Kiedrich in alten Ansichten

Kiedrich in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. h.c.Josef Staab
Gemeente
:   Kiedrich
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5174-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kiedrich in alten Ansichten'

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6. St.- Valentinus-Kirche - Bliek vom Hochaltar nach Westen, um 1925.

Vor uns verläuft diagonal die inzwischen entfernte Kommunionbank. Die beiden Wandmalereien der Kirchenpatrone St. Dionysius und St. Valentin (rechts) konnten bei der letzten Restaurierung nicht gerettet werden. Dagegen wurde die Gewölbeausmalung in Chor und Schiff von ihrer Übermalung befreit und erfreut uns wieder im Originalzustand. Der Umbau des Marienaltars wurde schon erwähnt wie auch die Entfernung des oberen Altars. Auf den 'Schmuck' der Kiedrieher Madonna in Form eines eisernen Blumenkranzes wurde gern verzichtet. Der 'Gnadenstuhl' (Gott Vater mit seinem gekreuzigten Sohn im Schoß) in der Fensterblende über dem Chorgestühl bekam im Schiff seinen Platz, der dies 600jährige Kunstwerk besser zur Geltung bringt. Im Chorgestühl liegen die gewichtigen Chorbücher auf drehbaren Pulten, Kerzenleuchter zieren die Rückwände und die Stühle der Buben. Hier 'amtieren' nach wie vor jeden Sonn- und Feiertag die Mitglieder des Chorstiftes Kiedrich, Männer und Buben in liturgischer Kleidung und singen 'Kiedricher Gregorianik', eine gotisch-germanische Sonderform des gregorianischen Chorals, die sich nur hier erhalten hat. Aufgezeichnet sind die Gesänge - auch das ist einmalig - in gotischen Hufnagelnoten. Heute singt der Chor um das Pult in der Mitte geschart wie im Mittelalter aus einem Buch, einer monumentalen Reformausgabe von 1961, in dreißig Jahren wissenschaftlich erarbeitet und geschrieben von Chormitgliedern. Es ist musikalische Gotik, die man hier und nur hier erleben kann: im Klang der Glocken von 1389 und 1513, im Klang der vermutlich ältesten spielbaren Orgel Deutschlands, die im Westen der Kirche, über dem Lettner sichtbar, als 'Schwalbennest' in Form eines Flügelaltars um 1500 erbaut wurde, und eben im Klang der eigenwilligen 'gotischen' Gregorianik. In Kiedrich kann man Gotik sehen und hören!

7. Baronet J ohn Sutton.

Mehr als ein Jahrhundert nach seinem Wirken setzte ihm die Gemeinde noch Denkmäler, indem sie die neue Schule und die alte Unterstraße nach ihm benannte. Das ist ungewöhnlich, aber ungewöhnlich ist auch, was er für Kiedrich geleistet hat. 1820 war John Sutton in Sudbrooke Holme in der Grafschaft Lincolnshire in England geboren - Sproß einer reichen altadeligen Familie. Nach Herzenslust konnte er studieren: Kunst, Musik , alte Sprachen. Bildungsreisen führten ihn nach der Gepflogenheit der Zeit auf den Kontinent. Auf einer solchen Reise kam er 1857 nach Kiedrich: es sollte dort gotische Kirchen geben und auch eine fast unbrauchbare gotische Orgel, hatte man ihrn erzählt. Beides fand er bestätigt; seine Liebe und Fürsorge fanden hier in der Folge ein Betätigungsfeld.

