Kennt Ihr sie noch... die Bockhorner

Kennt Ihr sie noch... die Bockhorner

Auteur
:   Dieter Horstmann
Gemeente
:   Bockhorner,
Provincie
:   Niedersachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1948-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kennt Ihr sie noch... die Bockhorner'

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6. In Ellenserdamm - am Hafen Ellenserdammsiel - gab es in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts eine Seemannsschänke. Sie war: Poststation, Geschmischtwarenhandlung und Wirtschaft. Neben der Großherzoglichen Post funktionierte so eine Art Privatpost. Die Bockhorner hinterlegten für die Schiffer und Seeleute Briefe und Nachrichten, diese wiederum gaben ihre Meldungen dort ab. Man konnte dort alles kaufen, was für den täglichen Bedarf eines Seefahrers und für das Schiff notwendig war. Während der Liegezeiten vertrieb man sich dort die Zeit mit dösen, rauchen, essen, trinken, Briefe schreiben, wusch Wäsche - wenn es erlaubt wurde - las in den vorhandenen, natürlich längst veralteten Zeitungen: der Seemann fühlte sich dort zu Hause. Was Wunder, ein anderes Lokal gab es nicht. Man mußte schon 'bei Addicks' einkehren.

Russen, Engländer, Dänen, Holländer und sogar Schweden und Finnen waren 'bei Addicks' zu Hause. Die Blütezeit des Hafens war auch die Blütezeit des Lokals: über Ellenserdammsiel wurden Klinker nach Wilhelmshaven verschifft. Der Torfhandel blühte. Steine, Vieh und Getreide - lose und in Säcken - gehörten zu den bevorzugtesten Gütern.

Während es in den Geschäftsräumen und in der Gastwirtschaft so zu ging, wie es in den Seemannskneipen in aller Welt zuging (nur gegen 'Mädchens' hatte der alte Addicks etwas - zum Leidwesen Vieler), spielte sich das Familienleben in 'Gutbürgerlich' ab: man hatte ein Hausmädchen fürs Gröbste und ein 'junges Mädchen' zur Unterstützung der Hausfrau. Ein 'junges Mädchen' das hieß: eine 'bessere Tochter' erlernte, bei vollem Familienanschluß, Kindererziehung und Hauswirtschaft. Au Pair-Mädchen, das wäre der richtige Ausdruck. Ein Kutscher, ein Gärtner waren Respektspersonen und standen dem Personal vor. Personal für Haus, für Hof und Landwirtschaft, Personal für Laden und Wirtschaft.

1897: großes Gruppenbild. Neben vier Nachbarskindern das Hausmädchen, sitzend erkennen wir den Postmeister Sjaukens und Hinrich Addicks (verstorben 1900), ein Postbeamter und das 'junge Mädchen' schließen sich an.

Es folgen: Elisabeth Addicks (die spätere Frau Wagner), Fräulein Wagner (die Haushälterin von Hinrich Addicks), Margaretha Addicks (sie wurde 88 Jahre alt), Berta Addicks, geborene Rust, Emrni Siegmann, ein Nachbarsjunge, Dietrich Addicks, der 1940 starb, und ein zufällig anwesender Gast in der Uniform der Kaiserlichen Marine.

7. Berend Anton Georg, der Reeder, erbaute sich in der Langestraße ein Wohn- und Geschäftshaus. Als späteren Eigentümer fmden wir Dr. med. Hermann Gerhard Dietrich Willers (1864-1947).

Willers war ein typischer Landarzt seiner Zeit: immer für seine Patienten da und zur Verfügung. Tag und Nacht. Bei Wind und Wetter. Er fuhr kilometerweit um seine Visiten zu machen. Sein Kutschwagen war in der ganzen Friesischen Wehde bekannt und gehörte zum Alltag.

Im Jahre 1909 legte sich Dr. Willers ein Auto zu. Was sage ich: Auto? Nein, es war ein Wunderwerk! Ein Spezialwagen für Ärzte. Die Hansa-Werke in Varel hatten ihn speziell für diesen Berufsstand entwiekelt - sagten sie jedenfalls. Stolz bestellte Dr. Willers - kaum daß der Wagen vor dem Haus stand - einen Fotografen und ließ sich und seine Familie und den Wagen 'abfotografieren' .

