Kirchen in alten Ansichten Band 2

Kirchen in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Thomas Leginger
Gemeente
:   Kirchen
Provincie
:   Rheinland-Pfalz
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4715-6
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kirchen in alten Ansichten Band 2'

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45. Auf dem Land war noch im Jahre 1776 jede Krämerei streng verboten, erst später erhielten einzelne Kirchspieldörfer - auch Kirchen - die Erlaubnis, für den Landmann dringend notwendige Dinge feilzuhalten. Kleidungsstücke und Schuhwaren durften jedoch nur von den Zunftgenossen angeboten und verkauft werden. Nach den Freiheitskriegen wurde das Verbot aufgehoben. Die ersten Geschäfte und bescheidenen Ladehen öffneten ihre Türen,

Der Vater von Peter-Jungs Wilhelm betrieb im heute Ermert'schen Haus eine Wirtschaft mit Bäckerei. Der Großvater vorn Schlosser Lackner hing ein Schild an das Haustor 'perpetuum mobile'. Was das heißen sollte, das wußte er nicht, und nur die beiden geistlichen Herren im Dorf übersetzten die Worte mit einern feinen Lächeln, Der alte Cramer eröffnete eine Kolonial- und Spezereihand1ung. Wenn man das Bier bis dahin von der Neuwieder Brüdergemeinde in sogenannten 'Änkerchen' bezogen hatte, so braute man bald auch in Kirchen in zwei Häusern. Im Jahre 1858 errichteten Cronraths auf dern Buchenhof eine Brauerei, und Eckebenders (später Balz am Kirchplatz) machten sogar ein Hotel auf, Den Feierabend genossen die Dorfleute bei Engel Strüders, bei Morgenschweis oder im heutigen Jägerheim, das man damals der streitbaren Tochter wegen 'Zurn roosigen Bersen' nannte.

Unser Bild zeigt den Laden des Eeinkosthauses Gustav Haubrich in der Bahnhofstraße.

46. Die Bahnhofstraße hat einst ruhigere Tage gesehen, als sie noch der Postweg (rnit einem Zollhäuschen in der Mitte) war, an den noch heute diealte Poststraße erinnert, die durchs Rußloch hoch über den Höhenrücken nach Wissen führte. Zwei Lokale an der Straße nahmen die auswärtigen Gäste auf, es waren die Hotels Zur Traube (Strüder/Macario) und Zum Bahnhof (Jakob Harr/Heikaus), wo am 1. Januar 1889 ein großer Saal eröffnet wurde, der von da an auch die Kirchener Turner beherbergte. In beiden Gastwirtschaften versammelte sich allabendlich eine fröhliche Tafelrunde mit langen Pfeifen und in Pantoffeln. Es wird berichtet, daß sich die manchmal schwer angeschlagenen .Honoratioren für einige Markstücke in die Vereinskasse von zwei rüstigen Sanitätern auf der Tragbahre nach Hause bringen ließen.

Später nahm die Reichsbanknebenstelle wie das Büro der Gewerkschaft Storch & Schöneberg ihren Platz in dieser Straße ein. Auf der gegenüberliegenden Stelle hatte die Reichsbahn für die Fabriken und Bergwerke ringsum achtzehn Kohlen- und Erzplätze abgeteilt. Vom Weißenstein und Giebelwald, vom Glücksbrunnen und der Wilhelmine fuhren die Pferdekarren heran. Von 1885 an ließ die Lokomotivfabrik Jung ihre Maschinen aus dem Werk in Jungenthal von sechs und mehr Pferden an die Verladerarnpe bringen.

Ganz am Anfang der Straße (unser Bild) stand das ansehnliche Wohnhaus des Bergassesors Walther Siebel (ganz links) mit seinen Stallungen und Remisen und anschließender Parkanlage. Gegenüber das 1840 von Alwine Siebel erbaute Forsthaus, an dem vorbei die Brückenstraße ins Oberdorf hinaufführt, Bleibt noch das Haus des Metzgermeisters Kar! Alexander Bender zu erwähnen, daß im Jahre 1797 erbaut wurde, als der französisch-österreichische Krieg schwer und drohend über den Westerwald ging. Der Eckstein zum Hause des Steuerempfängers Johann Jost Lerner 'ward geleget am 9. Februar des Heils 1801... da durch den Frieden zu Luneville unsere Heimath nassauisch-usingisch geworden.'

