Kreuzwertheim in alten Ansichten

Kreuzwertheim in alten Ansichten

Auteur
:   Manfred Schneider
Gemeente
:   Kreuzwertheim
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5315-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kreuzwertheim in alten Ansichten'

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16. Mainbrückenbau im Jahr 1880, vom Wertheimer Ufer aus gesehen. Es war ein gewaltiges Unternehmen, zu damaliger Zeit ohne moderne, leistungsstarke Maschinen eine Brücke über den Fluß zu schlagen. Der massive Einsatz menschlicher Arbeitskraft machte es dennoch möglich, und die Bauzeit stand der heutigen nicht einmal nach,

Am 30. Juli 1880 begarm die Firma Franz Xaver Brandl aus Nürnberg mit den Gründungsarbeiten, und bereits am 1. Oktober 1881 konnte man die Eisenbahnbrücke ihrer Bestimmung übergeben. Damit fand Kreuzwertheim Anschluß an ein neues Zeitalter, denn jetzt war die Schienenverbindung nach Lohr möglich. Freilich forderte dieses Vorhaben allein drei Tunnelbauten, zwei davon unmittelbar vor bzw. nach der neuen Brücke. Im Zentrum des Bildes ist sichtbar, wie der Einschnitt zum Kaffelsteintunnel gegraben wird.

Der doppelte Brückenschlag dierite als Zwillingskonstruktion sowohl der Eisenbahn als auch dem Straßenverkehr. Am 1. Juli 1882 bestand das nach Entwurf des damaligen Direktors der Firma MAN, Heinrich Gerber, errichtete Bauwerk die Belastungsprobe von 54 550 kg und konnte am 2. Juli 1882 auch für den Straßenverkehr eröffnet werden. Neben den schnaufenden Dampfrössern rumpelten zu jener Zeit freilich nur wenige Fuhrwerke über den Main ans andere Ufer. Die Straßenbrücke bestand bis 1932, ehe sie umgebautwurde.

Doch nicht einmal100 Jahre währte das Eisenbahnzeitalter in Kreuzwertheim. 1881 hatte es mit dem vollendeten Brückenschlag über den Main hoffnungsfroh seinen Anfang genommen. Die Bahn führte von Wertheim über Marktheidenfeld nach Lohr, ein Bummelzug, dem im Laufe der Jahrzehnte das Automobil die Fahrgäste stahl. 1976 wurde die Linie eingestellt.

Unterhalb des im Bau befindlichen Brückenpfeilers ist auf dem Fluß ein Schelch mit Sandschöpfern sichtbar. Solange es noch keine industriell betriebenen Sandgruben gab und bis Bagger ihr Werk verrichteten, mußten die Menschen vom Boot aus in mühsamer Arbeit Sand aus dem Fluß schöpfen. Dies geschah anfangs mit HandkeIlen an meterlangen Stangen. Vor allem Fischerfarnilien gingen solcher Arbeit nach, weil sie die Kähne besaßen und die Fischerei nicht mehr genug zum Lebensunterhalt abwarf. Am Ufer schaufelte man den Sand aus den Schelehen lange Zeit in Schubkarren. Später hievte ihn ein Kran auf der Kaimauer bei der Taubermündung, erst hand-, nach 1910 dampfgetrieben, in Lastwagen und Eisenbahnwaggons.

(Foto: Sammlung Harald Müller.)

