Kennenburg in alten Ansichten

Kennenburg in alten Ansichten

Auteur
:   Eberhard Kenner
Gemeente
:   Kennenburg
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5314-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kennenburg in alten Ansichten'

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16. Das Portier-Hiiuschen

August Conrad Magenau hat 1841 in Kennenburg ein humorvolles Gedicht verfaßt, in dem eine 'Schildwache' der Heilaustalt in Gestalt von Invaliden vorkommt, hier ein Auszug:

Im Reb'umkränzten Heimbachthai Steht eine Burg im Sonnenstrahl, Sie schauet [rei in's Thai hinein,

Es ruht ihr Fuß auf festem Stein.

Kein Feind naht ungeseh'n dem Thor, Denn eine Schildwach' ist davor, Drei Invaliden halten Wacht

Am Eingang, wo die Sonne lacht.

Der Eine kommt mit Müh' zum Ort, Der And're schiebt sich eben fort, Der Dritte sitzt vier Jahre schon, Das ist die Wach' der Garnison ...

Auf der Fotografie, aufgenommen nach 1930, ist der Haupteingang der Heilanstalt (Kennenburger Straße 63) mit dem 1878 erbauten Portier-Häuschen zu sehen. Es stand links am Weg zur Mühlhalde unterhalb des Ärztehauses. Wie in dem Gedicht schon angedeutet, hatten den Posten des Portiers meist Invaliden inne.

Der Portier bot nur in begründeten Fällen Einlaß, außerdem war es seine Aufgabe, dafür zu sorgen, daß kein Patient während seines Aufenthaltes das Anstaltsareal unbeaufsichtigt oder ohne Erlaubnis verlassen konnte. Fremde Personen hatten zu den Behandlungstrakten und zu den Parkanlagen keinen Zutritt. In seiner Abgeschiedenheit am Remserklingenbach mag der Portier auch manche geruhsame Stunde erlebt haben. August Conrad Magenau hat die Stimmung am Bach in Verse gefaßt:

Ein Bächlein rieselt dort duren Erlenbüsche Hinab in's holde Kennenburger Thal.

Der Liebersbrunn ist's, der im Laubgemische Versteekt sein Quellehen vor der Sonne Strahl. Ein schmales Brückchen führt am sichern Bande den Wand'rer in die unbekannten Lande ...

Die Schlucht an dieser Bergeswand Sie wird die Remserkling' genannt; Der Liebersbrunn fließt dort herab, Sie deckt ihn zu als wie ein Grab.

Wie fest ihn auch die Klinge hält,

Er bricht sich durch zur Freien Welt, Durch Felsen, Stein und Ungemach, Mit kräft'gem Drang, der kleine Bach.

17. Der 'Wandelgang'

Aufjener Wandelbahn, von Eisenstäb' umfangen,

Kann ich der warmen Sonn' wohlthuend Licht empfangen.

August Conrad Magenau hat 1841 den halbmondförmig hinter dem Hauptgebäude verlaufenden 'Säulengang', in dem die Kurgäste auch bei Regen spazierengehen konnten, in weiteren Versen festgehalten:

Es ruht ein Dach auf vielen Säulen, Die um das Haus im Zirkel steh'n, Hier kann bei Regen ich verweilen, Im Schatten auch spazieren geh' n.

Doch kann ich nicht das End' erreichen, An jedem Ausgang kehr' ich um,

Will mit dem M anggaul mich vergleichen, Der stets im Ringe läuft herum ...

In der um 1840 von P. Herwegen geschaffenen Lithographie (vg!. Bild 1) ist der ursprüngliche Wandelgang zu sehen, der in späteren Jahren abgebaut wurde. Als dann Oberhaus, Unterhaus und Herrenbau 1879/80 und 1911 durch einen überdachten Gang verbunden wurden, hieß dieser Weg 'Wandelgang', obwohl er eigentlich kein Gang zum Lustwandeln war, sondern den Ärzten und dem Pflegepersonal dazu diente, trockenen Fußes von einem zum anderen Gebäude zu gelangen.

Die Fotografie aus dem Jahre 1937 zeigt einen Esslinger Nervenarzt und zwei Anstaltsgärtner in dem 'Wandelgang'.

18. Der große Pavillon

Auf dem Anstaltsgelände standen mehrere Pavillons, so am Rosenweg und beim Bassin (dieser ist erhalten geblieben), der größte aber stand im Anstaltsweinberg am Mühlhaldenweg dort, wo der nackte Fels des Talhangs sichtbar wird. Von hier aus hatte man eine prächtige Fernsicht zur Sankt-Bernhardt-Kirche, zu Schloß Hohenkreuz, ins Hainbachtal, Neckartal, auf die Filderebene bis hin zur Schwäbischen Alb. Der 1890/91 erbaute, gegliederte Pavillon war aus Holz und von Reben umrankt. Hier konnten die Kurgäste sinnieren, studieren und philosophieren, hier konnten kleine Feste gefeiert, musiziert und Gedichte verfaßt werden. Der Bliek ins Tal mag dabei stimulierend gewirkt haben.