47. Allmänlich bereitet sich uns eine liebliche Überraschung vor. Üppige Fluren, wie wir sie längst vermißt, ûberfluthen das ganze Thal und neben uns rieseln tausend kleine Kanälchen in bunten Netz-Stromungen iiber die endlosen Thalmatten, ihre glitzemden.Silberflächen halb unter Smaragdhalmen verborgen - der ganze Thalboden erscheint wie von zitterndem Leben ilberhaucht. ... Die Sieg entspringt in 608 Metern Höhe südlich des Ederkopfes und durchfließt das rechtsrheinische Schiefergebirge in ungefähr ostwestlicher Richtung in einer Lauflänge von 144 Kilometern. Die Wasserführung ist erheblich, da der Fluß durch eines der niederschlagsreichsten Gebiete des westlichen Deutschlands verläuft. Eine Talaue ist überall vorhanden und ihre durchschnittliche Breite beträgt 150 Meter. Oft hat der Fluß jedoch an den Außenseiten der Mäander durch Weiterentwickeln derselben eine Aue geschaffen, die mehr als doppelt so breit ist. Bei Kirchen zeigt die Landschaft infolge ihrer großen Flußdichte und tiefen Zertalung einen äußerst unruhigen Charakter. Von Betzdorf ab, wo der Hellerbach einmündet, verläuft sie in westlicher Richtung. Von kürzeren und längeren Partien geraden Flußlaufes unterbrochen, bleibt der rnäanderhafte Eindruck bis zur Mündung in den Rhein bestehen. Der höchste Wasserstand von Sieg und Asdorf wird allgemein im Januar und Februar registriert. Längere Regenperioden führten oft zu überschwemmungen, wobei von der Asdorf die größte Gefahr ausging.

Unser Bild zeigt den Fluß am Ostabhange des Molzberges, wo bis ins vorige Jahrhundert eine Kobaltgrube betrieben wurde. Hier im Grubenhäuschen Alexander war der Steiger Heinrich Adam David Becher mit seiner Frau Karoline zuhause. Auch sein Sohn Wilhelm. später Küster der evangelischen Pfarrgemeinde, lebte hier.

48. An seinem 52. Geburtstage verschied nach viertägigem Krankenlager in Jungenthal der Kommerzienrat Arnold Jung. War ein Kolkrabe über sein Haus geschwebt, hatte ein Maulwurf nahebei in der Erde gewühlt oder war gar ein Käuzchen im nächtlichen Flug an das Fenster der erleuchteten Krankenstube geflattert und hatte sein 'Kiwitt, kiwitt' (Komm mit, komm mit) gerufen?

Am 8. Januar 1911 wurde im dunklen Gemach das Licht angezündet und die Uhr abgestellt. Die zur Totenwacht vorgesehenen Frauen flüsterten geheimnisvoll, ob der Kranke zuvor von Fischen geträumt habe. Um den Dahingeschiedenen trauern die Gattin, zwei Töchter und ein Schwiegersohn. Eine große Anzahl Würdenträger in Frack und Zylinder, die Kirchener Vereine und die Arbeiter der Lokomotivfabrik, die ihm voll zugetan waren, begleiteten unter Gebeten und sichtlicher Sammlung den Totenwagen zum alten Friedhof.

Hier liegen unter den Symbolen des Todes und der Auferstehung (das Stundenglas mit den Flügeln, der aufwärtsstrebende Schmetterling, die dem Himmel entgegenjubilierende Lerche, der Engel mit dem Mohnbüschel als Sinnbild des Schlafes, das Rad der Zeit und die verlöschende Fackel) Kirchens bedeutendste Familien begraben. Am einfachen Totenmahl, das in einem Gasthofe oder dem Sterbehaus bei Kaffee, Streusel- und Mandelkuchen eingenommen wird, nehmen im allgemeinen nur die nächste Verwandtschaft, die Nachbarn und vor allem die Totengräber teil.

Arnold Jung, 1859 geboren, studierte in Aachen Berg- und Hüttenwesen und kehrte 1885 nach Kirchen zurück, wo er mit seinem Freunde Steimer die Lokomotivfabrik im Jungenthal gründete. Trotz seiner Arbeitslast aber fand er noch Zeit, an anderen industriellen Geschäften mitzuwirken und stellte als energischer Verfechter öffentlicher Interessen seine reichen Erfahrungen mit seltener Hingabe in den Dienst dieser Unternehmungen. Langjähriges Mitglied der Handelskammer zu Koblenz, Kreisdeputierter und Mitglied des Provinzialvorstandes der Nationalliberalen Partei, hat er sich stets als begeisterter Freund des Vaterlandes erwiesen.

