Kirchen in alten Ansichten Band 1

Kirchen in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Thomas Leginger
Gemeente
:   Kirchen
Provincie
:   Rheinland-Pfalz
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2568-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kirchen in alten Ansichten Band 1'

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59. Im schönsten Wiesengrunde steht meiner Heimat Haus, da zog ich manche Stunde ins Tal hinaus ... Hier - oberhalb des lnken - hat sich viel von der Ursprünglichkeit des Ortes bis heute erhalten. Die Wäsche wird zwar nicht mehr zum Trocknen ausgebreitet, aber der Bach plätschert immer noch munter dahin und Schafe und Ziegen weiden wie früher auf den saftigen Wiesen. Auch die Aussicht ist unverändert geblieben, Zwischen Büschen und Bäumen ist das 1912 entstandene Spritzenhaus der Freiwilligen Feuerwehr mit dem Steigerturm zu sehen,

60. Oben: Emil Schumann (1892-1972) beim Servieren unter den schattigen Bäumen der Sigambria. Kellner EmiI, der nur achtundachtzig Pfund Lebendgewicht auf die Waage bracht, war nicht nur ein versierter 'Ober', sondern auch ein gefürchteter Schiedsrichter, der für seine vielen erteilten Platzverweise bekannt war. Diese Entscheidungen führten dazu, daß Spieter den wackeren Gesellen oft ärgerten, was unverzüglich die entsprechenden Reaktionen nach sich zog. So stellte er an einem Nachmittag auf der Sigambria zur Belustigung der Zuschauer die Spieler beider Mannschaften gleich reihenweise vom Platz.

Unten: 'Wo Mistus (Mist) ist, da ist auch Christus!' Edmund Kroll aus dem Inken ist Doktor, Friseur, Instrumentenbauer, Bäcker, Bauer und Schafszüchter in einer Person. Tiere sind ihm lieber als die meisten Menschen. Über ein Dutzend Katzen und Kätzchen haben in seinem alten Fachwerkhaus ('In Ziegel-Häusern hausen oft böse Geister!') eine Bleibe: 'Die brauchen nicht zu arbeiten, haben immer was zu fressen und tragen das schönste Kleid!' 'Fünfzig Katzen sind besser als ein Politiker!' Wenn es nach ihm ginge, würden an der innerdeutschen Grenze statt Mauer und Stacheldraht lauter Kirmesbuden stehen. Nach dem Krieg zog er mit Gitarre und Mandoline über den Westerwald an den Rhein und wieder hinauf ins Bergische Land. Das war sein Broterwerb. In den fünfziger Jahren war er selbstverständlich auch bei den Festspielen unterhalb des Druidensteins dabei. Räuber und Rottenführer konnte nur einer sein - der Kroll!

61. Oben: Anläßlich eines Gesang-Wettstreit Juni 1922 marschiert man am Haus Wickler (Wildbret und Geflügel) und Mosblech (Hüte und Mützen neuester, modernster Farben und Formen) vorbei zum Festplatz auf der Sigambria.

Unten: Ein Erntefest am 4. Oktober 1936. Der Zug bewegt sich mit Sensen und Mistgabeln, mit Körben voll Obst und Feldfrüchten die Hauptstraße hinauf.

62. Oben: Eines Tages hatte man Wilhelm Kempf, seines Zeichens 'Generalobertreiber' und Hausdiener von Wilhelm Pitthan, mal wieder betrunken gemacht und ihm seinen stolzen Bart genau auf einer Hälf'te abrasiert. Der Unglückliche wurde erst am nächsten Morgen bei einem Spaziergang darauf aufmerksam gemacht: Ja willem, wie seust Du dann aus? und wollte Anzeige gegen die Übeltäter erstatten. Das Strafmaß hatte man bereits auf fünfzig Pfennig pro Person festgelegt. Nach einer gelungenen Kegelpartie (er hatte den König aus den vollen Neun geworfen, wofür er eine Pinte Wacholder erhielt) verzichtete er jedoch darauf und sang, in Abwandlung auf Heidelberg, das bekannte Lied: Ich hab' meinen Bart am Hellerstrand verloren, in einer lauen Sommernacht!

Unten: Wilhelm Pitthan, der 1934 starb, war Wunderdoktor und 'Helfer in der Not' zugleich. Er heilte seine Patienten nicht selten durch bloßes Handauflegen, wobei er ihnen tief in die Augen blickte. Andere wurden durch Salben und allerlei Medicinon aus eigener Herstellung gesund. Der Erfolg war verblüffend. Es gab jedoch auch undankbare Stirnmen, die seine Kunst flir Zauberei hielten und ihn mit dem Teufel im Bunde wähnten.

