Kennenburg in alten Ansichten

Kennenburg in alten Ansichten

Auteur
:   Eberhard Kenner
Gemeente
:   Kennenburg
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5314-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kennenburg in alten Ansichten'

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21. Die Waschküche

Um einen möglichst reibungslosen Ablauf der einzelnen Dienste in der Heilanstalt zu gewährleisten, hatte die Anstaltsleitung die technischen Voraussetzungen dafür zu schaffen. Einer dieser Dienste war die Bereitstellung von frischer Wäsche für die Patienten und das Personal. Aufgrund der durchschnittlich gestiegenen Zahl an Krankenaufnahmen und Verpflegungstagen sowie des Fortschritts in der Wäschereitechnik war es notwendig, den Waschküchenbereich dieser Entwicklung anzupassen und die entsprechenden baulichen Änderungen vorzunehmen.

Die erste Waschküche befand sich zusammen mit dem Bügelzimmer und der Küche in einem 1859/60 erstellten zweistöckigen Anbau hinter dem Mitteltrakt des Hauptgebäudes. Die zweite, als zweistöckiges Waschhaus 1879/80 erbaut, grenzte an den Westflügel des Tobzellengebäudes. 1910 wurde dieses Waschhaus abgerissen und am Remsenklingenbach ein neues zweitstöckiges Wasch- und Wohngebäude (Kennenburger Straße 5ge, heute 59/3) errichtet, das erhalten geblieben ist und seit 1969 ausschließlich als Wohnhaus dient. Die um 1910 entstandene Aufnahme vermittelt einen Eindruck von der damaligen Technik der Großwäscherei.

Die aus den Anstaltsgebäuden angelieferte Schmutzwäsche wurde zunächst in großen Wannen in der sogenannten Schwarzen Küche (rechts im Bild) eingeweicht. Anschließend wurde die Wäsche in der von der zentralen Dampfkesselanlage gespeisten Doppeltrommel-Waschmaschine (Bildmitte) gewaschen. Bei dieser Maschine ist eine mit Löchern versehene, bewegliche Innentrommel aus Kupfer in einer feststehenden, eisernen Außentrommel gelagert. Das Schleudern der Wäsche erfolgte in der Zentrifugal-Trockenmaschine. Beide Maschinen waren Erzeugnisse der Düsseldorfer Firma Gebr. Poensgen & Cie. und wurden über Transmissionsriemen angetrieben.

Zum Trocknen wurde die Wäsche auf der 'Wäschewiese' autgehängt, die unterhalb des Waschhauses an der Einrnündung des Remsenklingenbachs in den Hainbach lag (heute Abenteuerspielplatz).

Für das Mangeln und Bügeln war eine Bügelstube eingerichtet. Hier stand eine dampfgespeiste Walzenmangel, die zum Glätten der Mangelwäsche diente. Die Handbügeleisen konnten auf einem speziellen Bügelofen aufgeheizt und warmgehalten werden.

Näherinnen sahen die Wäsche durch und besserten sie aus, sofern dies erforderlich war. Die Betreuung des Wäschelagers oblag einer Weißzeugverwalterin.

22. Der Billard- Tisch im Herrenbau

Eine Einrichtung wie die in Kennenburg, bestimmt für die Gesellschaftsschicht der 'besseren Stände' (Dr. Reinhold Krauß), hatte ihren Kurgästen und Patienten vielfältige Betreuungs-, Unterhaltungs-, Gestaltungs- und Beschäftigungsrnöglichkeiten zu bieten.

August Conrad Magenau schildert einige der Aktivitäten im Jahre 1841:

Nach eingenommenem Vesperbrod geht etwa die Gesellschaft in corpore, um in Ober-Eßlingen die Pfannenkuchen mit den Kürnenburgern zu vergleichen, oder in Sirnau die Milch an der Quelle zu versuchen, oder die herrliche Aussicht der Catharinenlinde und des Jägerhauses zu genießen. Manchmal erfreuen Eßlinger Freunde die Badgäste mit einem Vocal-Concert, oder einige Jünger der schönen Künste tragen Gedichte vor, oder geübte Künstler und Kûnstlerinnen spielen Guitarre und Ciavier.