49. An einern schönen Herbstmorgen plaudern unter den Ahornbäurnen, wo Linden- und Bahnhofstraße sich gabeln, die jungen Mädchen über den noch wohlbekannten Metzgerrneister Louis Spornhauer, der während des Ersten Weltkrieges als Oberwachtmeister vorübergehend bei einer Einheit in Oldenburg stand. Eines Tages herrschte der nervöse Hochbetrieb, wie er bei Besichtigungen üblich war. Der General ist eingetroffen und schreitet die Fronten ab, Plötzlich bleibt er stehen, klopft dem Oberwachtmeister auf die Schulter und meint: 'Mein lieber Spornhauer! Mej lewer Jong! Heut Oowend träfen mir os em Offizierskasino em Ratskeller!' Maßloses Erstaunen bei Offizieren und Kameraden. Zwei Kirchener hatten sich gefunden. Der General war Albert Cramer, der den alten Kirchenern noch gut bekannte Sohn des Kaufmann Eduard Cramer und der Juliana Dorothea Stein. Als der Louis arn Abend, das Offizierskasino betretend, seinen direkten Vorgesetzten, einen Major, und die vielen, glanzenden Uniformen sieht, da sinkt sein Mut und er macht Anstalten, das Feld zu räumen. Da aber hatte ihn der General erblickt und die Situation erkennend sagte er zu ihm: 'Ech hatte Dir doch gesaat, datt mir os zusaamen eenen trenken wollten!' UVd die Bedenken des Wachtrneisters zerstreute er mit den Worten: 'Nee Mensch, dat gefft et net, gekneffen wird net, die säin jo doch net mier wie mir zwien och!'

Es kann noch verraten werden, daß sich der Umtrunk bis gegen Morgen hinzog, Spornhauer war der einzige, der arn nächsten Tag pünktlich zum Dienst erschien und der später ein guter Jagdgefährte seines Majors wurde.

50. Kahnpartie auf der Sieg bei der Sigambria. 'Voyageure' ließen sich - ganz der Naturbetrachtung hingegebenin ihren Kähnen über die Au bis zur Mühle treiben. Die Mitglieder des Rudervereins maßen ihre Kräfte in zahlreichen Wettkämpfen, die von der Kahnstation längs der Chaussee, einer herrlichen Allee, bis zum Deutschen Haus in Betzdorf führten. Aber was gab es Schöneres, als eine Kahnpartie mit der geliebten Braut? Ein romantisches Plätzchen zu finden war nicht schwer. Die Gewässer des Siegflusses und Asdorfbaches wiesen einen verhältnismäßig reichen Fischbestand auf: Hecht und Aal, Karpfen und Forelle, Barbe, Esche, Schleye, den Weißfisch und die Grundeln. Lachse und Salme aber erreichten nur selten zur Laichzeit die hiesige Gegend. Die Erlaubnis zur Ausübung der Fischerei war für den Fremden Kurgast leicht zu erlangen.

Nach friedlichen Jahren zogen 1688 wieder Kriegsvölker mit Marketenderinnen, Marodeuren und Haarkräuslern im Gefolge über die alte Poststraße, die von Katzwinkei herüberkornmt und im Asdorftal einmündet. Weil im Kirchdorf gerade die Pest wütete, nisteten sich die Soldaten auf den Höfen im Rußloch und Molsberg ein. Sie angstigten die Mägde, durchsuchten Keller und Speicher und führten das Vieh fort. Jost, der älteste Sohn des Molzbergbauern, soll daraufhin einen der wüsten Fremdlinge erdrosselt haben und mußte fliehen, ohne jernals zurückzukehren. Anne aber, die blühende Tochter des Rußlochhofes, die ihm versprochen war, verlor ob dieses Verlustes und von harter Willkür bedrängt ihren Verstand. In der Sylvesternacht auf das Jahr 1689 zogen sich dichte Rauchschwaden über den ausgebrannten Dörfern Almersbach und Leuzbach zusammen und der Feuerschein beleuchtete den Abzug der fremden Söldner vom Westerwald und der Sieg und ausgeplündert blieben auch die Höfe zurück,

51. Die Vorturnerschaft des Turnvereins Kirchen für das Jahr 1905. Eine Aufnahme vom 9. Oktober 1904: vorne Wilhelm Diehl (links) und Robert Kohlhas; mittlere Reihe (von links) Gustav Meyer, Artur Köhler, Friedrich Hassel (erster Turnwart), EmU Gliß und Jakob Mignou. Hintere Reihe (von links) Eduard Panthel, Bernhard Geil (zweiter Turnwart) und Peter Schneider (Zeugwart).