63. Der 457 Meter hohe, von Eichenwäldern urngebene Druidenstein (auch Drüdelstein oder Herkersdorfer Köppel), ist ein Ort geheimnisvoller Umtriebe in Sagen und Legenden. 1741 hatte der Kirchener Pfarrer Sturm eine ausfürhliche Schrift über ihn verfaßt und sich dabei auf die 'dunklen Erzählungen der hiesigen Einwohner' verlassen. Im Dreißigjährigen Kriege soll man die Spitze des Basaltkegels abgebrochen haben, um den feindlichen Truppen nicht die Marschrichtung in das Land zu weisen. Dereinst, so erzählte man sich, seien wilde Riesen von dort herabgestiegen, um sich bei der Bevölkerung allerlei Geschirr, wie Kessel und Töpfe, auszuleihen. Noch heute bekannt ist die Geschichte von Herka, der keltischen Druiden-Priesterin. Diese opferte einen gefangenen Römer dem Kriegsgott. Der römische Feldherr Drusus schickte daraufhin seine Häscher zum Druidenstein und verschleppte den Sohn der Priesterin. Späterhin kehrte dieser als Legionär zurück, wurde aber erkannt und von den Germanen gefangengenommen. In den Tod getrieben stürzte er sich gemeinsam mit seiner Mutter von dem Felsen in die Tiefe. Wahrscheinlicher jedoch ist, das es sich hier um eine religiöse Stätte der Chatten handelt, die dort eine Thingstätte errichteten und die Sonne verehrten. 1855 wurde Basalt vom Druidenstein für den Straßenbau benutzt und das Naturdenkmal entging nur knapp der Zerstörung. Heute wie damals aber führt am Himmelfahrtstag eine Prozession über den Bildstöckchenweg zu ihm hinauf und noch mancher erinnert sich hier der Festspiele der Freilichtbühne in den fûnfziger Jahren unter dem Gipfel des Druidensteins.

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64. Fuhrwerke brachten das in den Wäldern des Windhahnes (fünfhundertsiebzehn Meter) und Giebelwaldes (fûnfhunderteinunddreißig Meter) im Tagebau gewonnene Erz sowie Dachschiefer vom Weißenstein zu den von der Reichsbahn unterhalb der Lindenstraße eingerichteten Kohlen- und Erzplätzen. Der geförderte Spat- und Brauneisenstein ging von hier aus mit der Bahn in die Siegerländer Hüttenwerke. Nachdem die Großindustrie das Interesse an den Siegerländer Erzen verloren hatte, wurden die Güterschuppen zum Umschlagplatz von Brennstoffen und Waren aller Art.

65. Auch südlich, am Ortsausgang richtung Betzdorf, breitet sich Kirchen aus. Auf dem 'Schwelbel' hat sich eine rege Bautätigkeit entfaltet, dennoch kann man ungestört die Schönheit des Siegtales genießen. Vor der 'Sigambria' liegt immer eine 'Flottillc' bunter Boote zu einer Kahnpartie bereit.

66. Schönster Ausflugsort an der Sieg, Restaurant mit Veranda, Eigene Conditorei und Täglich frische Milch und Eier aus eigener Stallung, machten die 'Restauration Sigambria', um 1900 von J. Heidrich erbaut, überall im Lande bekannt. Ein eigenes Bootshaus mit blau, rot, grün und gelb gestrichenen Booten erlaubte herrliche Kahnpartien auf der Sieg und gab dem 'Ruderverein Sigambria' eine Heimstatt. Spater machten sich Angehörige der Französischen Besatzungsmacht einen Spaß daraus, die auf der Sieg treibenden Kähne mit Gewehrkugeln zu durchlöchern und zu versenken. Nachdem das Gebaude vorübergehend leergestanden hatte, wurde es im November 1926 von Franz Eckel wiedereröffnet. Nach dern Kriege übernahmen seine Söhne die Restauration. Das Schicksal der Sigambria endete tragisch: In der Nacht vom 16. zum 17. August 1969 brannte sie bis auf die Grundmauern nieder. Die Ruine wurde abgerissen. Heute ist dort, wo einst unter schattigen Bäumen Bier und Kaffee getrunken wurde, der klotzige Bau eines Supermarktes mit Parkplatz entstanden.

67. Einhundcrtfünfzig Paare konnten hier gleichzeitig tanzen - im großen Saal der Sigambria - der achthundert Personen faßtc. Wir hatten oft nicht Sonntage genug, so viel wurde gefeiert, erzählt Hcinrich Eckel aus vergangenen Tagen. Nach Veranstaltungcn auf dern an den Saal grenzenden Sportplatz des Turnvereins, gab es immer viel zu tun, besonders am Schützenfest. Auch über ein separates Weinzimmer konnte man verfügen. Der Herkersdorfer Kirchbauverein führte hier Passionsspiele auf, kurz vor der Machtübernahme 1932 kam es wegen eines den Nazis mißliebigen Rednors zu einer Saalschlacht. Hier war auch das 'Revier' des bekannten Kirchener Kellners Emil.

68. Zwei Aufnahmen vom Fahnenweihfest des Kolpingvereins 1928 (er war drei Jahre zuvor gegründet worden). Ein Zug von über zehn Handwerkswagen, darunter die Schreiner mit einer kompletten Hobelbank, zogen durchs Dorf.

Oben: Der Wagen der Bäcker an der Hauptstraße Ecke Katzenbacher Straße. Für den Umzug hatte man extra Brezeln und Brot gebacken. Rechts der Caféhausbesitzer Franz Pracht, auch Karl Ermert (vierter von links) und Aloys Euteneuer (fünfter von links) marschierten mit. Der kleine Walter Ermert durfte bei solchen Anlässen natürlich nicht fehlen.

Unten: Auf der Sigambria fanden die Feierlichkeiten dann ihren Abschluß. In der ersten Reihe (vierter von links) Pastor Lellmann, zweiter von rechts, Baumeister Heinrich Quast.

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