Kirchen in alten Ansichten Band 1

Kirchen in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Thomas Leginger
Gemeente
:   Kirchen
Provincie
:   Rheinland-Pfalz
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2568-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Kirchen in alten Ansichten Band 1'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

EINLEITUNG

Die vorliegende Bilddokumentation behandelt den Zeitraum von 1880 bis 1930, einem Zeitabschnitt der im wesentlichen von friedlichem Aufbau gekermzeichnet ist, an dessen Ende jedoch die tragischen Ereignisse des Ersten Weltkrieges und die Vorzeichen einer späteren, weit größeren Katastrophe stehen.

Das Deutsche Reich - eben erst wiedererstanden erlebt eine glanzvolle Periode des Aufstiegs. In diese Jahrzehnte fällt die Blütezeit Kirchens, eines kleines Ortes am Oberlauf der Sieg, wo eine junge, aufstrebende Industrie sich harmonisch mit Landwirtschaft und alteingesessenem Handel verbindet. Diese glückliche Symbiose macht Kirchen bald weit über seine Grenzen als 'Dorf der Millionäre' und 'Perle an der

Sieg' bekannt. Zu der Zeit ist ein Kirchener Bürger Mitglied des Reichstages und in Berlin kann man vorgedruckte Fahrkarten nach Kirchen kaufen.

Die Bilder dieses Buches sollen diese Vergangenheit in Erinnerung bringen und zugleich als Mahnung dienen, die Harmonie von Mensch und Natur zu bewahren, sie als unseren höchsten Besitz zu begreifen und danach unser Tun und Handeln zu richten.

Das Buch ist - soweit dies möglich war - in drei Zeitabschnitte eingeteilt: 1880-1900, um 1910 und nach 1920. Zu jeder dieser Zeiten unternehmen wir einen Gang durchs Dorf, betrachten, was sich in der Zwischenzeit verändert hat und nehmen Teil an längst vergangenen Ereignissen.

Leihgeber:

Otto Böhmer, Willi Christ, Willi Decku, Aloys Euteneuer, Walter Hebel, Adele Hensgen, Prof. DL Erika Hickel, Josef Himmrich, Arnold Hintze, E. Kolbe, Hilde Kraemer, Kreisbildstelle Altenkirchen, Annemarie Kümmerle, Karl Lutzebäck, Norbert Morgenschweis, Gretel Pinkpank, Paula Pitthan, Gisela Rauschenbusch, Hans Schäfers (Freiwillige Feuerwehr), Hedwig Schröder, Margarete Schumacher, Walt er Schumann, Walt er Sernmelrogge, Benno Solbach, Felix Utsch, Verbandsgemeindeverwaltung Kirchen, Wilhelm Wagner (Hohenlimburg), Mieze Winters.

Benutzte Literatur:

'Rund um den Giebelwald' , Heimatdokumentation der Verbandsgem. Kirchen, 1970.

'Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz' , BitteraufRemy, Düsseldorf, 1935.

'Heimatchronik des Kreises Altenkirchen' , Prof. DL H. Neu, Köln, 1956.

'Das Siegtal von der Mündung des Flusses bis zur Quelle', A. Horn, Bonn, 1854.

'Geschichte der Grafschaft Sayn', Matthias Dah1hoff, Dillenburg, 1874.

'Träume im Auelgau', Gambinius Leginger, Kirchen 1929, Fragment.

1. Der Ort um 1880. Eine Aufnahme vom ersten Kirchener Fotografen Karl Ungewitter. 'Die Aussicht von den bequemen Wegen und hohen, ernsten Buchen-Gängen bietet einen raschen Wechsel von wilder Hochwaldsromantik und lieblicher Thal-Idylle, aus welcher sich vorziiglich die Häuser von Kirchen gegenûber, wie ebensoviel freundliche Villen niedlich hervorthun, heißt es in einem alten Reisebericht. Es ist eine Zeit, als die Höhe des Giebelwaldes noch in Pariser Fuß (was die stattliche Zahl von 1603 ergab) gemessen wurde und wo es hieß, daß eine Wanderung daselbst ohne Führer nicht anzurathen ist. Für den 1780 nach Kirchen berufenen Oberbergrat Cramer sind die Bewohner 'zurn Theil zwar sehr dem Luxus ergeben', ansonsten aber 'fleißig und gutmütig'. Die für den Ort bezeichnende Silhouette der beiden Kirchtürme existiert noch nicht. Der Charakter ist noch sehr dörflich, obwohl bereits einige Villen (Kraemer und Stein) entstanden sind. Trotzdem kann man schon am 15. Juni 1881 die ersten Frerndengäste aus Barmen und Elberfeld begrüßen.

