Hauptgebäude, Bassin und ' Katakomben'

Das Kurhaus bot sowohl von seiner Dachplattform als auch von der Terrasse vor dem Haus aus eine herrliche Fernsicht. August Conrad Magenau hat die Aussicht in den Park 1841 in den 'Kennenburg-Liedern' beschrieben:

Unmittelbar vor dem Hause, nur etwa 30 Schuh niedriger, erblicken wir einen mit Blumenstücken gezierten Rasenplatz, der ein rundes Bassin umgibt. Eine Vase erhebt sich aus ihm, aus deren Mitte ein Springbrunnen seinen lebendigen Strahl an 40 Schuh hoch gießt. Diese Anlage, welche gegen vornen allmählich die Sohle des Thais erreicht, wird ... von einer hohen brückenartig gebauten Mauer umschlossen, die in ihrem Innern 3 Douche- und 2 Ankleide-Kabinette enthdlt, und deren Gewölbe die Terasse tragen, welche von einem eisemen Geländer geschûtzt, zunächst vor dem Hause zur ebenen Wandelbahn dient ...

Den Vorgang des Badens und Duschens schildert uns wiederum August Conrad Magenau:

... Um 4 Uhr Morgens ist schon Alles im Hause wach, und läßt sich von der Badedienerschaft in die wollenen Teppiche wickeln. Man liegt von den warmen Wellen überfluthet bis 7 Uhr, dann schlûrft eine vermummte Gestalt um die andere über die Hausflur, um in den unmittelbar an das Haus angebauten Bade-Cabinetten die großen Wannen, in denen stets [risches Wasser zufließt, zu besteigen. und sich darin 2-8 Minuten lang wie harpunirte Wallfische zu bewegen. Auf unserem Zimmer angekommen, kleiden wir uns an, und binden den nassen Neptunsgürtel um den Leib, dem eine trockene Ueberbinde folgt. Wir schicken uns zu unserem Morgengang, auf dem wir 4 bis 8 Gläser des belebenden Elements zu uns nehmen, à Canto der 16 bis 24, die täglich unsere neue Lebensordnung vorschreibt ... Bald ist es 10 Uhr ... Die Douche-Glocke ertont, und ruft uns nach der Reihe auf ... Bald hören wir den Sturz der Douchen, undhie und da einen Laut, der Aehnlichkeit mit der Stimme erschrockener Menschen hat. Sie stehen bereits in der bequemen Tracht des Paradieses unter dem verhangnißvollen kupfernen Seiher, gewärtig, aus einer Höhe von 20 Schuh einen sanften Maienregen, oder einen hydropathischen Lebensstrahl von 1 bis 3 Zoll zu erhalten. Doch in einigen Minuten ist das belebende Bad vorûber, wie neugeboren suchen sie ihre nassen Haare in der Sonne zu trocknen, oder gehen händereibend mit rythmischen Schriuen spazieren ...

Die um 1912 entstandene Fotografie zeigt das Hauptgebäude oder Oberhaus der Heilanstalt, das mit der Fertigstellung des Herrenbaus im Westen auch Damengebäude hieß. Unterhalb davon das Bassin und die mit Rundbogen versehenen Duschen, die ihrer Kavernenform wegen auch 'Katakomben' genannt wurden.

12. Herrenbau, Unterhaus und 'Leichstegle'

Die um 1912 entstandene Aufnahme zeigt einen Teil des Erweiterungsgeländes der Heilanstalt, das Dr. Reinhold Krauß nach der Übernahme der Anstaltsleitung erworben hatte. Ein Grund für den Geländekauf westlich des bisherigen Areals war die drohende Lärmbelästigung durch die beabsichtigte Ausbeutung eines auf diesem Grundstück gelegenen Steinbruchs. Das Anstaltsgelände umfaßte mit 15 Morgen nunmehr das Zweieinhalbfache der ursprünglichen Fläche. Rechts im Bild das sogenannte Unterhaus, das 1910 einen östlichen Anbau in Form eines Rundbaus erhielt. Im Bad standen zwei größere Fayence- Wannen.

Links der 1910/11 erstellte neue Herrenbau, 'ein formschöner, schlichter Bau, bei dessen Einrichtung auf besondere Wohnlichkeit und Behaglichkeit gesehen und alles vermieden wurde, was mehr als irgend notwendig an die "Anstalt" als solche erinnern konnte ... ' (Dr. Paul Krauß).