Auf dern XIII. Gauturnfest, das am 20. und 21. Juni 1908 in Kirchen stattfand, maßen die Sportsleute ihre Kräfte im Sechskampf an Reek, Barren und Pferd, im Stabhochsprung (der damals als amerikanische Neuheit sehr populär war), Stemmen und Laufen sowie Musterriegenturnen.

Das Fest begann am Samstag, nachmittags um halb drei, mit dem Empfang der auswärtigen Turner und Kampfrichter am Bahnhof Kirchen: Wohnungskarten werden gleichzeitig im Gasthof zum Bahnhof abgegeben. Viertel nach drei folgt eine Kampfrichtersitzung im Vereinslokale, dem sich um halb acht (pünktlich) der Marsch vom Biirgermeisteramt im Oberdorf zum Festlokal auf der Sigambria anschließt. Dort abends Jubelfeier des Turnvereins, woran sich sämtliche Vereine Kirchens mit einem Militärkonzert, tumerischen und theatralischen Vorstellungen und Chorgesängen beteiligen: Der Sonntag (21. Juni) beginnt mit dem Weckruf schon um fiinf in der Friihe, denn der Beginn des Einzelwetturnens ist auf sechs Uhr festgelegt. Während des Hauptgottesdienstes wird das Turnen unterbrochen. Um elf Uhr ein Konzert der Kapelle des 9. Fuß-Art.Reg. und Fortsetzung des Wetturnens. Nachmittags um halb zwei Antreten sämtlicher Vereine auf dem Kriegerfestplatz, dem sich Freiübungen, allerlei Vorführungen und das Ringen anschließen. Das Fest endet um halb acht mit der Sieger-

verkûndung und anschließendem Tanz. .

52. Kaum zwei Wochen nach dem Tode des Vaters, wird Heinrich Hermann Kraemer am 12. November 1812 geboren. Nachdem sich die Mutter in zweiter Ehe mit dem Provisor Friedrich Rupprecht vermählt hatte, war es selbstverständlich, daß der junge Mann später auch die Apothekergeschäfte übernahm. Unterdessen haben die drei Töchter des Hüttenschulzen Johann Daniel Stein das Vaterhaus zu einem beliebten Versammlungsort der jungen Welt werden lassen, von dem sich auch der Apothekersohn angezogen fühlt, der hier seine Frau, Auguste Stein (24. Dezember 1811 bis 5. März 1872) kennenlemt. Dem Paar werden drei Söhne geschenkt, doch die Gesundheit der liebenswürdigen, sanften und treu für die Familie sorgenden Frau ist nicht die beste und erfordert öftere, meist in Kreuznach zugebrachte Kuraufentha1te.

Von dem Apotheker wird erzählt, daß er ein strenger Mann gewesen sei, doch wurden auch milde Züge seines Wesens bekannt. So soll er die unbezahlten Rechnungen der armen Leute zerrissen und fortgeworfen haben. Trotz dieser Großzügigkeit florierte das Geschäft und es wird berichtet, daß er Filialen nicht nur in Daaden, sondern auch in Betzdorf, Wissen und Gebhardshain gehabt habe. Heinrich Kraemer starb am 13. Dezember 1875.

53. Otto Stein wurde am 16. Juli 1854 als zweiter Sohn des Königlichen Kommerzienrates und Grubenbesitzers Theodor Stein (1819-1892) geboren. Nach zweijährigem Studium an der Bergakademie in C1austhal bildete er sich nach der Militärzeit bei Karl Stein in Kirchen und von 1880 bis 1882 in Brüssel und London in dem von ihn gewählten kaufmännischen Berufe aus. Zur Orientierung der dortigen Bergwerks- und Hüttenverhältnisse unternahm er zwischenzeitlich Reisen in England und Schottland. Nach seiner Rückkehr trat er in das väterliche Geschäft ein und vermählte sich am 19. Februar 1884 mit Anna Dorothea Jung. Nach der Heirat zog das junge Paar in das 1881/1882 von seinem Vater erbaute Haus, das von einem schönen Garten umgeben war. Im Jahre 1908 erwarb Otto Stein, nach dem Tod von Fräulein Mathilde Jung, das gegenüberliegende Besitztum, in dem dann seine Schwiegermutter bis zu ihrem Tode wohnte.