Er ließ die Orgel in Brügge/Belgien wiederherstellen und hat sie damit als vermutlich älteste deutsche Orgel für die Zukunft gerettet. Eine Glocke des wertvollen mittelalterlichen Geläutes war gesprungen. er ließ sie umgießen. Ganz seiner schwärmerischen Verehrung des Mittelalters entsprach der von ihm vorgefundene Rest eines liturgischen Sängerchores; er erhob ihn zu einer Stiftung, um ihn zu 'stabilisieren': die Kiedrieher Chorbuben. Kirche und Michaelskapelle erfuhren eine durchgreifende Restaurierung durch die Kölner Dombauhütte, den Frankfurter Dombaumeister Denzinger, flämische Glasmaler und vor allem den Maler August Martin, einen Steinleschüler. Vielen Handwerkern gab er damit Arbeit und Brot, so auch mit dem Bau des Schwesternhauses CKlösterchen', siehe Bild 4), von sechs Siedlungshäusern (Bild 14), die gegen nur minimalen Zins an Minderbernittelte vermietet wurden, sowie seines eigenen Hauses (Bild 26). Kindergarten, ambulante Krankenpflege , Stipendien für begabte Studenten, Renovierung der Fachwerkbauten seine Sorge war umfassend. Die Sorge für seinen kranken Diener brachte ihm selbst den Tod. 1873 starb er in Brugge, wo er ein Missionsseminar für die Rekatholisierung Englands gestiftet hatte - zum Heil seiner Seele, wie er zu sagen pflegte, während die Kiedrieher Chorbubenstiftung die Aufgabe habe, den Teufel zu ärgem! Die dankbare Gemeinde verewigte ihn 1880 in einem Fenster der Kirche und holte hundert Jahre nach seinem Tod seine sterblichen Überreste nach Kiedrich heim. Seit dem Allerseelentag 1974 ruht er - seinem Wunsch gemäß - zwischen Kirche und Chorschule, seiner Stiftung, unter dem Weinstockkreuz.

8. Chor beim Gesang des Hochamtes um 1930.

Normalerweise singen Kirchenchöre auf der Empore. Diese Praxis hat sich mit dem Aufkommen der Orchestermessen entwickelt. Die alten liturgischen Sängerchöre sangen in Chorkleidung im Chor der Kirche, dem Raum der Kirche, der vom Sängerchor seinen Namen hat. So war es in Kiedrich zumindest seit 1333, vermutlich aber schon seit der Gründung der Pfarrei um 1270. Und so fand Baronet Sutton 1857 einen Chor hier vor, der noch ab und zu in Aktion trat. Um sein Weiterbestehen zu sichern, wandelte er ihn in eine Stiftung um mit Stelle und Haus eines geistlichen hauptamtlichen Chorregenten und einer Chorschule. Letztere nahrn Buben der vier oberen Volksschulklassen auf und unterrichtete neben den normalen Fächern in Musik, Latein und Französisch. Die Sänger, Buben und Männer, erhielten ein kleines Gehalt. Durch Spekulation seitens des Bistums und die Intlation der zwanziger Jahre ging das Stiftungsvermögen unter, aber die Institution war so gefestigt, daß sie bis heute Bestand hat. Und es will schon etwas heißen, daß im Zeichen des überreichen Freizeitangebotes die Männer zweimal in der Woche, die Buben fünfmal Singstunde haben und jeden Sonn- und Feiertag mit der Gemeinde das Hochamt singen.

Wir sehen den südlichen Teil des spätgotischen Chorgestühls neben der Sakristeitüre, rechts angeschnitten das Kantorenpuit, von dem aus heute, wie im Mittelalter, der ganze Chor singt. Bis zu Chorregent Halbritter (siehe Bild 12) trugen drehbare Pulte die großen Folianten; nur zum mehrstimmigen Gesang trat man in die Mitte des Chores.

Die Namen der Sänger sind in der oberen Reihe (Männer) von links: Peter Bibo, Peter Kroneberger. Johann Speicher, Josef Damm, Jakob Brückrnann und Nikolaus Seyer.

In der unteren Reihe (Buben) von links: Josef Körner, Adam Quetsch, Kar! Frohn, Christel Kohl, Josef Bibo, Michael Kohl, Karl Mondani. Ludwig Krams, Josef Staab und Hans Röhrig.

