Kennt Ihr sie noch... die Hennefer

Kennt Ihr sie noch... die Hennefer

Auteur
:   Friedrich Balensiefen und Dr. Helmut Fischer
Gemeente
:   Hennefer,
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3455-2
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kennt Ihr sie noch... die Hennefer'

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15. Eine nicht leichte Aufgabe hat Lehrer Hans Kniekenberg in seiner vier Jahrgänge und dreiundfünfzig Kinder zählenden Unterklasse 1933 in Rott zu bewältigen. Nach zuverlässiger Überlieferung umfaßte eine Klasse sogar einmal zweiundsiebzig Schüler. Die von der Klasse geübte Tugend vollkommener Aufmerksamkeit mit erwartungsvollen Blieken zum Fotografen wird im Unterricht nicht immer erreichbar sein. Die unterschiedlichen Lernmittel der Schüler, Schiefertafeln in den vorderen Reihen und Lesebücher in den hinteren Bänken, weisen auf verschiedene Geburtsjahrgänge hin.

Zur bescheidenen Ausstattung zählen die Bildtafeln an den Wänden, eine Landkarte für den Erdkundeunterricht in einem noch bescheideneren Klassenschrank und die Wandtafel in der Nähe des Lehrerpultes. Den Nutzen eines besonderen Lehr- und Lernmittelraumes hätten vermutlich weder Lehrer noch Schüler beschreiben können; es gab ihn in keiner Klasse der damaligen Volksschulen.

Zur Klasse gehörte natürlich auch die herkömmliche Ofenheizung. Kohle und Koks waren die üblichen Heizmittel. Für das Anheizen lieferte die Bürgermeisterei Kleinholz, sogenannte Schanzen. Im Herbst hat jahrelang Herr Strehl aus Rott den Bedarf für alle Schulen, rund dreihundert Stück, angefertigt.

Die Vorrichtung für die Kleiderablage erschöpfte sich in einfachen Haken, die in Holzleisten rundherum an den Wänden der Klasse befestigt waren.

Ehemalige Schüler berichten übereinstimmend, daß die Heimatkunde in der Rotter Schule nicht zu kurz kam. Dazu begab man sich auch in das Fördergebiet der im 19. Jahrhundert für die Petroleumgewinnung abgebauten Rotter Blätterkohle. Es wurden dort wiederholt Fossilien mit Abdrücken von kleinen Fischen, Insekten und sonstigen Wassertieren gefunden. Begehrt waren auch in Stein verhärtete Pflanzenabdrücke. Gesammelt und angemessen aufbewahrt, dienten die Funde zur Anschauung.

Wiederholte Wanderungen zum etwa fünf Kilometer enttemten Siebengebirge dienten nicht selten der heimatkundlichen Unterweisung.

Etwa ein Drittel der Schüler lebt noch in Rott oder im Bereich der Pfarrgemeinde, und zwar: Gertrud Moser, Karola Stricker, Thomas Hausmann, Käthe Frings, Maria Hitzeler , JosefWinterscheid, Hans Meißner, Heinz Beielschrnidt, Paula Hausmann, Herta Friedrichs, Maria Winterscheid, Hedwig Hombach, Karola Hovenbitzer, Hans Krämer, Christian Dahm, Käthe Schonauer und Paul Jülich. Andere sind verzogen, gefallen oder verstorben.

16. Die I. Klasse der Schule Söven hat sich 1920/21 mit Lehrer Mirscheidt vor ihrem Schulgebäude, dem Haus Telegraf, versammelt. Nicht immer war der Schulweg so bequem. Etliche Jahre nach der Jahrhundertwende reichte der Schulraum nicht für alle Schüler. Die Oberklasse wurde 1905 nach Rou und 1906 nach Westerhausen ausgelagert. Die Bürgermeisterei beendet dieses Hin- und Her mit dem Anbau einer Klasse an das Gebäude der 1832 bis 1834 errichteten Telegrafenstation. Als damals Beteiligter erinnert sich Herr Rödder besonders an den weiten Schulweg nach Westerhausen bei Wind und Wetter. Bei Vor- und Nachmittagsunterricht war die beträchtliche Entfernung auf der zugigen Höhe täglich zweimal zu bewältigen. Der Straßenverkehr mit wenigen Pferde- und Ochsengespannen verursachte keine Probleme. Vorbeifahrende Automobile waren an einer Hand zu zählen.

All zu glanzvoll werden die baulichen Verhältnisse in dem alten, für ganz andere Zwecke geschaffenen Bau kaum gewesen sein. Das Haus gehörte zu den einundsechzig Stationen der optischen Telegrafenlinie BerlinKoblenz. Sie waren alle auf Höhen errichtet und hatten zu ihren benachbarten Einrichtungen Sichtverbindung. Die Verständigung mittels beweglicher Flügel an einem auf dem flachen Turmdach befindlichen Signalmast war umständlich und von den jeweiligen Sichtverhältnissen abhängig. Als in der Mitte des 19. Jahrhunderts die wesentlich vorteilhafter arbeitende elektrische Telegrafie erfunden wurde, verzichtete man auf die schwerfällige Anlage.

