Kennt Ihr sie noch... die von Ochtrup

Kennt Ihr sie noch... die von Ochtrup

Auteur
:   Paul Brockhoff
Gemeente
:   Ochtrup,
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2930-5
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kennt Ihr sie noch... die von Ochtrup'

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EINLEITUNG

In 50 zum Teil turbulenten Jahren ist in Ochtrup unendlich viel geschehen. Es besteht daher kaum eine Möglichkeit, Querschnitte von Bildern zu bringen, die die Erinnerung oder das persönliche Miterleben umfassend wiederspiegein könnten. Aber was erfaßt und beschrieben wurde, sollte die Kenntnisse über die ehemaligen örtlichen Verhältnisse wieder auffrischen und verhindern, daß diese Bilddokumente im Laufe der kommenden Jahrzehnte ganz in Vergessenheit geraten.

Vieles mag fehlen oder falsch beschrieben sein. Die Herausgeber haben sich aber bemüht, in jedem Falle exakte Reeherehen anzustellen. Das Erkennen von Personen nach vielen Jahrzehnten hat schon seine Schwierigkeiten. Nur selten sind rechtzeitig die Namen der Dargestellten festgehalten worden.

Ein kleiner Windhauch der Zeitgeschichte wird uns aus diesem Büchlein entgegen wehen, denn von wenigen Ausnahmen abgesehen, beschäftigt es sich mit Persönlichkeiten vorausgegangener Generationen, zu denen wir auf geheimnisvolle Weise heute immer noch in Beziehung stehen.

Bilder aus dem im gleichen Verlag erschienenen Buch 'Ochtrup in alten Ansichten' werden nicht gebracht. Insofern dürfte dieser neue Band dazu eine interessante, wertvolle Ergänzung sein.

Lassen Sie sich entführen in die Vergangenheit unserer Vaterstadt mit all' ihrem Zauber und ihren Kindheitserinnerungen, spüren Sie den Wandel, der sich im Laufe von zwei Generationen vollzogen hat.

Mögen sich die Landsleute drinnen und draußen wieder enger mit ihrer Heimat verbunden fühlen. Dann wäre der Zweck erreicht.

Auf die kurze Vorgeschichte Ochtrups im Band 'Ochtrup in alten Ansichten' sei an dieser Stelle hingewiesen.

1. In Gestalt zahlloser Einzelschicksale, eingebettet in Familien und Geschlechtern, vollzieht sich die Geschichte. Aus unendlicher Vergangenheit eines bäuerlichen und kleingewerblichen Lebens mit viel Not und wenigen guten Zeiten, steht die Kleinstadt Ochtrup um 1880 im Aufwind einer rasanten wirtschaftlichen Entwicklung. Grundlegende Veränderungen im Erwerbsleben hatten stattgefunden. Die aufblühende Textilindustrie machte sich auf allen Gebieten des privaten und öffentlichen Lebens bemerkbar. 1854 war die Gründung eines Verlagsunternehmens durch die 'Kramer und Schankwirthe' Anton und Bernhard Laurenz in Form einer offenen Handelsgesellschaft 'A. und B. Laurenz', Nesselweberei erfolgt. Schon zehn Jahre später wurde der Übergang zur mechanischen Weberei vollzogen und 1868 die Firma in die Kommanditgesellschaft 'Gebrüder Laurenz' umgewandelt. Damit begann die Entwicklung zum Großbetrieb. Laufend wurden neue Abteilungen für die Ausrüstung und Veredlung der Stoffe eingerichtet. In Epe entstand ein Zweigwerk. Entscheidend war dann der Aufbau der Spinnerei am Bahnhof in Ochtrup, der zur Vollstufigkeit des Unternehmens führte. Kurz nach der Jahrhundertwende war das Ziel erreicht. Die Firma Gebrüder Laurenz hatte auch auf den internationalen Märkten Fuß gefaßt. Ob es private oder öffentliche Belange waren, es sich um wirtschaftliche, kirchliche, kulturelle oder soziale Fragen in einer Kleinstadt wie Ochtrup handelte, der Einfluß der Firma machte sich stets bemerkbar. Schon um die Jahrhundertwende waren fast 50% der Bevölkerung direkt oder undirekt von den Laurenz-Textilwerken abhängig.

Unsere Bilder:

Die Gründer der Firma Gebrüder Laurenz, Anton Laurenz (links) und Bernhard Laurenz (rechts).

2. Unternehmerische Weitsicht, heimat- und kommunalpolitische Bindungen zur Stadt und eine christliche Verantwortung zeichneten die jeweiligen Unternehmer der Firma Gebrüder Laurenz aus. Das klingt nach markanten Worten, aber es war die Wirklichkeit, und von dieser Haltung profitierten nicht nur die Bürger, sondern auch die Firma selbst.

