Kiedrich in alten Ansichten

Kiedrich in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. h.c.Josef Staab
Gemeente
:   Kiedrich
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5174-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kiedrich in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Das 1 OOOjährige gotische Weindorf Kiedrich im Rheingau.

Nur einmal von Basel bis zur Nordsee ändert der Rhein seine Süd-Nord-Richtung: der westliche Taunusausläufer stellt sich ihm in den Weg und zwingt ihn zum Umbiegen nach Westen, zwischen Mainz und Rüdesheim. So entstanden vor Urzeiten die sanften, sonnigen Südhänge des Rheingaus.

772 begegnete er uns erstmals namentlich in der Geschichte, 779 auch mit seinem Weinbau. Das machte ihn für das Erzbistum Mainz begehrenswert, und so finden wir ihn als Kernland dieses Kirchenstaates bis zum Ende der alten Reichsherrlichkeit mit der Säkularisation von 1803. Der Rheingau wurde Landkreis in Nassau, 1866 in Preußen und nach 1945 in Hessen. Die Kommunalreform der siebziger Jahre schloß ihn mit dem Untertaunus zum Rheingau- Taunuskreis zusammen. Gegen eine gleichzeitige Eingemeindung nach Eltville hat sich Kiedrich vehement zur Wehr gesetzt. Der Hinweis auf die eigenständigen kulturellen Leistungen in Vergangenheit und Gegenwart hat überzeugen können, und so beließ man ihm als kleinster Gemeinde weit und breit seine kommunale Selbständigkeit mit zur Zeit ca. 3 500 Einwohnern.

Den Mainzer Landesherren verdankt der Rheingau seine für das Mittelalter ungewöhnlich freiheitliche Verfassung. Es gab keine Leibeigenschaft; die Rheingauer Weinbauern nannten sich mit Stolz Bürger (cives) mit allen sonst nur den Städten vorbehaltenen Rechten. Die Dörfer besaßen die eigene Wappen- und Siegelhoheit, hatten Schultheiß, Rat und Gericht und rühmten sich, nur Gott und dem lieben St. Martin (dem Dompatron von Mainz) untertan zu sein.

In diesem geografischen und geschichtlichen Umfeld konnte Kiedrich wohl gedeihen. Vor mehr als 1 000 Jahren, zwischen 937 und 954, unter Erzbischof Friedrich von Mainz, tritt es als Ketercho in die Geschichte ein. Der Name ist keltischen Ursprungs, entstanden aus dem griechisch-lateinischen cataracta, was soviel wie steile Rinne oder Wasserfall bedeutet. Als Kaderich ist es heute noch täglicher Sprachgebrauch der Winzer in den Steillagen des unteren Rheingaus. Der Kiedrieher Weinbau ist seit 1131 urkundlich bezeugt. Zum gotischen Weindorf wurde der Ort durch seine Kirchenbauten, die auch noch in unseren Zeiten die bauliche Dominante geblieben sind und durch das 'gotische Gotteslob' im Klang von Glocken, Orgel und Chorgesang.

1. Kiedrich von Osten.

Wir stehen in der Weinbergslage 'Wasserros' und schauen von Osten auf Kiedrich. Die Weinberge vor uns bieten ein etwas ungewohntes Bild: es sind Pfahlanlagen. Als zwischen 1893 und 1911 unser Bild entstand, gab es noch kaum Drahtanlagen; erst in den zwanziger Jahren setzten sie sich langsam durch (siehe auch Bild 23). Die letzten Pfahlwingerte verschwanden nach 1930 mit der Flurbereinigung. Das Wiesental mit dem Kiedrieher Bach betont die Hügellage des Ortes. Der Anblick hat schon so manchen Kunstfreund begeistert. So lesen wir 1902 im Denkmälerinventar des Rheingaus: Wer jenseits des Kidricher Bachs, auf halber Höhe des zur Ruine Schar fenstein emporführenden Weges zurückschaut, mag, wenn er die zierliche Silhuette der P[arrkirche und St. Michaelskapelle aus den spitzen Diichern, den reizvollen Fachwerkgiebeln und Erkern emporsteigen sieht, ein Bild aus Merian vor sich zu sehen glauben. Ein hochgegriffener Vergleich! Ziehen wir ihn heute, so stellen wir mit Befriedigung fest, daß uns dieser Anblick erhalten blieb, nicht verbaut wurde.

