Kennt Ihr sie noch... die Königer

Kennt Ihr sie noch... die Königer

Auteur
:   Otto Pichl
Gemeente
:   Königer,
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3327-2
Pagina's
:   172
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kennt Ihr sie noch... die Königer'

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EINLEITUNG

Liebe Mitbürger von Bad König, 'Männer machen die Geschichte,' diesen grundlegenden Satz haben sich die Geschichtsphilosophen zu eigen gemacht, die die idealistische Geschichtsauffassung vertreten. Sie meinen damit, daß es der menschliche Geist gewesen sei, der die Geschichte in Gang gesetzt habe, der Geschichte werden läßt.

Anders die Materialisten unter den Historikern. Sie meinen, daß Geschichte nicht vom Geist des Individuums geschaffen und bewegt wurde, für sie sind es die Umstände, die wirtschaftlichen und politischen Zustände, ist es die Umwelt und sind es die Verhältnisse, die die Geschichte antreiben. Wir wollen in dem vorliegenden Buch beiden Richtungen Rechnung tragen und Männer und Frauen von Bad König vorstellen, welche entscheidend das Werden dieser Stadt beeinflußt haben; wir wollen aber auch in Wort und Bild dokumentieren, wie gewisse örtliche Verhältnisse der Stadt das Gepräge gaben und geben.

Aber auch von Dichtern und Künstlern, Von Originalen und typischen Gestalten, von verschwundenen Berufsständen und vorhandenen Dokumenten soll berichtet werden. Und alles dies unter dem Buchmotto: Kennt Ihr sie noch, die 'alten Kinnicher'? Kennt Ihr sie noch, die alten Verhältnisse und erinnert Ihr euch noch daran, wie es damals war?

Und so wünschen wir dem Buch eine gute Aufnahme in der Bevölkerung, viel Freude beim Lesen und Betrachten und hoffen, den verschiedenen 'Kinnichern' einer bestimmten Zeit ein bleibendes Denkmal gesetzt zu haben, denn sie haben sich um Bad König verdient gemacht.

1. Graf Georg August: Ein lebensbild des Kirchenbauers. Der historische Mittelpunkt des Odenwälder Heilbades wird bestimmt von den beiden Schlössern und der dahinter liegenden evangelischen Kirche. Diese Bauwerke sind mit dem Erbach-Schönbergischen Fürstengeschlecht verbunden, das einst hier Hof hielt und residierte. Einer der Grafen, der sich in Bad König besonders verdient machte und dessen Name - in Stein gehauen - von einer gewissen baulichen Tätigkeit berichtet, war Georg August zu Erbach und Herr zu Breuberg. Er ließ die evangelische Kirche 1751 errichten und das alte Schloß zu seiner Residenz umbauen. Bei diesem Umbau erfuhr das alte Schloß sein heutiges Aussehen, das von einer handwerklich-gediegenen Architekturmalerei verschönt wird und so den 'gelben Kasten' auflockert. Graf Georg August von Erbach-Schönberg war auch der Urgroßvater der Queen Victoria von England.

Seine Geschichte: Er erhielt 1717 bei der Teilung von Fürstenau das Amt Schönberg, von der älteren Linie Erbach später die Herrschaft Breuberg, was zusammen zur Grafschaft Erbach-Schönberg wurde. Georg August wurde am 17. 'Junius' 1691 geboren, erlangte 1717 die Regierung und wurde zum Begründer der Erbach-Schönberger Linie. Er war Vater von 13 Kindern (neun Söhne und vier Töchter) und starb am 29. März 1758 im Schloß zu König; die Beisetzung erfolgte in der Stadtkirche zu Michelstadt.

