Kirchen in alten Ansichten Band 1

Kirchen in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Thomas Leginger
Gemeente
:   Kirchen
Provincie
:   Rheinland-Pfalz
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2568-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kirchen in alten Ansichten Band 1'

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19. Drei stolze Gebäude aus Kirchens Vergangenheit auf einem Bild vereint! Es scheint ein besonderer Tag gewesen zu sein, denn die Fahnen sind gesetzt. Dieser Teil Kirchens, die untere Lindenstraße, ehemals eine der reizvollsten Stellen des Ortes, wurde rücksichtslos dem Verkehr geopfert. Der Abbruch des herrlichen Fachwerkhauses von Baumeister Heinrich Quast (rechts) stieß in weiten Teilen der Bevölkerung auf Unverständnis. Die alte Steiri'sche Villa mit ihren riesigen, saalartigen Räumen wurde um 1875 von Julius Stein (1837-1927) erbaut. Später diente sie als Direktorenhaus, war zeitweilig im Besitz von Karl Siebel und avancierte im Dritten Reich zum NS-Parteihaus. Ab 1951/52 diente sie als katholische Schule und wurde 1968 abgerissen. Die 1904 erbaute Reitbahn der Familie Rauschenbusch (links), wurde später zur Turnhalle umfunktioniert, ohne daß man auf architektonische Besonderheiten Rücksicht genommen hätte.

20. Fräulein Helene Rauschenbusch, Tochter von Sanitätsrat Dr. Felix Rauschenbusch, unternimmt in Begleitung des Lakaien Grümbel einen Ausflug mit der väterlichen Kutsche auf der 1842 fertiggestellten Provinzialstraße nach Betzdorf. Im Mittelalter hatte es nur Höhenwege gegeben, da die Täler häufig überschwemmt, unübersichtlich und unsicher waren. 1832 war die Minden-Coblenzer-Straße bis zur Siegbrücke vorangetrieben worden, doch mußten die Anwohner noch zehn Jahre mitansehen, wie sich die schwerbeladenen Fuhrwerke hinter einem, fünf Silbergroschen kostenden, Vorspann von Betzdorf nach Kirchen heraufquälten, um die Kunststraße zu erreichen.

21. Entscheidend wurde das Ortsbild durch die Einrichtung der Eisenbahnlinien gepragt. Der KölnMindener-Eisenbahngesellschaft wurde deren Bau und Betrieb übertragen. Die Linie Köln-BetzdorfSiegen-Gießen wurde 1855 begonnen und 1862 zunächst eingleisig fertiggestellt. Der Verkehr, einschließlich der Ausfuhr von Eisenerz, nahm jedoch bald in solchem Ausmaß zu, daß man bereits in den siebziger Jahren gezwungen war die Strecke zweigleisig auszubauen. 1888 wurde dann die Zweiglinie von Kirchen nach Freudenberg eröffnet. Trotz der sich schnell verändernden Zeit behielten die Bewohner alte Angewohnheiten bei Vorzugsweise auf den Siegwiesen wurde die Wäsche - wie eh undjehzum Bleichen und Trocknen ausgebreitet,

22. Der von Friedrich Wilhelm IV. zum Königlichen Kommerzienrat ernannte Christoph Ernst Jung (1775-1857) erbaute in den Jahren 1817-1818 das Haus 'Jungenthal' mit seinen umfangreichen Stallungen. Zu dieser Zeit hatte sich schon in Kirchen im Hause des Schichtrneisters Joharm Daniel Stein (1765-1832) in der Hauptstraße ein 'Demagogenclub' ko nstituiert, der aus einigen turnbegeisterten und politisch interessierten jungen Leuten bestand, die sich um den Lehrer der Privatschule, Friedrich Wilhelm Grube (1795-1845) versammelten. Der Kreis löste sich wieder schnell auf, nachdem einige Mitglieder wegen 'demagogischer Umtriebe' verhaftet worden waren. In jenen Tagen erlebte das Haus 'Jungenthal' seinen Prinzenbesuch und wurde nach dern Tode seines Erbauers von dessen Söhnen Julius und Richard bewohnt. 1872 zog dort Gustav Jung (1811-1874) mit Frau Bertha (1822-1898) ein. Die nächste Generation folgte mit Arnold Jung (1859-1911) und Frau Marie, geborene Rauner, nach deren Ableben das Anwesen unter der Aufsicht von Tochter Marie-Luise eine zeitlang als Mütterheim fungierte. Um 1936 als Gefolgschaftshaus von der Lokomotivfabrik übernommen, wird es seit 1945 von Arnold Hintze bewohnt, dessen Vater Paul (1877-1939) es 1909 der Siegüberschwemmungen wegen nach Kirchen verschlagen hatte. Als Schwiegersolm übernahm er bereits zwei Jahre später die Leitung der Lokomotivfabrik.

23. Zu besonderen Anlässen (wie Weihnachten, Kaisers Geburtstag undsoweiter) wurden vom Gesangverein 'Cäcilia' Theaterstücke und Operetten aufgeführt. Die 'Wochenzeitung' (Druck und Verlag Heinrich Braun, Betzdorf) berichtete über eine solche Aufführung in ihrer Ausgabe vom 4. Januar 1887: 1. Januar. Der Gesangverein Cäcilia von Kirchen gab heute im Vomfell'scher Saal das Weihnachtsspiel 'Des Stegers Einzug'. Das Stûck stellt in 5 Acten in poetischer Form abwechselnd mit Gesang die Sehnsucht der Völker nach dem verheißenen Messias und die Huldlgung der drei Konige aus dem Morgenlande dar. Das Spiel fand jedoch trotz 'wohlgelungener Auffûhrung und prächtig gewählten Costümen' nicht dengleichen Anklang wie das Stück des letzten Jahres, 'Joseph und seine Brüder'. Der MGV Liederkranz se tzte diese Theatertradition später im 'Gasthof zum Bahnhof' fort.

