Kennt Ihr sie noch... die Hennefer

Kennt Ihr sie noch... die Hennefer

Auteur
:   Friedrich Balensiefen und Dr. Helmut Fischer
Gemeente
:   Hennefer,
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3455-2
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Kennt Ihr sie noch... die Hennefer'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  >  |  >>

Kennt Ihr sla noch ... die Hermeter

van

Friedrich Balensiefen und

Helmut Fischer

Europäische Bibliothek - ZaltbommellNiederlande MCMLXXXVI

EINLEITUNG

Zu den vorzüglichen Eigenschaften des Menschen gehört die Fähigkeit, sich zu erinnern. Erinnern bedeutet Rückblick auf Vergangenes und Wiederherstellung dessen, was einmal erfahren, erlebt und wahrgenommen wurde. Seine Spuren sind zu entdecken und aus dem Abstand von Jahren und Jahrzehnten zu ermitteln. Diese Spurensuche gelingt am leichtesten dann, wenn Erinnerungszeichen die Gedanken lenken und weiterführen. Bilder, und zwar Fotografien, helfen auf dem Weg zurück. Ihre, wenn auch eingeschränkte, Unbestechlichkeit gilt als Kennzeichen einer in dieser Weise nicht mehr bestehenden Wirklichkeit. Der Betrachter findet sich daran beteiligt, indem er Personen und Gegenstände, Örtlichkeiten und Handlungen erkennt, mit Deutungen versieht und in Zusammenhänge einordnet. Er baut eine erinnerte, nicht eine wahre Wirklichkeit auf.

So bruchstückhaft wie das Erinnern, so zufällig sind die bildlichen Zeugnisse der Vergangenheit. Ihrer Zahl nach begrenzt, liefern sie im Sinne des Wortes eine Überschau über das Leben der Menschen in einem engeren Bereich, und zwar der heutigen Stadt Hennef. Neben auffällige und wichtige Persönlichkeiten treten die vielen Namenlosen, an die niemand mehr denkt. Im Bild jedoch werden auch sie zum Anlaß, geschichtliche Bezüge aufzudecken und an die Gegenwart anzubinden.

Die Bilder stehen in einer mehr oder weniger engen inhaltlichen Beziehung zueinander. Aus diesem Grunde werden sie in fünf thematischen Abteilungen zusammengefaßt. Zunächst wird das Verhältnis von 'Mensch und Gemeinschaft' beleuchtet. Einzelne Persönlichkeiten finden eine Entsprechnung in den Gruppen. Ein Ort, an dem sich gemeinschaftliches Leben abspielt, ist die Straße. Schule und Kirche stellen Einrichtungen dar, welche den Lebenslauf des Individuums und das Gruppenverhalten bestimmen und prägen. Das private Schicksal, etwa Hochzeit und Beerdigung, wird öffentlich durch die Beteiligung der Verwandten, Freunde und Nachbarn. Öffentliche Gemeinschaft zum Nutzen des Einzelmenschen bildet die Feuerwehr ab. Andere wesentliche Lebensvol1züge werden unter' Alltag und Arbeit' erfaßt. Die Menschen beschaffen sich

ihr tägliches Brot in Landwirtschaft und Gewerbe, als Bauern, Bäcker, Kaufleute und Gastwirte. Darüber hinaus üben sie weitere Beschäftigungen aus. Zueinander finden sie mit Hilfe der Fahrzeuge und Verkehrsmittel, von Pferd und Kutsche, Wagen und Schlitten, Eisenbahn und Nachen, Brücke und Steg.

Gewisse Regelungen führen 'Brauchtum und Fest' in den Alltag ein. Alljährlich geben sich die Menschen dem Fastnachts- und Karnevalstreiben hin. Die Jungen üben vor Ostern das Karklappern. Die heranwachsenden Burschen und Mädchen empfangen den Monat Mai wie den Frühling ihres Lebens. Die Vereine feiern ihre Stiftungsfeste, und unter dem Druck der Staatsgewalt wird sogar ein Erntefest veranstaltet.