9. Chorsanger am Pult.

Die Kiedrieher singen im sonn- und festtäglichen Hochamt noch immer lateinisch. Für viele ist das fast eine Sensation. Dabei wurde die lateinische Sprache von der Kirche nie außer Funktion gesetzt; es wurde lediglich die Muttersprache erlaubt. Im Hochamt wird auch sie gebraucht für Lesungen und Fürbitten; aber sie werden gesungen. Mit dem Latein unlösbar verbunden sind die Meßgesänge im gregorianischen Choral. Dabei umfaßt das 'Ordinarium' Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus and Agnus Dei; diese feststehenden Teile der Messe singen Chor und Gemeinde abwechselnd. Die Gemeinde hat dafür ein eigenes Gesangbuch, das Kiedrieher Kyriale. Das 'Proprium' wechselt mit jedem Sonntag, jedem Fest: der Introitus (Eingangslied) gibt das Leitmotiv, die Zwischengesänge dienen der Betrachtung zwischen den Lesungen, das Offertorium begleitet die Gabenbereitung, die Communio den Kommuniongang. Diese Teile sind Aufgabe des Chores allein. Auch der des Gregorianischen Chorals Kundige wird in Kiedrich etwas neues, ungewohntes entdecken: es beginnt mit den Noten; gotische Hufnagelnoten sind es, ähnlich den Nägeln beim Pferdebeschlag und daher so genannt (siehe am Schluß). Beim Hören der Gesänge wird ihm auffallen, daß gegenüber dem für die ganze Kirche verbindlichen römischen Choral hier eine ausgeprägte Tendenz zur Höherführung der melodischen Linie vorliegt, verbunden mit einer gewissen verzierenden Ausschmückung. Die Musikwissenschaft spricht vom 'Gotisch-germanischen Choraldialekt' , Dialekt musikalisch verstanden, der zur Zeit der Übernahme des Christentums durch unsere Vorfahren sich ausbildete und in der Gotik seine endgültige Form fand. Einst in ganz Deutschland verbreitet, hat er sich nur in Kiedrich erhalten und bildet hier zur sichtbaren gotischen Kunst die akustische Ergänzung. Baronet Sutton Iieß die alten Mainzer Chorbücher von 1671 nachdrucken, so wie sie hier auf dem Pult stehen. Sie wurden 1961 abgelöst durch eine wissenschaftlich fundierte Neuausgabe. Sie ist, als erstes Monumentalwerk des Siebdrucks in der Wiesbadener Firma Kalle entstanden, auch ein Markstein des Buchdrucks.

Die würdigen alten Herrn, die hier 1933 noch aus der alten Ausgabe singen, sind die Chorsänger (von links):

Maurermeister Valentin Herbert, Tünchermeister Jakob Brückmann, Dekorationsmaler Wilhelm Sohlbach und Weinbergsarbeiter Johann Speicher.

10. St.-Valentinuswallfahrt1932.

Kiedrich verdankt seine Stellung in der Kunst- und Kulturgeschichte weitgehend der Wallfahrt zu seinem Kirchenpatron (vgl. auch Bild 5). Der heilige Valentin wurde wegen des Gleichklanges seines Namens mit der fallenden Krankheit als Patron gegen die Fallsucht oder Epilepsie angerufen. Da sein heute mehr denn je zuvor beliebter Festtag, der 14. Februar, in eine ungünstige Jahreszeit fällt, verlegte man den Haupt-Wallfahrtstag auf das Kirchweihfest, das seit 1481 am zweiten Sonntag nach Mariä Himmelfahrt (15. August) begangen wird. Die Wallfahrt liegt nach wie vor auf diesern Tag, während die Kirchweihe im vorigen Jahrhundert davon abgetrennt wurde und acht Tage später gefeiert wird. Zur Zeit dieser Aufnahme kamen am Samstag noch Pilger in Prozessionen von Eltville und Erbach, wurden mit Glockengeläute begrüßt, hielten eine kurze Andacht in der Kirche und suchten sich dann Quartier. Viele Kiedrieher Familien hatten die Stube ausgeräumt und ließen die Wallfahrer auf Strohunterlagen nächtigen. Aus solchen Besuchen erwuchsen oft lebenslange Farnilienfreundschaften. Am Sonntag versammeln sich auch heute noch die Kiedrieher und die Pilger auf dem alten Kirchhof, um die Festpredigt von der dazu geschafffenen Außenkanzel der Michaelskapelle zu hören.

Seit 1930 ist auch das Hochamt im Freien, vor der spätgotischen Kreuzigungsgruppe, wie es das Bild zeigt. Da Kiedrich vor 1270 zur Mutterkirche in Eltville gehörte, zelebrierte der Eltviller Stadtpfarrer das Hochamt, hier auf dem Bild Robert Krellwitz, mit Leviten - eine heute ebenso verschwundene Gottesdienstform wie auch die Zelebration vor ausgesetztem Allerheiligsten.

Der Zelebrant trägt das wunderschöne spätgotische Meßgewand mit der Kreuzigung. Auf der untersten Altarstufe kniet bescheiden, wie er war, der Kiedrieher Pfarrer und Dekan J oseph Schmidt (1924-1940). Der stehende größere Meßdiener ist Adalbert Kriesel, Weißgekleidete Mädchen begleiten mit christlichen Symbolen Gottesdienst und Prozession.

Die beiden Grabsteine, dervordere mit dem Küferwappen (zwei gekreuzte 'Reithaken'), erinnern an die ehemalige Bestimmung des Platzes.

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