24. Durch Legat des katholischer Bürgermeisters Louismeyer wurde am 1. Januar 1885 das St.-Elisabeth-Krankenhaus in der Bahnhofstraße mit zwanzig Betten eröffnet. Ein Jahr zuvor hatte man zu diesem Zweck das ehemalige Wohnhaus Lerner für siebzehntausend Mark erworben. In der ersten Zeit versahen zwanzig Franziskanerinnen aus Olpe ihren Dienst. Leitender Arzt war Dr. Felix Rauschenbusch, der dort 1895 den ersten Röntgenapparat im Kreise Altenkirchen einführte und 1903 ein Medico-mechanisches Institut zur Behandlung von Gelenk- und Gliederschäden einrichtete. Am 22. Juli 1931 wurde der fünfundachtzig Meter lange Erweiterungsbau seiner Bestimmung übergeben, nachdem man ein Jahr zuvor den alten Fachwerkbau abgerissen hatte. Nach den 1967 abgeschlossenen Renovierungsarbeiten verfligt das Krankenhaus über sieben Fachabteilungen und dreihundertundeins Betten.

25. Im Sommer 1767 hatte ein Blitz das Kirchenschiff der Martin-Luther-Kirche in Brand gesetzt, wobei der Turm glücklicherweise erhalten blieb. Mit dem Wiederaufbau wurde am 19. Juni 1770 begonnen. Unser Bliek geht von den mit korinthisierenden Kapitellen verzierten Holzsäulen der Ernporen, deren Brüstung mit gut gezeichnetem Rokokoornament und mit zartem Palmettenfries geschmückt ist, auf den Hochaltar. Links und rechts davon war den ehemaligen katholischen Seitenaltaren, die der Mutter Gottes und dem Heiligen Michael geweiht waren, je eine Blendnische vorbehalten. In einem Seitenraume befinden sich auch zwei uralte Grabplatten. Die ursprüngliche Fassung der mit schön aufgetragenem Rokokodekor veredelten Kanzel war weiß und gold. Das Gestühl impliziert den Geschmack der damaligen Zeit mit einfachen Rokokoschwüngen an den Wangen. Unvergessen sind den Alten die festlichen Gottesdienste geblieben, an den von Phoenix-Palmen und Lorbeerbäumen umgebenen Altar und die Treppe davor, arn Erntedankfest mit den Früchten 'des Feldes überladen ...

26. Die alte Gastwirtschaft Bender in der Bahnhofstraße (später Hotel 'Zur Post'). Dort wirkte der 'Hunnes', so genannt wegen seines Bärtchens, das er wie die Hunnen gedreht hatte. In seinem Wirtshaus verkaufte er außerdem Salzheringe - die er für nur einen Pfennig mehr anbot, als er selbst gezahlt hatte - um den Leuten tüchtig Durst zu machen. Seine Devise war: Die Masse muß es bringen! Daneben das Anwesen von Schuhmacher Schweitzer und das alte, 1840 von Alwine Siebel erbaute Forsthaus, das inzwischen langst abgerissen ist. Zwischen beiden ftihrt die Brückenstraße in das Oberdorf hinaus.

27. Auf meinen Spazierstock gestützt stehe ich hier an einem stillen Sommemachmittag, und träumerisch wiegt die Sonne das Land in tiefe Melancholie. Friedrich Henrieh, dessen fremdländisches Aussehen sich niemand erklären konnte, erbaute 1908 das schöne Haus mit dem Türmchen. Er war der besseren Geschäfte wegen von Freudenberg nach Kirchen gekommen und bot im Erdgeschoß 'Elegante und dauerhafte Herren- und Damenfußbekleidung' an, in 'allen Größen und Facons', ferner 'reichhaltige Auswahl in Stöcken, Regen- und Sonnenschirmen, langen und kurzen Pfeifen und Galanteriewaren'. Unter den herrlichen Kastanien und Platanen hinter dem ehemaligen Scharfrichterhaus (links) verborgen, konnte man sich ehedem bei Musik und Tanz erfreuen, denn 'Hier darf gelogen werden', 'Leute, vertragt Euch!' und andere sinnvolle Sprüche hatte der 'Rickes', ein Schöngeist mit dern Charme eines Willy Birgel, in seiner Gastwirtschaft 'Langs Ecke' angebracht.

28. Einst war es nur ein Steg - die 'Kircher Brukken' - die schon 1344 im 'Mann- und Güterbuch' des 'Schwarzen Ekkehard von Birken' erwähnt werden. 1853 schritten die beiden Kirchener Pastoren unter lebhaftem Beifall der Einwohnerschaft als erste über die neue Siegbrücke, die man mit Eichenbohlen aus dem Wald auf der Au gegen das wühlende Wasser verstärkt hatte. Nach der 1902 stillgelegten Weißgerberei Löhr (heute Schlechtriemen), wo zeitweise bis zu zehn Gesellen beschäftigt waren, wurde die Brücke eine zeitlang auch 'Lüersch Brökke' genannt. Im Ersten Weltkrieg der Zerstörung noch entgangen, wurde sie - ein Opfer der Parole 'Verbrannte Erde' - in der Nacht vom 28. zum 29. März 1945 in die Luft gesprengt. Amerikanische Truppen errichteten unter heftigem deutschen Artilleriebeschuß in den ersten ApriItagen eine Notbrücke, ehe 1951 die neue Brücke fertiggestellt wurde.

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