Links präsentiert sich das von Sutton'sche Landhaus (Weingut Dr. Weil, siehe Bilder 25 und 26); es folgen Michaelskapelle und Kirche mit dem Pfarrhaus, und anschließend die verschachtelte Dachlandschaft des Dorfes mit dem Kötherhof in der Tränkgasse als Abschluß vor dem ins Bild ragenden Baum. Unterhalb der Kirche liegt im Tal die Eberbacher Klostermühle mit Erker und reichem Fachwerk von 1610.

Im kleinen Bild sehen wir das auch im Westflügel fertige St-Valentinus-Haus (1893), während der nach 1911 errichtete 'Bachbau' , der Südflügel, noch fehlt. Die Weinbergslage 'Turmberg' mit dem Bergfried der ehemaligen Burg Scharfenstein überragt das Ganze.

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u. Valentinusqaus.

2. Kiedrich van Narden.

Die vor 1911 enstandene Ansicht macht im Vordergrund, in der Flur Schäferberg, nochmals den Übergang von der Pfahlanlage (rechts) zur Drahtanlage (links) deutlich. Unser Bliek geht auf der linken Bildseite über das St.-Valentinus-Haus auf die Weinlagen 'Gräfenberg', 'Wasserros' und 'Sandgrub' bis zu den im Süden, jenseits des Rheins, verschwimmenden rheinhessischen Hügeln. Über dem langgestreckten Fachwerkbau im Vordergrund schaut noch das spitze Türmchen der St.-Antonius-Kapelle ins Tal. Sie wurde im vorigen Jahrhundert gestiftet und trägt unter älteren Leuten den merkwürdigen Namen 'Dito-Kapellchen'. Er erklärt sich daraus, daß ein Müller-Ehepaar, wie man erzählt, bei der Abrechnung von Mehllieferungen öfter 'dto' geschrieben, also doppel berechnet habe und sein Gewissen durch diese Stiftung wieder in Ordnung brachte.

In der Bildmitte beherrschen 14 Pappeln die Szene. Sie zierten einst die Bornwiese und waren ein wesentliches landschaftliches Merkmal Kiedriehs. Leider mußten sie, da infolge einer Baumkrankheit schon weitgehend abgestorben, in den dreißiger Jahren gefällt werden. Rechts schließt sich der Park mit dem barocken Palais des Weingutes der Reichsfreiherrn von Ritter zu Groenesteyn an. Ein Mitglied der eigenen Familie, Anselm Franz von Ritter, hat es um 1730 erbaut. Er war ein begnadeter Architekt in kurmainzischen Diensten, von dessen Können das Deutschordenshaus (heute Landtag) in Mainz, die Pfarrkirche in Amorbach und die Jägerburg bei Forchheim zeugen. Auch an den Residenzen von Würzburg und Bruchsal war er beteiligt. Die Fassade des Hauses macht jeder Stadt Ehre - so das Urteil der Kunsthistoriker. Bildhöhepunkt ist die Pfarrkirche St. Valentin.