Im Wagen Willers Frau Ida Johanne, geborene Stöver, die 1970 im Alter von 92 Jahren starb. Tochter Annemarie Sophie Friederike (1902-1977) stützte sich auf den Kinderwagen, in dem ihr Bruder Bruno Otto, geboren 1908, interessiert das Geschehen verfolgt. Elisabeth Johanne, geboren 1905, hält beschützend ihren Bruder Anton Günther, der zwei Jahre jünger ist, an der Hand.

Willers selbst trägt die 'Kleidung des eleganten Selbstfahrers': Wettermantel, fußlang und gefüttert, und die 'sturmfeste Mütze', deren Riemen im Bedarfsfall unter das Kinn geklemmt werden konnte. Leider fehlt die unentbehrliche Autofahrerbrille. Frau Willers lehnt sich in die kunstvoll gehefteten Lederpolster und hat die 'Spritzdecke' über die Knie gezogen.

Der 'Doktorwagen', so die offizielle Bezeichnung, war natürlich ein knatterndes Ungetüm. Die Karbidlampen mußten bei einbrechender Dunkelheit erst mühsam entzündet werden, die Hupe verschreckte Kinder und Tiere. Das Anlassen mit der Handkurbel war eine Augenweide für jedermann. Doch stolz waren die Bockhorner auf ihren Doktor mit seinem Wagen!

8. 1908. Der Gesangverein 'Eichenkranz' hat einen neuen Paragraphen in seine Satzung aufgenommen. Den § 11: 'Es wird weiter ge---trunken.' Georg Janßen, der Sohn vom 'Grünen Gerd', dem Inhaber des 'Grünen Wald', hat seinem Vater ein Fäßchen abgebettelt und den neuen Paragraphen mit Kreide auf den Fußboden gemalt. Er zeigt stolz auf den § 11. Anschließend werden die Sangesbrüder wohl dem neuen Wahlspruch gehuldigt und kräftig einen gehoben haben. Leider ist von der Fahne nicht a1lzuviel zu erkennen.

Mit Sicherheit sind auf dem Bild: in der oberen Reihe Günther Hobbie, der Drechsler Friedrich Meinen, der Bezirksvorsteher von Bockhorn, Friedrich Janßen, und als fünfter Johann Tapken.

In der nächsten Reihe folgen dann: der Uhrmacher Horstmann, sein Nachbar konnte nicht mehr identifiziert werden, dafür aber der Malermeister Hermann Haase, mit dem Rauschebart dann noch der Lehrer und Dirigent des Gesangvereins 'Eichenkranz' , Herr Brumund.

An die anderen Namen konnten sich Informanten des Verfassers beim besten Willen nicht erinnern, das heißt sie wußten noch die 'Spitznamen' aber weder Vor- und Zunamen.

Der vierte von links in der oberen Reihe soll 'Ritter vom hohen C' genannt worden sein. Neben Lehrer Brumund - nach rechts - 'Fidifafi', 'Kohlemann' und 'Hering'. Der, der sich auf der anderen Seite von Georg Janßen malerisch hingelagert hat sei 'was aufe Wärft' - also irgendetwas auf der Werft in Wilhelmshaven - gewesen und bald nach dort verzogen. Man habe ihn drum - nicht weil er nach Wilhelmshaven zog, sondern weil er 'aufe Wärft' gewesen sei - den 'Admiral' genannt. Vielleicht kann ein Leser Näheres berichten? !

Der Gesangverein 'Eichenkranz' wurde übrigens am 16. Januar 1886 gegründet... und besteht als 'Männergesangverein Eichenkranz' noch heute! Die Fahne gibt es nicht mehr. Sie verbrannte fast einmal und mußte - da die Fahnenfabrik, die sie hergestellt hatte, nicht mehr existierte - von einer anderen rekonstruiert werden. Die Restaurierung veränderte die Farben und das Mittelstück.

