Kirchberg in alten Ansichten

Kirchberg in alten Ansichten

Auteur
:   Johannes Decker
Gemeente
:   Kirchberg
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6531-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kirchberg in alten Ansichten'

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S9 'Neuer Pavillon' aufhalber Höhe des bei 43S m NN gelegenen Borberges. Er ist ein Geschenk des Fabrikanten und Landtagsabgeordneten Hermann Kramer sen. aus demjahre 1898. Zuvor stand hier, wegen der schönen Aussicht auf die Stadt, ein hölzerner, in der Art der beiden Bänke, die zu Ehren der Frau des Stifters 'Irrnas Ruhe' genannt wurden. Ein Sturm hatte die erste Anlage 1896 verwüstet. Unterhalb des auch oft als 'Freundschaftstempel' bezeichneten Pavillons, erstreckt sich heute die 'Kirchberger Freilichtbühne' , ein Musentempel, der jährlich zum 'Borbergfest' für Großveranstaltungen zur Verfügung steht.

60 Der Geiersberg, dritthöchster Hügel von den sprichwörtlich sieben, liegt direkt vor der Haustür der Innenstadtbewohner. Im ersten Stadtbuch von 1491 wird

IS 18 von einem 'ßusch am Geiersberg' berichtet. Für den Wanderer wird der Berg erst nach 1879 durch den Erzgebirgsverein erschlossen. Wege, Ruhebänke und ein Aussichtsgerüst aus Holz mit doppelter Plattform machen ihn attraktiv. Vom [ahre 1913 sind viele Programmzettel der Stadtkapelle erhalten, die jeden Montag 'Freikonzerte auf dem Geiersberg' mit anspruchsvollen Titeln veranstaltete. Um die Iahrhundertwende wirbt der 'BierhallenWirt' vom Altmarkt für ein

'Weissbier-Fest' und verspricht bei 'eintretender Dunkelheit große Illumination'. Nachmittags gibt es 'neuback nen Kuchen und Kaffee'. Kirchbergs erste Wasserleitung nimmt ab 1883 aus dem 'Hochbehälter Geiersberg' das kühle Naß in sich auf und mit der 'Stadtwaldschànke' wird ab August 1934 ein Lokal mit 80 Sitzplätzen und 250 im Freien, unter den hohen Buchen, der Bevölkerung übergeben.

61 Partie am Ottensberg um 193 O. Dieser Berg, noch 1904 beschrieben als 'klüglich mit Kunst terrassiert, lange Rahmen zum Trocknen von Tuchen tragend', begrenzt mit steil abfallender Felswand Kirchberg im Osten. Vorgelagert von einer großen Häusergruppe, die, wie wild an den Berg gequirlt wirkt, daher seit eh und je 'Quirlsberg' genannt wird, ist der Ottensberg nur noch von Burkersdorf aus bequem zugänglich, wo er sanft in den Krähenberg übergeht. Im ersten Gerichtsbuch wird 1501 ein Lorenz Ott genannt, dessen Wiesen sich bis zur Bergkuppe erstrecken. Nach dieser Familie trägt der Berg noch heute seinen Namen. Der Wirt des

1869 am Fuß des Quirlsberges errichteten Gasthauses 'Zum kühlen Morgen' machte noch 191 3 in einem Inserat mit dem Hinweis auf seine Schänke aufmerksam: '[eden Sonntag ab 10 Uhr stündliche Besteigung des Ottensberges unter Aufsicht eines Bergführers.' Die Zeit der Führer ist vergessen, die schlichte Ruhebank steht noch heute und lädt zu einem Blick über die Dächer der Stadt ein.

