Kennt Ihr sie noch... die Hennefer

Kennt Ihr sie noch... die Hennefer

Auteur
:   Friedrich Balensiefen und Dr. Helmut Fischer
Gemeente
:   Hennefer,
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3455-2
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kennt Ihr sie noch... die Hennefer'

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5. Die offene Hofanlage, bestehend aus Wohnhaus, Stall und Scheune, kennzeichnet eine bestimmte Art bäuerlicher Wohlhabenheit. An der Straße gelegen, von einem Bungert mit Obstbäumen umgeben und von einer hohen Linde gegen widrige Winde abgeschirmt, bildet sie eine geschlossene Einheit. Das Haus, ein in die Tiefe erweiterter Fachwerkbau mit bretterverschaltem Giebel, prägt in seiner Gediegenheit das Bild. An der Giebelseite befindet sich der überdachte Ziehbrunnen. Die Hausecke deckt ein Buchsbaumbusch. Der Traufseite vorgelagert scheint ein kleiner Hausgarten mit Johannisbeersträuchern. Im Hintergrund erhebt sich das Stallgebäude aus Ziegelmauerwerk mit einbezogenem Fachwerkschuppen. Die Fachwerkscheune wiederum zeigt giebelseitig im Erdgeschoß eine Ziegelmauer . Davor stehen zwei Ackerwagen, der eine mit Ackergerät, unter anderem mit einer Egge, beladen. Die vielen Einzelheiten, auch die gepflegte schwarz-weiße Zeichnung des Fachwerks, verdeutlichen, daß der Hof mit Arbeit und Leben angefüllt ist. Diesen Zusammenhang und den Besitzerstolz beweist die Familie Ajas in Bierth, die sich etwa um 1914 vor ihrem Eigentum darstellt. Es dürfte ein Sonntag sein, vielleicht im Frühling. Man trägt Sonntagskleidung. Der Vater raucht seine Sonntagszigarre, und die Mutter erscheint in Bluse und Rock und einmal ohne Schürze. Die dunkle Kleidung erhält lediglich durch die Haarschleifen der Mädchen einen hellen Tupfer. Die Jungen tragen wohl den 'Kommunionanzug' , eine dichtgeknöpfte Jacke mit knielanger Hose und langen Strümpfen. Der jüngste Sohn hat den üblichen Matrosenanzug an.

Die Aufnahme bilden beispielhaft eine bäuerliche Familie und ihre Mitglieder aus zwei Generationen ab.

I

6. Das Bild der Wirtschaft, Bäckerei und Handlung Peter Pütz aus dem Jahre 1915 gibt in vielerlei Hinsicht Aufschluß über damalige Zeitverhältnisse. Anlaß der Aufnahme ist vermutlich die Kommunionfeier des Sohns Wilhelm, links vom Hauseingang. Er ist vielen Bürgern noch in guter Erinnerung als 'Pötz Lang' , der Jahrzehnte zuverlässig Busse der Rhein-Sieg-Eisenbahn lenkte. Die Kleidung, vor allem die weißen Schürzen, weist auf einen Festtag hin. Der Hausherr Peter Pütz sitzt hinter dem Tisch. Auf dem Tisch ist das 'Kuchenlamm' erkennbar, ein am weißen Sonntag dem Kommunionkind überreichtes Gebildbrot aus Kuchenteig. Flasche und Glas deuten ebenfalls auf den besonderen Anlaß hin. Die Tochter Minna, rechts vom Vater, und Gertrud, links von Bruder Wilhelm, ergänzen die Familie.

Die Soldaten gehören zum Wachkommando für ein kleines Lager russischer Kriegsgefangener, das im Sälchen des Obergeschosses eines Anbaues untergebracht ist. Sie werden tagsüber den bäuerlichen Betrieben der nächsten Umgebung als Arbeitskräfte zugeteilt. Die mit etwas Abstand von der Familie stehende Dorfjugend läßt sich die noch seltene Gelegenheit zu einem Erinnerungsfoto nicht entgehen.

Im Anbau rechts steht der Brotwagen, mit dem die Erzeugnisse der Bäckerei und auch Produkte der Handlung an die Kunden in den benachbarten Ortschaften geliefert werden. Für die Dorfkundschaft werden die bescheidenen Waren des täglichen Bedarfs im Ladengeschäft angeboten. Der Holzstapel, auf meterlange Stücke geschnitten, gehört zum Heizvorrat für den Backofen.

