Kennt Ihr sie noch... die Hennefer

Kennt Ihr sie noch... die Hennefer

Auteur
:   Friedrich Balensiefen und Dr. Helmut Fischer
Gemeente
:   Hennefer,
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3455-2
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kennt Ihr sie noch... die Hennefer'

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10. Der Staat stellt sich dem Bürger weithin als eine anonyme Macht dar. Vielleicht am unmittelbarsten erscheint ihm noch das Rechtswesen, zumal er seine ordnende Eingriffe im Alltag ständig wahrnimmt.

1744 wurden die Dingstühle Blankenberg, Eitorf, Geistingen und Neunkirchen zu einem ständigen Gericht unter dem Vorsitz des Landdingers des Amtes Blankenberg in Warth, später in Hennef, vereinigt. 1812 errichtete die französische Verwaltung das Friedensgericht in Hennef. Nach dessen Auflösung entstand 1879 das Königlich preußische Amtsgericht.

Der Amtsgerichtsbezirk umfaßte die Bürgermeistereien Hennef, Lauthausen, Neunkirchen, Oberpleis und Uckerath. Im Oktober 1892 bezog das Gericht ein neues Gebäude an der Ecke Frankfurter Straße und Königstraße. 1905 nahmen drei Amtsrichter und ein Gerichtsassessor sowie fünf Gerichtssekretäre und zwei Kanzlisten die Rechtspflege in Hennef wahr.

Kurz nach der Jahrhundertwende lassen sich vor dem Amtsgericht auf der Frankfurter Straße einige Hennefer vom Fotografen auf die Platte bannen. Mitten auf der Kreuzung erhebt sich eine Gaslaterne. Rechts ist der Eingang zur Gaststätte Schorn zu sehen.

Nach der kommunalen Neuordnung 1969 folgt zwei Jahre später die Neugliederung der Justizverwaltung in Nordrhein-Westfalen, 1970 wird das Amtsgericht Hennef dem Amtsgericht Siegburg zugeordnet. Infolge fehlender Verwaltungsräume in Siegburg verbleiben bei der Zweigstelle in Hennef noch einige Arbeitsgebiete, Nach der Fertigstellung eines großzügigen Verwaltungsgebäudes in Siegburg wird 1979 die restliche Hennefer Gerichtsverwaltung aufgelöst.

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11. Die Absicht des Fotografen, ein interessantes Dorfmotiv zwischen 1906 und 1910 mit hübschen Fachwerkhäusern im Bild festzuhalten, loekt mehr als dreißig Rotter Bewohner auf die Straße. Trotz der vielen Leute und des neugierigen Hahnes entsteht der Eindruck einer friedlichen Dorfidylle. Zwar führt nach achtzig Jahren die Erinnerung an die Beteiligten mit einer Ausnahme zu keinem namentlichen Erfolg, doch geben andere Merkmale Anhaltspunkte, wichtige Gegebenheiten von einst aufzufrischen.

Der Trümmerhaufen in der rechten unteren Bildecke weist zum Beispiel auf die Vergangenheit run. Es sind die Reste der alten Kapelle von 1735, die nach Anbauten von Querschiff, Chor und Sakristei 1862/63 nach der 1866 erteilten Genehmigung zur Errichtung einer selbständigen, bis dahin zu Geistingen gehörenden Pfarrgemeinde, als Pfarrkirche diente. 1906 erhält die Pfarre ein neues Gotteshaus, dessen hoch aufragender Turm im weiten Umkreis unverkennbar ist.

Das Heiligenhäuschen am rechten Straßenrand hat den notwendigen Verkehrsverbesserungen an der Kreuzung weichen müssen. Das links davon abgestellte Motorrad deutet schon auf die allerdings noch langsam einsetzende Motorisierung des Verkehrs hin.