3. Kiedrich aus der Vogelschau.

So sah es um 1930 aus, und so ist es uns im Wesentlichen immer noch erhalten mit Ausnahme der schönen Pappeln (links), die um diese Zeit einer Krankheit zum Opfer fielen. Die Kultur des Weinstocks, die Kultur der menschlichen Wohnung und die Kunst der Gotik in den Kultbauten, die sich ursächlich gegenseitig bedingen, sind hier auch in eine enge optische Beziehung gesetzt. Die berühmten Weinlagen 'Gräfenberg' und 'Wasserros' sind Hintergrund des Bildes, Grundlage des Wohlstandes der Kiedrieher im Mittelalter und so Mitursache der großartigen Bau- und Kunstleistungen dieser Epoche; ihr Ruhm ist ihnen bis jetzt geblieben. Die Geschlossenheit des Kirchenbezirks, der sowohl Friedhof wie Wallfahrtsplatz als auch letzte Zuflucht der Einwohner in unsicheren Zeiten war, beginnt rechts unten mit der alten Schule neben der graziösen St.Michaels-Kapelle. Darüber - hinter dem Chor der Kirche - kommt das Pfarrhaus zum Vorschein. Am Schiff sind in den zwei Fensterreihen die beiden Bauphasen der Gotik am Maßwerk unterscheidbar: unten die strenge Geometrie des 14. Jahrhunderts, oben die weichen Fischblasenmuster um 1490. Der Turm hat die stattliche Höhe von 76 Metern. Links folgt der Komplex der Chorschule mit dem erkergeschmückten Wohnhaus des Chorregenten. Die beiden parallelen, mit abgewalmtem Dach versehenen Giebelhäuser weiter links waren ab 1312 ein Wirtschaftshof der Zisterzienser von Eberbach. Im rechten Haus mit den fünf Dachgauben befindet sich die Hofkapelle, die im 18. Jahrhundert barock umgebaut wurde. Dabei beließ man das im Osten (rechts) dreiseitig abgewalmte Dach der Gotik und setzte die barocken Ecken in Form von halben Pyramiden dran. Dieser Zustand wurde vor vierzig Jahren beseitigt, sodaß die Aufnahme auch ein Dokument für diese ehemalige interessante Dachlösung darstellt. Die linke untere Bildecke nimmt das Rathaus von 1586 ein, und zwar dessen Rückseite mit Tordurchfahrt und Treppenturm, den eine welsche Haube deckt. Links dahinter erscheint der langgestreckte Bau des Gasthauses 'Engel', das den Marktplatz ebenso prägt wie das Rathaus und in seinem Baubestand ins Mittelalter zurückreicht.

4. Kiedrich anno 1896 von Südwest.

Der alte Ortskern war noch nicht durch Neubauten überschritten. Uns zugekehrt ist mit kleinen Gemüseäckern und Obstbäumen die Flur 'Hinter den Zäunen'. Der Name könnte kaum treffender gewählt sein: die Hofgrundstücke sind mit Zäunen gegen den Grünbach und das Wiesental abgeschlossen; die dichte Ortsrandbebauung zeigt sich auch in der geschlossenen Scheunenfront. An markanten Bauten blickt links gerade noch der Giebel des Zehnthofes hervor, gekreuzt vom massigen Dach des Fürstenberger Hofes. In die folgende Lücke schieben sich Saalbau und Westgiebel des 'Engel'. Daran schließt sich das Rathaus an mit zwei Schildgiebeln - auf dem linken den lustigen steinernen Kaminaufsatz - und dem geschweiften Dach des Treppenturms. Rechts stehen geduckt und schmal der Vorgängerbau der Marktdrogerie und breit hingelagert das um 1500 entstandene Haus Falkenstein. In seiner Fortsetzung zum Betrachter hin haben wir das 'Klösterchen' vor uns mit spitzem Westgiebel und drei großen Dachgauben nach Süden, Dieses Gebäude ließ Baronet Sutton (siehe Bild 7) 1870 errichten als Schwesternhaus mit Kinderbewahranstalt (Kindergarten) und ambulanter Krankenpflege. Sein Pendant ist am rechten Bildrand das Ateliergebäude für den Kirchenmaler August Martin.

Die Bildmitte beherrschen Kirche und Michaelskapelle. Letztere, erbaut 1434 bis 1444, zeigt ihr edles Fenstermaßwerk und den durchbrochenen steinernen Turmhelm. Sie ist wohl der kostbarste Bau ihrer Gattung und wurde schon die 'Ste. Chapelle des Rheingaus' genannt in Anlehnung an das berühmte Vorbild in Paris. An der Kirche ist nur die obere Fensterreihe der Spätgotik über den Häusern sichtbar mit dem geschweiften Giebel der Sakristei, sowie die reiche Steinmetzarbeit der Chotpfeiler. Das Zifferblatt der Turmuhr befindet sich noch über dem sogenannten Uhrladen, einem einbahnigen, mit einem Laden verschlossenen Fenster über dem breiten Portalfenster. Heute sind drei Zifferblätter am oberen Turmgeschoß angebracht.