Der Tag klang aus 'unter Gespräch, Gesang oder Spielen'. Unter den Anstaltsleitern wurde, was das geistige und gesellige Leben anbetrifft, der Anschluß der Anstaltsbewohner, soweit es deren Krankheitsbild zuließ, an die Person und Familie des Arztes gepflegt. Dr. Paul Landerer hielt Hausandachten ab, die Ehefrau von Dr. Reinhold Krauß trat als Gesangssolistin auf und setzte den Brauch der Anstaltsleitung fort, am Nachmittag des Heiligabend bedürftige Kinder von Kennenburg und der näheren Umgebung zu bescheren.

Schwierigkeiten bereitete die geeignete arbeitstherapeutische Beschäftigung der Kranken, insbesondere der Männer. Dr. Paul Krauß berichtet darüber, wie die Lage in der Zeit nach Dr. Stimmel (nach 1858) war:

Man hatte es nur mit gebildeten Kranken zu tun und litt an einem Mangel an Werkstätten, sowie der geringen Möglichkeit der Gruppenbildung. Abgesehen von Hand- und Gartenarbeiten, Holzspalten und Laubsägen wurden Sprachen getrieben, vor allem Übersetzungen gejertigt, in geeigneten Fällen Musik- und Zeichenunterricht erteilt.

Sofern es die individuelle Situation der Patienten gestattete , konnten sie in den Anlagen der Anstalt mehrere Spielplätze, wie etwa nach 1910 den Tennisplatz, zur körperlichen Betätigung nutzen. Für am Kegelspiel Interessierte wurde 1876 östlich des Hauptgebäudes eine Kegel- oder Kugelbahn erstellt. Unterhalb der 'Ökonomie' war ein rampenartig ausgeformtes Bassin angelegt, in dem das Wasser des Remsenklingenbaches mittels einer Falle gestaut werden konnte. Die Patienten hatten so Gelegenheit zum Freibad, später diente das Gewässer als Ententeich. Im Maschinenhaus war eine urnfangreiche Bibliothek untergebracht, außerdem waren in den Anstaltsgebäuden Musik-, Spiel- und Lesezimmer vorhanden.

Das um 1912 aufgenommene Bild zeigt den Billard-Tisch im Herrenbau.

23. Der Gesellschaftssaal

Nachdem Dr. Paul Landerer 1875 die Kennenburger Heilanstalt erworben hatte, war ihm 'noch mehr in der inneren als in der äußeren Gestaltung ... die Renaissance Muster und Vorbild ... Das ganze Haus erhielt einen betont vornehmen, in mancher Hinsicht fast prunkvollen Charakter. Aber die Kultur des Bauherrn wußte mit Geschick alles Überladene zu vermeiden; so entstand etwas unbedingt Einheitliches von eigenem Reiz ... Der Gesellschaftssaal wie die besten Krankenzimmer erhielten kostbare, bemalte, zum Teil mit eingefügten Deckengemälden versehene Stuckdecken, der Saal auch entsprechendes Mobiliar. '

'Landerer, ... ein grand-seigneur von bestem Geschmack und wirklicher Kultur ... , hat ... bei dem Neuerwerb des Mobiliars des Haupthauses in den neunziger Jahren Formen bevorzugt, die heute noch als schön gelten können' (Dr. Paul Krauß 1940.)

Dr. Paul Landerer hat den Gesellschaftssaal 1880 im Hauptgebäude eingerichtet, er diente als Konversations- und Eßzimmer und führte auf eine Altane. Die Fotografie entstand um 1908.

