Kennt Ihr sie noch... die Dülmener

Kennt Ihr sie noch... die Dülmener

Auteur
:   Heinz Brathe
Gemeente
:   Dülmener,
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3020-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kennt Ihr sie noch... die Dülmener'

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EINLEITUNG

Verlag und Verfasser stellten 1978 unter dem Titel 'Dü1men in alten Ansichten' eine Sammlung von Fotografien aus der Zeit zwischen 1880 und 1930 vor. Der Band fand ein unerwartetes Echo und erschien 1981 in dritter Auflage. Auch diese ist inzwischen vergriffen. Das vorliegende Bändchen möchte mit seinen Bildern - von ein paar Ausnahmen abgesehen - noch einmal die Aufmerksamkeit auf jenen Zeitabschnitt lenken. Es bringt Menschen in Erinnerung, die damals in Dü1men lebten und jetzt die Generationen der Eltern und Großeltern darstellen. Nur wenige unserer heutigen Mitbürger werden sich unter den abgebildeten Personen wiedererkennen.

Die ursprüngliche Absicht, möglichst viele Dü1mener jeglichen Alters und Standes in ihrer täglichen Arbeit zu einem Panorama zu vereinen, ließ sich nicht verwirklichen. Geeignete Aufnahmen, die über die Kriegsereignisse gerettet werden konnten, gibt es sicherlich noch in mancher Familie. Sie verblieben aber zumeist trotz öffentlichen Aufrufs wohlverwahrt in Schubladen und Alben. Die verhältnismäßig geringe Anzahl der zur Verfügung stehenden Fotos erleichterte keineswegs die Auswahl.

Das Ergebnis längeren Recherchierens und bedachtsamen Abwägens ist auf jeweils achtunddreißig Bild- und Textseiten ausgebreitet. Die Portraits machen mit einigen in sehr unterschiedlicher Hinsicht bemerkenswerten Persönlichkeiten bekannt. Die Gruppenaufnahmen überwiegen und wollen als exemplarisch für die vielfältige Schichtung der Dü1mener Stadtbevölkerung verstanden werden. Nur in einigen Fällen ließen sich die Namen aller abgebildeten Männer und Frauen ermitteln. Die Texte versuchen, jede der Einzelpersonen oder Gruppen einem historischen Zusammenhang zuzuordnen.

Was in der Einleitung zum Band 'Dü1men in alten Ansichten' über das Fotografieren in früherer Zeit bemerkt worden ist, sollte man auch beim Betrachten dieses Bändchens nicht vergessen:

Fotografiert zu werden oder selbst zu fotografieren, galt damals nicht als etwas Selbstverständliches. Es war eine kostspielige Sache, die im allgemeinen dem besonderen Anlaß oder der nicht alltäglichen Situation vorbehalten blieb.

Ein herzlicher Dank sei allen denen gesagt, die mit Bildern und Hinweisen dem Verfasser behilflich waren.

1. Unter großem Gepränge und in guter Harmonie feierte die gesamte Bürgerschaft im August 1911 die 600. Wiederkehr des Tages der Stadtrechtverleihung. Schon lange im voraus hatte man Anstalten für das Fest getroffen. Die Pfarrkirche St. Viktor war außen und innen von Grund auf erneuert und das Lüdinghauser Tor um das die beiden Rundtürme verbindende Mittelstück erweitert worden.

Während des Jubiläums selbst riefen aus verkleideten Holzgerüsten errichtete Tore die Zeiten der alten Stadtherrlichkeit in die Erinnerung zurück. Der Eifer hatte die Phantasie der Dülmener sogar so sehr beflügelt, daß auch am Lorenkenturm eine üppige Torattrappe die Besucher empfing. Unter dem Bogen steht eine Gruppe bereit, um an einem großen historischen Festzug teilzunehmen, der Szenen der Dülmener Geschichte darstellt.

2. Um 1630 hatte der aus Prag gebürtige Maler Wenzel Hollar nicht nur die Stadt mit ihren Mauem, Türmen und Toren, sondern auch eine Dülmener Frau in ihrer Tracht in seinem Skizzenbuch festgehalten.