2. 'Graf Christian 1793,' so kann es der Schloßbetrachter in goldenen Lettern in roten Sandstein gehauen über dem Portal des neuen Schlosses in Bad König lesen. Der Text nennt den Erbauer und das Erbauungsjahr des alten Gebäudes. Die älteren Bad Königer nennen das 1793 erstellte Gebäude 'Neues Schloß', die jüngeren sagen 'Neues Rathaus', die Kenner der Heimat- und Schloßgeschichte bezeichnen es mit 'Graf-Christians-Bau', weil der ErbachSchönbergische Graf Christian der Erbauer war. Der Name des Erbauers ist bekannt, aber wer war Graf Christian? Er ist am 7. Oktober 1728 in Gedern geboren, ging im Alter von 17 Jahren als Fähnrich in Niederländische Dienste, trat im Jahre 1748 in das Kaiserliche Regiment Waldeck als Hauptmann ein, wurde 1758 Major und bald darauf Obristlieutenant, Obrist, 1773 General-Major, einige Zeit darauf General-Feldwachtmeister und Kommandant der kaiserlichen Leibwache. Bereits im Jahre 1753 konvertierte er zur katholischen Kirche, um in den Deutschen Orden eintreten zu können; bis dahin das einzige Beispiel eines Religionswechsels im Erbachischen Haus. Im Deutschen Orden war er Comthur zu Friesack und Sandhof, Vorstand des Senats der Österreichischen Balley und Statthalter zu Mergentheim. Nach dem Tod seines Bruders Franz Karl im Jahre 1788 'succedirte' er diesem in der Regierung der Grafschaft. Bald hatte er aber nach dem Tod seines ältesten Bruders Georg Ludwig einen Revers darüber ausgestellt, daß er 'im Falle als Nachältester zur Regierung der Grafschaft kommen sollte, oder, wenn der Fall einträte, daß er als letzter männlicher Sproß seines Hauses den geistlichen Stand verlasse und in die Ehe treten müsse, an der in seinem Haus und Lande eingeführten lutherischen Glaubenslehre auch das Geringste nicht ändern, noch Etwas, was der lutherischen Religion im Mindesten nachteilig sein dürfte, weder unternehmen, noch zulassen wolle'. Dieser sehr ausführliche Revers wurde auch von dem Grafen Christian während seiner Regierung aufs gewissenhafteste beachtet. Er machte nicht einmal Gebrauch von dem darin gemachten Vorbehalte, sich einen katholischen Hofkaplan zu halten und in einem seiner Schlösser ein Lokal zum katholischen Gottesdienst herrichten zu lassen.

Graf Christian wohnte während seiner Regierung gewöhnlich zu Bad König, wo er verschiedene neue Bauten, namentlich das neue Schloß, errichten ließ. Im übrigen blieb er im Deutschen Orden bis zu seinem Tod am 28. Mai 1799 in Mergentheim. Dort wurde er in der Pfarrkirche begraben.

3. Fûrstliches Kochbuch der Königerin Marie Karg: Marianne Karg ist ein echtes 'Kinnicher Mädchen': Geboren wurde sie im Jahre 1887 als Tochter des Friseurmeisters Karg. Dieser war es, der jeden Morgen mit seinem Holzköfferchen unter dem Arm zum Rasieren und Frisieren sowie zum Haarschneiden ins Schloß ging. Er war bei der gräflichen Familie ein willkommener Besucher, denn während der 'Figaro' arbeitete, konnte er auch über die Ereignisse im Dorf und den Dorftratsch berichten, denn auch dafür hatten die hohen Herrschaften ein offenes Ohr. Bei einem dieser Gespräche kam eines Tages sicher auch das Gespräch auf des Friseurs Töchterlein Marie, das 1887 in König das Licht der Welt erblickt hatte. Etwas nützliches sollte sie erlernen, meinte der Vater. Und so kam es, nachdem die Gräfm - spätere Fürstin - die Marie im Bad Königer Schloß kennengelernt hatte, diese nach Darmstadt in das alte Palais mitnahm und sie dort in der Hofküche das Koehen lernen ließ. 1907 kam Marie Karg auf das Schloß Schönberg, wo sie dann sieben Jahre lang für die fürstliche Familie und die Schloßgesellschaft kochte. Das besondere aber war, Marie schrieb alle ihre Rezepte auf, gleichgültig ob sie von ihr oder vom großen Meisterkoch aus dem Palais in Darmstadt stammten. Hier folgen einige fürstliche Rezepte à la Marie Karg:

Schinkenauflauf: Masse von 500 g magerem Schinken mit einem Eßlöffel Butter zu Teig stoßen und durch ein Sieb passieren. 2 1/2 dl Bechamelsauce mit Schinkenmasse einkochen. 5 Eigelb und Schnee von 6 Eiern dazu ziehen. Das Ganze mit Paprika würzen und in einer Auflaufform 1/3 Stunde backen. Nidenauer Kartoffel. Die gekochten, geschälten Kartoffeln werden in Scheiben geschnitten, in Butter schön gelb geröstet. Dann ein Ei mit saurem Rahm und einer Handvoll Petersilie gut verrührt, in die Pfanne über die Kartoffeln gegossen und gut dureheinander mengen. Bechamel-Sauce: 1 Löffel Butter mit 1 Löffel mageren Schinken (kleingeschnitten) und 1/2 Zwiebel gut durchschwitzen lassen und in einer Kasserolle mit 1/2 Löffel Mehr anbräunen lassen. 1/41 süßen Rahm langsam hineinrühren und das ganze durch ein Sieb passieren. Und noch die Russischen Bràtchen: Man röstet runde Weißbrotscheiben in sehr frischer Butter und belegt dieselben mit zartem Kalbfleisch und Sardellen ... wer wissen will, wie es weitergeht, der kaufe sich 'Kochrezepte und Begebenheiten aus der Zeit der Jahrhundertwende' - Schloß Schönberg von Clara und Heinz Soell, zu beziehen durch den Heimat- und Geschichtsverein.

b . h J eken. In einer Kasserolie mit

J . Salzuiasser a , nie I Ja h k

Brurmenkresse koche man zn ,ff" d mil Bouillon abse mee en.

Butter sclnaenleen, mil Salz und PfeJJ er 'Wurzen Im

4. Julius Weber dichtete in Bad Konig; In Bad König kannten ihn alle, den lustigen, oft spöttischen und zu übertreibungen neigenden Herrn Karl Julius Weber, den Privatsekretär des Erbach-Schönbergischen Grafen und späteren Rat der Regierung; aber kelner wußte, daß dieser Julius Weber ein weitgereister Schriftsteller war, der sich in der deutschen Literatur bereits einen Namen gemacht hatte. Julius Weber wurde am 16. April zu Langenburg geboren, in demselben Jahr, da der große A.W. Schlegel und W. von Humboldt das Licht der Welt erblickten, Ihr Geist war nicht Webers Geist: Schlegel, der mit dem Geist der romantischen Kunstauffassung einfühlend und verstehend Inhalt und Form gegenwärtiger und vergangener Dichtung deutete, und Humboldt, der Verwirklicher einer harmonischen und universellen Humanität auf klassisch-antiker Grundlage, kurz: Romantik und Humanitätsideal waren Webers Anliegen nicht. Er vertrat mehr den von den Franzosen beeinflußten rationalistischen, mit Spott geladenen Skeptizismus. Webers spitze Feder, seine Satire und Witz - humorvoll und geistreich - richteten sich gegen seine Zeit: die Romantik! Ihr galt sein beißender Spott, seine witzigen übertreibungen und seine Ironie. Das von der Romantik gepriesene mittelalterliche Rittertum bekämpfte er, er spöttelte über das Mönchwesen des Mittelalters, und es gab keine Institution des Mittelalters, die Weber in seinen zahlreichen Schriften nicht mit seinem Humor und Witz trifft. Weber kannte sein Deutschland gründlich, hatte er es doch, bevor er nach Bad König kam, ganz durchwandert, und was er auf diese Reise erfuhr und offenen Auges sah, das überlieferte er uns in vier Bänden. Viel gelesen waren diese Schriften: 'Deutschland, oder die Briefe eines in Deutschland reisenden Deutschen', Allein hier wird schon sein Witz und seine Ironie spürbar, Das Werk entstand in den Jahren 1826 bis 1828. Weber wurde nach dieser Reise durch Deutschland in Bad König seßhaft, Als Rat der Regierung von Erbach-Schönberg fand er genügend Zeit, um sein großes Werk zu beginnen: Demokritos oder die hinterlassenen Papiere eines lachenden Philisophen. Das Werk umfaßt zwölf Bände. Seine letzte Ruhestätte fand der Dichter - er war am 19. Juli 1832 gestorben - in Kupferzell. Auf seinem Grabmal stehen die Worte: Schalkhaft gelebt hab ich, nicht ohne Gott, Ich starb hinein in Nichts, doch unerschrocken, es ist Menschensache, nichts zu wissen und zu irren. Du, Schöpfer alles Seins, erbarme dich meinerl Und warum verließ der Dichter König? Er verließ König, weil er sich im Streit um die Volksbewaffnung - die Aufstellung einer Volksmiliz - im Odenwald zwischen Kanzleidirektor Bergsträßer. und den Grafen Karl I. und Christian von Erbach-Schönberg auf die Seite des Adels stellte und damit den Ärger der Bad Königer Bürger auf sich zog. Weber konnte sich nicht mehr halten und mußte König verlassen.

