Kiedrich in alten Ansichten

Kiedrich in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. h.c.Josef Staab
Gemeente
:   Kiedrich
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5174-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kiedrich in alten Ansichten'

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26. Weingut um 1880 - Ursprung und Wandlungen.

Baronet Sutton (siehe Bild 7) hatte nach 1860 mehrere bäuerliche Hofreiten gekauft und sich darauf ein Wohnhaus im gotisierenden englischen Landhausstil errichtet; es ist das lange Gebäude in der Bildmitte mit den fünf Dachgauben. Die Erben des Baronets verkauften es nach 1873 an Johann Prell in Krefeld. In der Zwischenzeit hatte der ehemalige Kiedrieher Chorregent August Weil seinem Bruder Dr. Robert Weil, Professor für Deutsch an der Sorbonne in Paris, immer wieder von Kiedrichs Schönheit und dem vortreftlichen Wein vorgeschwärmt. Als das Haus wieder verkäuflich war, griff daher Robert Weil zu und erwarb es 1879. Pfarrer Zaun schreibt in seiner Chronik von Kiedrich, er habe es ansehnlich vergrößert; das bezieht sich auf den rechten, hohen Teil des Hauses mit Fachwerk und Turm (siehe auch Bild 25). Später folgte weiter links eine nochmalige Erweiterung in neugotischer Steinbauweise. Die linke Bildseite nehmen Wirtschaftsbauten ein.

In diesen Jahren entstand auch der Ziergarten nach barocken Vorbildern: ein geometrisch strenges Wegesystern gruppiert sich um ein Rondell. Die abgezirkelten Beete sind frisch mit Buchsbaumhecken umpflanzt, zierliche Obstbäumchen, Rosenstöcke und Staudengewächse füllen ihre Flächen. Dr. Robert Weil erwarb sich zum Haus ein ansehnliches Weingut. Der 1893er (siehe Bild 25) verbreitete seinen und Kiedrichs Ruhm in der Welt. 1988 verkaufte der Enkel Haus und Weingut an die japanische Firma Suntory, die damit zum erstenmal im Rheingau Fuß faßte. Die geschäftliche Leitung hat Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau auf Schloß Vollrads, der das Gut mithilfe von WilheJm Weil, dem Urenkel des Gründers, bewirtschaftet.

27. Herbstschluß 1904.

Herbst heißt im Rheingau: Weinlese, und der Herbstschluß ist das Fest an ihrern Ende. Im Weinberg formiert sich ein Festzug zum Gutshof, wo die letzten Trauben der 'Herrschaft' mit einem Gedicht überreicht werden. Nach kurzen Ansprachen dankt das Te Deum für den Segen der Ernte. Ein Gruppenbild hält das Ereignis fest, zumal der 19ü4er ein guter lahrgang war.

Wir sehen rechts, durch die lange Belichtungszeit etwas unruhig, Pferd und 'Ladfaß' . Das war ein zweirädriger Karren mit aufgesatteltem Faß, das statt des Spundloches oben einen Trichter hatte; er schluckte die damals noch im Weinberg mit der Traubenmühle gequetschten Trauben, die Maische. Im Kelterhaus angekommen, 'hufte' der Fuhrmann an die Standbütte oder die Kelter. Das hintere Türehen des Fasses wurde geöffnet, die Maische entleerte sich,

Beim Herbstschluß thront auf dem Ladfaß die 'Herbstmuck' , eine junge, hübsche Leserin, und nicht, wie man dem Wortsinn nach vermuten könnte, eine füllige, gewichtige (Muck = Mutterschwein). Sie wurde auch Herbstbraut genannt, wenn sie ein Herbstbräutigam - hier mit dem bekränzten Stock - begleitete. Die Küfer in Schürze und mit dem 'Bernbel' sorgen für den Umtrunk. Die Leserschar hat sich in Schale geworfen und mit Blumen geschmückt, die Musikkapelle spielt auf (der Hornist links ist August Seufert). Streng schaut der Herr Verwalter (Nr. 1), Peter Josef Ludwig Faust. Seine Söhne Georg (Nr. 2, Verwalter ab 1918), Heinrich (Nr. 3) und Josef (Nr. 4, gefallen 1917 in Frankreich) sitzen mit den Söhnen der Herrschaft, Egon (Nr. 5) und Edmund (Nr. 6) Freiherrn von Ritter zu Groenesteyn zu Füßen der Leserschar. Über allem flattert unruhig - nur die Stange mit dem grünen Busch an ihrer Spitze hält still - die Herbstfahne, die nach altem Rheingauer Brauch den letzten Lesetag begleitet hat.