Anläßlich des Stadtjubiläums von 1911 kam vorübergehend auch die Tracht etwa der Jahre von 1820 bis 1870 wieder zu Ehren. Die verheirateten Frauen trugen damals - statt der bisher üblichen schlichten Stoffhauben - mit Blumenornamenten reich bestickte Goldkappen aus Samt oder Seide. Die Mode, sich mit derartigen kostbaren Kopfbedeckungen an Sonn- und Feiertagen zu schmücken, soll durch Emigranten der Französischen Revolution im Münster1and verbreitet worden sein. Angeblich fertigten die Goldkappen oftmals ehemalige Nonnen an, die nach der gewaltsamen Auflösung ihrer Klöster durch Napoleon auf diese Weise ihren Lebensunterhalt zu verdienen suchten.

3. Eine Gelegenheit, das vermutlich mit den Stadtfarben blau-gelb geschmückte Automobil einer staunenden Öffentlichkeit vorzuführen, gab wiederum das Jubiläum von 1911. Das abgebildete Modell war ein 48 PS starker und 1908 mit Kettenantrieb und Karbidbeleuchtung gebauter Mercedes. Es befand sich im Besitz der Familie Bendix, die an der Lüdinghauser Straße eine große Spinnerei und Weberei unterhielt.

Das weit über Dülmen hinaus bekannte Unternehmen wurde 1911 von Pau1 Bendix (t 1932) mit Unterstützung seiner Mutter Sara geborene Spannjaard (t 1912) geleitet. Den hochkomfortablen Mercedes der Firma lenkte der aus Aseheberg gebürtige Heinrich Altenknecht, der in Dülmen Senior einer Familie von Kraftfahrern wurde (t 1942). Sein gleichnamiger Sohn, der 1911 noch dem Vater zuschaute, steuerte später ein Luxusauto des Fabrikanten Wilhelm Specht.

4. Mit Interesse verfolgten vor dem Ersten Weltkrieg viele Bewohner der Stadt das Leben am 'Dülmener Hof'. Eine Abwechslung im Einerlei des Alltags brachten besonders die größeren familiären Ereignisse im Schloß der Herzöge von Croy.

Sechs Tage lang hatte 1853 die ganze Bevölkerung die Hochzeit des Erbprinzen Rudolph von Croy (t 1902) und der Prinzessin Natalie von Ligne (t 1863) mitgefeiert und diese zum 'Fest des Jahrhunderts' werden lassen.

Weniger aufwendig ging es 1888 bei der Hochzeit des Sohns, des Erbprinzen Karl Alfred (t 1906) mit der Prinzessin Maria Ludmilla von Arenberg (t 1953) zu.

Die von einem münsterischen Berufsfotografen - in Dülmen gab es zu jener Zeit so etwas noch nicht - gemachte Aufnahme ist übrigens eine der ältesten innerhalb der Bildersammlung des Stadtarchivs. Sie zeigt das junge Paar nach der Rückkehr von der Hochzeitsreise vor dem Hauptportal des Schlosses.

Drei Jahre später eröffnete Bernhard Hohmann neben einem Geschäft mit Haushaltwaren auch ein 'Photographisches Atelier'. Es war das erste der Stadt.

.. ~-

5. Im alten Preußen kam es nicht selten vor, daß auch dem aktiven Dienst verabschiedete Offiziere in die zivile Verwaltung überwechselten, So wählten Stadtverordnetenversammlung und Magistrat 1874 den 43jährigen Major a.D. Kar! Bocksfeldt zunächst für nur zwölf Jahre zum hauptamtlichen Bürgermeister.

Bocksfeldt war ein höchst eigenwilliger Mensch, der unverheiratet blieb und jeden gesellschaftlichen Umgang mied. Nur an den Kriegerfesten begab er sich unter das Volk, um dann immer wieder festzustellen: 'Denken Sie sich, dreißigtausend solcher Leute habe ich ausgebildet!' Die militärische Vergangenheit brach bei dem ehemaligen Major nicht nur gelegentlich durch. Eines Tages ließ er eine Knabenschar, die ihn durch wildes Brüllen und Toben verärgert hatte, wie Soldaten stramm stehen und zur Strafe in Reih und Glied exerzieren. Dennoch scheint Dü1men mit dem gestreng dreinbliekenden Bürgermeister gut gefahren zu sein, da diesen 1899 erst der Tod von seinem Posten abberief.

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