Kennt Ihr sie noch... die Dülmener

Kennt Ihr sie noch... die Dülmener

Auteur
:   Heinz Brathe
Gemeente
:   Dülmener,
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3020-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kennt Ihr sie noch... die Dülmener'

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11. Die 1882 gegründete 'Private höhere Mädchenschule' - kurz 'Töchterschule' genannt - war von 1895 bis 1915 im Waisenhaus an der Lüdinghauser Straße (heute Kinderwohnheim) untergebracht. Sie hatte um 1908, als die Aufnahme vor der Lourdes-Grotte im Garten des Waisenhauses entstand, etwa dreißig Schülerinnen. Den Ordensschwestern, die den Unterricht erteilten und der Gemeinschaft der 'Schwestern von der Göttlichen Vorsehung' angehörten, war es damals noch grundsätzlich untersagt, sich fotografieren zu lassen. Der Name der vermutlich einzigen weltlichen Lehrkraft in dem langen schwarzen Kleid ist in Vergessenheit geraten.

Das Mädchen mit der weißen Bluse und dem gescheitelten Haar, das in der unteren Reihe links steht, wurde ein Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Es ist Bertha Wolff (* 1894). Sie wurde im Dezember 1941 mit ihren Schwestern J ulia und Margarethe und fünf weiteren Bürgern jüdischen Glaubens aus Dülmen verschleppt und in einern Lager bei Riga ermordet. Wie die drei Schwestern, starb dort auch der Bruder Kurt Wolff mit seiner Frau Lore geborene Goldberg. Von den fünf Geschwistern der Familie blieb nur eine Schwester am Leben, die mit einern Nichtjuden verheiratet war.

12. Viele, die die Obersekundareife erlangt haben und auf ihr 'Einjähriges' verweisen, werden vielleicht nicht wissen, welche Bedeutung dieses Wort hat. Der Dülmener, der sich hier in schmucker Ausgehuniform inmitten seiner Kameraden im Dienstanzug auf einem münsterischen Kasernenhof präsentiert, ist ein 'Einjährig-Freiwilliger'.

Jungen Männern, die vor 1918 mit der mittleren Reife ein Gymnasium verlassen hatten, stand nämlich die Möglichkeit offen, die zweijährige Militärdienstzeit auf ein Jahr zu verkürzen. Sie konnten mit der Aussicht, Reserveoffizier zu werden, ausserdem nicht nur die Waffengattung, sondern auch die Garnison selbst wählen.

Unser Einjährig-Freiwilliger ist Archivar August Hölscher (1884-1953), der es als seine Lebensaufgabe betrachtete, in Dülmen ein 'Heimatinstitut Mittelmünsterland' aufzubauen. Für die Erforschung der regionalen und lokalen Geschichte setzte er sein gesamtes Vermögen ein. Im März 1945 wurden seine umfangreichen Sammlungen größtenteils vernichtet. Was aus Schutt und Asche geborgen werden konnte, befindet sich jetzt im Stadtarchiv. Von nicht wenigen wurde August Hölscher als Sonderling belächelt.

13. Wo spricht man heutzutage noch mit Hochachtung und Respekt von 'Kindersegen'? Unter den früheren Lebensverhältnissen gehörten zu einer normalen Familie sechs bis acht Kinder. Sie machten nicht selten den einzigen Reichtum ihrer Eltern aus.

Als die Eltern dieses Quartett - zwei Mädchen und zwei Jungen - vor die Kamera schickten, konnten sie nicht ahnen, daß sie noch dreimal mit Nachwuchs bedacht werden sollten. Die vier schauen voller Erwartung in die Linse, weil ihnen sicherlich von dem unruhig unter einem großen schwarzen Tuch hinter der Kamera hantierenden Fotografen das Auftauchen eines Vögelchens versprochen worden ist. Mit einem solchen Trick erreichte man bei Kindern das für die Zeitaufnahme erforderliche Stillhalten.

