Kennt Ihr sie noch... die Hennefer

Kennt Ihr sie noch... die Hennefer

Auteur
:   Friedrich Balensiefen und Dr. Helmut Fischer
Gemeente
:   Hennefer,
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3455-2
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kennt Ihr sie noch... die Hennefer'

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20. Goldhochzeiten in ländlichen Bezirken werden seit Generationen im Rahmen von Dorffeierlichkeiten veranstaltet. Manchmal ist es die Nachbarschaft, nicht selten die gesamte Dortgemeinschaft eines kleinen Ortes, die das Haus des Jubelpaares schmückt und Triumpfbogen aus Fichtengrün an Haus- und Hofeingang errichten.

Die Vertreter von Behörden und Vereinen finden sich am Vorabend des Festtages zur Gratulation ein. In der Regel bieten Gesangvorträge oder musikalische Ständchen den Rahmen. Beeinflußt wird ein solches Programm auch von dem Verhältnis des Jubelpaares zu den einzelnen Organisationen. Zum Beispiel kann eine lange vereinsfördernde Mitarbeit eine Rolle spielen.

Meist gibt die Vorabendfeier Gelegenheit, den Dank an die Helfer und Mitwirkenden rnit einem Fäßchen Bier abzustatten. Die Räumlichkeiten wechseln je nach den häuslichen Verhältnissen. Garagen, Scheunen, Zelte, die dem festlichen Charakter entsprechend hergerichtet werden, bis zum geschmückten Ballsaai, bieten vielerlei Varianten für harmonische und fröhliche Feste.

Das Foto der Goldhochzeit Halm in Halmshanf um 1931 mit sechzig Teilnehmern läßt ahnen daß die Hochzeitsgesellschaft am Vorabend diesen Rahmen noch wesentlich überschritten hat. Die eigentliche Familienfeier zur fünfzigsten Wiederkehr der Eheschließung beginnt mit dem Festgottesdienst in der Pfarrkirche. Die Braut schmückt sich mit einem Goldkränzchen im Haar; ein Goldsträußchen ziert den Rockaufschlag des Bräutigams. Nicht unwichtig sind auch die Vorbereitungen zum Festschmaus. Die Zahl der Festteilnehmer entscheidet meist, ob die weniger geräumige Wohnung ausreichend Platz bietet, oder dafür ein besser geeignetes Speiserestaurant in Anspruch genommen wird, Neigungen, Familiengedenktage durch außergewöhnliche Feierlichkeiten lange in Erinnerung zu halten, entspringen offenbar einer sehr alten Tradition. Die bereits zitierten Bestimmungen aus langer Vorzeit enthalten obrigkeitliche Anordnungen über einen angemessenen Festrahmen bei Hochzeiten zur Vermeidung der Beschwernisse durch überflûssige und unnöthige Unkosten. Alle Gastereyen sollen danach auff den zweiten Tag gegen den Abend auß seyn. Den Haabseligen (Besitzenden) werden vier Tischleuth! daran ungefehrlich zwölf Menschenl an einem jeden Tisch zu setzen! und nit darûber zugestanden.

In dieser Zeit waren auch Beiträge zu den Festkosten nicht unüblich. Blutsverwandte, Freunde und Fremde sind Bemessungsmerkmale für unterschiedliche Kostenzuschüsse.

21. Im Sommer 1958 feiern die Eheleute Barthel Kuttenkeuier und Christine geborene Zarth aus Rott das Fest ihrer sechzigjährigen Ehegemeinschaft, die Diamantene Hochzeit. Dieses seltene Jubiläum ist Anlaß für den Ort, den Ehrentag zu einem Dorffest zu gestalten.

