Kreuzberg, Neukölln und Tempelhof in alten Ansichten

Kreuzberg, Neukölln und Tempelhof in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. Gustav Sichelschmidt
Gemeente
:   Kreuzberg, Neukölln und Tempelhof
Provincie
:   Berlin
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1247-5
Pagina's
:   112
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kreuzberg, Neukölln und Tempelhof in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Die drei südöstlichen Westberliner Bezirke Kreuzberg, Neukölln und Tempelhof haben zusehends an eigenem Kolorit gewonnen, für das auch der Fremde bald ein sicheres Gespür entwickelt. Wer etwa seine nostalgischen Neigungen befriedigen möchte, wird am ehesten in Kreuzberg auf seine Kosten kommen. Hier findet er in der Tat noch ein wenig von der Schrnuddelromantik der Hinterhöfe, denen viele etwas vom flüchtigen Charme eines Berliner Montmartre zubilligen wollen.

Immerhin, Kreuzberg ist von den zwölf Westberliner Bezirken der einzige, der sich nicht aus einem historischen Ortskern herausdestilliert hat. Dieser Bezirk integriert vielmehr noch beachtliche Partien des legendären alten Berlin, die Luisenstadt, die südliche Friedrichstadt und schließlich die dem Berliner Weichbild vorgelagerte Tempelhofer Vorstadt. Gerade in Hinblick auf diese respektable Tradition bietet Kreuzberg heute kulturkritischen Traktätchenschreibern handfeste Beweisstücke für ihre These von der künstlerischen Regression und Impotenz unserer Zeit. Die städtebaulichen Fehlleistungen der Wiederaufbauphase dieses erbarmungslos verwüsteten Bezirks sind zu penetrant, als daß man darüber generös zur Tagesordnung übergehen könnte. In ein umso

helleres Entzücken versetzt uns jede Entdeckung antiquierter Relikte ehemaliger architektonischer Könnerschaft, etwa einer noblen Häuserfassade oder eines harmonisch abgestimmten Treppenaufgangs.

Was Kreuzberg immer noch auszeichnet, ist die urbane Gemütlichkeit seiner zahlreichen Kneipen, aus denen das spezifische Kreuzberg-Fluidum von anno dunnemals noch keineswegs gewichen ist. Hier rückt man menschlich noch etwas enger zusammen als anderswo in der Millionenstadt, weil man sich über gesellschaftliche Reglements erhaben fühlt. Auch wenn einem der Sinn nicht gerade nach problematischen subkulturellen Eskapaden steht, schnuppert man zuweilen doch gern etwas von der Bohemeluft dieses Quartiers. Im übrigen tritt gerade Kreuzberg immer noch den Beweis dafür an, daß Häßlichkeit sich nicht eben schlecht verkauft und daß ein gewisser proletarischer Touch heute sogar wahre touristische Wunder zu vollbringen vermag.

In Neukölln weht da der Berliner Wind bereits ungleich schärfer. Dieser Bezirk kann nicht mit Superlativen aufwarten, obwohl er mit seinen 270 000 Einwohnern unter den Berliner VerwaItungsbezirken den absoluten Bevölkerungsrekord hält, Mehr als acht Prozent der Berliner wohnen hier auf etwas mehr als

fünf Prozent des Stadtgebietes. Trotzdem hat dieser Parvenü unter Berlins Bezirken durchaus keinen Grund, seine Minderwertigkeitskomplexe zu kultivieren. Selbst jene Polka von der Musike in Rixdorf, die den ehrbaren Namen dieses Gemeinwesens um die Jahrhundertwende zu diskriminieren schien, ist längst von musealem Glanz umgeben. Wenigstens dieser Makel verdunkelt nicht mehr das blütenreine Bild einer rechtens um ihre Reputation bemühten Gemeinde, seitdem sie sich mit allerhöchster Erlaubnis im Jahre 1912 den ungleich pompöseren Namen Neukölln zulegen durfte.

Schließlich konnten sich auch die alten Rixdorfer mit berechtigtem Stolz auf die Johanniter als den Gründern ihrer Gemeinde berufen, und das Wappen der erst 1899 bei einem Stand von 85 000 Einwohnern zur Stadt erhobenen Kommune weist nicht nur das Johanniterkreuz auf, sondern auch einen Abendmahlskelch, der auf die Ansiedlung der wegen ihres Glaubens verfolgten Böhmen anspielt. Heute ist Neukölln jedenfalls innerhalb der Rumpfstadt Westberlin mit seinen achthundertsiebzig industriellen Betrieben eines der rührigsten Produktionszentren geworden. Aber es .kann auch auf seine noch bewirtschafteten Bauernhöfe verweisen, vor allem aber auf

die Britzer Baumblüte, die das früher in Werder stattgehabte Blütenwunder würdig zu ersetzen versucht. Auch Tempe1hof bekennt sich selbstbewußt zu seiner dörflichen Vergangenheit. Dieser Bezirk erstreckt sich heute in einer Länge von mehr als zwölf Kilometern vom Rande des Kreuzbergs bis hin nach Lichtenrade an der südlichen Peripherie Berlins. Der Tempelhofer Damm, der sich dann irn Mariendorfer- und Lichtenrader Damm fortsetzt, ist immer noch ein Teil jener Landstraße, die vom Gertraudentor nach Sachsen führte, wenn auch die Absurdität politischer Entscheidungen sie blockierte.

