Kreuzwertheim in alten Ansichten

Kreuzwertheim in alten Ansichten

Auteur
:   Manfred Schneider
Gemeente
:   Kreuzwertheim
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5315-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kreuzwertheim in alten Ansichten'

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6. Mainpartie in Kreuzwertheim um 1900. Doch so trennend, wie Zuckmayer schrieb, wirkte der Fluß zwischen Kreuzwertheim und seiner Schwesterstadt eigentlich nie. Bereits 1362 bezeugt eine Urkunde Kaiser Karls IV. eine Überfahrt. Eine Fähre, der übrigens Kurt Tucholsky ein Iiterarisches Denkmal gesetzt hat, bestand bis 1968. Die erste Mainbrücke wurde 1880-1882 gebaut. Eine zweite entstand erst jüngst unterhalb Kreuzwertheims, in Haslocher Richtung.

Eine 'Schicksals- und Wesensgrenze' , wie Carl Zuckmayer schrieb, wurde der Main hierzularide jedenfalls nicht. An beiden Ufern fühlt man sich Franken zugehörig, Winzer füllen ihre guten Tropfen hüben wie drüben in Bocksbeutel ab, und die Arbeitnehmer pendeln heute ohne Rücksicht auf Bonapartes Politik in beiden Richtungen über Frankeris Mutterfluß.

Im alten Mainviertel über dem Fluß wohnen viele Geschichten. Jedes Haus, jeder Hof könnte erzählen, unter jedem Dach verbirgt sich Wissenswertes. Im sogenannten Schillerhaus (links) lebte und verstarb der Dichter DL Ludwig Storch, ein vielgelesener Autor seiner Zeit, der im thüringischen Ruhla geboren wurde und hier am Main mit Unterstützung der Schiller-Stiftung seinen Lebensabend verbrachte.

Dahinter wird ganz am Bildrand ein Treppengiebel sichtbar. Er gehört zum jetzigen Fürstlich-LöwensteinWertheim-Rosenberg'schen Weingut. Es residiert in jenem Anwesen, das bereits 1594 von dem Schultheißen Peter Herrschaft errichtet wurde und seitdem nichts von seiner Majestät eingebüßt hat. Der Weinhändler galt zu Lebzeiten als reichster Bürger des Ortes und in der Geschichte Kreuzwertheims als wichtigste Persönlichkeit überhaupt.

Das 'Sunnewärdshäüsloa', dem Ufer am nächsten, beherbergte in seinem lauschigen Garten sogar eine Kegelbahn. Sie gehörte zu dem majestätischen Fachwerkbau des Gasthauses 'Zur Sonne', dessen Westgiebel vom Kirchplatz auf die übrige Dachlandschaft herabschaut und nur vom Kirenturm überragt wird.

Warum der verwinkelte Bereich zwischen Kirchplatz und Main im alten Kreuzwertheim nur 'Glasscherbenviertel' hieß, ist nicht eindeutig verbürgt. Wahrscheinlich, weil dort ständig zerbrochene Flaschen aus der nahen Brauerei herumlagen. Vielleicht wollte man mit dem Namen aber auch nur auf das sympathische Dureheinander und den ungeordneten Charakter der Bebauung hinweisen.

(Foto: Archiv Hans Wehnert.)

7. Bliek von der Wertheimer Burg auf Kreuzwertheim um 1912. Ein Postkarten-Panorama, aufgenommen vom königlich bayerischen Hoffotografen Constantin Samhaber aus Asschaffenburg: der Bliek von der Wertheimer Schloßruine auf die Landspitze zwischen Main und Tauber. Nur zwei weitere Städte in Deutschland, so hört man die Fremdenführer sagen, nur zwei zwischen Sylt und Königssee, ließen sich da mit der Main- Tauber-Stadt vergleichen: Passau und Koblenz,

In Haslocher Richtung, dort, wo man inzwischen eine zweite Mainbrücke errichtet hat, steht eine geschlossene Fläche mit Obstbäumen, im wesentlichen Äpfel und Zwetschgen, die man wegen des milden Klimas hier bevorzugt anbaute. Die Flußnähe verhinderte weitgehend schädliche Spätfröste und garantierte gute Ernten. Vor allem Zwetschgen oder, wie es im Volksmund heißt: die 'Quätschich', machten Kreuzwertheim bekannt und führten dazu, daß man seinen Einwohnern in der Umgebung eben diesen Spitznamen verlieh. Im Bild links ist jener gefährliche Strudel im damals noch ungezähmten Main sichtbar, der so manchem Kahn zum Verhangnis wurde. Auch nach dem Ende der Leinreiter-Schiffahrt und der Einführung der Kettenschiepper ist das Ufer noch völlig baumfrei. Das ermöglichte die unverstellte Sicht von hüben nach drüben, auf das Dorf, die Stadt gegenüber und allerlei Details beiderseits des Flusses. Am Fährplatz liegen mehrere Holzstapel, die auf dem Fluß abtransportiert wurden.

