Kreuzwertheim in alten Ansichten

Kreuzwertheim in alten Ansichten

Auteur
:   Manfred Schneider
Gemeente
:   Kreuzwertheim
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5315-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kreuzwertheim in alten Ansichten'

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11. Wertheimer Viehmarkt mit Bliek auf Kreuzwertheim um 1905. Auf Wertheimer Seite fand am Mainufer, dort, wo jetzt Parkuhren stehen, die Menschen ihren Einkaufsbummel starten und tägliche Tausende von Automobilen vorüberrauschen, noch ein gemütlicher ländlicher Viehrnarkt statt. Zwischen den Menschengruppen erblickt der Betrachter des Bildes drei Kühe. Hohe Kastanien grenzten die Straße zum Mainplatz ab. Heute haben Grün und Asphalt die Plätze getauscht.

Jetzt macht sich im Dorf drüben keiner mehr Sorgen, wie das Vieh zu füttern sei. Was dort in den Stallungen steht, läßt sich inzwischen an den Fingem zweier Hände abzählen, Landwirtschaft hat ausgedient. Es begann mit Realteilung. Flurzersplitterung, Erbengemeinschaften. Überproduktion und Preisverfall gaben den Rest. Die meisten Ställe wurden schon vor zwei Jahrzehnten geschlossen, jetzt liegen die letzten Höfe im Sterben. Zu viele sind bereits tot. Eine bedauernswerte Anämie breitet sich aus.

Seines Bodens wegen ist Kreuzwertheim nicht gegründet worden. Nur emsiger Fleiß rang der sandigen Flur hier Ertrag ab. Dem Landmann wird nichts, wurde noch nie etwas gescheukt, das süße Leben ist andernorts erfunden worden. Und wenn die Herbststürme den lockeren Ackerboden aufwirbeln, hört man deshalb nur noch wenige Alte bekümmert sagen: 'D' Agger is widder unnerwäächs!'

Unter Vordächer und in funktionslos gewordenen Schennen gestapelt, lagert das notwendige Handwerkszeug von damals, fault eine Karre, rostet ein Pflug. Und mit den Gerätschaften gehen die Kenntnisse und Fertigkeiten der Väter und Großväter unserer Generation von Allesnichtswissern unwiederbringlich verloren.

So war es nur eine Frage der Zeit, wie lange man auf den Fluren im weiten, flachgewellten Tal entlang der Lengfurter Straße noch beobachten konnte, wie Robert Bach als letzter Bauer Kreuzwertheims den Pflug von seinen geduldigen Arbeitspferden ziehen ließ. Ein Bild mit Seltenheitswert, für das nicht wenige der vorüberkommenden Autofahrer den Fuß vom Gaspedal nahmen, Und manch einer hielt an, stieg aus und knipste, Im März 1988 war es auch damit vorbei,

(Foto: Sammlung Manfred Schneider.)

12. Bliek auf den Kreuzwertheimer Fährplatz um 1909. Holz galt als Reichtum des Spessarts. Man brauchte es zum Hausbau, für Schiffe und als Eisenbahnschwellen, vor allem aber als Grubenholz in den Bergwerken des Ruhrgebiets und schaffte es bis nach Holland. Auf dem Main ließ es sich kostengünstig flußab transportieren. Dazu stapelte man wahre Holzberge an verschiedenen Uferplätzen. Später wurden sie auf Schiffe verladen oder zu Flößen gebunden.

Die Flößerei hatte eine lange Tradition auf Frankens Herzfluß, dem vielgewundenen Main. So war es am billigsten, Holz zu transpertieren. Lustig war das Flößerleben wohl auch, vor allem aber knochenharte und gefährliche Arbeit, die ihren Mann ernähren mußte. Das Flößen prägte Schiffsleuten und Leinreitern ähnliche Typen, abgehärtet und mutig, nach außen rauh, aber herzensgut. Ein Menschenschlag, der mit Gevatter Tod und mit dem Herrgott zugleich auf gutem Fuß stand.

Ein Floß maß durchschnittlich 80 Meter, sieben bis acht Stammlängen, und band ungefähr 200 Baumstämme. Um die Jahrhundertwende passierten jährlich bis 1 800 Flöße aus dem Fichtelgebirge, dem Frankenwald, aus den Haßbergen und der Rhön den Main, ehe die Flößerei 1958 eingestellt wurde. Zuletzt fuhr im Juni 1987, von Lohr kommend, ein Floß an Kreuzwertheim vorbei. Man hatte es anläßlich der 700-Jahrfeier Miltenbergs eigens zusammengebunden und für mitreisende Ausflügler zurechtgemacht, mit Musikkapelle und Bratwurstgrill.