Die gegenüberliegende Bildseite zeigt die im spitzen Winkel sichtbare Fassade der Gaststätte Schonauer. Es folgt die Wirtschaft Müller, auf deren Treppenpodest drei Frauen stehen, darunter die Wirtin Frau Müller. Der Mast vor der Treppe dient der Verlegung von Telefonleitungen. Stromleitungen folgen einige Jahre später. Die Beleuchtung in Haus und Hof übernehmen noch vorwiegend Petroleumlampen, eine nicht ungefährliche Beleuchtungsart. 1892 berichtet die Hennefer Zeitung zum Beispiel, daß nach dem Flammentod eines Kindes in Rott vor einem Jahr durch eine Petroleumlampe sich erneut ein solches Unglück ereignete und die Frau eines Bergmannes betroffen wurde. Sicher eine besondere Tragik, weil in diesen Jahren die Blätterkohle als Rohstoff für die Petroleumgewinnung in Rott und Umgebung im Tagebau und in Schachttiefen bis zwanzig Meter gefördert wurde.

Eine Eigenart des Dorfes war die Verleihung von Spitznamen. Meist waren äußere Gestalt oder Gewohnheiten männlicher Bewohner für eine Namensbeigabe ursächlich. So war dem Müllerwirt wegen seiner schlanken Figur der Zusatzname 'Kneuseh' gewidmet. Ohne Ärger nahm er den Namen eher als Werbung für seine Dorfschenke hin. Die Jugend folgte dem Beispiel der Erwachsenen, ergänzte den Spitznamen mit dem Vorwort 'Onkel'.

12. Um 1920 hat die Kamera in Söven ein Straßenmotiv festgehalten. Die jüngeren Männer sind bemüht, mit einer besonders dekorativen Stellung die Wirkung des Bildes zu steigern. Beteiligt sind von rechts das Ehepaar Wilhelm und Gertrud Kümpel mit der Tochter in der Mitte. Der Breitbeinige ist der Musiker Heinrich Rödder. Weitere Namenserinnerungen fehlen.

Die Blickrichtung geht zur Lebensmittelhandlung und auf die Gastwirtschaft Schenkelberg im Hintergrund. Standort der Personengruppe ist etwa in Höhe der Fachwerkanwesen Kurenbach am linken Bildrand und der Familie Schüchter, ein wenig zurück auf der rechten Seite. Ganz links steht vermutlich ein Telefonmast. Beiderseitige Abflußrinnen begrenzen die mit einer Schotterdecke versehene Dorfstraße.

Für das Schulwesen in Söven sind errinnerungswert der Standort in der ehemaligen optischen Telegrafenstation 'Haus Telegraf' und einundachtzig Schüler, die im État der Bürgermeisterei Hennef ein Dutzend Jahre vor diesem 'Schnappschuß' ausgewiesen sind, Das Jahresgehalt des für den gesamten Unterricht zuständigen einzigen Lehrers Blasius Nolden ist 1908 auf 1 350 Mark festgesetzt. Offenbar handelt es sich noch um eine junge Lehrkraft, da die ebenfalls im Haushaltsplan für die meisten Lehrer ausgewiesene Alterszulage für Nolden fehlt. Die hohe Schülerzahl ist wohl mit den damals noch üblichen Großfamilien zu erklären. Der früher zum Schulbezirk zählende Ort Felderhausen ist 1934 im allseitigen Einvernehmen durch Ratsbeschluß mit Söven vereinigt worden.

Nach dem Ersten Weltkrieg werden erneut die auf den Höhen bei Söven und Haus Dürresbach vorhandenen Quarzitvorkommen abgebaut. Zum Weitertransport wird das Steinmaterial ausschließlich mit Pferdefuhrwerken zum Güterbahnhof nach Hennef befördert.

