Kirchberg in alten Ansichten

Kirchberg in alten Ansichten

Auteur
:   Johannes Decker
Gemeente
:   Kirchberg
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6531-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kirchberg in alten Ansichten'

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29 Der Schulpavillon von anno 96 hat sich zur 'städtischen Selekta' gemausert. Am 4. April 191 0 öffnet der nach hinten erweiterte und um ein Geschoß aufgestockte Pavillon für eine Sexta und Quinta seine Pforten. Zwei akademisch ausgebildete Lehrer waren zusätzlich eingestellt worden, um Kirchbergs Jugend auf die 'mittlere Reife' zu trimmen. Die Sexta begann mit acht und die Quinta mit sieben Zöglingen. Sollte das Experiment gelingen, war an eine Umwandlung zur Realschule gedacht. Dann reichte es aber doch nur zu einer Mittelschule, die noch heute hier ihr Domizil hat, allerdings mit einer 1997 bildschön aufgemoppten Jugendstilfassade, die sich sehen lassen kann.

30 Das Amtsgericht mit Zellenhaus. Bis zum [ahre 1835 stand Kirchberg unter der Gerichtsbarkeit des Amtes Wiesenburg, dem Sitz der gleichnamigen Herrschaft seit Gründung der Stadt. Als das Amtsgericht 1843 eröffnet wurde, lag es außerhalb der 430 Häuser mit den 3 940 Seelen, die damals Kirchberg darstellten. Der poetische Finanzprocurator lindner schrieb 1 845 in seinem Klassiker 'Wanderungen durch das Sächsische Obererzgebirge' treffend: 'Es ist schade, daß die erforderlichen Räumlichkeiten für diese wichtige Justizpflege nicht in der Stadt ermittelt werden konnten. Wer es zum ersten Male sieht, wird geneigt sein zu glauben, daß es ein großartiges Schießhaus für den Ort sei, oder

zwischen der Stadt und dem Landgericht die Heimatsangehörigkeit noch streitig ist.' Heute als Wohnhaus sind die Korridore im Kerker zu klein und im Gerichtsgebäude zu groß.

31 Siegessäule am Kirchplatz. Das war Kirchbergs erstes Denkmal und erinnerte an die gefallenen Bürger der Stadt im Deutsch-Französi-

sc hen Krieg van 1870/187l. Es wurde am 2. Dezember 1873 enthüllt, dem Jahrestag der Schlacht bei Brie und Villiers, zu Ehren der dort gefallenen dreizehn Männer aus Kirchberg und drei Nachbarorten. Der in Dresden bekannt gewordene Baumeister [ehn, ein Sohn Kirchbergs, zeichnete für den Entwurf verantwortlich. Auf schlichtem Sockel steht eine klassische Säule mit korinthischem Kapitell, aus dessen Blattkelch volutenförmige Ranken herauswachsen, geschützt vom preußischen Adler. Der Sandstein kam aus Pirna. Und alles zusammen kostete 1 000

Taler. Kirchbergs schönstes Denkmal mußte in den sechziger [ahren einerTanne den Platz räumen.

32 Der Schaufußobelisk wurdeam 23.April1888 zum 60. Geburtstag König Alberts von Sachsen mit großer Zeremonie eingeweiht. In polierten roten schwedischen Granit ist ein Medaillonbild von Immanuel Schaufuß eingelegt. Mit diesem Denkmal auf dem Schießhausberg ehrte Kirchberg eine ganze Dynastie, die sich um das Schützenwesen der Stadt hohe Verdienste erworben hatte. Schon im 16. [ahrhundert schießen Tuchknappen mit der Armbrust aufhölzerne Adler an hoher Stange. Doch erst 1801 wird vom Rat der Stadt Kirchberg einer Gruppe von Tuchmachern der Status einer Schützengilde zuerkannt. Unter ihnen Meister Adam Schaufuß. Von da an

entwickeln sich die Schützen zu der größten und angesehensten Vereinigung der Stadt. Im [ahre 1 848 stellen sie eine Kompanie der Kommunalgarde und zwanzig [ahre später einen selb-

ständigen Zug der Freiwilligen Feuerwehr. Und immer hat ein Schaufuß in leitender Position mitgemischt. 1956 mußte der schöne Obelisk einem unbehauenen Thälmannstein weichen.

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33 Das Bismarckdenkmal auf dem Altmarkt wurde zum Reformationsfest im [ahre 1900 geweiht. 'Tausende von Zuschauern füllten den Marktplatz und die Fenster der umliegenden Häuser waren bis unter die Dächer besetzt, als mit klingendem Spiele die Corporationen, Innungen und Vereine, die Schützen, Turner, die Bäcker-, Schuhmacher- und Tuchmacher-Innungen nebst etwa 800 Schülern der ersten Klassen unserer Bürgerschule neben dem mit grün und weißen Fahnenstoff verhüllten Denkmal Aufstellung nahmen', so zu lesen im 'Nachrichtsblatt' vom 1. November 1900. Die Steinarbeiten hatten die Herren Wölfel und Herold in Bayreuth gefertigt,

das Standbild Hugo Cauer in Berlin entworfen und der Bronzeguß war von der Firma Gladenbeck in Friedrichshagen ausgeführt worden. Die Kosten von 13 000 Mark hatte der Wollhändler und Kirchberger Stadtrat Hermann Kramer sen. durch eine großzügige Stiftung getragen. 1943 floß Bismarcks Bronze in HitIers Krieg mit ein.