Eingeleitet wird die Feier mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche. In der geschmückten Pferdekutsche hat das Jubelpaar Platz genommen. Heinrich Neuhalfen ist dem Wagenlenker Toni Kreutz behilflich und leitet Pferd und Wagen von der Wohnung durch das Spalier der Festgäste auf die Straße, Die Herren im Zylinder links und rechts haben als Mitglieder des Festausschusses sorgfältig und nach besten Kräften die Organisation und den Ablauf des Festtages beraten. Die verantwortliche Leitung der nicht alltäglichen Feier hatte man dem Ortsvorsteher Heinrich Schumacher, in respektvoller Wertung des Ehrenamtes auch Ortsbürgermeister genannt, übertragen. Er steht bei seinen Helfern am rechten Bildrand. Die Kommunionkinder des Jahres in ihren weißen Kleidern und mit Kränzen im Haar beteiligen sich am Geleit zur Kirche ebenso wie die Bürger, Schulkinder und die Angehörigen der mitwirkenden Ortsvereine.

Frau Kreutz, an der linken Seite hinter dem Wagen, beobachtet kritisch, ob ihr Mann das Gefährt sicher aus der enggewordenen Gasse herausführen kann. Es ist selbstverständlich, daß die Zugteilnehmer auch der Festmesse beiwohnen. Nach der Messe werden die Eheleute Kuttenkeuier auf dem Vorplatz des Gotteshauses mit Blumen empfangen, die ein Kommunionkind mit einem Gedicht als die ersten Glückwünsche der Dorfgemeinschaft überreicht. Dabei sind auch die Junggesellen, deren Fähnrich sein Können beim Fähndelschwenken unter Beweis stellt. Abschließend formiert sich der Festzug und setzt sich durch die mit Fahnen, Maien und Triumpfbogen geschmückten Straßen in Richtung zum Festlokal Pickenhan in Bewegung. Am Abend wird das Jubelpaar inmitten der Familie von der Wohnung wieder abgeholt. Es bildet sich erneut ein festlicher Zug, an dem sich alle Ortsvereine und eine große Zahl Bewohner beteiligen. Im Saal Piekenhan wird ein vorbereitetes Programm dargebeten. Gesangvorträge, turnerische und andere Einlagen tragen zu einem unterhaltsamen Abend bei. Die Vertreter der Pfarrgemeinde, der Schule, der Zivilgemeinde, des Kreises und des Regierungspräsidenten haben im Laufe des Tages Gelegenheit, ihre Glückwünsche zu übermitteln.

Die großzügige Ausschmückung des ganzen Ortes ist eine gern übernommene Aufgabe der Dortgemeinschaft.

22. Dekorativ hat der Fotograf den Vorplatz der Kapelle in Stoßdorf mit einer größeren Gruppe Einwohner, jung und alt im festlichen Gewand, aufgelockert. Das männliche Geschlecht jeden Alters folgt der Hutmode in vielfältigen Formen. Bei den Männern ist der steife 'Bibbi' vertreten. Die Knaben bevorzugen eine Art Tropenhelm. Frauen und Mädchen, alle ohne Kopfbedeckung, üben sich in schlichter Bescheidenheit.

Die Familien Wecker haben 1900 die Kapelle für das Dorf errichtet. Die rund fünftausend Mark betragenden Erstellungskosten sind ausschließlich von den Einwohnern finanziert worden. Das alte, etwa hundertjährige Kapellehen in der Dorfmitte genügte nicht mehr den Bedürfnissen des Ortes mit etwa vierhundert Ansässigen. 1902 ist es abgebrochen worden, nachdem man sich an den mehr als vollwertigen Ersatz gewöhnt hatte. Auf ein eigenes sakrales Gebäude, nicht zuletzt für alte und kranke Bürger, wollte man wegen der weiten Entfernung zur für die Stoßdorfer zuständigen Pfarrkirche St. Michael in Geistingen nicht verzichten.