Berichtet werden soll hier über die Zeit von 1880 bis 1930. Mit offenen Augen verfolgten die Geheimen Kommerzienräte Hermann und Heinrich Laurenz die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen nach dem Kriege 1870/71. Sie verwirklichten eine Vielzahl sich sinnvoll ergänzender sozialer Einrichtungen und waren ständig bestrebt, die Verhältnisse ihrer Angestellten und Arbeiter zu verbessern. Es sei hier erinnert an den Bau vieler Werkswohnungen mit Stallung und Garten, an die Einrichtung einer Unterstützungskasse (die spätere gesetzliche Betriebskrankenkasse), an das Waisenhaus (Klarastift), an das 1873 eingeweihte Kranken- und Invalidenhaus (pius-Hospital) und an das 1896 gebaute moderne und architektonisch schöne Hospiz (Marienheim).

Dieses Gebäude mit großem Garten war in erster Linie als Heim für jugendliche, unverheiratete und alleinstehende Mädchen gedacht. Es diente aber auch mancherlei anderen Zwecken und beherbergte ferner eine Kinderbewahrschule, eine Handarbeitsschule, eine Haushaltungs- und Kochschule, eine Volksküche für Arbeitnehmer und eine Höhere Töchterschule. Alle diese Einrichtungen unterstanden einer Oberin und ihren Mitschwestern aus dem Orden der Göttlichen Vorsehung. Im oberen Stockwerk befand sich eine große Hauskapelle, einfach aber geschmackvoll eingerichtet.

Die achtziger und neunziger Jahre bestätigten, daß die Firma Gebrüder Laurenz auf dem Wege zu einem Weltunternehmen war. Die Belegschaft wuchs, ebenso wie die Bevölkerung Ochtrups, rapide an. überall sprengte die Entwicklung den Rahmen aller Einrichtungen und vervielfältigte die Aufgaben, die zu lösen waren.

Geheimer Kommerzienrat Heinrich Laurenz blieb ohne männliche Nachkommen. Er verlor von seinen acht Kindern sechs. Geheimer Kommerzienrat Hermann Laurenz war lange Zeit Gemeindevorsteher im Wigbold. Ihm wird das Verdienst zugeschrieben, daß zu seiner Zeit die beiden politischen Gemeinden Ochtrup-Kirchspiel und Ochtrup-Wigbold zusammengelegt worden sind.

Unsere Bilder:

Links: Hermann Laurenz, geboren am 24. Oktober 1829, gestorben am 29. November 1895. Rechts: Heinrich Laurenz, geboren am 28. Januar 1835, gestorben am 28. Februar 1910.

3. Weitere führende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sind noch vorzustellen. Es sind die Chefs der Verwaltung Amtmann Balzer (1849-1872), Amtmann Reinking (1873-1883) und Amtmann Schumann (1883-1909). Alles tüchtige Leute, die in Ochtrups Geschichte ihre Spuren hinterlassen haben. Nur von Amtmann Schumann ist noch ein fotografisches Porträt vorhanden, das ihm von der Belegschaft des Amtes anläßlich seines silbernen Dienstjubiläums in Ochtrup geschenkt wurde. Seine Dienstjahre sind in etwa vergleichbar mit die des heutigen Stadtdirektors Bernhard Elling. Damals waren sie allerdings etwas ruhiger und nicht so von Hektik geprägt, wie es jetzt der Fallist.

In der Zeit Schumanns fiel der Neubau der Lambertischule mit Lehrerdienstwohnungen an der Mühlenstraße, die wesentliche Erweiterung der Marienschu1e an der Hellstiege, die überholung und Modernisierung aller Bauerschaftsschulen, der Neubau der Rektoratschule, eines Rathauses, einer Dienstwohnung, die Anlegung eines Wasserwerkes, Ausbau des Straßennetzes, die Anlegung von Bürgersteigen und Beleuchtungen im Stadtbezirk, der Neubau der Amtssparkasse und vieles andere mehr. Veröffentlicht wurde damals der 1. Verwaltungsbericht des Amtes für die Jahre 1907/08. In ihm sind viele interessante Details aus dem öffentlichen Leben festgehalten worden. Die Entwicklung Ochtrups wurde durch ein umfangreiches Zahlenwerk überschaubar und damit dem Bürger verständlich gemacht. Eine schwierige Aufgabe mit entsprechend großer Resonanz in der Bevölkerung. Nachfolger Schumanns wurde 1910 Amtmann Wibberich, der bis 1928 'residierte'.

Unser Bild:

Amtmann Adolf Schumann, geboren am 20. Januar 1853, gestorben am 2. Juli 1912. Er war verheiratet mit Berta geborene Brunk und hatte sechs Söhne. Zwei von ihnen fielen im Ersten Weltkrieg. Amtmann in Ochtrup: von 1883-1909.