Die Tradition dieses Bezirks, dem an der industriellen Kapazität Westberlins ein Löwenanteil zufällt, knüpft sich an die kolonisatorische Tätigkeit der Templer, denen Ort und Bezirk ihren Namen verdanken. Seinen internationalen Ruf allerdings verschaffte ihm das alte Ternpelhofer Feld, das vom Paradeplatz der preußischen Armee zum Großflughafen avancierte. Die Romantik des Berliner Südostens ist längst passé. Es bleibt zu wünschen, daß sie in diesem Ansichtskartenalbum noch einmal ein wenig von jener höheren Realität gewinnt, die wir in verklärender Rückschau immer mehr zu bewundern und daher auch zu lieben beginnen.

1. Den Belle-Alliance-Platz, den heutigen Mehringplatz, ließ Friedrich Wilhelm 1. bereits als 'Rondeel' anlegen, das, unmittelbar am Halleschen Tor gelegen, 1843 mit einer achtzehn Meter hohen Friedenssäule von Cantian, für die Christian David Rauch den Friedensengel schuf, geschmückt wurde. Der Platz wurde im Krieg völlig zerstört und ist inzwischen nach einem neuen Konzept wieder aufgebaut worden.

2. Am Hallcsehen Tor wurden an Stelle des alten Tores zwei auf dieser Karte gut erkennbare städtische Gebäude von Hofbaurat Strack im Jahre 1879 errichtet. Im Volksmund wurden diese Häuser als 'Magistratsklaviere' bezeichnet.

ger/in. J(ochóahn J(allesch'!s 'Cor.

3. Die Belle-Alliance-Brücke, die frühere Schafgraben- oder Hallesche Torbrücke, wurde in den Jahren 1874 bis 1875 als massiver Neubau errichtet. Mit 33,6 Meter Breite war sie die breiteste Brücke Berlins überhaupt. Ihr Bogen überwölbt mit einer Spannweite von 18,8 Metern den Landwehrkanal. Sie war mit Marmorgruppen geschmückt, die die Schiffahrt, die Fischerei, den Handel und das Gewerbe symbolisierten.

4. Bis 1884 hieß der jetzige Blücherp1atz noch 'Platz am Halleschen Tore'. An der Stelle, an der 1954 die Amerika-Gedenkbibliothek eröffnet wurde, befand sich früher die Tabagie 'Neu-Amerika', eine Kombination von Gasthof und Zoologischem Garten. Im zweiten Stock des später hier errichteten Gebäudes unterhielt die Heilsarmee von 1895 bis 1909 ihr Hauptquartier. Im Jahre 1910 wurde dieses Haus abgerissen.

5. Die Gegend um den Blücherplatz entwickelte sich um die lahrhundertwende zu einern blühenden Geschäftsviertel. Auch die Firma Aschinger errichtete hier eines ihrer beliebten Lokale.

6. Die Kirche 'Zum Heiligen Kreuz' am Johannistisch in unmittelbarer Nähe des Hallesehen Tores wurde von Baurat Otzen entworfen und im Oktober 1888 geweiht. Diese 'Kreuzberger Kathedrale' ist ein stattlicher Kuppelbau aus roten Backsteinen rnit vier Türmchen auf der Vierung. Der Grundriß zeigt ein griechisches Kreuz. Der Bau erlitt schwere Kriegsschäden und konnte nach schwierigen Renovierungsarbeiten 1958 wieder für den Gottesdienst freigegeben werden.

Stadtmissionsxirche am JohannistiWl 6.

7. Die originelle Stadtmissionskirche entstand 1884 am Johannistisch 6, jener Straße, deren Name noch an die Johanniter, die ehemaligen Besitzer der Ländereien vor dem Halleschen Tore, erinnert. In dieser 'Schrippenkirche' wurden vor dem Kriege Bettlern und Obdachlosen 'zwei Schrippen, ein Becher Kaffee und ein Wort für die Seele' verabfolgt.

8. Nahe der Ecke Belle-Alliance und Y orkstraße befand sich neben dem Belle-AllianceTheater die heute unter Denkmalschutz stehende und als Finanzamt verwendete Kaserne des 1. Garde-Dragoner-Regiments,

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