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28. Abstich und Probe deslahrgangs 1920 im Januar 1921.

Im spärlich erhellten Keller des Weingutes Bibo (vormals Buschmann) liegen die Halbstückfässer (à 600 Liter Inhalt) in Reih und Glied. Der neue Jahrgang ist vergoren. die Gärtrichter sind von den Fässern genommen; sie wurden beigefüllt, das heißt spundvoll gemacht und verspundet. Man mußte nun an den Abstich denken, die Trennung des mittlerweile blanken Jungweines von der Hefe, im Rheingau auch Druse oder Drussel genannt, die sich zu Boden gesetzt hatte. Über den Zeitpunkt des Abstiches sagte das Sprichwort: 'Beim ersten nicht eilen, beim zweiten (acht Wochen später) nicht verweilen.' Man sollte sich also Zeit lassen, so um Ende Januar dachte man daran. Der Küfer erschien mit seinen Gehilfen in weißen Schürzen und mit dem Küfergeschirr auf dem 'Bennerkarrn' (Benner, Bender , Faßbinder = Küfer).

Der Beruf des Küfers begleitet den Winzer von jeher. In Kiedrich wird der erste (tonnator) um 1316 erwähnt. Hier ist es, hoch in der Mitte stehend, der Küfer Jakob Bibo sen., der Bruder des Winzers, mit seinen Söhnen. Links wird von Jakob Bibo jun. das Faß 'angesteckt': der untere Spund ('Zwickel') wird gelokkert, mit einem Ruck herausgezogen und gleichzeitig der Hahn mit dem 'Hundskopf' (Bogenstück) eingeschlagen.Dabei darf kein Glas voll Wein daneben gehen! Für alle Fälle wird die 'Breuk' untergehalten, eine flache Holzbütte. Rechts hält Jean Bibo ('Schoon Net') die Stützen bereit, Henkelgefäße aus Holz mit 10 Litern Inhalt, mit denen von Faß zu Faß umgefüllt wird, bis die Hefe im bauchigen Grund zurückbleibt und entfernt werden kann. Inzwischen hat Winzer und Bäckermeister Kaspar Bibo mit Bruder Sebastian (alias Frank Walter) und Sohn Peter ('Backpeter' , mittlere Gruppe im Hintergrund) die erste Probe nach Color (Farbe), Odor (Geruch) und Sapor (Geschmack) vorgenommen. Sie dürften wohl zufrieden gewesen sein, denn der 20er war hier im Rheingau seinem berühmteren Nachfolger durchaus ebenbürtig. Die Winzer-, Küfer, Bäcker- und Dachdeckersippe Bibo trägt einen weinverbundenen Namen: 'Ich trinke ,' so der Sinn des lateinischen Verbums. Der Urahn hatte , heimgekehrt aus dem Dreißigjährigen Krieg, ihn sich beigelegt!