4. Durch den gewonnenen Krieg gegen Frankreich 1870/71 waren nachhaltige wirtschaftliche Impulse die Folge, die sich auch in Ochtrup stark bemerkbar machten. Wie ein riesiger Magnet zog die Firma Gebrüder Laurenz Arbeitskräfte an. Und über diese Entwicklung machte sich der Pastor von St. Lamberti, Ferdinand Tigges, ernsthafte Gedanken. Sie sind festgehalten in der Pfarrchronik. Er schrieb: Daß durch die strahlende Aufwärtsentwicklung vielen Arbeitskräften ein regelmdßiger ordentlicher Verdienst gewährt wird und geringe Leute dadurch ganz empor kommen. Ihre Häuser, die früher ganz verfallen waren, haben jetzt ein freundliches Aussehen. Die Kleidung ist modischer und staatsmäßiger geworden, und die Fabrikmädchen sich durch ihren besonders feinen Anzug auszeichneten. Er sieht Gefahren, die mit dem wachsenden materiellen Wohlstand seiner Gemeinde drohen.

Pastor Tigges war ein tatkräftiger Mann. Er verwirklichte langgehegte Pläne und baute ab 1866 die neue Pfarrkirche St. Lamberti, die dann am 27. August 1873 feierlich eingeweiht wurde. Die alte romanische Kirche verschwand ganz. Er baute ferner ein neues Pastorat mit landwirtschaftlichen Gebäuden an der Ostseite des Gotteshauses, legte 1889 den Friedhof an der Dränke an und hatte die Lasten des Kulturkampfes zu tragen, der auch in Ochtrup hohe Wellen schlug. Energisch und zielbewußt aktivierte er das religiöse Leben seiner Gemeinde durch die Gründung von Bruderschaften und Solidaritäten, des Pius-, Paramenten- und Müttervereins.

In diesem Zusammenhang sollte erwähnt werden, daß unter allen Kirchen der Diözese, St. Lamberti die erste war, die 1895 elektrisches Licht erhielt. Die Firma Gebrüder Laurenz hatte sich bereit erklärt, gegen eine sehr geringe Gebühr, für die Unterhaltung und Stromlieferung zu sorgen. Man kann sich heute kaum noch vorstellen, wie dankbar das von der Gemeinde aufgenommen wurde.

Unser Bild:

Pfarrer Ferdinand Tigges, geboren am 23. August 1823, zum Priester geweiht am 19. Oktober 1850, gestorben am 17. November 1892. Seine Amtszeit in Ochtrup dauerte von 1865 bis 1892.

5. Herz und Mittelpunkt Ochtrups ist die Lambertikirche. Rund um das Wigbold legte sich damals ein Kranz von Gärten.

Die nebenstehende Zeichnung vermittelt uns ein Bild der Stadt, wie sie ehedem ausgesehen hat, mit einem letzten Hauch alter Festungsherrlichkeit. In ihr wohnten die Paohlbürger, fleißig und heimatbewußt, aber immer darauf achtend, daß die Bürgerrechte gewahrt und die Nutzung des Bürgerverrnögens nicht beeinträchtigt wurden.

Der Festungsgraben ist, nachdem er zunächst in tiefer liegende Wiesen mit einzelnen Wassertümpeln zu Feuerlöschzwecken umgewandelt worden war, um die Jahrhundertwende durch Abtragung des Walles ganz verfüllt worden. Eine Maßnahme, die aus gesundheitlichen Gründen damals sehr begrüßt wurde, da die Tümpel Ablagerungsstelle für vielerlei Unrat geworden waren. Erste gärtnerische Gestaltungen der Wallanlagen erfolgten, die dann im Rahmen weiterer Ausbauten heute den besonderen Reiz der Stadt ausmachen.

Ansichten vom Nordwall vor der Jahrhundertwende sind bisher nicht aufgetaucht. Diese Zeichnung ist daher eine wertvolle Ergänzung des Bildennaterials über die örtlichen Verhältnisse in der Vergangenheit. Von den Häusern (mit Ausnahme der Villa Laurenz, heute Volksbank), steht heute kein einziges mehr. Es lohnt sich, das Bild genauer zu betrachten. Viele interessante Details sind zu entdecken. An einer realistischen Wiedergabe dieses Stadtteils ist, wie viele Kenner bestätigen, nicht zu zweifeln.

Unser Bild:

Bei 'Ochtrup - Ansicht vom Krankenhaus, 1888' signiert mit I. v. S. handelt es sich um eine Bleistiftzeichung. Das Bild befindet sich im Privatbesitz. Wer sich hinter dieser Signatur verbirgt, konnte bisher noch nicht ermittelt werden.

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