Kirchen in alten Ansichten Band 1

Kirchen in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Thomas Leginger
Gemeente
:   Kirchen
Provincie
:   Rheinland-Pfalz
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2568-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kirchen in alten Ansichten Band 1'

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29. Links: Kirchenschweizer Wilhelm Schuhen (1849-1937) aus Offhausen sorgte bis 1933 für Ruhe und Ordnung im kirchlichen Betrieb. Prozessionen ging er stets achtungsvoll voran, um eventuelle Unregelmäßigkeiten gleich bereinigen zu können. Nach Frühmesse, Hochamt und Vormittagsmesse kehrte er gerne beim Utschen Felix zum Ausruhen ein. Nach einem heißen Süppchen machte er sich dann auf den langen Heimweg über die Sohle nach Offhausen.

Rechts: Das strenge, aber gerechte Auge des Gesetzes war Ludwig Hennekens (1853-1931) als Polizeiwachtmeister der Gemeinde Kirchen. Er wohnte ursprünglich im Gefängnisanbau des Königlichen Amtsgerichtes über dem 'Kaschöttchen', später in der alten Apotheke, ehe er 1902 sein eigenes Haus in der Neuen Straße baute. Seine Frau kochte noch für die Gefangenen, Bäckermeister Thomas lieferte wöchentlich zwanzig bis dreißig Brote, je nachdem wieviele Leute im 'Kittchen' saßen.

30. Malerisch lieblich und zugleich industriell interessant ist das Jugenthal unterhalb Kirchens an der Sieg und der Asdorf, welche hier mündet. 1758 war das Gründungsjahr der Spinnereien von Johann Chr. Jung (1732-1808). der 1801 Einzug in seine neue Fabrik hielt. Schon 1797 hatte der Freiherr von Hardenberg verfügt, daß das Land am Endlauf der Asdorf fortan 'Jungenthal' zu nennen sei. Auf Veranlassung der Gebrüder Jung war dort 1817 auch rnit dem Straßenbau begonnen worden. Am 1. September 1819 weilte der Preußenprinz Wilhelm (später Kaiser Wilhelm 1.) bei den Gebriidern Jung zu Besuch. Infolge ungünstiger Konjunkturen gingen die Spinnereien ein, worauf 1885 dann die Lokomotivfabrik Jung und Steimer ihre Arbeit aufnahm. Sie zog auch in das 1853 errichtete alte Verwaltungsgebäude ein. 1908 erfolgte die Grundsteinlegung für die Kesselschmiede (Bildmitte), derweil baute man Lokomotiven für die 'Pilgerbahn' Damaskus-Medina und eine nach dem Berggeist 'Tro ll' benannte, mit Preßluftantrieb (1922). 1941 konnte man die 10.000 Lokomotive fertigstelIen. Sie wurde unverzüglich in den 'Kriegsdienst' geschickt.

31. Im Jungenthal noch um eine Biegung herum und immer an dem Flüßchen Asdorf entlang, gelangt man nach Kircherhütte. Rauchende Schornsteine der Gerbereien hinter dem Berg. Auf dem Hügel ist längst ein neuer Ortsteil, der Grindel, entstanden. In der Ferne schlängelt sich im Morgenlicht der Feldweg in das Rußloch und weiter zum Waldfriedhof. An diesem Wege hatte die Witwe von Bürgermeister Schulz, die sich in rühriger Weise um die notleidenden Menschen kümmerte, im nahrungsknappen Kriegswinter 1917 eine Volksküche eingerichtet, wo die Dorfjugend eine warme Mahlzeit erhalten konnte. Eines Tages hatte Lehrer Baerwolff den Kindern die Aufgabe gestellt, darüber einen Aufsatz zu schreiben. Ein kleines Mädchen meinte es besonders gut: Wir haben jetzt auch eine Volksküche in Kirchen. Diese haben wir der Frau Burgermetster Schulz zu verdanken. Sie ist eine alte Baracke und mit Dachpappe bedeckt... Frau Bürgerrneister nahm es als Kompliment und lachte herzlich darüber.