Das Mainufer ist gesäumt von Buhnenfeldern und dazwischenliegenden Mauern im Strom, die erst nach dem Bau der Stauwehre vom Wasser überflutet wurden. Solche Buhnenfelder zogen sich nahezu am gesamten Kreuzwertheimer Ufer entlang, ideale Laichplätze für viele Fischarten, die damals einen ganzen Berufsstand ernährten, Von den Alten kann man noch hören, wie sie als Kinder zum heimlichen Fang an die 'Bäue' schlichen, um mit Schnelligkeit, Geschick und einem Reehen so manchen Fisch zu erbeuten.

Walter Herz aus Kreuzwertheim ist als letzter Berufsfischer der einst weitverbreiteten Zunft übriggeblieben, hat jedoch zum Jahresbeginn 1991 seine Arbeit eingestellt.

(Foto: Sammlung Manfred Schneider.)

8. Bliek ûber die Mainfähre auf Kreuzwertheim im Iahr 1882. 'Flüsse sind Wege, die gehen und einen tragen, wo man selbst gehen möchte;' sagt Blaise Pascal.

Von jener war der Main eine belebte Verkehrsader. Durch die Jahrhunderte hat sich daran bis heute nichts geändert, nur verlagerte sich die Bedeutung der Schiffahrt weg vom Personen- und hin zum Gütertransport. Der Fluß wurde den Bedürfnissen der Industriegesellschaft entsprechend kanalisiert.

Flüsse mögen trennen, doch Flußübergänge sind Mittler. Dieses verbindende Element zeigte sich hierzulande am deutlichsten, als die Mainfähre zwischen Kreuzwertheim und der Schwesterstadt hin- und herpendelte. Solange es keine feste Brücke gab, klang das 'Fährmann holüber!' lange Zeit zwischen beiden Ufern. Wohl lag der älteste Flußübergang einige Kilometer stromauf, dort, wo der Heunweg aus dem Spessart über den Sporn des Betringbergs hinab zur Mainschleife führte. Bei Urphar, dessen Name sich schon anhört, als sei er der Sage entlehnt, durchquerte die Furt auf einer Felsbank das reißende Wasser. Im gleichen Maß aber, wie dieser Mainübergang an Bedeutung verlor, wuchs der neue zwischen den gegenüberliegenden Siedlungen bei der Taubermündung heran. Eine von Kaiser Karl IV. im Jahr 1362 unterzeichnete Urkunde beweist eindeutig, daß damals bereits eine Fähre bestanden haben mußte. Sogar einen Brückenbau hatte man seinerzeit in Erwägung gezogen.

Die hier abgebildete Fähre am tiefliegenden Seil soll die letzte gewesen sein, welche vor Übergabe der neuen Mainbrücke zwischen Kreuzwertheim und Wertheim am 2. Juli 1882 den Fluß überquerte. Fast könnte man meinen, die Menschen hätten damals schon das spätere Schicksal ihrer langvertranten Verbindung geahnt, als sie sich fotografieren ließen. Viele wollten auf dem Bild abgelichret sein und für die Nachwelt festgehalten werden: Ein Pferdefuhrwerk und viele Passagiere wurden ans bayerische Ufer übergesetzt, ein Bild, das sich ähnlich bis in die Mitte unseres Jahrhunderts erhalten hat.

Die Einführung der Kettenschiffahrt auf dem Main brachte es mit sich, daß die bisherigen Ouerseilfähren in Hochseilfähren umgewandelt werden mußten. 1896 auch beim Kreuzwertheimer Fahr.

(Foto: Archiv Hans Wehnert.)

9. Hochseilfûhre nach Kreuzwertheim nach 1896. Die Königlich Bayerische Regierung von Unterfranken und Asehaffenburg erklärte sich am 12. Oktober 1895 gegenüber der Großherzoglichen Generaldirektion der Badischen Staatseisenbahnen bereit, die Kosten für eine entsprechende Umrüstung der Fähre zwischen Kreuzwertheim und Wenheim zu tragen. Die beiden Masten und das 187 Meter lange Hochseil kamen dabei in badisches Eigenturn. Die neue Fähre am hohen Seil betrieb zu Anfang der Pächter Michael Götz, den man im Bild vorn (hemdsärmelig) erkennt. Und wie es schien, hatte er genug zu tun! Genaugenommen setzte der Niedergang des Fahrs bereits mit dem ersten Brückenbau ein. Doch erst mit der rasanten Entwieklung des motorisierten Straßenverkehrs beschleunigte sich das Siechtum der Mainfähre. Im gleichen Maß, wie die Menschen auf ihren vierrädrigen Untersatz umstiegen und die politisch Verantwortlichen dem blechernen Lieblingskind ihrer Untertanen Vorfahrt gewährten, gingen die Passagierzahlen der Fähre zurück, Zuletzt verirrte sich nur ganz selten noch ein Fahrzeug auf die schwankenden Planken. Man mußte ja auch seinen Obolus für die Überfahrt entrichten. während die Brückenbenutzung kostenlos blieb. Nur Fußgänger, denen der Weg über die Brücke zu weit war, blieben dem Fährmann treu, Generatienenlang lieferten die 'Kreüzerner Milchweiber' in großen Kannen Milch 'nü die Schdoadt' und brachten von dort die neuesten Nachrichten rnit. Schließlich fand die Mainfähre sogar Eingang in die Literatur: Als Kurt Tucholsky, der unverwüstliche Berliner Bürgerschreck und Antiphilister , im Herbst 1927 sich mit zwei befreundeten Zechkumpanen weinselig durch die fränkische Bocksbeutel-Landschaft soff, kam er an einem Mittwoch vom Kloster Bronnbach tauberabwärts an den Main:

Der Herbst tont, und die Wälder brennen. Wir sind in Wertheim gewesen, wo der Main als ein Bilderbuchfluß dahinsträmt und wo die Leute mit einer Fähre übersetzen wie in einer Hebelschen Erziihlung, Drûben, in Kreuzwertheim, war Gala-Pracht-Eroffnungsvorstellung des Welt-Zirkus. Vormittags durfte man die wilden Tiere ansehen: einen maßlos melancholischen Eisbiiren, der in der vergitterten Schublade vor sich hinroch und schwitzte; etwas Leopard, und einen kleinen Panther, den die Zirkusjungfrau auf den Arm nahm, das Stück Wildnis, Da kratzie er. Und die Jungfrau sagte zur Wildnis: 'Du [alscher Fuffziga!' Das konnten wir nicht mitansehen, und da gingen wir fort.

(Foto: Archiv Hans Wehnert.)

10. Mainfáhre nach Kreuzwertheim um das Iahr 1905. Luftige Kleidchen, Strohhüte und barfüßige Kinder. Sommer ist ins Land gezogen. 1896 war der bis dahin bestehenden Ouerseilfähre die wegen der Kettenschleppschiffahrt notwendig geword ene Hochseilkonstruktion gefolgt. Auf Wertheimer Seite luden die Sandschöpfer aus ihren Schelehen das mühsarn vom Grund des Flusses heraufgeholte Gut ab. Von hier aus transportierten dann Bauern mit Fuhrwerken den Sand überall dorthin, wo er gebraucht wurde. Bevor er aber endgültig abgeholt war, gab der künstlich geschaffene Strand den Kindern einen vergnüglichen Spielplatz ab.

Die Ietzte Verbindung, eine Hochseiltähre im Eigenturn der Bahn, rentierte sich nach Wiederherstellung der im Krieg zerstörten Mainbrücke bald nicht mehr. Kein Wunder bei solchen Tarifen: Man zahlte pro Person 20 Pfennige, mit Schiebkarren oder Handwagen einen Groschen mehr. Ein Stück Großvieh kostete ebenfalls 20 Pfennige. Zuletzt nutzten werktags hauptsächlich Schüler zum Wertheimer Gymnasium die billige Überfahrt, die Monatskarte für drei Mark. Sonntags tat es ihnen in umgekehrter Richtung eine Schar kaffee- und kuchenhungriger Ausflügler aus dem Badischen gleich. Sie strömten zuerst um den sonnenverwöhnten Kaffelsrein und hinterher zum legendären 'Café Seppl'.

Am 12. Februar 1968 wurde die Mainfähre endgültig stillgelegt. An Fußgänger und Radfahrer hatte keiner gedacht, als man das Aus beschloß.

Wie viele Erinnerungen verbinden sich mit der alten Fähre! Oder mit den Fährleuten! Einer der letzten kam aus Kreuzwertheim: Johann Günzelmann. In aller Herrgottsfrühe, noch ehe der Hahn dazu gekommen wäre, sich den Schlaf aus den Flügeln zu schlagen, mußte der Fährer heraus und über die Brücke radeln, um drüben loszumachen, Und häufig genug wurde er noch bei Dunkelheit vom anderen Ufer gerufen, wenn einer verspätet übersetzen wollte. Unvergessen das Bild, wenn sich der Johann das grobe Ölzeug übergezogen hatte, um sich vor dem Regen zu schutzen. Bei Hochwasser und flußabwärts treibenden Eisschollen blieb die Fähre auf Höhe des Grünauer Hofs oder in der unteren Tauber vor Anker. Dann brachten die Fährer einen großen Schelch zum Einsatz, manövrierten mit langen Fahrbäumen, und nicht wenigen Passagieren lief bei der Überfahrt ein Schaudern über den Rücken, ehe sie wieder das sichere Ufer erreicht hatten.

(Foto: Sammlung Manfred Schneider.)

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