Kurz vor dem Ende des Zweiten Welktkriegs wird die Kapelle durch eine in der Nähe einschlagende Luftmine stark beschädigt. Das total zerstörte Spritzenhaus hatte eine schützende Wirkung. Fachleute aus dem Ort und ihre Helfer beseitigen bald die Kriegsspuren. Sogar Kardinal JosefFrings, Erzbischofvon Köln, der anläßlich einer Firmung um 1950 die renovierte Kapelle besucht, lobt die vorbildliche Hilfsbereitschaft.

In den letzten hundert Jahren ist die Einwohnerzahl des Dorfes um ein Mehrfaches auf weit über tausend Personen angestiegen. Deren Bedürfnisse kann die Kapelle nicht mehr erfüllen. Bauliche Mängel tragen zur Entscheidung bei, eine größere Filialkirche zu bauen. Das alte Gotteshaus wird 1977 niedergelegt.

Der größte Gebäudekomplex des Dorfes ist das Landgut Quadenhof mit seiner Brennerei. Der Ouadenhofer Korn war seit eh und je ein weitbekanntes Erzeugnis.

Bis zur Stillegung der Linie Hennef-Beuel der schmalspurigen Rhein-Sieg-Eisenbahn ist Stoßdorf-Quadenhof eine Station mit Besonderheiten. Nicht nur Personenzüge, sondern auch Güterzüge legen hier in der guten alten Zeit öfter eine Pause ein, wie Informanten augenzwinkernd zu berichten wissen. Der Güterverkehr mit der Brennerei und der Landwirtschaft verursacht Formalien mit vielen amtlichen Papieren, die vom Zugpersonal, für alle gut sichtbar, zwischen den Knöpfen der Uniformjacke getragen werden. Den nie erlahmenden Diensteifer belohnt der verständnisvolle Brennereibesitzer großzügig mit seinem begehrten Erzeugnis.

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erbau

23. Am ersten Sonntag nach Ostern, am sogenannten Weißen Sonntag, wurde in den katholischen Pfarrgemeinden die Erstkommunion gefeiert. Seit Papst Pius X. im Jahre 1910 die Frühkommunion gestattete, wurden die acht- bis zehnjährigen Jungen und Mädchen nach einer gründlichen Vorbereitung 'zum Tisch des Herrn' geleitet. Diesen Tag gestaltete man besonders feierlich. Die Kinder standen ganz im Mittelpunkt der liturgischen Geschehens. In Zweierreihen wurden sie von 'Führengelchen' in die Kirche und an ihre Plätze geleitet. Jedes hatte sein 'Kommunionspärchen' , einen rechten oder linken Nachbarn in der Prozession. Der Kirchenchor verschönte die Feier mit Gesängen. Die Kinder wurden zum ersten Mal für sie bewußt in die liturgische Handlung mit Gebet und Lied einbezogen. Nach dem Gottesdienst empfingen sie und die Eltern die Glückwünsche der Verwandten und Nachbarn.

Auf das kirchliche folgte das weltliche Fest. Geschenke wurden entgegengenommen. Es gab eine gegenüber sonstigen Festtagen üppige Mahlzeit. Aber schon der frühe Nachmittag führte auf den religiös-kirchlichen Inhalt zurück: Erstkommunionkinder , Eltern und Paten versammelten sich noch einmal zur Dankandacht in der Kirche. Danach verteilte der Pfarrer die Kommunionandenken, meistens ein Druckbild mit Namen und Datum. Mitunter stellte sich die Gruppe auch zu einem Erinnerungsfoto.