August Conrad Magenau hat uns 1841, also bevor der Pavillon gebaut worden ist, ein Gedicht über 'Das Kennenburger ThaI' geschenkt, hier eine Versauswahl:

Das kleine Thal ist voll jugendlichem Leben, Der bunten Farben Pracht erheitert das Gemûth,

Der Baum verspricht uns Obst, die Rebe Wein zu geben, Von grûnen Büschen schallt der Vögel lubellied ...

Doch in dem Hintergrund erblick' ich tieje Schatten, Denn Sirnau's dunkler Wald verschließt die Aussicht mir, Der steile Bergweg droht den Pilger zu ermatten,

Und tiefes Schweigen herrscht um Eich' und Buche hier ...

Sieh! über Sirnau's Wald der Filder gold' ne Fluren, Und hinter ihnen schwebt ein violetter Duft

Die Alpen lagern sich in lieblichen Conturen

Und winken freundlich uns aus reiner Morgenluft ...

Das Bild stammt aus der Zeit um 1908.

19. Der Springbrunnen

Der (erhalten gebliebene) Springbrunnen im Bassin des Parks der Heilanstalt hat die Form einer Vase. Die Lebendigkeit des Wasserstrahls hat schon 1841 August Conrad Magenau zu einigen Versen in dem Gedicht 'Aussicht von der Terasse' inspiriert:

A us einer Vase mitten in dem Teiche Erhebt sich blinkend ein kristallner Strahl Auf zu der Lüfte unsichtbarem Reiche Und sendet seine Wellen in das Thal.

Die Sonne scheint in den milchweißen Bogen, Mit Wohlgefallen schaut ihr Aug' auf ihn,

Ein Regenbogen malt sich in den Wogen, Durch dessen Farben Diamanten sprüh'n .

... und im Gedicht vom 'Sonntag Morgen':

Auf zum Himmel steigt der Bogen, Silbern glänzt der Wasserstrahl, Gottes Geist sch webt auf den Wogen Heute noch wie dazumal.

Eh' sie zu der Erde sinken

Und zerstäuben als ein Thau, Nähren liebend sie und trinken Blätter, Blumen, Gras und Au.

Im 'Panorama von Kennenburg findet sich ein weiterer Vers:

Das Auge folget gern des Springquells schönem Strahle, Ergötzt sich an dem Fall und an des Bogens Bild;

Bald strömt ein Perlenbach herab zur Brunnenschaale, Bald ist mit Silberschaum die blaue Luft erfüllt;

Und scheint auf den Kristall des Quells die Sonne nieder, So giebt er uns das Bild des Regenbogens wieder.

Die Fotografie wurde in den dreißiger Jahren aufgenommen.

20. Der Trinkbrunnen ('Wilhelmsbrunnen')

Als König Wilhelm I. von Württemberg 1840 der Kaltwasser-Heilaustalt und dem Trinkbrunnen den Namen 'Wilhelmsbrunnen' verlieh, tat er dies aus gutem Grunde. Lesen wir, was die Esslinger Oberamtsbeschreibung von 1845 über die Güte des Kennenburger Brunnenwassers zu berichten weiß:

Die reichsten Quellen sind die Wäldenbronner und die vereinigten Kennenburger Quellen. Die letzteren (Eigenthum der Heilanstalt-Actionärs) übertreffen an Reinheit noch die ersteren, indem der zum Trinken bestimmte Kennenburger Brunnen in 16 Unzen nur 1 bis 1 112 Gr. feste Bestandtheile enthält, während diese in dem Wäldenbrunnen auf 3 Gr. steigen.

Auf der Lithographie von Konrad Schacher (um 1855) ist rechts des Kurhauses das Ronden des Trinkbrunnens zu sehen (vgl. Bild 2), 'des Wilhelmsbrunnens Quell aus sechszehnfachem Rohr'. August Conrad Magenau hat ihm 1841 ein Gedicht gewidmet:

Da sprudelt er, der Wilhelmsquell, Erfrischend, weien undsilberhell. leb thue täglich manchen Zug Und immer giebt er mir genug.

Und unten an des Brunnens Fuß Giebt er dem Thierlein noch Genuß. Der Bachstelz badet seine Brust, Das Hûndlein leckt mit großer Lust.

Er quillt mit Murmeln aus dem Rohr, Undgernehörtden TondasOhr,

Als wollt' er sagen für und für:

'Wer durstig ist, komm' her zu mir, '

Der Quell der hier so reichlich quillt,

Giebt uns des Wo hit hun s schönes Bild; Er läuft und läuft an einem fort,

Empfängt er auch kein dankend Wort.

Dort aus dem blinkenden Kristall Steigt auf ein kleiner Wasserfall, Von dem ein [einer Regen fließt, Der Stärkung in das Antlitz gießt.

So sey auch Du voll Edelmuth Ein Brunnen, der viel Gutes thut. Laß strömen deines Geistes Quell Wie Jener, reicb - doch silberhell.

In den dreißiger Jahren, der Zeit, aus der das Foto stammt, war das von Säulen flankierte Rondell des Brunnens nicht mehr vorhanden.

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