Nach dem Muster des Unterhauses waren auf der Ost- und Westseite des Herrenbaus je ein Rundbau angefügt. Dieses Rundbausystem machte es möglich, daß fünf Kranke gleichzeitig durch eine einzelne Aufsichtsperson überwacht werden konnten. Am Hang oberhalb des Herrenbaus befanden sich der Rosengarten, der Tennis- und der Liege- und Spielplatz. Rechts außen das 1905/06 erstellte Klärgebäude, zu dem vier Klärbassins gehörten.

Der Gang zur Kirche nach Sankt Bernhardt führte für die meisten Kennenburger über die kleine Hainbachbrücke, die, am Weg zum Friedhof gelegen, 'Leichstegle' hieß. August Conrad Magenau hat in dem Gedicht 'Sonntag Morgen' von 1841 den Weg der Kirchgänger beschrieben:

Sonntag ist's, die Sonne lächelt Auf die thaubeglänzte Flur,

Und an Brust und Wange fächelt Mir der Atem der Natur.

Feierlich die Glocken schalten Durch des Thales stillen Plan, Und die Kirchenleute walten

Schwarz geschmückt den Berg hinan ...

Unter Dr. Reinhold Krauß gewann die Behandlungsmethode der Psychotherapie in der Kennenburger Heilanstalt mehr und mehr an Bedeutung. In persönlicher Begegnung setzte sich Dr. Krauß mit Sigmund Freud auseinander. Folge dieser Entwicklung in den zwanziger Jahren war die Verlagerung des Behandlungsschwerpunktes hin zu neurotisch Kranken. Dr. Reinhold Krauß gab der 'Heilanstalt für Nerven- und Gemütskranke' 1928 den Namen 'Privatklinik Kennenburg'.

13.Idylle im Park

Rings um die Anstaltsgebäude waren ein großer Park, Obst-, Gemüse- und Blumengärten und anfangs noch ein Stück Weinberg angelegt. Für die Pflege der Außenanlagen sorgte eigens dafür angestelltes Personal unter der Leitung eines Obergärtners. Eine Vorstellung von der Vielfalt und Exotik der Pflanzenwelt in den Anfangsjahren der Heilanstalt geben uns einige Verse aus den 'Kennenburg- Liedern' von 1841:

Den runden Teich umgibt in hellen Farben Ein Blumenwald mit stolzer Sommerpracht. Dahleen prangen dort in braunen Garben, Um die der Strauß der weißen Malven lacht.

Das gelbe Jungjernaug' mit gelbem Sterne, Das Gretchen in dem Busch, die Monatros', Die [eur'ge Liebe, brennend in der Ferne, Sie Alle birgt des Thales reicher Schooß.

Die Canna indica mit breitem Blatte

Und rothen Blûthenbûscheln, und das Heer Der blau und gelben Astern, die die Matte Verwandeln in ein großes Blumenmeer.

Hier flattern span'sche Wicken in dem Winde, Dort drängt ein rother Fuchsschwanz sich empor, Ein blauer Ritterspom, und an dem Boden finde Ich mancher niedern Pflanz' bescheid'nen Flor.

Convolvulus mit rosafarbnem Kelche, Das gelbe Röschen des Chrysantimum, Die blaue Ibris, und Reseden, welche Den sûßen Duft verbreiten rings herum.

Zu kennen jede Blum' und jede Pflanze Ward mir vom Himmel nicht die hohe Gunst, Mich labet nur, mich freuet nur das Ganze, Ich zoll' Bewunderung des Gärtners Kunst ...

An Regentagen aber gab sich der Park in Melancholie:

Des Himmels Fenster öffneten sich, Es strömt ein schau' riger Regen,

Es bilden Bäche und Seen sich, Auf des Gartens kiesigen Wegen ...

Es zittert und rauscht der Pappeln Laub, Die Lerchen und Grasmücken schweigen, Die Blumen werden des Windes Raub, Die Blüthe zur Erde sie neigen ...

Verlassensinddie Plätzchen um's Haus Wo Sonn' oder Schatten erquickten, Wo wir in der Geselligkeit Strauß

Manch' heiter Vergißmeinnicht pflückten ...

Das Bild stammt aus der Zeit um 1908.

14. Aufgang zum Oberhaus

... Das neue und geschmackvolle Kurhaus ... liegt ganz gegen Sûden, vollkommen frei auf einem Vorsprung der Mûhlhalden-Weinberge ... Ein von eisernen Armen getragener Balkon ... gewährt ... eine freiere Aussicht des Thales ... Die Sonne bestrahlt dasselbe von drei Seiten, die hohen Weinberge schützen es gegen den Nordwind, und die mäßige Anhöhe verschafft den Genuß einer milden und reinen Luft ...