Von der Burg Scharfenstein (links) blieb der ca. 40 m hohe Bergfried erhalten. Um 1215 hat man die Burg errichtet zum Schutz des oberen Rheingaus und der alten Fernstraße von Eltville über die 'Höhe' bis ins Limburger Becken, An der Achse dieser Straße war Kiedrich entstanden. Über der Burg steigt das Waldgebirge an, das sich in den 'Dreibornsköpfen' bis 495 m und im 'Heidekopf' bis 500 m erhebt. Die dichten Wälder halten kalte nördliche Luftströmungen ab und erfüllen damit eine wichtige klimatische Funktion für die Weinberge, die Kiedrich auf drei Seiten umgeben. Sie nehmen in der Kiedrieher Gemarkung die günstigste Höhenlage zwischen 104 und 240 m ein. Für Marktplatz und Kirchhof zeigt eine Höhenmarke am Kirchturm 165 m über NN an.

5. St.svalentinus-Kirche - Inneres nach Osten.

Die heutige Kirche steht auf den Fundamenten einer romanischen Vorgängerin, die dem heiligen Dionysius, dem Patron der Frankenkönige, geweiht war. Im 14. Jahrhundert errichtete man den ersten gotischen Bau, von dem die unteren Seitenschiffe noch stehen; an den Pfeilern sind auch die Konsolen des ehemaligen Mittelschiffgewölbes erhalten. Sie tragen heute, wie auch die Konsolen der Kanzel, Heiligenfiguren. die nach 1906 angebracht wurden; unsere Aufnahme liegt also davor. Ursache für die erste gotische Kirche war die Wallfahrt zum heiligen Valentin, dem Patron gegen die Fallsucht. Ein Abt von Eberbach hatte die Kopfreliquie des Heiligen nach Kiedrich geschenkt, um die mit einer Wallfahrt verbundene Unruhe von seinem Kloster fernzuhalten. Für Kiedrich war das ein Segen. Neben dem Weinbau und der zahlreichen spendenfreudigen Ritterschaft ist letzten Endes der Valentinuswallfahrt das 'Schatzkästlein der Gotik' zu verdanken. Eine zweite Reliquienschenkung führte zur Erweiterung der Kirche von 1460 bis 1493: sie erhielt einen großen, lichten Chor, abgesperrt durch einen im vorigen Jahrhundert wiedererrichteten Lettner und mit einem prachtvollen Sterngewölbe geschlossen. Das Mittelschiff wurde höher eingewölbt, und über die Seitenschiffe baute man Emporen. Drei gotische Flügelaltäre, zwei Renaissancealtäre, zahlreiche Einzelfiguren wie die graziöse Kiedrieher Madonna von 1330, die Kreuzigung im Triumphbogen und viele mehr nennt die Kirche ihr Eigen. Am auffälligsten sind die Bänke , ein vollständiges, geschnitztes gotisches Volksgestühl von 1510, eine außerordentliche Rarität. Davor sieht man noch die primitiven Kinderbänkchen. Um des besseren Durchblicks willen wurde bei der letzten Restaurierung von 1964 der störende Treppenturm rechts vom Lettner abgebrochen wie auch der obere Altar (St. Johannes Nepomuk) entfernt. Er war noch, wie auch die übrigen Altäre, durch seitliche Vorhänge, sogenannte Altarvelen, abgeschirmt. Der Marienaltar unter dem Lettner wurde inzwischen als Zelebrationsaltar neu errichtet anstelle des hier sichtbaren massiven Kastens, auf dem noch die Kanontafeln stehen, die nach dem Konzil außer Gebrauch gekornmen sind. Der Taufstein von 1753 (rechts) steht heute am Johannisaltar. Merkwürdigerweise hatte man damals die Galerie des Lettners mit einem Tuch verhängt, wo doch gerade das durchbrochene Maßwerk reizvolle Durchblicke ermöglicht. Im Chor steht noch die Kommunionbank, und vom Gewölbe hangen die drei Glockenseile des Dachreiters; zwei der zugehörigen Glöckchen forderte der Erste Weltkrieg.

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