Otto Stein war ein sehr kunst- und naturliebender Mensch, der sehr viel Freude an seiner schönen Heimat hatte. Weil er den Bliek über die Höhen des Siegerlandes besonders schätzte und ihn auch anderen Menschen zugänglich machen wollte, schenkte er seinem Heimatort den nach ihm benarmten 'Ottoturm', einen Aussichtsturm in Stahlkonstruktion. Am 9. November 1918 verstarb er und hinterließ neben seiner Frau Anna, den Sohn Theodor und die Töchter Elisabeth, Margarete (verheiratet Schumacher) und Helene (verheiratet Vorlaender),

54. Im Winter, an harten Frosttagen, rollten mit Eisschollen beladene schwere Pferdefuhrwerke knirschend über den gefrorenen Schnee vom Eisweiher in Niederasdorf zum am Ostabhange des Molsberges gelegenen Eiskeller der Sigambria. Das helle Gebäude, das mit seinen Zinnen und Schächten eher wie eine Burg anmutet, befand sich an der Wegescheide zur Alexanderhöhe und dem Grubenhäuschen an der Sieg. Zum Hofgut Schwelbel (wo damals Capito, Strüder, Brühl und andere von Kirchen Pächter waren) gehörte auch das zwei Morgen große Schafstallwäldchen, wo vor über hundert Jahren der Kirchener Schäfer noch seine Schalmeien ertönen ließ.

Spaziert man durch die Hetzbach und an einer vorspringenden Felsnase (der 'Loreley') vorbei, erreicht man den einstmals künstlich angelegten Molzberger Weiher in einem sehr verlassenen Winkel des Jungerwaldes. Dieser Weiher, der den Alten zur Fischzucht diente, ist heute zu einem unfruchtbaren Tümpel verschlammt. Hier befanden sich einst auch die Feldfluren der Hetzbach und des Molsherges und die auffallenden Bodengestaltungen weisen auf eine frühere Besiedlung hin. Der Sage nach soll hier auf der Ochsenwiese ein Bauernhof gestanden haben, besondere Linienführungen im Gelände deuten auch auf ein römisches Heerlager. Auf der Ostseite des Berges müssen die Sigambrer ihren Bergpaß, den Hileweg, gegen die Römer verteidigt haben.

Nach vorhandenen Urkunden befanden sich auf dem Molsberg drei Erbpachthöfe und ein Lehenhof mit herrschaftlichem Wohnhaus: Hof Rußloch und Molsberg in der Kirchener Gemarkung, ein größerer Hof in der Hetzbach und em altes Junkernhaus nebst Ochsenwiese. Am 18. April 1809 hat die nassauische Regierung zu Ehrenbreitstein 'das im gänzlichen Verfall seiende Gehöft auf dem Molsberg abzubrechen verordnet', womit ohne Zweifel der Kirchener Hof gemeint war.

50. Kahnpartie auf der Sieg bei der Sigambria. 'Voyageure' ließen sich - ganz der Naturbetrachtung hingegebenin ihren Kähnen über die Au bis zur Mühle treiben. Die Mitglieder des Rudervereins maßen ihre Kräfte in zahlreichen Wettkämpfen, die von der Kahnstation längs der Chaussee, einer herrlichen Allee, bis zum Deutschen Haus in Betzdorf führten. Aber was gab es Schöneres, als eine Kahnpartie mit der geliebten Braut? Ein romantisches Plätzchen zu finden war nicht schwer. Die Gewässer des Siegflusses und Asdorfbaches wiesen einen verhältnismäßig reichen Fischbestand auf: Hecht und Aal, Karpfen und Forelle, Barbe, Esche, Schleye, den Weißfisch und die Grundeln. Lachse und Salme aber erreichten nur selten zur Laichzeit die hiesige Gegend. Die Erlaubnis zur Ausübung der Fischerei war für den Fremden Kurgast leicht zu erlangen.