Die meist in Hennefer Fabriken beschäftigten Arbeitnehmer erreichen ihren Arbeitsplatz noch bis ausgangs der zwanziger Jahre zufuß. Zum Teil galt dies auch für Leute, die in Siegburg tätig waren und zu ihrer Arbeit täglich etwa fünfzehn Kilometer Fußweg zurücklegten. Erst die um 1925 geschaffenen Fahrverbindungen im Busverkehr der Rhein-Sieg-Eisenbahn bringen für die Landbevölkerung eine wesentliche Erleichterung. Viele Einwohner sind schon frühzeitig als Mitglieder des Männergesangvereins, des Turnvereins und der freiwilligen Feuerwehr an einem regen Vereinsleben beteiligt.

13. Das Klassenbild der Geburtsjahrgänge belegt 1924 mit siebenundfünfzig Schülern - sechs abgebildete Kinder sind noch nicht schulpflichtige Geschwister - die damals üblichen Klassenstärken in Volksschulen. Die Zusammenlegung mehrerer Geburtsjahrgänge war die Regel. Erst in den sechziger Jahren wurden mit der Trennung in Grund- und Hauptschule Jahrgangsklassen eingeführt.

Klassenlehrer Josef Kon ist umgeben von Schülern aus den Ortschaften Hennef, Weingartsgasse und Weldergoven. Obwohl die näher gelegene Pfarre Warth 1905 die Selbständigkeit erlangte, verblieb Weidergoven noch Jahrzehnte bei der Pfarrei St. Sirnon und Judas in Hennef und damit auch im Hennefer Schulbezirk. Erst der wachsende Straßenverkehr nach dem Zweiten Weltkrieg und die nun stärkere Gefährdung der Kinder auf dem Schulweg brachten die Zuordnung von Weldergoven zur Pfarrgemeinde Liebfrauen Warth und zur Schule Hanftalstraße.

Schule und Unterricht jener Jahre sind mit den heutigen Bedingungen kaum vergleichbar. So konnte die ehemals im Stundenplan vorgesehene wöchentliche Turn- und Sportstunde nur bei guter Witterung stattfinden. Der Schulhof und dort aufgestellte Geräte wie Reek und Barren haben nichts mit modemen Sportstätten gemein. Freiübungen und Ballspiele machten im wesentlichen die sportliche Betätigung aus. In Gruppen, getrennt nach Mädchen und Jungen, wurde, den Berichten zufolge, ohne sonderliche Begeisterung und ohne fachlich vorgebildete Lehrkräfte die 'Turnstunde' abgeleistet. Der Pfarrer nahm die Katechismusunterweisungen vor im Gegensatz zum Bibelunterricht, der von Lehrpersonen mit spezieller Lehrbefähigung erteilt wurde.

Spaziergänge und ausgedehnte Wanderungen mit der Schulklasse fanden nur selten statt. Schüler erinnern sich an eine Wanderung zur Aue nördlich von Stoßdorf und an den weitesten Ausflug zur Rochuskapelle in Seligenthal mit einer Rast in der Gartenwirtschaft am Wahnbach. Hinweise der Schüler auf bessere Praktiken in Nachbarschulen brachten nicht den erhofften Erfolg.

Mehr als ein Viertel der abgebildeten Schüler ist verstorben. Zwei Drittel der Jungen kamen im Krieg urn. Den Lebenden mag das Foto eine Stütze bei der Erinnerung an die Schulzeit sein.

Bekannte Namen sind:

Obere Reihe, von links: Peter Cochem, Willy Schlechtriem, Georg Fuchs, Franz Heider, Finehen Bäumer, Elsbeth Frings, Ännchen Wilms, Maria Burgmer, Frieda Sabel, Hermann Schopp und Karl Balensiefen. Zweite Reihe: Gerta Lehrmann, Anna Rings, Josef Pûtzstûck, Herbert Walterscheid, Hans Walterscheid, Lindlahr, Paul Hofmeister, Toni Morawetz, Happ, Therese Haletzki, Kàthi Liebig und Martha Schmehl. Dritte Reihe: Finehen Glasner, Klementine Graßmann, Hans Krieger, Peter Domm, Fritz Liebig, Hans Balensiefen, Peter Grisar, Agnes Puseh, Lehrer losef Koll, Franz Löbach, Peter Graßmann, Paul Hoffstadt, Alfred Breuer, W. Rönn, Bernhard Walterscheid, Gertrud Meis und Christine Ebel. Vierte Reihe: Puseh, Martha Welch, Johanna Haletzki, Aenni Wehner, Paula Wehner, Leni Haase, Antonie Haase, Robert Frings, losefine Giebel, Maria Fußhöller, Antonie Neußer, Gerta Winter, Wilhelmine Walterscheid, und ihre jüngere Schwester sowie Maria Wiel.

14. Einträchtig, doch mit kritischen Mienen, haben sich 1933 vermutlich die neu eingeschulten Kinder der Volksschule Rott mit Schulleiter Wilhelm Flink auf der Wiese zum Erinnerungsfoto aufgestellt. Aus der Entfernung verfolgen die älteren Schüler das Geschehen. Das Schild an der Fassade des Schulhauses mit den Hinweisen nach Dambroich und Söven deutet auf die hier vorbeiführende Fahrstraße, deren Verkehrsaufkommen den Pausenaufenthalt keineswegs zu stören scheint.

Inzwischen hat das Gebäude aus dem Jahre 1862längst als Schule ausgedient. Seit der Pensionierung von Lehrer Flink sind bereits fünfunddreißig Jahre vergangen. Die Überlebenden haben selbst das ruhestandsfähige Alter erreicht. Insgesamt hat Wilhelm Flink vier Jahrzehnte der Jugend des Rotter Schulbezirks das Wissen für ihr späteres Leben vermittelt. Darüber hinaus hat er sie auf jährlichen Ausflügen, in der Regel zum Siebengebirge , mit der Heimat vertraut gemacht, natürlich auf Schusters Rappen, sozusagen Schritt für Schritt. Diese Hinwendung zu den Sieben Bergen am Rhein hat nie nachgelassen. Vielleicht war dieses Ziel deshalb so beliebt, weil auch in der Ferne der Heimatort immer noch gegenwärtig war mit seinem überall sichtbaren Kirchturm auf der Höhe.

Aber auch die reizvollen Ziele an Rhein und Mosel, damals für viele noch unerreichbar, hat Leher Flink mit den älteren Schülern aufgesucht. Dabei hat er die Gelegenheit zum Kontakt mit den Eltern wahrgenommen und sie eingeladen, an solchen Schiffsreisen teilzunehmen. Das waren immer großartige Erlebnisse für jung und alt. Seine Organisationsfähigkeiten sind viele Jahre der ganzen Dorfbevölkewrung zugute gekommen. Der Schulmann war im guten Sinne ein immer funktionierender Antriebsmotor , der das Vereinsleben in Bewegung hielt. In den Festausschüssen zur Vorbereitung der Vereinsfeierlichkeiten oder von Gold- und diamantenen Hochzeiten hat man Jahrzehnte seinen Rat und seine Anregungen sehr geschätzt. Dies galt auch noch, als er nach seiner Pensionierung 1953 seinen Wohnsitz nach Hennefverlegte.

Ruhestand und Abschied waren Anlaß, Lob, Dank und Anerkennung der Dorfgemeinschaft auszusprechen für eine beispielhafte Verbundenheit mit großem Einsatz über mehr als eine Generation hinweg. Die Aufnahme kann gewiß helfen, Schulerinnerungen wachzurufen.

Von links: Maria Winterscheid, Franz Strehl, Otto Schonauer, Karola Hovenbitzer, ?, Peter Neuhalfen, Josef Winterscheid, J osefine Kleffgen, ?, ?, Karl Schneider, ?, Maria Sens, Herta Friedrichs, ?, Hedwig Hombach, Walter Hitzeler, Heinrich Winterscheid und Maria Unkelbach.

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