17. Mainbrûckenauffahrt auf Kreuzwertheimer Seite um 1920. Staunend hörten einst die Kinder aus dem Mund ihrer Eltern von einer erlebnisreichen 'Weltreise': Für zwei Groschen konnte man Ende des vorigen Jahrhunderts durch zwei Länder; über zwei Flüsse, zwei Brücken und obendrein durch zwei Tunnels Eisenbahn fahren. Doch sollte es nur die Reise von einem Bahnhof zum anderen sein, und sie sollte nur wenig länger als zwei Minuten dauern. Des Rätsels Lösung: eine Eisenbahnfahrt von 'Kreüz' nach Wertheim oder umgekehrt! Daß sich damals kaum ein Reisender zu dem weitabliegenden Kreuzwertheimer Bahnhof bemühte, um dort einzusteigen, wird in dem Rätsel freilich verschwiegen. Das hat seine eigene Geschichte. Ursprünglich nämlich sollte die Bahntrasse, von Lohr her kommend, nach dem Bettingberg-Tunnel nördlich des Rainbergs zum Wertheimer Bahnhof verlaufen. Weil aber zur Zeit des Streckenbaus Bauern im Dorf das Sagen hatten und um ihre Ackerflächen fürchteten, mußte die Eisenbahn einen anderen Weg nehmen. Woas neü is, dauchd niggs, lautete die damalige Devise, und das entscheidende Argument des Kreuzwertheimer Bürgermeisters überzeugte alle seine Untertanen in der gemeinsamen Ablehnung des neumodischen Verkehrsmittels: Ihr Leüd, schdelld eüch vor, 's is Äroa. Di Leüd foahroa Fruchd hoam, un's schdehd oa Gewidder om Himml, un die Schrankoa soan zu! Ihren Bahnhof hatten die Kreuzwertheimer danach weitab anlegen lassen; man mußte vom Dorf aus erst gut zwei Kilometer flußauf gehen, ehe man dorthin kam. Gleich hinter der 1984 demontierten Brücke überquerten Darnpfrösser und Schienenbusse die Fahrbahn, um kurz darauf im Kaffelsteintunnel zu verschwinden. Am Ende der 'Bahnhofstraße" , die ihren Namen so eigentIich nicht mehr verdient, stehen zwar noch die verwaisten Gebäude, aber Züge kommen nicht mehr vorbei. Das Kapitel Eisenbahn ist für Kreuzwertheim zu Ende geschrieben. Der 'Bubikopf', Baureihe 64, die BR 50 und BR 86, früher allenthalben bekannte Dampfrösser, kommen nicht mehr vorüber. Vorbei auch die Zeit der dieselbetriebenen Loks V 60 und V 90, dazu der Schienenbusse VT 95 und VT 98. Am hiesigen Bahnhof war der Personen-, Stückgut- und Expreßverkehr schon zum 14. September 1967 eingestellt worden. Von der Öffentlichkeit kaum beachtet, fuhr der letzte Zug am 29. Mai 1976 von Wertheim nach Lohr. Gleise, Schranken und Signale wurden abgebaut, ebenso das blecherne 'Dienstzimmer' des Schrankenwärters. Telegraphenmasten, Warnkreuz, Läutwerk, Schranken und Handkurbel sind verschwunden. Geblieben sind lediglich drei Gebäude in typischer Bahnhofsarchitektur. Das erstere bei der Brückenauffahrt fungierte als Schrankenwärterhaus, die beiden anderen, zwei Kilometer außerhalb der geschlossenen Siedlung, nannten sich 'Bahnhof', wenngleich dort die Reisenden zumeist fehlten. Den Eingang des Tunnels, zu dem die Schienen im Vordergrund hinführen, hat man 1983 mit Abraummaterial vom Wertheimer Kavernenbau zugeschüttet.

(Foto: Sammlung Manfred Schneider.)

{lruss aus CWertlieim G. tJTl.

18. Partie am Haslocher Turm um 1912. Wo der Verkehr durch den Ort flutet und spätestens seit blaue Hinweisschilder den Weg zur nahen Autobahn zeigen, hat Kreuzwertheim sein Gesicht gründlich gewandelt. Mit der 'guten alten Zeit' ist es längst vorbei.