Die über sechzig Kinder zählende Schülerschar, die in einer Klasse unterrichtet wurde, veranschaulicht die meist überfüllten Schulräume jener Zeit. Auch der Unterschied in den Haar- und Kleidermoden von einst und heute ist auffällig. Fast alle Jungen begnügen sich mit einem kurzen Haarschnitt. Bei den Mädchen gibt es noch keinen Bubikopf. Die Krawatten und Fliegen bei manchen Jungens wirken überaus streng. Insgesamt vermitteln die Kinder einen disziplinierten Eindruck.

Überlieferte Schülernamen sind: Wilhelm Becher, Heinrich, Johann, Josef und Wilhelm Bolz, Willi Fußhöller, Matthias Klein, Willi Koch, Johann Olberz, Heinrich Richarz, Johann Schüchter, Heinrich und Johann Stommel, Johann und Josef Thomas, Josef Walterscheid, Maria Becher, Franziska und Trina Bolz, Minna Dahlhausen, Christine Höhner, Franziska Klein, Liesa Kuttenkeuier , Tina Lamberti, Anna Richarz, Lena Schenkelberg, Luise Schlösser, Johanna Schultes, Maria Stommel, Geschwister Versteg und Tina Walterscheid.

17. Um 1930 waren Autos und die Züge der schmalspurigen Rhein-Sieg-Eisenbahn auf der Bröltalstraße noch kein Hindernis für eine Gruppenaufnahme Allner Schulkinder auf ihrem Heimweg. Beteiligt sind Liselotte und Maria Marqua, Thea Mewes, Elisabeth Klein, Amalie Antweiler, Franziska Kneutgen und das Ferienkind Anneliese. Die zweiklassige Volksschule Bröltal, anderthalb Kilometer entfernt, war für die Ortschaften Allner, Bröl und Müschmühle zuständig.

An einem Tag in der Woche herrschte auf der Bröltalstraße rege Betriebsamkeit. Donnerstags fuhren zahlreiche Bauern und Viehhändler zum Viehmarkt nach Waldbröl. Dieser war im weiten Umkreis bekannt und erfreute sich jahrelang eines regen Besuches. Für die Schulkinder war dies ein Anlaß, den weniger gefahrvollen Fußweg entlang des Brölbaches über Müschmühle zu wählen.

Im Zusammenhang mit der Bröler Schule ist an die segensreiche Einrichtung von Jugendherbergen zu erinnern. Im August 1909 wurde dort die Idee zum Bau solcher Übernachtungsmöglichkeiten geboren. Der Lehrer Richard Schirrmann und seine Schüler aus Altena werden im Bröltal von einem schweren Unwetter überrascht. Der schutzsuchenden Gruppe gibt die Lehrersfrau in Abwesenheit ihres verreisten Mannes die Erlaubnis zum Bleiben und Übernachten. Schnell wird ein Klassenraum mit reichlich Haferstroh aus den Vorräten des benachbarten Bauern hergerichtet, wo nun die Jugend zwar mit wenig Komfort, aber doch zünftig und gesichert dem stundenlangen Gewitter trotzen kann.

Viele sich um die Fürsorge seiner Schützlinge drehende Gedanken halten den Schlaf von Lehrer Schirrmann fern. Erst recht die Vision eines die deutschen Landschaften überspannenden Netzes von Herbergen verscheuchten jede Müdigkeit. Nach der Rückkehr in die Heimat münden seine Gedanken in konkrete Vorstellungen, die auch bei anderen Anklang finden. Jugendfördernde Dienststellen erkennen die Nützlichkeit des Vorhabens an. Heute sind die vielen Jugendherbergen in Deutschland und in der Welt eine unverzichtbare Grundlage für die wanderfreudige Jugend.

18. Die Volksschule, das mit Nachdruck und Ausdauer vorgetragene Anliegen der Einwohner von Dambroich, hat der Regierungspräsident in Köln genehmigt. Ratsmitglied Peter Pütz - beim ersten Spatenstich - ist zufrieden mit dem Erfolg seiner Bemühungen. Die Maße für den Bau sind abgesteckt. Die bereits angefahrenen Baumaschinen künden den baldigen Arbeitsbeginn an. Im Oktober 1955 legt Bürgermeister Hans Böhm im Beisein der Dorfgemeinschaft den Grundstein. Peter Pütz hält die Festansprache, und Pfarrer Durchdewald nimmt die kirchliche Einsegnung vor.