29. Etikett des Pfarrgutes Kiedrich.

Pfarrgüter, Weingüter im Eigentum der Kirche, wurden bis in unsere Zeit von den Pfarrern selbst bewirtschaftet, sie dienten ihrem Lebensunterhalt. So waren sie im doppelten Sinne 'Arbeiter im Weinberg des Herrn'. Die älteste Stiftung eines solchen Gutes geschah in Eltville vor ziemlich genau 1000 Jahren; das Kiedrieher dürfte nicht viel jünger sein. Der Wein hat als sakramentale Materie des Abendmahles eine theologische Dimension. Mit strengen Verordnungen wachte die Kirche über seine Reinheit; nur VINUM DE VITE, Wein, wie er vom Weinstock kommt, durfte es sein, und so dokumentiert es das Etikett auf der rechten Seite. Die gesamte Darstellung hat ihren besonderen Reiz. Links ragt die Kirche ins Bild mit dem zierlichen Sakristeigiebel, dem Maßwerk und den spitzen Fialen des spätgotischen Chores. Als das Etikett am Anfang unseres Jahrhunderts entstand, war das Fachwerk des Pfarrhauses noch verputzt. Über sein Dach grüßen die Weinlagen Gräfenberg und Wasserros. Der Pfarrer konnte von seiner Studierstube aus alle seine Lagen überblicken. Aber er griff auch selbst zu. Noch der letzte 'Weinpfarrer' Kiedrichs, Dekan Wilhelm Klippel (1941-1972) trug im Sommer die Spritze auf dem Rücken und im Herbst die Butte. Bis nach Mitternacht stand er an der Kelter, damit auch alles seine Richtigkeit habe. Seine besten Gewächse, wie hier den 195ger, zeichnete er aus mit sonderbaren 'Prädikaten': 'In usum Delphini' = zum Gebrauch des Kronprinzen (französisch Dauphin); oder: 'Post illud ne aliud' = nach diesem keinen anderen mehr! Seine Fässer benannte er manchmal mit den Namen der sieben Sakramentel Sein Freund, der Domkapitular Rauch, hat sich darüber einmal sehr verwundert, und Klippel erklärte sie ihm nach der Reihe: 1. Baptisma = die Taufe: der ist naßverbessert wegen zuviel Säure. 2. Confirmario = die Firmung: das ist der kräftigste. 3. Sacrum convivium = Heiliges Gastmahl: der erquickt Leib und Seele. 4. Poenitentia = die Buße: das ist ein Dreimännerwein; wer ihn trinkt, muß von zwei anderen gehalten werden. 5. Extrema unctio = die Letzte Ölung: der vermag Tote zum Leben zu erwecken. 6. Ordinatio = die Priesterweihe: das wird Meßwein für die hohen Feiertage. 'Bis dahin bin ich mitgekommen,' sagte Rauch, 'aber auf 7. Matrimonium = die Ehe, kann ich mir keinen Vers machen.' 'Das ist doch klar,' sprach Klippel, 'dodrinn hunn ich zwaa verheirat, die solle sehe, wie se oonig (einig) wem!' - Und so schrieb er 1949 auf sein bestes Viertelstück (300 Liter): 'Et prositmihi parocho' = Esmöge mir, dem Pfarrer, wohl bekommen!

30. Das Gebück am Kiedrieher Bollwerk, um 1930.

Das Gebück stellte eine lebendige Mauer um den ganzen Rheingau dar, ca. 25 km lang, entstanden vom 14. Jahrhundert ab. In 50 bis 100 m Breite pflanzte man dichtstehende Bäume, Buchen und Hainbuchen, köpfte sie in Mannshöhe und 'bückte' ihre Äste gegeneinander. So erhielt man ein undurchdringliches Dickicht, das den ganzen Rheingau und seine kostbare Freiheit wirkungsvoll schützte. Erst im Dreißigjährigen Krieg wurde es durch List und Verrat überwunden. Die Verbindungswege nach draußen waren mit Schanzen oder Bollwerken überbaut und mit Wächtern besetzt. Auch Kiedrich hatte seinen Gebückabschnitt zu hegen und sein Bollwerk nahe dem außerrheingauischen, 'überhöhischen' Dorfe Hausen zu unterhalten und zu besetzten. Als am Ende des 18. Jahrhunderts die ganze Anlage als inzwischen veraltet aufgegeben wurde, bückte man nicht rnehr, die Äste konnten ungehindert steil in die Höhe wachsen und bildeten bizarre Formen, die riesigen Weidenstümpfen nicht unähnlich sehen. Einen solchen Veteran haben wir vor uns. Im Hintergrund stehen die Häuser und Scheunen von Hausen; das Kiedrieher Bollwerk hatte manchen von ihnen das Baumaterial geliefert. Unsere Heimatdichterin Hedwig Witte von der Kiedrieher Klostermühle kermt das Losungswort, das dem Landfrernden, dem 'Haargeloffene', das Gebück und damit den Zugang zum Rheingau öffnete. Sie verstarb am 20. April 1991, und so seien diese Zeilen auch ihrem Andenken gewidmet:

Die Rhe

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