Lesen wir weiter, wie August Conrad Magenau 1841 von der Terrasse aus den Bliek ins Tal empfunden hat:

Ein freundlich Land liegt hier zu meinen Fûßen, Durch grüne Rasen weiße Pfade geh'n,

Die eines Teiches Wellen rund umschließen Und sanft erreichen der Terasse H öh' n ...

Einsame Häuslein blieken aus dem Grünen Des Obstgebüsches [reundlicb dort hervor; Hier steht ein Eichenwald mit ernsten Mienen, Und jenseits steigt die Alpenwelt empor.

Zu beiden Seiten bilden sanfte Hügel Die lebensvolle Gartenwand;

Und drüber ist der himmelblaue Spiegel Des weiten Horizontes ausgespannt.

So lab ich mich an immer neuen Zügen, Die mir das Bild des kleinen Thales zeigt, So mag Italien zu den Fûßen liegen,

Wenn man herab von Gotthards Spitze steigt.

Die Aufnahme entstand um 1908 und zeigt den westlichen Teil des bogenförmig ansteigenden Aufgangs vom Park zur Terrasse vor dem Hauptportal des Oberhauses (Hauptgebäudes). Diese Bogenkonstruktion verlieh der Anlage eine besondere architektonische Note.

'KENNENBURG.

15. Das 'Doktorhaus'

Das architektonisch reizvolle Haus Kennenburger Straße 65 stand auf dem Anstaltsgelände am Beginn des Mühlhaldenweges bei der Remsenklinge. Es wurde 1876 als zweieinhalbstöckiges Pförtnerwohnhaus und als Wohnhaus für die Familie des Obergärtners erbaut. 1880/81 erhielt es an der östlichen Giebelseite einen zweistöckigen Anbau, von 1904 an war es das Haus des Anstalts-Oberarztes.

An der Haarnadelkurve gegenüber der Stelle wo das Ärztehaus stand, liegt der 'Marienfelsen'. Ihm hat August Conrad Magenau 1841 ein Gedicht gewidmet.

Am kleinen Liebersbrunner Bach Wölbt Esch' und Apfelbaum ein Dach An eines Hügels grünem Rand.

Um eine graue Felsenwand.

Das Felsenlager. groß und schwer, Wie kommt es in das Thai hieher? In diese blûhende Natur,

Wo nirgends eines Felsen Spur?

Das Platzenen ist gar still und schön, Ein Ruhebänkchen ist zu seh'n,

Es ist dort kühl im engen Thai,

Es schûtzt uns vor dem Sonnenstrahl.

Dem Thälehen wollte die Natur Verleihen j ede n Reizes Spur, Drum warf die gia'ge Sehöpferin Hier den Marienfelsen hin.

1m Bild sind oberhalb des 'Doktorhauses' einige Weinbergterrassen des Gewanns 'Untere Remserklinge' zu erkennen. Die 'Remserklingen' in der Mühlhalde war eine der besten We inlagen des Hainbachgebietes.

Die Aufnahme fällt in die Zeit um 1912, als der Weinbau im Hainbach aufgegeben wurde. Was waren die Gründe hierfür? 1. Durch das Vordringen auswärtiger Weine konnten nur noch die besten Esslinger Lagen wirtschaftlich vermarktet werden. 2. Die Bevölkerung in den Hainbachorten wuchs, immer mehr junge Männer fanden in den aufstrebenden Esslinger Industriebetrieben ein besseres Auskommen als in den Weinbergen zu Hause. 3. Aus Amerika eingeschleppte Schädlinge und Krankheiten (Reblaus, Mehltau, Blattfall), verbunden mit der Abneigung der Weingärtner, Spritzmittel einzusetzen, sorgten für Ernteeinbußen. 4. Mehrere schlechte Ertragsjahre in kurzer Folge entmutigten die Wengerter im Hainbachtal.

Aus den Rebhängen warden Obstgärten, Äcker und Wiesen. In jüngster Zeit sind da und dort wieder Weinstöcke von Hobbygärtnern zu sehen. Der Hainbachwein, heute eine nostalgische Kostprobe ... , jahrhundertelang und vor acht Jahrzehnten noch war er die Existenzgrundlage der hier ansässigen Menschen.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2019 Uitgeverij Europese Bibliotheek