34 Das Lutherdenkmal im Herzen der Stadt. Diese prunkvolle Gesamtanlage, von der heute nur noch das Standbild und wieder der alte Brunnen stehen, wurde am

1. Juli 1908 der Öffentlichkeit übergeben. Auf einem fast vier Meter hohen Postament steht der große Reformator überlebensgroß. Die Bronzefigur ist eine Arbeit der Eisenwerke Lauchhammer AG als Nachguß des 1868 in Worms errichteten Lutherdenkmals der Bildhauer Ernst Rietschel und Adolf Donndorf. Auch dieses Denkmal ist das Geschenk eines Sohnes der Stadt aus Kirchbergs ältestem Tuchmachergeschlecht. Eduard Jehn, ein Kauz mitJunggesellenmarotten, überrascht nach

seinem Ableben mit einem höchst noblen Testament die ganze Stadt. Er schenkt der hiesigen Kirche das zweite Diakonat, charitativen Organisationen sein Sachvermögen und der Stadt sein Bar-

geld zum Bau eines Lutherdenkmals, das im Zentrum der Stadt errichtet werden soll. Die Erfüllung dieses Wunsches ist heute noch sehenswert.

Klrchberg I. Sa.

LuthArdenkmal.

35 Der Lutherplatz zur [ahrhundertwende. Dem Namen der Stadt verpflichtet, hatten Pastoren nicht selten Einfluß auf die Geschicke der Stadt. So wurde der alte Friedhof nach seiner Stillegung im [ahre 1857 in Lutherplatz umbenannt und nach einer Zeit allmählicher Verwahrlosung in einen anmutigen Stadtpark verwandelt. Die alte Schneeberger Straße begrenzte in ganzer Länge die Nordseite des Parkes und verleitete viele Kinder und Passanten abseits der Wege ihren Gang in die niedere Vorstadt zu verkürzen. EineAbsperrung mußte her, Mauer oder Zaun. Beides war teuer und reich war die Stadt selten. Als die große Brücke über die Mulde bei Cainsdorf

1905 erneuert wurde, kauften die Stadtväter billig das Brückengeländer, was dem Lutherplatz durchaus zur Zierde gereichte. Heute macht es eine Hecke wieder.

36 Noch einmal der Lutherplatz vom Osten aus gesehen - mit Blick in die KönigstraBe, auf die 42 Meter hohe Esse der Mittelmühle und den Borberg mit Aussichtsturm. Fünf Gaslaternen beleuchten die Flaniermeile zwischen Post und Normaluhr seit 1904, obwohl der Marktbereich schon seit dem S. November 1871 von Gaslaternen erhellt wird. Die Normaluhr stand zunächst vor dem 1891 eröffneten Kaiserlichen Postamt, muBte dann dem Laternenbau weichen. Aber auch an der Spitze des Lutherplatzes stand sie nicht lange. Sie störte 1908 das schöne Bild vor dem Denkmalsbrunnen und gab schließlich ihr wechselhaftes Dasein ganz auf.

Dieses Bild ist eine schöne Erinnerung an Kirchbergs einzigste Normaluhrsäule.

3 7 Das Stadtkrankenhaus. Im November 1897 beschließen Kirchbergs Stadtverordnete zur Errichtung eines Krankenhauses einen Krankenhausbund zu gründen für die Beschaffung der Baufinanzen. Zur Freude der Stadt stiftet am 8. Dezember der Landtagsabgeordnete Wollhändler und Stadtrat Hermann Kramer sen. 45 000 Mark zur Finanzierung des Unternehmens unter folgenden Bedingungen: Mit dem Bau muß im [ahre 1898 begonnen und im Gebäude eine vom Stifter verfaßte Inschrift angebracht werden, die an das 25jährige Regierungsjubiläum König Alberts von Sachsen am 23. April 1898 erinnert. Der erste Spatenstich erfolgt zwar erst

am 15.April1899, doch dafür war Herrn Kramer 1898 vom Sachsenkönig der Titel 'Commerzienrath' verliehen worden und das am 31. August 1900 eingeweihte Krankenhaus erhielt den Namen

'Kramers Heilstätte'. Leider konnte der so Geehrte diesen Tag nich miterleben, er war 57jährig bereits am 16. [anuar 1900 verstorben. Heute dient das mehrfach erweiterte Gebäude als Altersheim.

KIRCHBERG, SA.

38 Das Kirchberger Volksbad. Im [ahre 191 0 nimmt zum großen Heimatfest der schon lange gehegte Wunsch Gestalt an, in der Stadt ein Volksbad zu errichten.Am 24. März werden die Weichen für den Bau des Gebäudes im Stadtparlament gestellt. Fabrikant Moritz Unger hatte den Bauplatz am Fuße des Borberges kostenlos zur Verfügung gestellt. Am Montag, den 29. Juli 1912 wurde das Volksbad feierlich seiner Bestimmung übergeben. Die Baukosten beliefen sich auf 70000 Mark. Über die Hälfte davon hatte der verstorbene Kommerzienrat Kramer gespendet. Ein Brausebad kostete 10 Pfennig. 'Aber leider stehen nur vier Brausezellen zur Verfügung',

kritisierte damals das in Zwickau erscheinende 'Sàchsische Volksblatt ' . Trotzdem ist der Andrang so groß, daß sonnabends den Bademeister eine Hilfskraft unterstützen muß. Kirchberg hatte in jenen

Tagen immerhin 7 437 Einwohner. Das Volksbad wurde nach 1912 noch um ein 'Sonnen-, Licht- und Luftbad' erweitert.

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KIRCHBERG i. S.

Volksbad

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