Kiedrich in alten Ansichten

Kiedrich in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. h.c.Josef Staab
Gemeente
:   Kiedrich
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5174-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kiedrich in alten Ansichten'

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11. Prozession an Christi Himmelfahrt 1934.

Die Kiedrieher sind recht prozessionsfreudig, was wohl mit der Wallfahrt zusammenhängt. Als sie 1490 päpstlich bestätigt wurde, sind auch schon die Prozessionen genannt. Heute gehen noch folgende: am Ewigen Gebet (27. Januar) als abendliche Lichterprozession, wobei die Christbäume zum letztenmal angezündet werden; am Valentinustag (14. Februar); an Christi Himmelfahrt, an Fronleichnam und am Wallfahrtsfest. Bei allen diesen begleiten die Kiedrieher Madonna und die Büste des heiligen Valentin das Allerheiligste. Um das Gebet für das Gedeihen und eine gute Ernte im Weinberg und auf dem Acker geht es bei den drei Bittprozessionen vor Christi Himmelfahrt; früher kam noch die am Markustag (25. April) dazu. Am Kerwe-(Kirchweih-)Montag gedenkt man der Toten der Pfarrei mit einer Friedhofsprozession wie auch an Allerseelen. Im Kirchenbezirk spielen sich die Prozessionen an Mariä Lichtmeß (2. Februar) und am Palmsonntag ab. Und schließlich gedenkt man noch der Toten an den alten Erntedanktagen, den Quatembern (viermal im Jahr): vor dem Sonntagshochamt wird Suttons Grab besucht und im Karner der St.-MichaelsKapelle für alle Toten gebetet. Anschließend segnet der Priester die tägliche Nahrung, Brot und Salz. (Der Wein erhält seine eigene Weihe am 27. Dezember, dem Tag St. Johannis des Evangelisten.)

Im Bild biegt die Himmelfahrtsprozession von der Aulgasse in den Hochfeldweg ein. Vier junge Männer tragen die Reliquienbüste St. Valentins. Scherzhaft pflegt man zu fragen: 'Hot er aach genockelt?'; ob er also genickt habe, was als Bestätigung einer vorgebrachten Bitte galt. Natürlich konnte das von den Trägern auch etwas manipuliert werden!

12. Prozession am Valentinustag (14. Februar) 1933.

Sie ging, wie auch an Wallfahrt und Ewig Gebet, 'urn die vier Ecken', das Straßengeviert Marktplatz, Oberstraße, Kammgasse (unser Bild), Unter-(Sutton- )Straße. In der Gruppe der Meßdiener (rechts) fällt als längster Bruno Kriesel auf. Es folgen die Chormänner: Valentin Kroneberger, Valentin Herbert und Jakob Brückmann.

Neben dem Chorregenten: Nikolaus Seyer, davor Joseph Kroneberger und Sohn Peter, dann Jakob Steinebach und Gustel Seyer.

Der Chorregent (mit Schulterkragen), gerade ein Jahr im Amt, ist Anton Halbritter (1932-1940). Er stammte aus Hammelburg in Franken, wuchs aber meist bei seinen Großeltern in Reifenberg/Taunus auf und wurde so Priester im Bistum Limburg. Vor Kiedrich war er Kaplan in der Deutschordenspfarrei in Frankfurt. Tradition war für ihn faszinierend und ein ständiger Anreiz. Damals hing Kiedrich mit seinem überlieferten Choralgesang sozusagen in der Luft: die römische Choralreform war als verbindlich in der Kirche eingeführt worden, jedes entgegenstehende Privileg als erloschen erklärt. So wollte auch Halbritter - getreu den kirchlichen Vorschriften - den reformierten römischen Choral einführen. In dieser Situation, die in Kiedrich heftig diskutiert wurde, machte ihn der Mainzer Musikforscher Prof. Dr. Adam Gottron aufmerksam auf die vorhandenen Musikhandschriften mit dem unverfälschten gotischen Choral und regte an, Kiedrich solle seinen Choral auch reformieren; man könnte den Römern damit den Wind aus den Segeln nehmen! So überklebte und korrigierte dann Halbritter drei Bücher anhand der handschriftlichen Befunde.