Dr. Oskar Zimper weilte einst an der Grabstätte des Dichters und zeichnete 'den Grabstein und beschrieb ihn (unser Bild).

5. Sie nannten ihn 'de Paarr', was soviel wie der Pfarrer hieß. 'Konsistorialrat' wurde er in höher gestellten Kreisen, bei Räten und gräflichen Angestellten, genannt. Gemeint war damit aber dergleiche Geistliche: Georg Friedrich Melsheimer, Ein Vielfaches rankt sich um diesen Mann: Webbernde Sagengestalt, moderner Schulmann und moralisch-strenger Geistlicher, nicht zu vergessen den neuzeitlichen Obstanbauer. Zur Sagengestalt wurde der Georg Friedrich Melsheimer durch ein Ereignis, das am 7. April 18ü7 sich im alten König zutrug: Die Hessischen Truppen hatten den Peter Scheuermann und den Johannes Horn, beide aus Weiten-Gesäß, in der Nähe des Schlachtortes 'Am weißen Graben' (Brombachtal) verhaftet und nach König gebracht. Hier wurden die beiden wegen umstürzlerischen und gehorsamen Verhaltens zum Tod verurteilt. Die Verurteilten aber ergriffen eine letzte Chance, ihr Leben zu retten, und so schrieben sie ein Gnadengesuch an den Großherzog in Darmstadt. Lange wartete man auf eine Antwort. Und als es bereits zulange gedauert hatte, da führte man die beiden zur Richtstätte und erschoß sie, nicht aber, ohne daß vorher der Pfarrer Melsheimer mit den Todeskandidaten gebetet hatte. Kaum, daß der Schall der Schüsse sich im Mümlingtal verlaufen hatte, da kam es winkend und gestikulierend vom Eiche1sberg her: Die Reiter des Großherzoges waren es und schwenkten die Begnadigungsschreiben. Zu spät! Soweit der historische Vorgang, der als Fabel, als Vorlage zu einer örtlichen Sage, eben der Melsheimersage, diente. 'Der MeIsheimer hat zu kurz gebetet und so den Tod der beiden Weiten-Gesäßer verschuldet,' erzählte sich das Volk im alten König. Als Strafe hierfür aber fand der Pfarrer nach seinem Tod selbst im Grabe keine Ruhe und muß mit dem Kopfunter dem Arm nachts gegen 24 Uhr in der Schulstraße 'webbern'.

Melsheimer war ein sittenstrenger Herr, der aber nicht nur auf die Moral in seiner Gemeinde achtete, er reformierte auch das Schulwesen der Grafschaft Erbach-Schönberg. Auf seine Initiative hin wurde der 'LehrerWandeltisch' und wurde die Winterschule abgeschafft, Schulhäuser und Lehrerhäuser wurden errichtet, die materielle und die soziale Stellung der Lehrerschaft verbessert, die Realienfächer eingeführt und die Industrieschule für die schulentlassene Jugend geschaffen. Eine weitere Wohltat des Pfarrers für die Gemeinde, besonders aber für die Landwitte und Obstanbauer, war die Bereicherung der hiesigen Obstbaumsorten, durch die 'Haalebiern'. Diese Birne verdankt ihre Einführung dem Pfarrer MeIsheimer, der die ersten Ruten und Sprößlinge zum Veredeln aus Schwäbisch-Hall mitgebracht hatte.

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