Im folgenden ein kurzer Abriß über die jüngere Geschichte 'der Kennenburg': 1940 übernahm Dr. Paul Krauß, Sohn von Sanitätsrat Dr. Reinhold Krauß, nach fast neunjähriger Tätigkeit als Oberarzt die Leitung der Kennenburger Privatklinik. Sein Wirken sollte nur noch ein Jahr dauern. Unter dem Zwang der äußeren Verhältnisse hat die Familie Krauß das Anwesen 1941 an die Stadt Esslingen verkauft. Diese richtete im Hauptgebäude ein Altersheim, im Unterhaus das sogenannte Hilfskrankenhaus für Hals-, Nasen-, Ohren- und Augenleiden und im Herrenbau eine Frauenklinik ein, in der bis 1968, also mehr als ein Generation lang, die Esslinger das Licht der Welt erblickten.

Anfang bis Mitte der siebziger Jahre wurden mit Ausnahme des Waschhauses alle ehemaligen Anstaltsgebäude abgerissen. Obwohl das baden-württembergische Denkmalschutzgesetz 1972 in Kraft trat, konnte es - angeblich aufgrund der fortgeschrittenen Planungen für das neue Altenzentrum - den Abriß selbst des Anstaltshauptgebäudes nicht verhindern.

Erhalten geblieben sind das runde Bassin (ohne Blumenumrandung), der Springbrunnen, der danebenstehende kleine Pavillon, ein kleines Stück Terrassenmauer mit drei (zugemauerten) 'Katakomben' und ein Teil des alten Baumbestandes.

Der frühere Anstaltsleiter Dr. Reinhold Krauß starb 1951, sein Sohn Dr. Paul Krauß im Januar 1990.

24. Das Haus Eberspücher-Seitz

Eines der fünf ältesten Häuser Kennenburgs war das Haus Eberspächer-Seitz (Kennenburger Straße 21), dessen Dach nach rechts geneigt war. Das angebaute Haus Rausch (Kennenburger Straße 19 - Bezeichnungen ab 1906) hatte bis 1905 einen wohl gleichaltrigen Vorgängerbau mit Dachneigung nach links (vg!. Bild 3). Beide Häuser standen als ein in zwei Hälften geteiltes Gebäude mit der Giebelseite zur Straße hin 'unter einem Dach'. Bemerkenswert ist, daß die gemeinsame Wand des 'Doppelhauses' nicht in Giebelmitte war, sondern circa drei Meter links von der Mitte verlief.

Erste Angaben über eine 'Behausung' enthält das Güterbuch von 1722. Im Kandler-Riß Nr. 64 von 1769-1774 sind für Haus 19 Albrecht Eberspächer, für Haus 21 Jacob Haug und Jung Johann Gottlieb Mangold als Eigentümer eingetragen. 1791 hatten die Häuser mit Johann Daniel Müller (1752-1829) den gleichen Besitzer. Beide Gebäudehälften haben eine bewegte Geschichte hinter sich, die durch Erbteilungen, Versteigerungen und Verkäufe gekennzeichnet ist.

Der verkehrsgünstigen Lage an der 'Kennenburger Staig' (Kandier) nach Esslingen ist es zuzuschreiben, daß sich in dem 'weißen Haus mit der Tanne' (A.c. Magenau) um 1840 eine Gassenwirtschaft etabliert hatte (dem Vernehmen nach im rechten Haus), die von dem Weingärtner Jung Johann Daniel Müller (1786-1858) betrieben wurde. In den 'KennenburgLiedern' von 1841 findet sich ein Gedicht über 'Des Gassenwirth Dan. Müller's Haus im Weiler Kennenburg' , hier eine Versauswahl:

Aus grünen Büschen schaut heraus Ein lachend weißes Bauerhaus.

Im Garten bleicht der Bäurin Fleiß Die selbstgemachte Leinwand weiß,

Im lichten Grûn das weiße Haus Nimmt sich gar nett und freundlich aus, Und ist im Sonnenschein ein Bild,

Das uns mit Heiterkeit erfüllt ...

1905 kam der aus Liebersbronn gebürtige Lokomotivheizer Kar! Friedrich Rausch (1865-1933) in den Besitz des Hauses Kennenburger Straße 19 und errichtete an seiner Stelle ein neues Gebäude.