62 Dem Borberg im Westen vorgelagert, ist der Pohlteich zu jeder [ahreszeit ein schönes Ausflugsziel. Von den Herren der Herrschaft Wiesenburg schon im Mittelalter zur Fischhaltung angelegt, tummeln sich noch heute hier Karpfen, die weder den Bootsbetrieb, noch die Wassertreter stören. 'Karpfen nach Kirchberger Art', ein Gaumengenuß seit Urväter Zeit, ist hier noch in derTradition der 'Pohlteichschänke' erhältlich. Bis 1939 gab es auch eine Badeanstalt, in der 1925 'Wettkämpfe im Schwimmen und Kunstspringen' stattfanden. Seit 1864 wird auf dem Pohlteich das Schlittschuhlaufen organisiert, 1913 sogar nachts unter 'Bengalischer Beleuchtung'. Im Frühjahr wurde das Eis zersägt und

scheibchenweise an die Brauerei verkauft. Heute ist der Teich ein geschütztes Naturdenkmal, von dem kein Ast der großen Bäume auf der Dammkrone unerlaubt entfernt werden darf.

KIRCHBERG I. Sa.

Pohllelch mil Bliek auf den Borberg

63 BahnhofKirchberg in Sachsen um 1950. Die kleine Tuchmacherstadt hatte bis 1880 wegen ihrer verkehrsungünstigen Lage viele wirtschaftliche Nachteile. Erst mit dem Beschluß des Sächsischen Landtages vom 8. Dezember 1879, im Erzgebirge 'zwei Secundärbahnen einzurichten', war der Anschluß an das deutsche Eisenbahnnetz möglich geworden. Schon am 16. Oktober 1881 wurde der erste Streckenabschnitt von Wilkau nach Kirchberg eingeweiht. Ein [ahr später fuhr die Bahn bis Saupersdorf, 1893 bereits bis Schönheide und im Iuni 1897 hatte sie mit einer Gesamtlänge von 42 Kilometern ihren Endpunkt in Carlsfeld erreicht. Bis zum [ahre 1973 war die 'Bimru'. wie die Kleinbahn liebevoll

im Volksmund hieß, die Lebensader der vielfältigen Industrie entlang des Rödelbaches, das Beförderungsmittel zur Regionalstadt Zwickau sowie zum Wochenendvergnügen ins Gebirge, aber

auch der Born für Lieder, Verse und Geschichten, ein Stück ratternd rauchende Heimat.

64 Die Bimmelbahn dampft durch die Stadt. Dieses Bild aus der Zeit vor 1900 bot sich den Kirchbergern täglich bis zu 40 mal. Über die Rödelbachbrücke in der Bahnhofstraße, dann über vier weitere im Stadtzentrum, fuhr sie bimmelnd und pfeifend, von Läutewerken an unübersichtlichen Straßenkreuzungen lautstark unterstützt, einer Lärmkaskade gleich, durch Kirchberg. Es nimmt nicht Wunder, daß der Kurzname 'Bimm' vom Lärm und nicht vom Gestank des Kohlenrauches hergeleitet wurde. Stillstandszeiten gab es wenig. Abgesehen von kleineren Unfällen und einem größeren am 16. Oktober 1903 - durch einen betrunkenen Lockfahrer

war mit der Zugentgleisung ein Mensch ums Leben gekommen - dauerte die Beseitigung von Hochwasserschäden in den [ahren 1908, 1932 und 1954 schon wesentlich länger. Am Ende des

Zweiten Weltkrieges war der Bahnbetrieb vom 17. April bis zum 16. Juli unterbrochen, ab Juli 1973 für immer eingestellt worden.

Kirchberg, Bahnhol ?? tr.asllic mit Blick ".ach dem ßorbc:r~

6S Alt-Kirchbergs untere Vorstadt vor der [ahrhundertwende. Links führt die Torstraße zum Rathaus, rechts

die Lengenfelder zum Amtsgericht und davor beginnt der 'Crabeu' als steiler Fußweg zum Markt. Kirchbergs schon 1317 genehmigte 'Badestubc' befand sich neben dem Gebäude am rechten Bildrand. Man holte das Wasser des 'Pastarenbaches' direkt vor der Haustür. Die beiden Häuser der Gebrüder Rehm, eine Seilmacherdynastie seit 1663, heute noch in der neunten Generation am selben Platz, wurden ab 1879 von der Gaslaterne beleuchtet. Zuvor hing hier eine große Öllampe, eine von neun, die aber erst 1869 eingeführt worden waren

und nur die Plätze erhellten, wo stündlich das Horn des Nachtwächters ertönte und um Mitternacht sein Verslein zu hören war: 'Hört, ihr Leute, laßt euch sagen, die Glocke hat nun 1 2 geschlagen, be-

wahrt das Feuer und das Licht, damit der Stadt kein Schad' gebricht.'