An der Ecke zur Haslocher Straße aber dominiert bis heute ein uraltes Gemäuer und schaut zu dem historisierenden, gleichwohl gelungenen Fachwerkneubau einer Bank herüber. Es ist ein Überbleibsel des Ortskerns, den schon Eberhard Kieser vor sich sah, als er 1626 eine Ansicht von Kreuzwertheim in Kupfer stach, versteinertes Mittelalter, geharnischte Vergangenheit. Hier endete einstmals das mit Mauern bewehrte Dorf, ein Tor gewährte Durchlaß und schloß sich vor ungebetenen Frernden. Außerhalb der Ortsbefestigung, welche ursprünglich vier Türme verband, blieben die Bewohner ohne Schutz. Erst die Raumnot zwang die Menschen gegen Mitte des vorigen Jahrhunderts, zur 'Neugasse' hin auszusiedeln,

Fast hätte eine zeitweise unerschütterliche Fortschrittswut des Wirtschaftswunders den mittelalterlichen Turm hinweggefegt. Er stand zu weit in der Straße, hinderte am Rundumblick und war vielen Autofahrern ein unerträglicher Dorn im Auge.

Schließlich gelang es den Geschichtsbewußten um den Heimatforscher und Gastwirt Peter Hofmann, sich durchzusetzen. Der Turm blieb erhalten, aber doch nicht stehen, mußte eine Manipulation ertragen. Auf neue Fundamente gesetzt, schob man den Riesen mittels hydraulischer Kraft zur Seite, feierte dabei ein Volksfest, und heute ist jeder im Ort froh, der Geschichte keine weitere Wunde geschlagen zu haben. Mittlerweile hat sich an gleicher Stelle ein Supermarkt niedergelassen, Zahnarztpraxis darüber, im Untergeschoß ein Bistro. Man hat sich auf die neue Zeit eingerichtet, hier, am Beginn der Hauptstraße, kann direkt vom Stapelregal in den Kofferraum einladen und trägt wie alle andern auch übers halbe Ziffernblatt zum allgemeinen Verkehrsgewühl bei.

Damals ging es noch gemächlicher zu: Vor dem Turm, mit Mütze und Schnurrbart, erkennt man den Bürgermeister von 1888 bis 1905, Georg Michael Fröber, Mit dabei: ein zeittypisches Vehikelohne Auspuffwolke.

(Foto: Archiv Hans Wehnert.)

19. 'Haslocher Turm' im Jahre 1919. Zwischen dem Rest der spätmittelalterlichen Befestigungsanlage und einern kleinen Wohnhäuschen gegenüber befand sich ein regelrechter Engpaß, der damals aber keinen störte. Von einem folgenschweren Zusammenstoß zweier Pferdefuhrwerke oder Kuhgespanne ist jedenfalls nichts bekannt geworden. Auf dem Turm, den man durch ein niedriges Schlupfloch und über eine Leiter besteigen konnte, hatte sich die Natur ein Plätzchen zurückerobert. Ein Strauch wuchs in luftiger Höhe und schaute auf eine bucklige Dachlandschaft herab.

Klobig und widerborstig stand der mittelalterliche Turm mehr auf als neben der Fahrbahn. Eineinhalb Meter stark sind seine Mauern. Damit erwies er sich standhafter als seine gesamte Nachbarschaft. Neben dem Wehrturm, einern der ältesten Zeugnisse dieser Art in der weiten Umgebung, befand sich ehedem das Turmwächterhäuschen, bevor es im Jahr 1945 unbewohnt einstürzte. Die alte Aufnahme zeigt noch die bescheidene Behausung der 'Tuuroa-Katrinoa'.

Der Ort gedieh fortan, zur Freude seiner Bewohner, und jedermann konnte das an den vielen Neubauten ablesen oder in der Gewerbesteuerstatistik nachrechnen. Manch einer zu beiden Seiten des Mains tat es, mit einem neidischen Unterton in der Stimme. Doch mit der wachsenden Zahl der Automobilbesitzer häuften sich die Stimmen derer, die in Kreuzwertheim um jeden Preis mehr Platz zu schaffen forderten.