2. Jahrhundertelang bestimmte der letzte altersgraue Wächter des Siegtales die Geschicke Kirchens, das zum Verwaltungsbezirk der Freusburg gehörte. Während im Jahre 1785 im Burgverlies gegenüber dem Pulvert urm der letzte zum Tode Verurteilte, ein Raubmörder, seiner Hinrichtung entgegensieht, empfindet ein Regierungsvertreter den Zustand dort allenthalben als derartig, daß 'nicht leicht etwas Schrecklicheres gesehen werden kann', Der Reisende August Horn verfaßt 1854 einen etwas sonderbaren Bericht über einen Besuch in der Burg: Manch geheimnisvolle Sagen umschwirren uns hier oben jledermausartig, von den vielen verborgenen Schätzen in den unterirdischen Gängen, durch züngelnde Feuerchen bewacht und verrathen zugleich; und vom Pater Wilibald, der im Keller unter der Schloßkapelle drilben manch unsauberen Geist beschworen und den Schatz gehoben hat.

3. Das alte Bürgerrneisteramt in der Hauptstraße war im Revolutionsjahr 1848 Schauplatz dramatischer Ereignisse: Einerseits wegen einer Abfindungssumme, welche die Mudersbacher an die Kirchener Pfarrei zu zahlen hatten, um ihre Unabhängigkeit von dieset zu erlangen, andererseits des verhaßten 'Küsterbrotes' wegen, marschierte die 'Mudersbacher Garde' nach Kirchen und bedrängte den Burgermeister. Einige Fensterscheiben gingen zu Bruch, doch konnte der Katholische Pfarrer die Gemüter beruhigen. Der Zug wiederholte sich später noch einmal. Im gleichen Sommer verweigerten die Reservisten den Gehorsam. Kontrolloffizier Roy ne-Manont wurde entwaffnet, auf einer Misttrage gefesselt und unter dem Absingen von Freiheitsliedcrn zum Höferwald getragen. Andernstags erließ Bürgerrneister Beinhauer scharfe Strafmandate und zog sich dadurch den Zorn des Volkes zu. Man raufte sich zusammen und zog zum Rathaus, wo eine achtzehn Mann starke Bürgergarde, Gewehr im Anschlag, in den Fenstern stand. Wieder gelingt es dem Pfarrer, die Ruhe herzustellen. Derweil flüchtet der Bürgermeister durch einen Hinterausgang, reitet nach Altenkirchen und bittet dort um Hilfe. Die Revolutionäre erklären ihn derweil für abgesetzt und wählen den Polizeidiener Dücker zum neuen Bürgermeister. Seine erste Amtshandlung: Beschlagnahme des größten Fasses Branntwein, das in der Wirtschaft Morgenschweis zu finden war! Am nächsten Tag rückt bewaffnete Gendarmerie aus Altenkirchen ein und der neue Bürgermeister wird nach eintägiger Amtszeit wieder durch den alten ersetzt. Kirchen erhält wegen dieser Ereignisse eine preussische Bürgerwehr,

4. Am 16. August 1808 erhielt Conrad Heinrich Kraemer (1783-1812) von der HerzoglichNassauisohen Landesregierung in Ehrenbreitstein das Privilegium fiir die Apotheke in der Hauptstraße, die seit 1807 in Betrieb war. Heinrich Kraemer stammte aus Rauschenberg in Hessen und kam 1801 über Freudenberg nach Kirchen. Seinen frühen Tod brachte die Witwe Friedericke, geborene Bettelhäuser, am 27. Oktober 1812 durch die Zeitung allgemein zur Kermtnis. Die Apothekergeschäfte wurden von dem Provisor Friedrich Rupprecht weitergeführt, der sich etwa zehn Jahre später mit der Witwe verheiratete. Spater übernahm der Sohn aus dem ersten Ehe, Heinrich Kraemer, die Apotheke und zog in die Lindenstraße um. Das Haus im Oberdorf ist heute sehr heruntergekommen.