Einen Ausgleich bieten 'Muße und Erholung'. In der Freizeit hält man ein Schwätzchen, man geht zum Fischen an die Sieg oder macht einen Ausflug. Die Kinder ergötzen sich beim Schlittenfahren. Musik und Theater verleihen dem gemeinsamen Tun einen Künstlerischen Anspruch. Der Sport verbindet Freude und Siegeswillen im Kampfspiel. Es drängt den Menschen, sein Handeln auch einmal von Pflicht und Beschränkung zu lösen.

Nicht vergessen sind 'Krieg und Zerstörung'. Aufnahmen vom freudigen Aufbruch in die Schlacht, aber ebenso von der Hilflosigkeit der Menschen inmitten der Trümmer, schließen die Bilderfolge ab.

Den Bildern sind Erläuterungen zugeordnet. Sie stellen den geschichtlichen Zusammenhang her, soweit das Verständnis einer Unterstützung bedarf. Das Buch möchte die Menschen aufsuchen. Daher sind die Personen, wenn sie zu ermitteln waren, mit Namen bezeichnet. Das Erinnern erhält dadurch feste Hinweise, und es ist zu hoffen, daß der Betrachter und Leser nach dem Schicksal des Einzelnen und nach den allgemeinen Geschehnissen fragt.

Viele Bürger haben Fotografien beigesteuert und Auskünfte erteilt. Ihnen ist für ihre Freundlichkeit zu danken, insbesondere Johannes Buchholz und Paul Ennenbach in Uckerath, Rudi Kaufmann in Dambroich und Wilhelm Schleicher in Lauthausen sowie Wilhelm Limbach für die Raiffeisenbank Rott.

1. Besondere Talente als Lebenskünstler waren dem Junggesellen und Schneidermeister Peter Müller von der 'Seufzerstraße' , der heutigen Steinstraße in Hennef zueigen. Ausgestattet mit Humor und Schalk, war er bis ins hohe Alter aufgelegt, sich in seiner Umwelt in besonderer Weise ins Bild zu rücken. Unter dem Namen 'D'r Möllersch Schnieder' kannte ihn jung und alt weit und breit. 1850 geboren - sein Vater betrieb gegenüber der Wasserburg in Hennef das Schmiedehandwerk - erlernte er in Bonn den Schneiderberuf. Jahrzehnte führte ihm seine Nichte, 'et Möllersch Dröck', den Haushalt. Schule, Düfchen, das war das Gefängnis, und Friedhof, alle an der Steinstraße gelegen, gaben ihm den Anlaß, die Straße in 'Seufzerallee' umzubenennen.

Von vielen seiner Eskapaden seien zwei Beispiele angeführt: In Uckerath in der Gaststätte 'Alter Zoll' lindert er als 'Dr. Müller' die Sorgen einer Bauersfrau, die über ihr kränkliches Kind Klage führt. Der angebliche Mediziner hat recht bald an Augen und Zunge des Kindes ein Krankheitsbild erkannt. Die Mutter und weitere Gäste sind sehr beeindruckt von der zügigen Entscheidung des offenbar tüchtigen Arztes. Wie üblich wird Pitters Wirken auch schnell in Hennef bekannt. Nach der Überlieferung soll der damals in Geistingen ansässige Dr. med. Wilhelm Hersing seinen neuen 'Kollegen' sehr freundlich begrüßt haben.

Im hohen Alter - das Hennefer Original starb 1938 - reichten wohl die Kräfte des ehemals flinken Schneiderleins nicht mehr für schnelle Rückzüge von seinen manchmal risikoreichen Streichen aus. Sein Wirkungskreis wurde enger. Sitzt der Pitter eines Tages im Salon Schenkelberg mit dem Auftrag an den Figaro, sein Wohlbefinden durch einen dringliche Rasur ins Gleichgewicht zu bringen. Nach halber Arbeit steht er auf und lenkt seine Schritte mit der eingeschäumten unfertigen Gesichtshälfte in Richtung der nahegelegenen Gaststätte Schom. Vermutlich hatten ihn erlebnisreiche Berichte erschöpft. Nach Korn und Bier hat sich sein Kreislauf wieder stabilisiert, so daß er an den Platz zur Beendigung der Rasur zurückkehren konnte.