Mit den aufkeimenden Wirtschaftswunderzeiten wurde das 4,20 Meter enge Nadelöhr in Richtung Hasloch vor allem den Autofahrern zum Hindernis. Fortschrittswütige Modernisierer wollten das alte Gemäuer am hebsten dem Erdboden gleichmachen und wäre das Geld vorhanden gewesen, man hätte es wohl auch getan, In der heimisehen Presse gab es regelrechte Leserbriefgefechte zwischen Gegnern und Befürwortern des Turms.

Dann traten Denkmalschützer auf den Plan. Vor allem der Gastwirt und Heimatforscher Peter Hofmann focht um den 416 Tonnen schweren steinernen Koloß, bis man eine für alle Seiten befriedigende Lösung gefunden hatte: Mirtels hydraulischer Pressen wurde der Turm auf betoniertem Fundament am 26.127. Juni 1972 zur Seite geschoben. Heute möchte ihn keiner mehr missen!

(Foto: Archiv Hans Wehnert.)

20. Engpaß am Haslocher Turm im Jahr 1927. Eine herrliche Aufnahme, die nicht allein über die Bausubstanz, sondern auch über dörfliches Leben Auskunft gibt. Die Engstelle am Turm bedeutete zu Zeiten, als lediglich vereinzelte Fuhrwerke auf der weitgehend unbefestigten Fahrbahn um die Kurve bogen, noch kein Hindernis. Auch Kinder konnten dort gefahrlos gehen.

Die Scheuer neben dem Turm hat noch ihre alten Ausmaße, ein Prellstein schützt die Ecke vor Beschädigung durch eisenbeschlagene Räder. An der Fassade hängen die damals üblichen emaillierten Reklameschilder, für Briketts und 'Optimol', das Waschmittel 'Persil' und die Schuhcreme 'Erdal' . Dazu ein Plakat mit der Ankündigung des Gauturnfestes. Der Turm trägt neben Buschwerk auch eine primitive Laterne zur Straßenbeleuchtung. Rechts lag das Gasthaus 'Am Turm'. Davor stand auf weiß-blauem Pfahl die Ortstafel. Verschwunden sind die FreiIandleitungen für Telegraphen und Strom, genauso wie die Holzberge, die man seinerzeit zum Heizen brauchte.

Der Hausgiebel rechts gehört zur 1875 erbauten 'Wein- und Bierwirtschaft von Bernhard Fröber', wie ein Schild verkündet. Später entwickelte sich daraus das Gasthaus 'Am Turrn'. Es wurde am 7. Januar 1980 geschlossen. Die letzte Wirtin war Liesel Förstel geborene Hall.

Schöner kann man 'die gute alte Zeit' eigentlich nicht mehr ins Bild setzen. Damals gehörte die unbefestigte Dorfstraße noch ganz den Menschen. Aus den intakten Höfen mit ihren Fachwerkfassaden führten Bauern ihre Fuhrwerke hinaus in die Flur.

Doch längst ist die Beschaulichkeit von Anno dazumal allgegenwärtiger Hektik gewichen. Permanenter Verkehr hält die Straße in Atem, Vorüber sind die Zeiten, da einmal am Tag die Postkutsche vorfuhr oder höchstens ein kuhbespanntes Fuhrwerk übers Pflaster rumpelte. Keiner kann mehr die Fahrbahn überqueren, ohne vorher einen sichemden Bliek nach links und rechts zu werfen. Der Rhythmus des Lebens änderte sich, seit Leiterwagen aus dem Straßenbild verschwunden sind und in den Höfen manches wettergegerbte hölzerne Scheunentor blechernen Schwingtoren weichen mußte. Nun durchfährt man eine Straße, die dem Dorf etwas von der Gesichtslosigkeit vieler städtischer Siedlungen aufzwingt.

(Foto: Sammlung Geschichts- und Heimatsverein Kreuzwertheim. )

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