Die Kähne auf dem Bild vermitteln einen Eindruck davon, wie jene Fahrzeuge ausgesehen haben, die vor Einführung der Motorschiffahrt von Pferden auf dem Leinweg beiderseits des Mains gezogen werden mußten und ab 1896 in unserem Flußabschnitt nach und nach von den Schleppzügen der 'Moakuh' abgelöst wurden.

Noch lange nach dem Ende der Leinreiter-Schiffahrt und der Einführung der Kettenschiepper blieb das Ufer baumfrei. Heute verdeckt aus dieser Sichtposition eine hohe Pappelreihe den Blick auf die Gebäudezeile der Brauerei.

Kreuzwertheim drüben hat sich vor allem im Bereich der Junkersgasse verändert. Das parallel zum Main stehende Haus an ihrem unteren Ende war schon urn die Jahrhundertwende abgerissen worden. Die übrigen folgten bis 1920, um den Schloßbewohnern die Aussicht zu verschönern.

(Foto: Sammlung Geschichts- und Heimatsverein Kreuzwertheim. )

13. Bliek vom Wertheimer Burgweg auf Kreuzwertheim um 1915. Fremde, die heute ihr Fahrzeug an die Tauberrnündung lenken, kommen häufig nur zufällig in die Marktgemeinde. Eigentlich haben sie das größere Wertheim auf der anderen Mainseite zum Ziel, fühlen sich angezogen von dessen PostkartenPanorama, seiner romantischen Burg, den Fachwerkbauten am Marktplatz oder auch der einzigartigen Lage auf der Landspitze zwischen Main und Tauber.

In der badischen Nachbarstadt ist der Tonrismus inzwischen professionalisiert. Bisweilen vergißt man jedoch, darauf hinzuweisen, daß Wertheims Wiege eigentlich auf dem bayerischen Ufer stand. Dort hat alles angefangen, Aber längst schon hat, kein Zweifel. die Kleinstadt unter der machtigen Burgruine ihrem Gegenüber den Rang abgelaufen. So kommt, wer dem Ruf der Prospekte und Werbeplakate gefolgt ist, nur nach Kreuzwertheim, wenn er vielleicht gerade den Spessart durchquert hat oder eben das Iiebliche Taubertai kennenlemen möchte.

Doch was sich in der Schwesterstadt bis heute entwiekelt hat, fand einst am Kreuzwertheimer Ufer seinen Anfang. Die Ursiedlung 'Werdheim' lag nördlich des Flusses, und bis heute tendieren die Wertheimer weit stärker in Richtung Würzburg als nach Heilbronn , Karlsruhe oder Stuttgart.

Man muß immer wieder genau hinsehen und die Details der Häuser und vor allem ihrer Dächer betrachten, um die zeitliche Abfolge der Bilder wenigstens einigermaßen genau festlegen zu können, Bei der Kulisse Kreuzwertheims läßt sich dies am leichtesten an der Brauerei Lutz bzw, dem früheren Gasthaus 'Zum Löwen' erreichen. Kein anderer Gebäudekomplex wurde so häufig und so markant umgebaut. Diesmal ist es die Dachgaupe auf dem Brauhaus, die hinzugekommen ist.

Das sogenannte Schillerhans in der Rathausgasse, in dem der thüringische Dichter Bernhard Ludwig Storch seinen Lebensabend verbrachte und worin er am 5. Februar 1881 verstarb, ist gerade eingerüstet.

(Foto: Archiv Hans Wehnert.)

14. Kreuzwertheimer 'Milchweiber' im Iahr 1927. Solange es in Kreuzwertheim keine eigene Milchsammelstelle gab, brachten die Frauen täglich die Milch über den Main 'nü die Schtoadt', nach Wertheim, ans badische Ufer und verkauften sie dort direkt an die Verbraucher. So spannen sich auf diese Weise enge Verbindungen zwischen Wertheimer und Kreuzwertheimer Familien, die häufig genug über Generationen 'weitervererbt' wurden.

Im Bild festgehalten sind zwei Vertreterinnen der berühmten 'Milchweiber' , wie sie am badischen Ufer auf die Fähre warten: Appolonia Enz und Barbara Wolf. An der 'Brauerei Lutz' wird das Hauptgebäude gerade umgebaut.

Rosa Müller, die Wertheimer Mundartdichterin, hat auf ihre Weise die Erinnerung 'On unner Kreuzemer Millichweiwer' festgehalten:

Wos ich euch norr frööche will: 'Worüm is es dann sou schdill Hier, wenn kaum der Dooch na graut?