5. Das 'Katzenbacher Eichelchen' an der Grenze zwischen Kirchen und Katzenbach ist über vierhundert Jahre alt. Im Protokoll der letzten Grenzbegehung 1760 ist die Eiche noch als Grenzmarkierung ausgewiesen. Am 5. August 1868 gab es ein fürchterliches Gewitter. vor dem die sechzigjährige Anna Maria Klein, die mit dem Fuhrmann Kar! Horn auf den Wiesen Hafer aufgeladen hatte, unter dem Baum Schutz suchte. Da fuhr ein mächtiger Blitz in den Stamm und tötete die Unglückliche. Der Fuhrmann, der sich unter seinen Wagen geflüchtet hatte, fand die alte Tagelöhnerin und brachte sie eilig in das Dorf. Da liefen die Menschen zusammen und erschraken sich sehr. Fortan begriffen sie dieses Ereignis als Zeichen Gottes und errichten zur Erinnerung an dieses Geschehen an der Stelle ein Holzkreuz. Heute sind die ehemals um das Eichelchen liegenden Wiesen und Felder längst bebautes Siedlungsgebiet.

6. Der 'Inken' ist einer der ältesten Ortsteile Kirchens. Ehemals kamen die Postkutschen hier auf ihrem Wege über Katzenbach und die Höhen nach Siegen vorbei, Die Herkunft des Namens liegt im Dunkeln. Die Bezeichnung 'Heringsburg' für die alte Katholische Schule auf den Feldern (im Bildhintergrund) soll mit der Armut der ehedem um das Gebäude lebenden Einwohnerschaft in Zusammenhang stehen. Diese hätten mit Heringen vorlieb nehmen rnüssen, da sie sich kein Fleisch leisten konnten. Das kleine Häuschen im Vordergrund diente der Feuerwehr lange Zeit als Spritzenhaus. In dem Fachwerkhaus rechts war der Dorfhirte Schaumann zu Hause, Das Haus wird heute von Edmund Kroll und dessen Frau bewohnt. Der Kellner Emil stammt aus dem langgestreckten Gebäude daneben.

Das Bild datiert von 1916.

7. Inmitten alter lehmverputzter Fachwerkhäuser verbreiten wohlhabende Kirchener Bürger einen Hauch von Eleganz. Beim Dorfbrunnen entstehen um 1860 zwei herrliche Villen der Gründerzeit. In dem Gebäude links (erbaut 1859) residierten die Geschwister Ernst und Mathilde Jung. Jene wohnte in Wiesbaden und hielt sich nur während der Sommermonate in Kirchen auf. Die andere Villa bewohnte Herr Justus Kraemer, Mitinhaber der Euteneuener Pulverfabrik, mit seiner Frau Emma, geborene Jung. Diese pflegte einen äußerst kultivierten Lebensstil, Wenn sie den Kaffee im 'Mokkasalon' eingenommen hatte, verbrachte sie den Großteil des Tages lesend und sich unterhaltend im 'Blauen Salon'. Links neben dem Haus befand sich in früheren Zeiten die 'Gerichtslinde'. Dort wurde am 11. März des Jahres 1785 das letzte 'hochnotpeinliche Halsgericht' abgehalten.

8. Dem unverheirateten Geschwisterpaar Jung und einer weiteren Dame aus Wiesbaden stehen umfangreiche Stallungen (Brunnenstraße 2·4) und eine Kutsche zur Verfügung. Exotische Gewächse und Ziersträucher bereichern den weitläufigen, nach französischem Vorbild angelegten Garten, der, von einem kunstvoll geschmiedeten Zaun umgeben, über eine Wendeltreppe in einen weiteren Garten führt. Dieser reicht - sanft abfallend - bis nahe an die Lindenstraße. Das Haus verfügt über eine eigene Gärtnerei. Kutscher Kehl, der die Damen bei schönem Wetter ausfährt, ist auch für die Pflege der üppigen Flora zuständig. Der Besitz des Grundstücks wechselte mehrmals zwischen den Familien Jung und Stein. 1909 ging es endgültig an Otto Stein und dessen Erbfolger.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2018 Uitgeverij Europese Bibliotheek