Sornmer-estauration .Alexanderhöhe« bei Kirchen, Sieg Bes. G st. Webe!'".

32. Ein schöner Spaziergang führte durch die Hetzbach und über den Hexen- oder Zigeunerplatz zur Waldrestauration 'Alexanderhöhe '. Der 'billige Gustav' hatte diesen herrlichen Ausflugsort mit zusätzlichen Aussichtsturm eingerichtet. Dort gab es jeden Mittwoch frische Waffeln und ganze Geselischaften gaben sich hier an Sommertagen ein Stelldichein. Links auf der Balustrade sehen wir Sanitätsrat Rauschenbusch. Die Aufnahme entstand um 1910. Bereits zwanzig Jahre später war die Anlage schon halb verfallen. Heute ist nichts rnehr von ihr übrig geblieben.

33. Mit seinen beiden Kirchen, den hiibschen, vielfach villenanigen Häusern, die pon schönen Gartenanlagen umringt sind, mit seinen ausgedehnten Baumpflanzungen bietet der Ort, begunstigt durch Naturschonheiten aller Art, dem Auge einen solch malerischen Anblick dar, daß es schwerfdllt, sich den Eindrücken zu entziehen. .. Etwa dreißig Jahre später (1907) hat sich das Ortsbild wesentlich gewandelt. Die Bevölkerungszahl ist auf zweitausendachthundert gestiegen. Die katholische Kirchengemeinde hat inzwischen ihr eigenes Gotteshaus (Einweihung am 16. Juli 1889) erhalten, die ehemalige Simultankirche irn Oberdorf wurde erweitert und erhielt im gleichen Jahr einen neuen Turrn, Auch die Presse ist vertreten. Seit 1906 erscheint täglich der 'Kirchener Lokalanzeiger' , und wöchentlich die 'Kirchener Zeitung' (beide im Verlag Philipp Dickerhof, Hauptstraße). Vierzehn Gasthöfe sorgen dafür, daß der inzwischen etablierte Bürgerverein in seinem 'Führer für Kirchen', Ausgabe 1911, für Gäste werben kann: Suchst Du Stärkung Deiner Nerven, bist Du erholungsbediirftig, lieber Leser, dann komme nach Kirchen!

34. Die kleine Schulstraße hat sich um die Jahrhundertwende zu einer der bedeutendsten Geschäftsstraßen Kirchens entwickelt. Man beachte Höflings Kaffeestuben! Dortselbst große A uswahl in Chocolade, Bonbons, Torten und Gebdek. Erstes und ältestes Café! Die Geschwister Höfling (später M. Hermanns) vertreiben in ihren Kolonialwarenladen auch Porzellan und Kurzwaren, aber 'Conditorei und Caffee Franz Pracht', Nummer 7b, ist 'das schönste Lokal am Platze', mit separaten Gesellschaftszimmern, wo 'Liköre, Chocolade, Pralienes, Bonbons und edle Torten' kredenzt werden. Heinrich Pracht folgt mit seinem Installationsgeschäft und Haushaltswaren, und hinter der Biegung preist Herrenschneider Bernhard Geil sein 'reichhaltiges Lager schöner Tuche' an und garantiert für 'elegante Anfertigung und tadellosen Sitz, Ihm gegenüber hat sich Metzgermeister Louis Spomhauer eingerichtet, bei dem man 'Cervelat- und Plockwurst in vorzüglicher Qualität' kaufen kann.