Tage- und nächtelang haben junge Chorsänger mit ihm daran gearbeitet; das 'Korrigieren' wurde in Kiedrich zum geflügelten Wort. Die Vollendung in Neuschrift und -druck hat er nicht mehr erlebt wie auch die kirchliche Billigung der Kiedrieher Sondergregorianik. Kiedrich wurde durch ihn ein lohnendes Ziel für Kunst- und Musikbegeisterte, denen er in Kirchenführungen die ganze Schönheit nahebrachte. Orgelreparatur, Sorge für das Ortsbild, Jugendarbeit in der schweren Zeit der dreißiger Jahre sind weitere Stationen seines rastlosen Lebens. Er starb als Pfarrvikar von NeuhäusellWesterwald, wurde aber seinem Wunsch gemäß in Kiedrich beigesetzt. Die Gemeinde hat in dankbarer Erinnerung eine Straße nach ihm benannt.

13. St. -Valeruinus-Haus von Westen, um 1890.

Eine Wallfahrtsstätte war nicht denkbar ohne die Fürsorge für kranke und sterbende Pilger. So stiftete am 24. Mai 1417 der damalige Glöckner Friedrich Sinder mit seiner Frau Catharina Haus, Hof und Ländereien als Hospital und Pilgerherberge, den 'Heiligenhof' . Er war auch Dienstwohnung des jeweiligen Glöckners mit der Verpflichtung, für Pilger und Kranke zu sorgen. Die von Papst Innozenz VIII anno 1490 im Rahmen der Wallfahrt bestätigte St.-Valentinus-Bruderschaft war eng damit verknüpft, ebenso die 1450 für ein christliches Begräbnis verstorbener Pilger errichtete Elendenbruderschaft. 1585 heißt es, daß 'bei diesen letzten und bösen Zeiten die Andacht abgenommen und derohalben auch die Wallfahrt etwas in Abgang geraten sei'. Das Hospital wurde an die Zivilgemeinde zur Errichtung des heutigen Rathauses verkauft. Erst 1883 griff der verdienstvolle Pfarrer und Chronist von Kiedrich, der Geistliche Rat Johannes Zaun, den alten Gedanken wieder auf und faßte den Plan, ein Krankenhaus für weibliche Fallsüchtige zu errichten. Das angesichts völlig unzureichender Mittel fast aussichtslose Werk gelang ihm und in seiner Nachfolge dem Kaplan Leopold Stoff wider Erwarten.

Keimzelle war der alte Metternich'sche Hof in der Untergasse, dessen Torbogen mit dem Me-ternichwappen (jetzt an der Seitenmauer) von 1717 den Bliek auf das Haus vor dem Weiterbau von 1892 freigibt. Es standen also Mittelbau und Ostflügel. Links daneben steht der 1926 hinzuerworbene Bassenheimer Hof, ein respektabler Renaissancebau von 1660. Über der Weinbergslage 'Turmberg' erhebt sich der Bergfried der um 1215 erbauten Burg Scharfenstein. Ein weitverzweigtes Adelsgeschlecht hat hier seinen Ursprung, dem Heerführer, Verwaltungsbeamte, Domherren und Bischöfe entstamrnten. Hugo Eberhard Cratz von Scharfenstein hatte als Primatialgesandter des Erzbischofs Johann Philipp von Schönborn wesentlichen Anteil am Zustandekommen des Westfälischen Friedens von 1648 in Münster und Osnabrück. Im 13. Jahrhundert war die Burg eine Art Nebenresidenz der Landesherren, der Erzbischöfe von Mainz, die hier zahlreiche Urkunden ausstellten.