Der Gastraum der Wirtschaft befindet sich hinter dem geöffneten Fenster. Im Anbau hinter dem Brotwagen gibt es eine Kegelbahn. Damit sind die Hinweise auf die Tätigkeiten der emsigen Familie noch nicht erschöpft. Das Schild zwischen der Tür und dem linken Fenster macht auf die Poststelle aufmerksam. Neben der Briefannahme und Briefausgabe ist offensichtlich ein Telefonanschluß zu bedienen, ein auf dem Lande nur vereinzelt anzutreffendes Wunderwerk. Isolierkörper für die Leitungen an der oberen rechten Hausecke weisen darauf hin.

Ein weiteres Betätigungsfeld haben die Familienmitglieder in der Versorgung der kleinen Landwirtschaft. Pferd, Kühe, Ziegen und Hühner geben kaum Gelegenheit, die Hände in den Schoß zu legen. Für jung und alt gibt es mit Sicherheit keinen Achtstundentag.

Mit dem gleichen Foto als Postkarte werden dem zum Kriegsdienst einberufenen Dorfsohn Wilhelm Rings liebe Heimatgrüße übermittelt.

7. Ein Beispiel für die Jugendbetreuung vor fast sechzig Jahren stellt diese Aufnahme dar. Es ist kein einfaches Unterfangen in jener Zeit, mit großen Gruppen, manchmal über hundert Teilnehmer stark, die Landschaft über die Heirnatgrenzen hinaus in mehrtägigen Fahrten und Wanderungen kennenzulernen.

Pater Overberg vom Kloster Geistingen, in der Bildmitte, löst alle Organisationsprobleme dieser sich jährlich wiederholenden Ausflüge der Pfarrjugend von St. Michael. Rhein, Mosel, Lahn, Eifel, Taunus und das Bergische Land sind Ziele der Reisen, die mit der Eisenbahn vorgenommen werden. Die noch wenigen O!'1nibusse werden im erst beginnenden öffentlichen Linienverkehr eingesetzt.

Größere Wanderungen zu den Sehenswürdigkeiten und den Bahnstationen werden von der eigenen Mandolinenkapelle musikalisch untermalt. Lied und Spiel finden auch in der Fremde Anklang und bewirken manchmal die Bitte, vor Gästen, zum Beispiel in Raststätten, zu musizieren. Eine Dreimark-Gage für einen Kurzauftritt, wie in Aßmannshausen oder Trier, hebt die Stimmung. Übernachtet wird in Jugendherbergen für zwei oder drei Groschen je Person und Nacht. Sogar der Morgenkaffee ist darin eingeschlossen. Butterbrote sind im Rucksack dabei.

In Erinnerung ist noch der Aufenthalt auf Schloß Schnellenberg bei Attendorn im Sauerland. Nur mit Mühe können die Verantwortlichen die ab 22 Uhr gebotene Ruhe herstellen. Die in Gängen und Dielen aufgestellten Betten bieten aber auch eine ungewöhnliche Umgebung für einen ungestörten Schlaf.

Noch eine Weile unterbrechen humorige Sprüche den beginnenden Frieden. Die einsetzende Fröhlichkeit animiert zur Fortsetzung dieser Taktik. Eine kräftige Rüge des Herbergsvaters schafft Klarheit über das nächtliche Fehlverhalten. Das angekratzte Erscheinungsbild wird am Morgen mit einer Ehrenrunde im Schloßhof bei fröhlicher Marschmusik der Mandolinen wieder auf Hochglanz gebracht. Die abschließende Entschuldigung stellt das Einvernehmen wieder her.

Nicht vergessen sind die Vorstandssitzungen im Kloster unter dem Vorsitz von Pater Overberg. Häufig kommt es zu heftigen Debatten. Sie ergeben sich auch aus dem Gegensatz zwischen Geistingen und Stoßdorf. Vermittler bewegen immer wieder zur Einigkeit, die mit einer guten Flache belohnt wird. Pater Overberg schleicht dazu auf Strümpfen zur späten Stunde, um seine Mitbrüder in der Nachtruhe nicht zu stören, zu seinem geheimnisvollen und nie entdeckten Vorrat.