Im Jahre 1934 stehen die Blankenberger Erstkommunikanten, säuberlich nach Geschlechtern getrennt und von Pfarrer Dechant Heinrich Falkenstein (1928-1951) und Lehrer Philipp Anton Zimmer (1932-1936) flankiert, vor dem Pastorat. Die Jungen tragen einen schmucken 'Kommunionsanzug' mit einem Myrthensträußchen am Revers und die 'Kommunionmütze' . Die Mädchen haben ihre weißen 'Kommunionkleidehen' an und das 'Kränzchen' auf dem Kopf. In der Hand halten sie den 'Kommunionbeutel' für Taschentuch und Rosenkranz. Alle Kinder haben ein Gebetbuch, das wie der Rosenkranz zur Ausstattung gehört und zumeist ein Geschenk von Verwandten ist, etwa der Großeltern oder Paten. Die Kommunionkinder sind, untere Reihe von links: Karl Junkersfeld, Heinrich Küpper, Max Schwarz, Johannes Bröhl, Josefine Schmitz, Hubertine Schmitz und Katharina Qüadt. Mittlere Reihe: Bernhard Bungert, Johannes Wiel, Matthias Lülsdorf, Christian Bröhl, Elisabeth Kurtenbach und Maria Kurth. Obere Reihe: Josef Kümpel, ?, Christine Broscheid, ?, und N. Holstein.

24. Die Aufnahme erinnert an die Spendung des Sakraments der heiligen Firmung durch den Kölner Weihbischof Hamels. Die Mädchen in festlicher Kleidung haben sich zu einem Erinnerungsfoto versammelt. Das eindrucksvolle Ereignis spiegelt sich in ihren verhaltene Fröhlichkeit ausdrückenden Mienen wider. Einige Namen noch bekannter Firmlinge sind: Flüch, Bellinghausen, Klein, Müller, Bolz, Wingchen, Hofenbitzer; an der Fahne Anna Müller. Die Pfarrer Dr. Löhr von St. Michael, ein Begleiter des Bischofs, Professor Hochköpper von St. Simon und Judas und zwei Patres aus dem Redemptoristenkloster Geistingen assistieren dem Bischof bei der Spendung des Sakraments.

Pfarrer Professor Hochköpper wirkte fünfundzwanzig Jahre in Hennef. 1898 wurde er zum Priester geweiht. Dann wirkte er als Kaplan und Religionslehrer. 1915 übernahm er die Pfarrstelle in Hennef. Er verzehrte sich in der Betreuung seiner Pfarrangehörigen. Nicht selten sah er in drastischen Aussprüchen geeignete Hilfsmittel. Manches Zitat ist nach Jahrzehnten noch nicht vergessen.

Obwohl die Seelsorgehilfe der Patres aus dem benachbarten Kloster gern in Anspruch genommen wurde, war der Besuch von Klostermessen seiner Pfarrkinder oft Anlaß zu Ermahnungen. Er wachte eifersüchtig darüber, daß sie sich in seinem 'Siegdom' einfanden. Mit dem harten Wort 'Separatistenschleicher' glaubte der Pfarrer diejenigen, die lieber den 'heiligen Berg' , nämlich das Kloster oder die näher gelegene Kirche in Warth aufsuchten, zur Rückkehr in die Pfarrkirche anhalten zu müssen,

Neuheiten in der Damenmode bedachte er mit strenger Kritik, die in der Regel das Ende seiner Sonntagspredigt ankündigte, wie zum Beispiel: 'Bubiköpfchen, kurze Röckchen, ärmellos, Knie bloß und kinderlos:

Was ist nach den Tode los?' In der Pfarrchronik ist zu lesen, daß der Professor manchmal recht grob schimpfen konnte. Die Badezeit an der Kirchwoog in der Sieg war dafür auch ein wiederkehrender Anlaß. Sein Ausspruch 'Wenn der gemischte Salat wieder serviert wird,' verurteilte bei damals strengeren Sitten das gemeinsame Baden von Männlein und Weiblein.

Wie sehr Professor Hochköpper eine gedeihliche Entwicklung seiner Seelsorgeziele anstrebte, kann seine Stiftung der vierten Glocke im Jahre 1931 belegen. Darüber wird mit Versen in der Hennefer Volks- Zeitung berichtet:

Sein Herzblut gäb er mit [rohlichem Sinn,

Für Christus den Konig und seine Pfarrkinder hin. Manch Schale ist rauh, doch der Kern drin ist [ein, Das trifft auch bei unserem Herrn Pfarrer wohl ein.

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