14. St. - Valentinus-Haus van Narden urn 1890.

Der noch recht unproportioniert rechts unten im Bild erscheinende Bau besteht vorerst aus dem Ostflügel (links) und dem hohen Mittelbau. Daran schloß sich nach 1892 der Westflügel. Ihm folgten 1911-1914 der Südflügel (Bachbau) mit Kapelle, 1930 der Festsaal, 1959 das Schwesternwohnheim und 1976 ein modernes Therapiegebäude. Heute zählt das Haus 260 Mitarbeiter bei einer Bettenkapazität von ca. 242. Die Patienten sind nicht mehr nur auf das weibliche Geschlecht und Epilepsiefälle beschränkt. Die ganze heutige Anlage ist trotz ihrer Größe kein Störfaktor, sondern in Geschlossenheit und Pflege ortsbildprägend, in der Krankenfürsorge vorbildlich und als Arbeitgeber für Kiedrich von wesentlicher Bedeutung.

Wir blieken vom Plateau der Burg Scharfenstein hinunter unmittelbar vor uns auf die Dächer des 1926 zum Valentinushaus gekommenen Bassenheimer Hofes mit Wehrgang und wertvollem frühbarockem Treppenhaus. Rechts davon, vor dem Valentinushaus, stehen Siedlungshäuser in Fachwerk, insgesamt waren es sechs. Baronet Sutton hatte sie als Sozialsiedlung - ähnlich der Fuggerei in Augsburg - errichtet, um Minderbemittelten eine menschenwürdige Wohnung gegen eine nur nominelle Jahresrniete zu ermöglichen. Die Balken waren, wie es Sutton liebte, rot gestrichen, die Fenster mit Butzenscheiben verglast. Nach Suttons plötzlichem Tod (1873) mußten die Häuser veräußert werden. Ab 1908 kaufte sie das Valentinushaus auf und ließ 1930 an ihrer Stelle den Festsaal erbauen. Über den Dächern wird die Gartenseite des Palais von Ritter zu Groenesteyn sichtbar, nach links in Verlängerung des Parks die stolze Pappelreihe, etwa in ihrer Mitte der Kötherhof, darüber die Gebäude des Eberbacher Klosterhofs. Nach links schließen Kirche, Michaelskapelle und Pfarrhaus das Bild.

15. 'Bad Kiedrich am Rhein', vorl911.

Ja, beinahe wäre es so gekommen: Kiedrich wäre zu allem auch noch Badeort! Die Voraussetzungen waren durchaus gegeben: seit dem Mittelalter war eine warme, spärlich fließende Salzquelle bekannt. In den Jahren 1886/87 wurde die heute fließende erbohrt (siehe Bild 16). Etwa in der Bildmitte sehen wir ein langgestrecktes niedriges Gebäude, das die Baderäume und die Versandhalle für das Wasser enthält. Der achteckige Pavillon an seinem rechten Ende beherbergt die Quellfassung. Rechts davon entstand in einem Waldpark der dreistöckige Bau des 'Kurhauses Kiedrichtal'. Mehrere nacheinanderfolgende Besitzer hatten mit dem Unternehmen kein Glück; ein Verkauf in den 1920er Inflationsjahren zog langwierige Prozesse nach sich. Schließlich übernahm die Gemeinde die Quelle und ihre Nutzung, bis sie 1963 an das Ferienheim der Bauwirtschaft zur Speisung seines Thermalbades überging. Das 'Kurhaus' übernahm verschiedene Funktionen als Kinder- und Erholungsheim.

Das Bild zeigt noch die intakte Kulturlandschaft mit gepflegten Wiesen, Äckern und Obstanlagen. Sie verwilderten nach und nach, als im Zeichen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft Landwirtschaft und Viehhaltung aufhörten zugunsten der reinen Weinbaubetriebe. In der Mitte des Taleinschnittes liegt die romantische Weihermühle. Sie war nebenbei auch eine beliebte Somrrierwirtschaft, die ihre Eigenbauweine und selbstgekelterten Apfelwein empfahl bei soliden Preisen. Darüber wird der helle Giebel des Hofes Horneck sichtbar, ehemals ein Adelshof aus der späten gotischen Zeit. Über den Scharfenstein, die Kirche und das St.-Valentinus-Haus hinweg geht der Bliek ins Obst- und Spargelgebiet jenseits des Rheins um Heidesheim und Ingelheim.

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