Besonders die Jungen scheinen sich der Wichtigkeit des Augenblicks bewußt zu sein. Der kleinere trägt das auch bei Jungen in den ersten Lebensjahren übliche Kleid. Der ältere mit der großen Schleife auf der Brust weiß um seine Bestimmung, eines Tages das väterliche Geschäft zu übernehmen. Aus dem etwa Vierjährigen wurde ein Mitbürger, der sich auch im Alter noch der Dülmener Tradition und insbesondere dem Schützenwesen verpflichtet fühlt. Es ist Ferdinand Hü1ck vom Kreuzweg (* 1910).

14. Der Staffage nach hat der Dargestellte den Beruf eines Küfers. Das gefüllte Glas in der Linken soll ihn nicht nur als Biertrinker, sondern auch als Bierbrauer ausweisen. Zu ergänzen bleibt, daß das Bild fern der Dü1mener Heimat aufgenommen worden ist. In dem fast Dreißigjährigen werden wohl nur wenige ein Original wiedererkennen, das in vielen Anekdoten fortlebt. Die meisten haben es sicherlich nur als älteren und gehbehinderten Mann mit Stock und Korb in Erinnerung. Es ist Joseph Petermann (1868-1956), bekannt unter dem Spitznamen 'Atzi'. Als gelernter Küfer und Brauer durchwanderte er etliche Jahre die deutschen Lande, ehe er nach Dü1men zurückkehrte und heiratete. Tätig war er in den Brauereien Lohmann und Limberg. An der Ecke Münsterstraße/Ostring bewohnte Joseph Petermann mit seiner Familie bis 1945 ein kleineres einstöckiges Haus. Eine schwere Verletzung zog er sich am Roruper Knapp zu, als er einen Bierwagen kutschierte und die Pferde mit ihm durchgingen.

Joseph Petermann nahm zu keiner Zeit und gegenüber niemandem ein Blatt vor den Mund. Auch bei den Nationalsozialisten hatte er sich frei geredet. In der Reichskristallnacht beschimpfte er 1938 laut und ungestraft die SA-Leute, die die seiner Wohnung schräg gegenüberliegende Synagoge in Brand steekten und die herbeigerufene Feuerwehr von ihrer Aufgabe fernhielten.

15. Der 1888 gegründete 'Sängerbund' darf für sich in Anspruch nehmen, vor der 'Chorgemeinschaft' (1905) und der 'Loreley' (1910) der älteste noch aktive Männergesangverein der Stadt zu sein. Das 25jährige Jubiläum wurde im Juni 1913 gebührend und mit einem Gesangwettstreit begangen. Aus diesem Anlaß waren die Sangesbrüder rechtzeitig zumeist in feierlichem Schwarz mit Stehkragen und Bart vor die Kamera getreten. Die errungenen Trophäen durften nicht fehlen. Unter diesen fällt besonders eine Gattung auf. Ob das, was Caesar vor zweitausend Jahren über unsere germanischen Vorfahren schrieb, 'Sie sammeln die Hörner mit Eifer ... und benutzen sie bei glanzvollen Gelegenheiten als Trinkbecher' auch für diese Herren gegolten haben mag?

Leider lassen sich nur einige der Chormitglieder noch identifizieren. Zwei von ihnen seien namentlich vorgestellt: seit 1907 fungierte Schreinermeister August Dieckhöfer als Präsident des Vereins. Als sichtbares Zeichen seiner Würde trägt er die Kette. Als Dirigent betreute und formte die Sänger bereits seit 1890 der rechts vom Präsidenten sitzende David Dubion (t 1939). Er war von Beruf Lehrer und unterrichtete die Kinder der Jüdischen Schule, bis diese 1916 wegen mangelnden Besuchs aufgehoben wurde. Da Dubion auch den Gottesdienst innerhalb der Jüdischen Gemeinde gestaltete, mußte er 1933 seine ehrenamtliche Tätigkeit beim 'Sängerbund' aufgeben.

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