9. Als das Hotel Hornbüssel noch von der Familie Drückhammer bewirtschaftet wurde, fanden es die Kegler des Bockhorner TB - das soll Turnerbund heißen - richtig, sich einmal vor der Kegelbahn in Festtagsrobe zu zeigen. Das war am 2. Mai 1909. (Es sind doch neun Kegel! Es sieht nur so aus als ob es acht wäre. Der neunte ist gerade noch hinter dem dritten Kegel von links zu erahnen.)

Fi.ir das TB gibt es noch eine andere - scherzhafte - Bedeutung: Trinker Bockhorns. Das mag ja wohl auch gestimmt haben - wir wissen es nicht. Jedenfalls haben die Kegler getrunken und nicht etwa die Trinker gekegelt. Auf diesem Bild haben sie alle schon einen kräftigen Zug getan, nur zwei Herren (der fünfte und der siebente von links) scheinen noch etwas rückständig, Eigentlich waren es nur neun Kegler. Herr Drückhammer, ganz links, gesellte sich aber immer dazu.

Nummer zwei ist Gustav Schi.irmann, neben ihm Gustav Tapken. Auf dem rechten Flügel unverkennbar (als Nummer sieben) Willy Röben, neben ihm Eduard Müller und dann Georg Wölbern.

Ja, und die anderen? Na wer? Gerhard von Harten, Ernst Sch1alos, Gerhard Brüntje und ... schade, das war nicht zu ermitteln.

10. Im Jahre 1911 war Stiftungsfest und 2Sjähriges Vereinsjubiläum. Gegründet wurde der Verein arn 15. Januar 1886 - da regierte Wilhelm I. noch als deutscher Kaiser. Die neue Fahne flattert zu Ehren des Jubiläums im richtigen Augenblick auch gut wehenden Wind. Die Fahnenjunker haben die Bandeliers umgelegt. Die Sänger machen das der Stunde angebracht erscheinende Gesicht: Ernst und gefaßt. Als das Arrangement endlich soweit war, daß es losgehen konnte, vergaß man vor lauter Begeisterung daß nun die Prozedur bald erledigt sei, die inzwischen angezündeten Zigarren wegzulegen.

Heinrich Hornbüssel, der Fahnenträger, droht unter der Last der Fahne fast zusammenzubrechen. Reinhard Junker macht ein Gesicht, als wolle er sagen: 'Feierabend'. Herr Drückhammer hat Sorgen mit seinen Hypotheken, die ihn offensichtlich drücken. Der Schneider Luers überlegt, ob er den Stofflieferanten wechseln soll. Georg Küper muß sich schon stützen und Lehrer Rowold fragt sich, ob er wohl die richtigen Noten aufgeschlagen hat. Friedrich Meinen scheint auch nicht ganz überzeugt und schaut äußerst skeptisch. Anton Schütte knöpft seine Jacke immer auf und zu, so nervös macht ihn das Ganze. (Im Moment ist er beim letzten Knopf - ob auf oder zu läßt sich nicht mit Gewißheit sagen.) Fritz Osterloh - der erste Vorsitzende - hat nur einen Wunsch: 'Drück doch endlich auf den Auslöserball, ich will mich sofort hinsetzen.' Georg Janßen dagegen erweckt den Eindruck als ob er nicht sitzen könne und aufstehen möchte. Der Uhrmacher Horstmann (mit dem Verfasser übrigens nicht verwandt) hat etwas entdeckt und beäugt es scharf', daher blickt er aus dem Bild heraus. J.H. Juilfs tut so, als ob ihn die Sache überhaupt nichts anginge, und als ob es die selbstverständlichste Sache in der Welt sei fotografiert zu werden. Der Einzige dem das Unternehmen 'Fotografie' Spaß zu machen scheint, ist Hermann Haase.

Der 'Eichenkranz' Bockhorn - der Gesangverein von Bockhom 1911. Noch flattert nur eine Fahne im Wind. Bald werden es mehrere sein.

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