Anfang Mai 1956 ist die zunächst einklassige Schule fertig. Sie wird am 6. Mai eingeweiht. Die Prozession geht von der Lehrerwohnung zur Schule, um dort das Kreuz anzubringen. Damit wird die Einführung des ersten Lehrers Conzen verbunden. Der Pfarrer von Rott nimmt die kirchliche Weihe vor, und Bürgermeister Böhm gratuliert namens der Gemeinde im Beisein zahlreicher Gäste. Die Tagespresse spricht von 'annähernd tausend Menschen', darunter Vertretern der Kirchen und der Zivilgemeinde.

Die Erwartungen an ein entwicklungsfähiges örtliches Schulsystem erfüllen sich nicht. Die 1968 gesetzlich geregelte Neuordnung des Schulwesens mit der Gliederung in Grund- und Hauptschulen entzieht dafür die Grundlage. Die Kinder der neuen Grundschule in den Klassen 1 bis 4 erhalten wieder in Rott Schulunterricht. Die Hauptschüler in den Klassen 5 bis 8 werden der Schule in Hennef, Stoßdorfer Straße, zugeordnet. Ein Fahrdienst der Rhein-Sieg-Eisenbahn sorgt für die Bereitstellung der Schülerbusse.

Ab 1974 werden die Grundschüler der Obergemeinde in Westerhausen unterrichtet, nachdem dort vier Pavillonklassen für den Jahrgangsunterricht zur Verfügung stehen. Die Eltern beantragen die Einrichtung eines Kindergartens in den freigewordenen Schulklassen. Bereits zum Jahresanfang 1969 wird in diesem Sinne die zukünftige Nutzung zwischen der Pfarrgemeinde Rott und der Gemeinde Hennef vertraglich geregelt. Die Aufnahme mit den Namen der älteren Schüler, stellvertretend für alle, erinnert an das Geschenken vor dreißig Jahren: Rudi Kaufmann, Gerda Plag, Friedhelm Reuther, Renate Larscheid, Jürgen Beeker, Margarete Weber, Karl-Heinz Welsch, Michael Pütz, Heinz Hausmann, Ingrid Plag, Hans-Peter Albrecht, Heinz Löllgen und Helmi Löbach.

19. Kurz nach dem Ende der Inflationszeit schließen die Brautleute Johann Gewildat und Gertrud Broscheid 1924 den Bund der Ehe. Die verhältnismäßig stattliche Hochzeitsgesellschaft vor dem bekränzten Eingang des elterlichen Hauses der Braut in Süchterscheid ist auf den Familienkreis begrenzt. Trotz der schlechten Wirtschafts- und Versorgungslage gelingt es offenbar, eine angemessene Feier zu organisieren. Vertreten sind die Eltern und die Großmutter des Bräutigams und die Mutter, Geschwister, Schwäger, Schwägerinnen und ihre Kinder sowie Tanten und Onkel der Braut. Durch ihre Teilnahme bekennen sie wohl auch ihr Einverständnis mit dieser Heirat.

Ein solches Einverständnis der Eltern spielte in früheren Generationen eine wichtige Rolle. Eine Ordnung im Herzogtum Berg über den 'gerichtlichen Prozeß aus dem 16. Jahrhundert' behandelt sogar eine Bestrafung der Söhne und Töchter, die sichohn ihr Eltern Willen und Wissen verheyrathenldie beschriebene Recht setzen und ordnen/so ein Sohn oder Tochter/die in Vorsehung und gewaltsam ihrer leiblichen Eltern Vatter und Mutter seyenlohne derselben Willen und Wissen sich bestatten/nemblich der Sohn vor und ehe zu dreyssig Jahren/und die Tochter vor und ehe zu fünff und zwantzig Iahren kommen istiso seyen ihnen dieselbe ihre ELtern Vatter und Mutter in ihrem Leben nicht schuldig einig Heyrathgut zu geben. Aus der 'vorzeitigen' Eheschließung erwachsen den Kindern jedoch keine erbrechtlichen Nachteile. Sie werden den übrigen Kindern gleichgestellt.

Die im Bild erscheinende Kleidermode für Brautleute weist auf eine Eigentümlichkeit hin. Die Braut trägt ein schwarzes Kleid mit einem langen weißen Schleier. Dafür gibt es eine einfache Deutung. Die besonders in den Dörfern bestehenden finanziellen Verhältnisse zwingen zu großer Sparsamkeit. Aus diesen Erwägungen ist es nicht tragbar, ausschließlich für diesen Festtag ein kostenaufwendiges Hochzeitsgewand zu beschaffen. Daher entscheidet man sich für ein schwarzes Kleid, das später auch bei anderen feierlichen Anlässen getragen werden kann. Durch den weißen Schleier wird die Traumvorstellung einer Hochzeit wohl angedeutet.

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