8. Der Erste Weltkrieg 1914-1918 bleibt nicht ohne Eindruck auf die Menschen. Viele Soldaten kehren nicht mehr in die Heimat zurück. Väter, Söhne und Brüder sind gefallen, verstorben, vermiBt, verschollen. Sie fehlen in den Familien, in den Vereinen und Dorfgemeinschaften. Man möchte ihr Andenken bewahren und errichtet aus diesem Grunde Gedächtnisstätten. Diese Bemühungen erhalten aber noch einen weiteren Antrieb dadurch, daB die politischen Verhältnisse, die Besetzung des Rheinlandes und die wirtschaftliche Not nationalistische Empfindungen fördern. Die Kriegstoten werden zu Helden erhoben, die für das Vaterland starben. Ihnen gebührt Ehre. Die Gedächtnisstätten werden zu Heldengedenkstätten und Ehrenmälern entwickelt. DaB die Toten Opfer des sinnlosen Krieges wurden, wird nicht bedacht.

Auch kleine Siedlungen wie Berg, Nieder- und Oberhalberg und Oppelrath bringen die Mittel für ein solches Ehrenmal zusammen. Die Gedächtnisstätte ist ein echtes Anliegen aller Bewohner. Ein obeliskartiges Gebilde trägt an der Spitze ein Eisernes Kreuz, darunter eine Tafel mit den Namen der Toten. Darunter erscheint die JahreszahI1914-1918. Man hat dem Platz ein besonderes Aussehen verliehen und ihn mit einem Zaun eingefaBt.

Zur feierlichen Einweihung hat sich die ganze Bevölkerung 1923 auf dem mit Girlanden geschmückten Hang versammelt. Die Tafel trägt nun dieInschrift: Zum Gedenken unserer Toten 1914-1918. Klein, Arnold; Koch, Adolf; Neef, Peter; Strohe, Johann. 1939-1945. Eiserfey, Heinrich; Eiserfey, Thea; Land, Karl; Neef, Johann; Walterscheid, Peter; Weber, Heinrich sen.; Weber, Heinriek jun.; Weber, Iose]. Errichtet von den Bewohnern Niederhalberg-Oberhalberg, Berg, Oppelrath.

9. Die Aufnahme der' Allee' oder 'Frankfurter Straße', mit dem ehemaligen Hotel Naßhoven links und der ersten Hennefer Produktionsstätte, der 'Actien' , im Bild rechts, erlaubt einen historischen Rückblick. Das handschriftliche Datum von 1902 bestimmt die Idylle zeitlich, die schon von den Zeichen beginnender technischer Entwicklung eingerahmt wird.

Der Hahn am linken Straßenrand, Merkmal eines geruhsamen ländlichen Lebens, wird seinen Standort schnell verändern, wenn das wenige Meter vor ihm abgestellte Vehikel sich knatternd in Bewegung setzt. Ein Bliek durch die Lupe läßt den Schluß zu, daß es sich um einen Wagentyp derersten Stunde handelt, ein Spitzen-Modell im Kreis der heutigen Oldtimer. Hahn und Auto verdeutlichen einen Gegensatz, der zwangsläufig durch die stärkere Hinwendung zur Technik mit ihren Problemen entsteht. Besonders die Anlieger dieser Straße haben manches Mal diese Entwicklung verwünscht. Berichte der Hennefer Volkszeitung haben dies wiederholt geäußert, wenn nämlich Autos und Motorräder in 'rasender Fahrt' über die noch unbefestigte Fahrbahn brausten und lästige Staubwolken erzeugten. Das Unterträgliche dieses Zustandes führte dazu, daß eine Interessengemeinschaft aus Bewohnern der Bahnhofs- und Frankfurter Straße auf ihre Kosten bei Trockenheit Sprengwagen einsetzte. Um die Jahrhundertwende fehlt noch die Straßenbeleuchtung. Morastige Wege bei Regen und Dunkelheit boten keinen Anreiz zu abendlichen Promenaden. Das Gebäude mit hohen Schornsteinen rechts am Bildrand, ein Zeugnis des technischen Fortschritts, zeigt an, daß sich Hennef vom Bauerndorf zum Industrieort entwiekelt hat. Es ist die landwirtschaftliche Maschinenfabrik Reuther & Co, die 1869 erbaut wurde.

Links neben dem Hotel Naßhoven, nur teilweise zu sehen, steht das Kempsche Haus. In diesem Gebäude eröffnete die 'Bürgermeisterei-Sparkasse' 1905 ihren Betrieb. Ein vorausgegangener Antrag an den Landrat in Siegburg auf Einrichtung einer Zweigstelle der Kreissparkasse war 'mangels ausreichender Vorausset zungen' abgelehnt worden. Die schon bald einsetzende blühende Entwicklung der Kasse bestätigte die Richtigkeit des Ratsbeschlusses, ein solches Institut zu errichten.

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