Nach friedlichen Jahren zogen 1688 wieder Kriegsvölker mit Marketenderinnen, Marodeuren und Haarkräuslern im Gefolge über die alte Poststraße, die von Katzwinkei herüberkornmt und im Asdorftal einmündet. Weil im Kirchdorf gerade die Pest wütete, nisteten sich die Soldaten auf den Höfen im Rußloch und Molsberg ein. Sie angstigten die Mägde, durchsuchten Keller und Speicher und führten das Vieh fort. Jost, der älteste Sohn des Molzbergbauern, soll daraufhin einen der wüsten Fremdlinge erdrosselt haben und mußte fliehen, ohne jernals zurückzukehren. Anne aber, die blühende Tochter des Rußlochhofes, die ihm versprochen war, verlor ob dieses Verlustes und von harter Willkür bedrängt ihren Verstand. In der Sylvesternacht auf das Jahr 1689 zogen sich dichte Rauchschwaden über den ausgebrannten Dörfern Almersbach und Leuzbach zusammen und der Feuerschein beleuchtete den Abzug der fremden Söldner vom Westerwald und der Sieg und ausgeplündert blieben auch die Höfe zurück,

51. Die Vorturnerschaft des Turnvereins Kirchen für das Jahr 1905. Eine Aufnahme vom 9. Oktober 1904: vorne Wilhelm Diehl (links) und Robert Kohlhas; mittlere Reihe (von links) Gustav Meyer, Artur Köhler, Friedrich Hassel (erster Turnwart), EmU Gliß und Jakob Mignou. Hintere Reihe (von links) Eduard Panthel, Bernhard Geil (zweiter Turnwart) und Peter Schneider (Zeugwart).

Auf dern XIII. Gauturnfest, das am 20. und 21. Juni 1908 in Kirchen stattfand, maßen die Sportsleute ihre Kräfte im Sechskampf an Reek, Barren und Pferd, im Stabhochsprung (der damals als amerikanische Neuheit sehr populär war), Stemmen und Laufen sowie Musterriegenturnen.

Das Fest begann am Samstag, nachmittags um halb drei, mit dem Empfang der auswärtigen Turner und Kampfrichter am Bahnhof Kirchen: Wohnungskarten werden gleichzeitig im Gasthof zum Bahnhof abgegeben. Viertel nach drei folgt eine Kampfrichtersitzung im Vereinslokale, dem sich um halb acht (pünktlich) der Marsch vom Biirgermeisteramt im Oberdorf zum Festlokal auf der Sigambria anschließt. Dort abends Jubelfeier des Turnvereins, woran sich sämtliche Vereine Kirchens mit einem Militärkonzert, tumerischen und theatralischen Vorstellungen und Chorgesängen beteiligen: Der Sonntag (21. Juni) beginnt mit dem Weckruf schon um fiinf in der Friihe, denn der Beginn des Einzelwetturnens ist auf sechs Uhr festgelegt. Während des Hauptgottesdienstes wird das Turnen unterbrochen. Um elf Uhr ein Konzert der Kapelle des 9. Fuß-Art.Reg. und Fortsetzung des Wetturnens. Nachmittags um halb zwei Antreten sämtlicher Vereine auf dem Kriegerfestplatz, dem sich Freiübungen, allerlei Vorführungen und das Ringen anschließen. Das Fest endet um halb acht mit der Sieger-

verkûndung und anschließendem Tanz. .

52. Kaum zwei Wochen nach dem Tode des Vaters, wird Heinrich Hermann Kraemer am 12. November 1812 geboren. Nachdem sich die Mutter in zweiter Ehe mit dem Provisor Friedrich Rupprecht vermählt hatte, war es selbstverständlich, daß der junge Mann später auch die Apothekergeschäfte übernahm. Unterdessen haben die drei Töchter des Hüttenschulzen Johann Daniel Stein das Vaterhaus zu einem beliebten Versammlungsort der jungen Welt werden lassen, von dem sich auch der Apothekersohn angezogen fühlt, der hier seine Frau, Auguste Stein (24. Dezember 1811 bis 5. März 1872) kennenlemt. Dem Paar werden drei Söhne geschenkt, doch die Gesundheit der liebenswürdigen, sanften und treu für die Familie sorgenden Frau ist nicht die beste und erfordert öftere, meist in Kreuznach zugebrachte Kuraufentha1te.