35. Generalsuperintendent Rogge hielt die Festpredigt zur 200. Jahresfeier der evangelischen Kirche am l. Mai 1912. Nachmittags sprach Pfarrer Roloff aus Freusburg über dieses Ereignis, dem am Vorabend schon ein großer Fackelzug und ein beeindruckendes Feuerwerk vorangegangen waren. Anlaß der Feierlichkeiten war die Errichtung einer separaten Pfarrstelle in Kirchen, innerhalb der großen Pfarrei Kirchen-Freusburg, durch den Herzog Wilhelm von Sachsen-Eisenach 1712. Das in etwas akademisch gefärbtem Barockstil gehaltene Langhaus wurde in den Jahren 1770-1772 gebaut, nachdem ein Blitzschlag das alte Kirchenschiff erheblich beschädigt hatte. Durch die Restauratiensarbeiten 1872 und 1889 hat der stattliche, den vorgelagerten Kirchplatz wirkungsvoll beherrschende Bruchsteinbau viel von seiner ursprünglichen Wirkung verloren. 1889 wurde auch das neue Glockengescnoû mit dem siebzehneinhalb Meter hohen Helm errichtet, so daß die Gesamthöhe des Turmes jetzt 52,4 Meter beträgt. Das reiche Interieur der Rokokozeit fiel, ebenso wie die barocken Altäre, den verschiedenen Restaurierungen zum Opfer.

36. Fotograf Robert Kalleicher scheute keine Mühen, seinen Kunden ausgefallene Schnappschüsse präsentieren zu können. So stieg er eines schönen Morgens in den Glockenturm der Martin-LutherKirche und machte an einem Tag im Jahre 1907 diese herrliche Aufnahme vorn Oberdorf. Links in Reihenfolge die Häuser Jung, A. Stein und O. Stein, rechts Wickler, Harlinghausen, Ermert und Herrnes. Der 'Inken ' (auch 'Enken', links) ist noch eine verträumte Ecke; weite, lichte Fluren ziehen sich bis zum Höferwald. Die elf Bäume des Kirrnesfeldes (rechts oben) sind eben erst gepflanzt. Viele Menschen scheinen an diesem Tage ihren Geschatten nachzugehen oder sollten es eifrige Kirchgänger sein? Niemand mehr vermagdarauf eine Antwort zu geben.

37. Einen Tag nach dem Kriegerfest, am 29. Juli 1913, brannte im Oberdorf das neben dem 1858-1859 erbauten Schulhaus (heute Böhmer) gelegene Fachwerkhaus der Familien Mauer und Otterbach ab. Letztgenannte hatten dort auch einen kleinen Kolonialwarenladen unterhalten. Aus sicherer Entfernung, dicht gedrängt an den Häusern von Fuhrmann Peter Happ ('Kohlen und Koks bestrenommierter Zechen') und der Gastwirtschaft und Bäckerei der Witwe Rudolf Morgenschweis, verfolgt eine ansehnliche Zuschauermenge aufmerksam die Löscharbeiten, während Brandmeister Gerlach Müller (der bis 1917 sein Amt ausübte) sich derweil mit einem Untergebenen bespricht.

38. Im Jahre 1908 ließ Kommerzienrat OHo Stein auf der Höhe des Kahlberges (vierhundertundsechs Meter) einen Aussichtsturm auf seine Kosten errichten. Die achtzehn Meter hohe Eisenkonstruktion wurde von der Bevölkerung 'Ottoturrn' genannt und bietet einen wunderbaren Ausblick auf die lichten Hochebenen des Westerwaldes, auf die Freusburg, die dunklen Höhen des Giebelwaldes und ins ferne Siegerland, wo die Eiserfelder Autobahnbrücke das Siegtal überquert, Im Zweiten Weltkrieg geriet der Turm tür kurze Zeit in Gefahr, abgerissen und einem Hochofen geopfert zu werden. Dem widersetzte sich die Allgerneinheit jedoch erfolgreich. Der auf dem gcgenübcrliegenden Galgenberg stehende Helenenturm, ebenfalls von Otto Stem gestiftet und ganz aus Holz gebaut, wurde im bitterkalten Kriegswinter 1917 verheizt.

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