1888/89 erwarb der aus Oberesslingen stammende Landwirt und Ölmüller Karl Friedrich Eberspächer (1853-1931) das Haus Kennenburger Straße 21. Auf dem Erbwege ging es an seine Tochter Berta Martha (1895-1968) über, die 1925 den aus Obertal gebürtigen Revolverdreher Paul Otto Seitz (1893-1957) geheiratet hatte. Das 'Seitzen-Haus' war mit einem gelben Außenanstrich versehen und wurde 1965 abgerissen.

Das Mädchen mit dem Fahrrad ist Brigitte Kolb von der Mühle. Die Aufnahme stammt aus den dreißiger Jahren.

25. Die Kennenburger Mühle

Dort unten in der Mûhle SaßichinsüßerRuh

Und sah dem Räderspiele Und sah dem Wasser zu.

Als der schwäbische Dichter Justinus Kerner diesen romantischen Vers vor bald 175 Jahren schrieb, wanderte er im Welzheimer Wald, einem bekannt mühlenreichen Gebiet.

In den Welzheimer Wald führt auch die Spur des ersten Müllers der (nachmittelalterlichen) Kennenburger Mühle. (10hann) Georg Weller aus der Gegend von Welzheim hat 1846/47 in der Kennenburger Straße 25 (Bezeichnung ab 1906) eine Mühle errichtet mit Wohnhaus, Ökonomiegebäude, Staubhaus, Wasserstube, Waschküche und Backofen. Der Müller Georg Adam Weller, wohl identisch mit dem Erstgenannten und im Hauptberuf Mühlzimmerman und 'Mechanicus', baute 1857/58 eine Pappendeckelfabrik mit Dreherei und Feueresse an.

Der 'Mechanicus' muß etwas von der Mühlentechnik verstanden haben, denn in der Esslinger Oberamtsbeschreibung von 1845 ist im Abschnitt über die Gewerbetreibenden der Stadt zu lesen: 'Mit Erbauung von Kunstmühlen, Einrichtung von Wasserwerken etc. beschäftigt sich Mühlarzt G. Weller.'

1866 hat der Wäldenbronner Bäcker Gottlieb Andreas Gauger die Mühle gekauft. 1884/85 übernahm sie sein Sohn Andreas August, 1900 dessen Sohn Emanuel Reinhold. Von 1908 an war Karl Kolb (1878-1952), ein bis dahin in Wäldenbronn wohnhafter Müller, im Besitz der Mühle, der ab 1930 auch ein Fuhrgeschäft betrieb. Die Aufnahme entstand um 1912, sie zeigt die Familie Kolb, einen Kunden, den Knecht und das Pferdefuhrwerk der Mühle.

Das Wasser für das Mahlwerk wurde durch Aufstauen des Hainbachs in einem betonierten Bachbettstück bei der Wäschewiese gewonnen und im Mühlkanal am Reinhold-Krauß-Weg (heute Goerdelerweg) entlang auf das Wasserrad geführt. Das Mühlrad hatte einen Durchmesser von circa sechs Metern und wurde oberschlächtig betrieben, der Kranz bestand aus Gußeisen, die Arme waren aus Holz. Zwischen 1920 und 1925 wurde das Mühlrad durch eine Francisturbine ersetzt. Installiert waren drei Mahlgänge und - für Dinkel - ein Gerbgang.

Die Mühle war bis 1940 in Betrieb. Anläßlich eines Umbaus zu Wohnzwecken wurde die Mahleinrichtung 1948 entfernt. Der Ökonomieteil mußte 1954 wegen Baufälligkeit abgebrochen werden. Die Mühlsteine , die einen Durchmesser von einem Meter hatten, lehnten noch in den sechziger Jahren an der Mauer des Hausgartens.

Ob die 1339 erstmals urkundlich erwähnte, zur Burg gehörende mittelalterliche Mühle auf dem gleichen Platz gestanden har, istfraglich (vg!. Bilder7und 10).

Nun dreht sich im Hainbachtal kein Mühlrad mehr - allein der Traum von versunkener Mühlenromantik ist geblieben.

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