66 Die Drogerie auf dem Altmarkt war eine von den vier Drogerien, die es 1920 in Kirchberg gab. Bereits im [ahre 1508 wurde für Wolfersgrün, dem westlichsten Ortsteil der Stadt, ein 'Droger' im Stadtbuch erwähnt, der die Bader und Wundärzte mit Kräutern und Grundstoffen für Salben und Tinkturen versorgte. Es gab noch keine Apotheke im Ort und die 'Salber wie Balbiere' mußten alles für den Heilungsbedarf selber fertigen. Die vier Drogerien waren in den Stadtteilen Marktring, obere, mittlere und niedere Vorstadt gut verteilt. Ab Mitte der dreißiger [ahre begann eine Spezialisierung, die der Bevölkerung ein größeres Warenangebot si-

cherte, aber jetzt auch zu längeren Einkaufswegen führte, da man nicht mehr überall alles bekam. Zwei Drogerien haben die Wirren dieses [ahrhunderts überstanden und gehören heute zu den schönsten Geschäftshäusern der Stadt. In der ehemaligen 'Markt-Drogerie' befinden sich seit einigen [ahren die Räume der 'Evangelisch-methodistischen Kirche'.

67 Die alte Apotheke der Stadt nach der Jahrhundertwende. Bis zumjahre 1684 ist für Kirchberg eine Apotheke nicht nachweisbar, obwohl im Kurfürstentum Sachsen ab 1553 eine solche für jede Stadt gefordert wird. [ohann Herbardt heiratet am 1 S. September 1684 die Witwe des Fleischhauers Heylwagen und errichtet in deren Haus auf dem Neumarkt (heute Nr.

18) Kirchbergs erste Apotheke. Um 1780 befindet sich die Apotheke am Fuß des Altmarktes im Gebäude, das ab 1863 Kirchbergs erste Zeitungsdruckerei beherbergt. Im [ahre 1803 leitet ein praktischer Arzt die Apotheke, die in derTorstraße anzutreffen war. Der nächste Apotheker

richtet sich um 1820 neben dem SchneebergerTor ein. Es ist Carl Friedrich Körber, der lieber Gedichte schreibt als Pillen dreht und die Sage vom Borberg als erster niederschreibt, wenn auch in dramatischen Epilogen. Erst danach finden wir unter Moritz Kegel Kirchbergs Apotheke im abgebildeten Gebäude. Kegel betreibt in diesem Haus mit dem plastischen Giebelfries zusätzlich die Poststelle und richtet ab 1 844 eine 'Hundepost zwischen Kirchberg und Silberstraße' ein.

68 In der Buchdruckerei von Ernst Joseph Kandel am Altmarkt nahe der Kirche entsteht im Iuni 1863 mit dem 'Nachrichtsblan für Kirchberg und Umgegend', Kirchbergs erste Zeitung. Zunächst auf einer Handpresse gedruckt im Format von 26 mal18 Zentimeter, wird sie bereits ab 1. Oktober 1864 das 'Arntsblarr des Königlichen Amtsgerich tes und des Stadtrates zu Kirchberg'. 1873 übernimmt eine 'Augsburger Schnellpresse' den Zeitungsdruck in größerem Format. Von 1907 bis 1922 erscheint sie als 'KirchbergerTageblatt' an drei Tagen der Woche im endgültigen Großformat mit dem Untertitel 'Amtsblatt der sächsischen Landesbehörden, des Amtsge-

richtes und Stadtrates zu Kirchberg sowie der zum Amtsgericht gehörigen Landgemeinden' . Sohn Ernst Paul Kandel stellt den Zeitungsdruck ein, da Richard Helbig am 20. Juni 1903 die 'Kirchberger Zeitung für Stadt und Land' ins Leben gerufen hatte. Mit zwei Tageszeitungen war die Stadt überfordert.

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