Neben dem Haushalt ihres Onkels führte die Nichte Gertrud noch einen kleinen Laden mit Süßigkeiten und Schulartikeln. Pitters Seitensprünge und die Bewältigung der Wünsche ihrer jungen Kundschaft waren kein Kinderspiel. Ein besonderes Merkmal war ihr Bubikopf, den sie schon Anfang der zwanziger Jahre trug, zu einer Zeit, als diese Mode in Hennef und Umgebung eher Anstoß als Bewunderung erregte. Diese Einflüsse prallten alle an ihr ab. Der Bubikopf blieb das unverkennbare Markenzeichen, so lange sie lebte.

2. Noch 1976 tippelt ein Straßenmusikant gelegentlich über Land. Es ist 'de Schäng', wie ihn die Leute nennen. Johann Schneller aus Eitorf Hombach, nun nach mehr als dreißigjährigem Wanderleben im Altenheim wohnhaft, wird ab und zu noch einmal vom Heimweh nach der Straße gepackt. Dann wandert er in einzelne Orte des Rhein-Sieg-Kreises, in denen etwas los ist und viele Menschen zusammenströmen, anläßlich der Kirmes etwa. Oder er findet sich zum Kompassionsfest am vierten Freitag nach Ostern in Bödingen ein. Schäng begleitete fast drei Jahrzehnte hindurch mit erstaunlicher Regelmäßigkeit den Alltag in den Dörfern mit seiner Musik. Von der Natur nicht gerade bevorzugt und ohne jegliche Schulbildung, entwickelte er einen starken Selbstbehauptungswillen. Etwa im Abstand von vier Wochen suchte er die einzelnen Siedlungen auf und sang an den Häusern vorbei. Geschickt paßte er sein Liedchen dem jeweiligen Zuhörer an. Einer bekannt frommen Frau oder dem Pfarrer bot er 'Maria zu lieben'. Den Metzger loekte er mit dem Lied 'Sag ens Blootwoosch'. Der Friseur wurde mit einer Arie aus dem 'Barbier von Sevilla' günstig gestimmt. Konnten die Finger auf der Ziehharmonika Teile der Melodie nicht zustande bringen, dann füllte er die Lücke mit Gesang oder Summen. Die Groschen und Markstücke ließ er rasch in der Tasche verschwinden. Er hatte seine 'Stationen', wo er etwas zu essen bekam oder übernachtete. Die Leute erwarteten ihn und richteten ihren Tageslauf nach seiner Ankunft aus.

Schäng bestritt mit seiner Musik seinen Lebensunterhalt. Er faßte Vertrauen zu einzelnen Mitmenschen, denen er das Zählen der ersungenen Münzen und das Umwechseln in Geldscheine überließ. Er setzte sich aber auch heftig zur Wehr, wann ihn jemand auf die Schippe nehmen wollte. 'He, Schäng, speIl ens eene!' galt ihm als Aufforderung, seine persönliche Dienstleistung anzubieten. Dafür forderte er wiederum einen gerechten Lohn.

3. Um 1900 hat der sogenannte Porzenturm oder der Katharinenturm in Stadt Blankenberg noch seine mittelalterliche Gestalt. Das Dach sitzt breit wie eine Mütze auf. Es fehlt die Gaube, die dem Dachboden Licht verleiht. Auch ist die kleine Öffnung im zweiten Geschoß noch nicht zur Fensteröffnung erweitert. Seine ehemalige Rolle als Nadelöhr , das die Menschen beim Eintritt in die Stadt und beim Ausgang ins Vorland passieren müssen, hat der Torturm aus dem 13. Jahrhundert bewahrt. Der Weg führt unmittelbar an der Kante zum Pferdssiefen vorbei. Der steile Abhang ist durch ein Geländer aus Basaltsäulen und Eisengestänge gesichert. Bäume decken den oberen Rand ab.