Sunst, do wor' sch doch früh sou laut; Klabber, klabber, klöbber, kling.

Schnadder, schnadder, 'Bärwel schbring!

Wennsde mied willst, mußde eile! 's Fohr is hüwwe alleweile!'

1936 riß diese Tradition ab, nachdem auf Regierungsbeschluß hin in Kreuzwertheim eine eigene Milchsammelstelle eingerichtet werden mußte. Längst ist sie wieder geschlossen. Landwirtschaft hat ausgedient.

Auf Kreuzwertheimer Seite erinnert noch der Name der 'Fährgasse' an die einstige Verbindung über den Fluß. Was ansonsten von ihr übriggeblieben ist, sind neben wehmütigen Erinnerungen und einigen Fotos gerade noch die gepflasterten Anlegestellen. Ganz verwaist sind sie freilich nicht, denn im Sommer lassen dort zunehmend die Freizeitkapitäne ihre PS-starken Renommierkähne zu Wasser.

(Foto: Archiv Hans Wehnert.)

15. Kániglich-bayerischer Keuenschiepper Nr. 1 vor Kreuzwertheim urn 1930. Als am 9. Dezernber 1841 'La Jeanne d'Arc' erstmals ohne Pferde und Leinreiter , dafür aber stamptend und qualmend sich gegen die Strömung von Mainz flußauf nach Bamberg kämpfte, begann auf dem Main die Ära der Dampfschiffahrt. Kurz zuvor hatte sich am 16.117. November 1841 in Würzburg die 'Gesellschaft für die Errichtung der Dampfschiffahrt auf dem Main' konstituiert. Damit erlangte der Fluß seine Bedeutung für den Verkehr zurück, die wegen der Grenzziehung schon verlorenzugehen drohte. Jetzt schmeichelten die Bayern dem badisohen Großherzog, um dessen Zustimmung und Unterstützung für ihr Vorhaben zu bekornmen: Der schone, reichbebaute Strom des Maines gehört theilweise zu dem Lande Eurer Königlichen Hoheit. Eine seiner namhoftesten Handelsstädte, Wertheim, liegt an demselben. Bisher nach mehreren Seiten fast isoliert, kann die Belebung des Verkehrs des Mains nur höchst varteilhaft auf den Handel dieser betriebsamen Stadt wirken. Nach solch wohlgesetzten Worten mochte sich der Großherzog der neuen Zeit nicht versagen. Am 14. Juni 1842 erteilte er seine Zustimmung, nachdem auch der bayerische König schon zum 21. März 1842 seine Erlaubnis erteilt hatte.

Doch erwiesen sich schon bald die Dampfboote mit ihren großen Antriebsrädern auf dem Main als ungeeignet. Wo die Wassertiefe gering war, gab es häufig Grundberührung und Maschinenschäden. Einen Ausweg bot die Kettenschleppschiffahrt, und so trafen sich am 12. Januar 1884 Schiffer, Firrneninhaber und Kaufleute in Würzburg zur Gründung einer 'Vereinigung zur Förderung der Mainschiffahrt'. Wieder hatte eine neue Ära begonnen.

Auf dem Flußbett wurde eine 314 km lange Eisenkette verlegt, die von den Schiffen über ein Zahnrad aufgenommen wurde und an denen sich eine ganze Reihe von Schleppkähnen strornaufwärts ziehen ließ, Jedes einzelne der 4 700 000 Glieder dieser gewaltigen Kette wog 675 Gramm.

'Moakuh' nannte man jene Ungetürne mit den hohen Schornsteinen, die vor Brikken umgelegt werden mußten, und die ihre Ankunft rnit dem langgezogenen tiefen Ton einer Dampfpfeife ankündigten. Gerade 4,5 km/h schnell krochen die Schleppverbände rnit weit hörbarem Kettenrasseln bergwärts. 1893 erreichte der erste Schleppzug Miltenberg. und zwischen 1895 und 1936 gehörte die 'Moakuh' auch in unserem Flußabschnitt zum vertrauten Bild der Mainlandschaft, So wie jenes Kettenboot 'DRG. KS NT. l' vor der Kulisse Kreuzwertheims, Es fuhr im Auftrag der Reichsbahn und hatte seinen Heimathaten in Asehaffenburg. Mit der Mainkanalisierung ging das Zeitalter der Kettenschiepper 1936 zu Ende.

(Foto: Sammlung Walter Herz.)

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