Von dem Apotheker wird erzählt, daß er ein strenger Mann gewesen sei, doch wurden auch milde Züge seines Wesens bekannt. So soll er die unbezahlten Rechnungen der armen Leute zerrissen und fortgeworfen haben. Trotz dieser Großzügigkeit florierte das Geschäft und es wird berichtet, daß er Filialen nicht nur in Daaden, sondern auch in Betzdorf, Wissen und Gebhardshain gehabt habe. Heinrich Kraemer starb am 13. Dezember 1875.

53. Otto Stein wurde am 16. Juli 1854 als zweiter Sohn des Königlichen Kommerzienrates und Grubenbesitzers Theodor Stein (1819-1892) geboren. Nach zweijährigem Studium an der Bergakademie in C1austhal bildete er sich nach der Militärzeit bei Karl Stein in Kirchen und von 1880 bis 1882 in Brüssel und London in dem von ihn gewählten kaufmännischen Berufe aus. Zur Orientierung der dortigen Bergwerks- und Hüttenverhältnisse unternahm er zwischenzeitlich Reisen in England und Schottland. Nach seiner Rückkehr trat er in das väterliche Geschäft ein und vermählte sich am 19. Februar 1884 mit Anna Dorothea Jung. Nach der Heirat zog das junge Paar in das 1881/1882 von seinem Vater erbaute Haus, das von einem schönen Garten umgeben war. Im Jahre 1908 erwarb Otto Stein, nach dem Tod von Fräulein Mathilde Jung, das gegenüberliegende Besitztum, in dem dann seine Schwiegermutter bis zu ihrem Tode wohnte.

Otto Stein war ein sehr kunst- und naturliebender Mensch, der sehr viel Freude an seiner schönen Heimat hatte. Weil er den Bliek über die Höhen des Siegerlandes besonders schätzte und ihn auch anderen Menschen zugänglich machen wollte, schenkte er seinem Heimatort den nach ihm benarmten 'Ottoturm', einen Aussichtsturm in Stahlkonstruktion. Am 9. November 1918 verstarb er und hinterließ neben seiner Frau Anna, den Sohn Theodor und die Töchter Elisabeth, Margarete (verheiratet Schumacher) und Helene (verheiratet Vorlaender),

54. Im Winter, an harten Frosttagen, rollten mit Eisschollen beladene schwere Pferdefuhrwerke knirschend über den gefrorenen Schnee vom Eisweiher in Niederasdorf zum am Ostabhange des Molsberges gelegenen Eiskeller der Sigambria. Das helle Gebäude, das mit seinen Zinnen und Schächten eher wie eine Burg anmutet, befand sich an der Wegescheide zur Alexanderhöhe und dem Grubenhäuschen an der Sieg. Zum Hofgut Schwelbel (wo damals Capito, Strüder, Brühl und andere von Kirchen Pächter waren) gehörte auch das zwei Morgen große Schafstallwäldchen, wo vor über hundert Jahren der Kirchener Schäfer noch seine Schalmeien ertönen ließ.

Spaziert man durch die Hetzbach und an einer vorspringenden Felsnase (der 'Loreley') vorbei, erreicht man den einstmals künstlich angelegten Molzberger Weiher in einem sehr verlassenen Winkel des Jungerwaldes. Dieser Weiher, der den Alten zur Fischzucht diente, ist heute zu einem unfruchtbaren Tümpel verschlammt. Hier befanden sich einst auch die Feldfluren der Hetzbach und des Molsherges und die auffallenden Bodengestaltungen weisen auf eine frühere Besiedlung hin. Der Sage nach soll hier auf der Ochsenwiese ein Bauernhof gestanden haben, besondere Linienführungen im Gelände deuten auch auf ein römisches Heerlager. Auf der Ostseite des Berges müssen die Sigambrer ihren Bergpaß, den Hileweg, gegen die Römer verteidigt haben.

Nach vorhandenen Urkunden befanden sich auf dem Molsberg drei Erbpachthöfe und ein Lehenhof mit herrschaftlichem Wohnhaus: Hof Rußloch und Molsberg in der Kirchener Gemarkung, ein größerer Hof in der Hetzbach und em altes Junkernhaus nebst Ochsenwiese. Am 18. April 1809 hat die nassauische Regierung zu Ehrenbreitstein 'das im gänzlichen Verfall seiende Gehöft auf dem Molsberg abzubrechen verordnet', womit ohne Zweifel der Kirchener Hof gemeint war.

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