Durch den Torbogen trifft der Bliek auf das sogenannte Runenhaus. Leute verlassen die Stadt. Im Vordergrund posieren Besucher oder Sommerfrischler. Zur Belebung des denkmalbetonten Hintergrundes benutzen sie einige Blankenberger Bürger. Der Zugochse mit der Leiterschlagkarre verhält neben seinem Herrn. An der Mauer ist ein Ääteschledder, ein Eggenschlitten, mit einer Äät, mit einer Holzegge, abgestellt. Blankenberg ist um 1900 ein Acker- und Weinbauernstädtchen. Seine Geschichte stellt sich eindrucksvoll in Mauern und Türmen dar. Den Bürgern sind diese Reste des Vergangenen oft lästig. Da kommen die Ausflügler und Sommerfrischler seit der Mitte des 19. Jahrhunderts und bestaunen die Überbleibsel einer großen Zeit. Gerade die Touristen tragen nicht wenig dazu bei, Blankenberg mit seiner Geschichte und seinen Denkmälern einer weiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen und auch den Einwohnern selbst ins Bewußtsein zu bringen.

1936 wird der Porzenturm ausgebaut und begehbar gemacht. Gleichzeitig richtet der 'Burg- und Geschichtsverein Blankenberg e.V.' in den vier Räumen ein Heimatmuseum ein. Das Turmmuseum Stadt Blankenberg kann daher 1986 auf sein fünfzigjähriges Bestehen zurückblicken.

4. Die Industrie erlangte für den Ort Hennef und die gesamte Bürgermeisterei eine große Bedeutung. Carl Reuther war der Gründer des ersten Landmaschinenbetriebes an der Frankfurter Straße. Mit seinem Teilhaber Eduard Reisert legte er 1881 den Grundstein für die Produktion automatischer Waagen. Die Gruppenaufnahme stellt weitere Firmengründer oder ihre Nachfahren in der ersten Generation vor und zwar untere Reihe Peter Baldus in der Firma J.F. Jacobi; Peter Marx vom Eisenwerk in der Königstraße (heute Gebra-Werk); Karl Räuchle, Begründer der Fabrik für Hennefer Schreibgeräte; Wilhelm Foulon, der Hersteller von Zentrifugen für die Landwirtschaft und Kinderfahrrädern ; Robert Funk in der Firma Reuther & Reisert.

Obere Reihe: JosefSteeg, Fritz Jacobi, Landmaschinen; Joseph Meys, landwirtschaftliche Maschinen; Kar! Jacobi, Landmaschinen; Rechtsanwalt Ludwig Kummer; Heinrich Kaiser, 3. von rechts, Teilhaber der Firma Kaiser & Foulon, und Wilhelm Löhe, rechts im Bild, Fertigung von Hochrädern ab 1884 und Waggons für die Bröltaler Eisenbahn in der Beethovenstraße. Für weitere vier Personen fehlen Angaben. Bürgermeister Dick berichtet wiederholt an den Königlichen Landrat in Siegburg über Einzelheiten und Entwicklungen. 'Gewöhnliche Arbeiter,' so der Bericht von 1884, 'verdienen im Taglohn 1,80 bis 2,50 M( ar)k; Schreiner, Schlosser, Dreher bis 3,50 M( ar )k. Bei der Firma Reuther & Reisert ist der Tagelohn im Akkord mit 3,50 bis 5 M(ar)k deutlich höher. Es wird von morgens 7 bis abends 10 Uhr gearbeitet. Das Chronoswerk (Reuther & Reisert) ist die einzige Fabrik in Deutschland, deren automatische Waagen für eichfähig erklärt wurden.' 1900 erweitert das Chronoswerk seine Betriebsanlagen. 'Die Firma läßt sogar bei elektrischer Beleuchtung einer betriebseigenen Anlage (erst 1908 gibt es in Hennef ein öffentliches Stromnetz) an ihrem Erweiterungsbau arbeiten, um die 1200 automatischen Waagen, welche der russische Staat ihr innerhalb zweier Jahre zu liefern aufgab, rechtzeitig zum Versand bringen zu können. Die Firma ist nie so beschäftigt gewesen wie heuer und für die nächste Zukunft. Ihr Gründer und Chef, Herr C. Reuther hat sich ein elegantes Wohnhaus an der Frankfurter Straße erbaut... Wegen einer den stilisierenden Giebel krönenden Eulenfigur wird der Bau Haus Eulenburg genannt.'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2018 Uitgeverij Europese Bibliotheek